mini|François Antoine erschießt am 20. September 1765 in einem zur Abtei Les Chazes gehörenden Wald nahe Saint-Julien-des-Chazes einen großen Wolfsrüden. Hinter Antoine steht der Jagdaufseher Reinchard.Jay M. Smith: Monsters of the Gévaudan. The Making of a Beast. Cambridge 2011. S. 224. Auf dem dargestellten Ereignis basiert die Legende, Antoine habe die „Bestie des Gévaudan“ erlegt. Zeitgenössischer Druck, teilweise koloriert.
François Antoine (* 1695; † 8. September 1771 in Dax im heutigen französischen Département Landes) hatte renommierte Positionen am Hof französischer Könige inne und war unter anderem der persönliche Waffenträger (porte-arquebuse: „Arkebusen-Träger“) von Ludwig XV. Berühmt wurde er durch seine Jagd auf die Bestie des Gévaudan, die er fälschlich beanspruchte, erlegt zu haben.Yvonne Bézard: Les Porte-Arquebuse du Roi. Académie de Versailles, des Yvelines et de l’Ile-de-France: Revue de l’histoire de Versailles et de Seine-et-Oise / Société des sciences morales, des lettres et des arts de Seine-et-Oise. Bibliothèque nationale de France, 1924, S. 160–168.
Familie mini|Ludwig XIII. Der Urgroßvater von François Antoine wurde 1614 sein Kammerdiener und legte am Hof den Grundstein für die Karrieren von Familienmitgliedern nachfolgender Generationen. mini|Schloss Versailles zu der Zeit, als François Antoine der persönliche Waffenträger von Ludwig XV. war. Gemälde von Pierre-Denis Martin, 1722
Antoines Vorfahren lebten bis ins 17. Jahrhundert in einfachen Verhältnissen. Jacques Antoine, Urgroßvater von François Antoine, wurde 1614 Kammerdiener von Ludwig XIII. und stand damit als erster der Familie in königlichen Diensten.Yvonne Bézard: Les Porte-Arquebuse du Roi. Académie de Versailles, des Yvelines et de l’Ile-de-France: Revue de l’histoire de Versailles et de Seine-et-Oise / Société des sciences morales, des lettres et des arts de Seine-et-Oise. Bibliothèque nationale de France, 1924, S. 143. Begünstigt durch Protektion und geschickte Heiratsallianzen wurden Familienmitglieder ab den 1630er Jahren mit Aufgaben des höfischen Zeremoniells betraut. Gegen Ende der Regierungszeit von Ludwig XIV. bekleideten sie in Versailles angesehene Ämter; auf das Amt des persönlichen Waffenträgers hatte die Familie Antoine praktisch ein Monopol.Jay M. Smith: Monsters of the Gévaudan. The Making of a Beast. Cambridge 2011. S. 202 f.Yvonne Bézard: Les Porte-Arquebuse du Roi. Académie de Versailles, des Yvelines et de l’Ile-de-France: Revue de l’histoire de Versailles et de Seine-et-Oise / Société des sciences morales, des lettres et des arts de Seine-et-Oise. Bibliothèque nationale de France, 1924, S. 142. Der persönliche Waffenträger begleitete den König unter anderem bei dessen Jagdausflügen zu Pferd und war für die Pflege und Instandhaltung der Schusswaffen des Königs verantwortlich. Als Arkebusen außer Gebrauch kamen, hieß der persönliche Waffenträger weiterhin porte-arquebuse.Yvonne Bézard: Les Porte-Arquebuse du Roi. Académie de Versailles, des Yvelines et de l’Ile-de-France: Revue de l’histoire de Versailles et de Seine-et-Oise / Société des sciences morales, des lettres et des arts de Seine-et-Oise. Bibliothèque nationale de France, 1924, 147 f.
Eltern und Geschwister François Antoines Vater, Jean-Marc Antoine (1669–1737), Seigneur de Champeaux, war ab 1682 persönlicher Waffenträger des Königs und „Inspekteur des Waldes und der Verwaltung in Saint-Germain-en-Laye“ (inspecteur de la forêt et capitainerie de Saint-Germain).Yvonne Bézard: Les Porte-Arquebuse du Roi. Académie de Versailles, des Yvelines et de l’Ile-de-France: Revue de l’histoire de Versailles et de Seine-et-Oise / Société des sciences morales, des lettres et des arts de Seine-et-Oise. Bibliothèque nationale de France, 1924, S. 151, 174. Er wurde 1723 nach vielen Dienstjahren geadelt; damit gehörte auch sein Sohn François dem Adel an.Jay M. Smith: Monsters of the Gévaudan. The Making of a Beast. Cambridge 2011. S. 202 f. François Antoines Mutter, Marie Cécile Le Maire († 1746), war die Tochter eines Pariser Bankiers; sie heiratete Jean-Marc Antoine 1692. François Antoine hatte zwei Geschwister: Françoise Elisabeth und Robert Jean († 1769).Geneanet.org: Jean Marc Antoine. Geneanet.org: Marie Cécile Le Maire.
Ehefrauen und Kinder François Antoine heiratete 1723 Marie Catherine Guérin († vor 1744); Marie Catherines Vater war Präsident (Bâtonnier) der Anwaltskammer des Pariser Parlements. Nachdem Marie Catherine verstorben war, heiratete François Antoine 1744 Elisabeth Longy († 1800); Elisabeth war die Tochter eines wohlhabenden Steuereintreibers.Jay M. Smith: Monsters of the Gévaudan. The Making of a Beast. Cambridge 2011. S. 203.Geneanet.org: François Antoine. Tueur de la bête du Gévaudan.
Aus der Ehe mit Marie Catherine gingen folgende Kinder hervor: Jean François (getauft 1724), persönlicher Waffenträger des Königs, Hauptmann des Kavallerieregiments von Saint-Jal, Träger des Ordens Chevalier de Saint Louis, Erster Bürgermeister von Saint-Germain-en-Laye (1783 bis 1788) Ambroise (* 1727; † 1796), Hauptmann der Kavallerie, Träger des Ordens Chevalier de Saint Louis Marie Cécile (* 1729; † 1788)Yvonne Bézard: Les Porte-Arquebuse du Roi. Académie de Versailles, des Yvelines et de l’Ile-de-France: Revue de l’histoire de Versailles et de Seine-et-Oise / Société des sciences morales, des lettres et des arts de Seine-et-Oise. Bibliothèque nationale de France, 1924, S. 174. Jay M. Smith: Monsters of the Gévaudan. The Making of a Beast. Cambridge 2011. S. 191.Geneanet.org: François Antoine. Tueur de la bête du Gévaudan.
Aus der Ehe mit Elisabeth gingen folgende Kinder hervor: Elisabeth Marie (* 1744; † 1816) Sophie Victoire Robert François Marc Antoine de Beauterne (* 1748; † 1821), persönlicher Waffenträger des Königs als Nachfolger seines Halbbruders Jean François, persönlicher Waffenträger von Napoleon Bonaparte (1805), Chef d’escadron (1817), als Chevalier de la Légion d’honneur Träger des Ordens der Ehrenlegion (1809), Träger des Adelstitels Chevalier de l’empire (1810)Yvonne Bézard: Les Porte-Arquebuse du Roi. Académie de Versailles, des Yvelines et de l’Ile-de-France: Revue de l’histoire de Versailles et de Seine-et-Oise / Société des sciences morales, des lettres et des arts de Seine-et-Oise. Bibliothèque nationale de France, 1924, S. 174. Geneanet.org: François Antoine. Tueur de la bête du Gévaudan.
Karriere François Antoine war sowohl für Ludwig XIV. als auch für Ludwig XV. Kammerdiener und ab 1717 persönlicher Waffenträger von Ludwig XV. Er wurde 1720 Lieutenant im Dragoner-Regiment von Beaucourt und erreichte 1723 den Rang eines Hauptmanns. Ab 1754 bekleidete er in der Verwaltung der königlichen Jagdgründe im Schloss Saint-Germain-en-Laye eine Position als „Sub-Lieutenant der Jagden“ (sous-lieutenant des chasses de la capitainerie de Saint-Germain).Yvonne Bézard: Les Porte-Arquebuse du Roi. Académie de Versailles, des Yvelines et de l’Ile-de-France: Revue de l’histoire de Versailles et de Seine-et-Oise / Société des sciences morales, des lettres et des arts de Seine-et-Oise. Bibliothèque nationale de France, 1924, S. 160. Jay M. Smith: Monsters of the Gévaudan. The Making of a Beast. Cambridge 2011. S. 155. François Antoine wurde 1755 als Chevalier de Saint Louis ausgezeichnet und zum Hüter des königlichen Pulvermagazins und des Kriegswaffendepots ernannt. Er ging 1768 in den Ruhestand.Jay M. Smith: Monsters of the Gévaudan. The Making of a Beast. Cambridge 2011. S. 202 f.Yvonne Bézard: Les Porte-Arquebuse du Roi. Académie de Versailles, des Yvelines et de l’Ile-de-France: Revue de l’histoire de Versailles et de Seine-et-Oise / Société des sciences morales, des lettres et des arts de Seine-et-Oise. Bibliothèque nationale de France, 1924, S. 160 f. Wegen einer rheumatischen Erkrankung verbrachte er 1761 und 1771 Kuraufenthalte in Dax an der südfranzösischen Atlantikküste, wo er am 8. September 1771 starb.Geneanet.org: François Antoine. Tueur de la bête du Gévaudan.
Antoines Jagd auf „die Bestie“ mini|Saint-Florentin schickte Antoine zur Bestienjagd ins Gévaudan.Jay M. Smith: Monsters of the Gévaudan. The Making of a Beast. Cambridge 2011. S. 121. Gemälde von Louis-Michel van Loo, 1769
Vorgeschichte Seit dem Frühjahr 1764 hatten sich im südfranzösischen Bergland, insbesondere in der Grafschaft Gévaudan, tödliche Raubtierangriffe ereignet. Betroffen waren vor allem Frauen und Kinder, die Weidevieh hüteten. Versuche, unter anderem der aristokratischen Landeigentümer, das Raubtier zu erlegen, schlugen fehl. Mehrmals wurden willkürlich getötete Wölfe als „die Bestie“ präsentiert, ohne dass die Angriffe nachließen. Im September 1764 wurde der Dragoner-Hauptmann Jean-Baptiste Duhamel nach Langogne in den Osten des Gévaudan entsandt, wo sich die Angriffe konzentrierten. Trotz Duhamels enormen Aufgebots an Treibern und Jägern und trotz seiner sorgfältigen Planung der Treibjagden entkam das Raubtier.Jay M. Smith: Monsters of the Gévaudan. The Making of a Beast. Cambridge 2011. S. 1, 7 f., 23.Jean-Marc Moriceau: La bête du Gévaudan: Mythe et réalités. Paris 2021. S. 30, 237 f.
Angesichts der Anfang 1765 dramatisch zunehmenden Angriffe, über die auch die internationale Presse berichtete, schickte der Hof in Versailles den seinerzeit berühmten normannischen Wolfsjäger Jean-Charles d’Enneval ins Gévaudan. Bald nach ihrer Ankunft Ende Februar beklagten sich d’Enneval und sein Sohn Jean-François, der ihn begleitete, Duhamel würde das Raubtier durch seine jagdlichen Aktivitäten warnen und so einen Erfolg der d’Ennevals verhindern; Duhamel wurde daraufhin zurückbeordert. Die d’Ennevals hatten jedoch die eigenen Fähigkeiten und Möglichkeiten in der ausgedehnten, schwer zugänglichen Bergregion überschätzt und gerieten bei örtlichen Behördenvertretern wegen ihres unzureichenden Engagements und wegen des ausbleibenden Jagderfolgs in Misskredit. Ende Mai 1765 hatten die Beschwerden Versailles erreicht und der Ministre d’État Louis Phélypeaux de Saint-Florentin beauftragte François Antoine, ins Gévaudan zu reisen, um die Kontrolle über die Jagden zu übernehmen. Die d’Ennevals wurden im Juli 1765 angewiesen, sich aus dem Gebiet zurückzuziehen.Jay M. Smith: Monsters of the Gévaudan. The Making of a Beast. Cambridge 2011. S. 104, 142, 155.
Rätselhaftes Raubtier mini|Vachellerie, der Wohnort der am 8. September 1765 angegriffenen Marie-Jeanne Barlier, liegt in rund 1200 Meter Höhe im Bergland der Margeride. Der hell hervorgehobene Kartenausschnitt ist das Gemeindegebiet von Paulhac-en-Margeride. Auch in umliegenden Gemeinden (Auvers, Lorcières, Julianges, Saugues, La Besseyre-Saint-Mary, Venteuges) wurden während des Aufenthalts von Antoine Menschen durch Raubtierangriffe verletzt oder getötet.François Fabre: La bête du Gévaudan. Edition complétée par Jean Richard. Clermont-Ferrand 2002. Anhang: Tableau des victimes de la Bête.