mini|Al-Hakīm at-Tirmidhī-Mausoleum (Nord- und Westfassade), links (Norden) das Eingangsportal, im Westen die Grabmoschee Das Al-Hakīm at-Tirmidhī-Mausoleum von Termiz ist ein Grabdenkmal im Bezirk Sherabad der Viloyat Surxondaryo in Usbekistan. Es stammt in seiner heutigen Form mehrheitlich aus dem 15. Jahrhundert und wurde auf dem Grab von Abū ʿAbdallāh Muhammad ibn ʿAlī al-Hakīm at-Tirmidhī errichtet.

Lage und Areal Das Al-Hakīm at-Tirmidhī-Mausoleum liegt nordwestlich der neuen Stadt Termiz (auch Termez) zwischen der M39 und dem Fluss Amudarja, der an dieser Stelle die Grenze zwischen Usbekistan und Afghanistan bildet. Die historische, heute von Grenzanlagen durchschnittene und nur noch aus Ruinen bestehende Stadt Termiz umschließt das Mausoleumsareal zu weiten Teilen. mini|Stadttor mit Stadtmauer (Rekonstruktion) mini|Museum für die Geschichte von Termiz und des Termizidenerbes, Eingang Die Zufahrt zum Mausoleum erfolgt über ein Portal mit doppeltem Tor an der M39, an der auch ein Hotel liegt. Nach ungefähr 2000 Metern passiert man ein rekonstruiertes Stadttor mit Stadtmauer. Vor dem Zugang in den Mausoleumsbezirk befindet sich ein großer Parkplatz mit Andenkenladen. Zu Fuß betritt man die pavillonbestandenen Gartenanlagen des Mausoleums über ein Torgebäude mit Kuppel und Arkaden. Das 2002 im neotimuridischen Stil errichtete Museum für die Geschichte von Termiz und des Termizidenerbes liegt in der Mitte des heutigen Mausoleumsbezirks südlich einer von Nordosten nach Südwesten verlaufenden, durch den Park führende Erschließungsachse. Diese wird durch eine von Nord nach Süd verlaufende Achse durchschnitten, die die Pilger und Touristen zum Mausoleum führt. Das Mausoleum befindet sich auf einem annähernd quadratischem, befestigten Platz, der im Norden und in Westen mit geometrisch streng angeordneten, aus Ziegeln gemauerten Gräbern aus dem 12. bis 19. Jahrhundert belegt ist. Auf dem Gelände zwischen Museum und Mausoleum befinden sich mehrere Chilahanas, von denen man eine besichtigen kann. Bei diesen tiefen, naturkellerartigen Zellen, die man zum Schutz vor Witterungseinflüssen heute mit Dächern auf Stahlstützen überdeckt hat, handelt es sich um spirituelle Rückzugsbereiche der sufistischen Gläubigen, die für eine Einkehr von je vierzig Tagen genutzt wurden.

Mausoleum

Geschichte Abū ʿAbdallāh Muhammad ibn ʿAlī al-Hakīm at-Tirmidhī war Gründer der Sufi-Glaubensbruderschaft der Hakimi und seine Schriften sind noch heute in der islamischen Welt präsent. Er starb Anfang des 10. Jahrhunderts und wurde unter seiner Madrasa begraben. Bereits im 11. Jahrhundert wurde ein erstes Mausoleum aus Lehmziegeln errichtet. Es diente bereits als Wallfahrtsort. Später kam das Grab seines Sohnes Al-Hakim Abdullah hinzu. Es wurden eine Moschee mit drei Kuppeln und Portikus errichtet, die zu einem kleinen nördlichen Innenhof hin ausgerichtet war, sowie weitere Räume. Der heutige Bau stammt im Wesentlichen aus dem 15. Jahrhundert (Kuppelbau aus der Zeit 1405–1409) und wurde von einem Enkel des Feldherrn und Herrschers Amir Timur errichtet. Unter Abdulla Khan entstand im 16. Jahrhundert ein Moschee-Anbau mit vorgelagerter, lichter Arkadenvorhalle und insgesamt neun Kuppeln. Im 19. Jahrhundert wurde anstelle dieser Moschee eine Moschee mit vier Kuppeln errichtet. Am südlichen Eingang wurde eine weitere Grabkammer erbaut, die über Arkadenbogen mit dem Hauptbau verbunden wurde.

Das Denkmal wird erstmals in den Reiseberichten von Dmitry Nikolaewich Logofet (1865–1922) erwähnt. Im Jahr 1945 wurde es von Weronika Woronina vermessen. Das Gebäude wurde in den Jahren 1955–1957 bauhistorisch untersucht und sein früheres Aussehen entsprechend der Zeitstellung aus dem 14. bis 15. Jahrhundert hergestellt. In den Jahren 1980 bis 1981 und 2001 bis 2002 wurden die Gruft und der Gebetsraum erneut restauriert.

Baubeschreibung mini|Al-Hakīm at-Tirmidhī-Mausoleum aus dem Westen mit drei kleinen Kuppeln über der Grabmoschee (vorne links und Mitte) sowie einer Kuppel über der Gruft (vorne rechts). Im Hintergrund sind die große Kuppel über der Tekke sowie die Portale im Norden und Süden zu sehen. mini|Große Kuppel der Tekke über achteckiger Grundform mini|Kenotaph (Replik) mit reich verzierter Kuppel des Mausoleums Das Mausoleum wird über ein vorgelagertes Portal im Norden betreten. An der Südfassade befindet sich ein weiteres, etwas kleineres, vorgelagertes Portal. Dazwischen liegt ein aus dem 15. Jahrhundert stammender Kuppelsaal, der als Tekke genutzt wird. Die große gemauerte Kuppel entwickelt sich in der Dachebene aus einem achteckigen Grundriss. Der Boden des Saales liegt um ca. 1,50 Meter höher als die bauzeitlich älteren, westlichen Gebäudeteile. Der anschließende, rechteckige Raum, der vom Kuppelsaal über eine Treppe erreicht wird, war ehemals ein Hof und verfügt heute über eine untergeordnete Kuppel. Er liegt in der Mitte des Gesamtkomplexes. Dieser tiefer liegende Raum ist im Norden durch eine Grabkammer mit Schrein, im Westen wiederum über Arkadenbogen mit einer Grabmoschee aus drei annähernd quadratischen Raumzonen verbunden. Alle drei benachbarten Räume im Westen, jeweils mit einer Fläche von annähernd 4,3 × 4,5 Meter, sind durch kleinere Kuppeln überdeckt. Im mittleren dieser Räume befindet sich an der Westwand eine Mihrāb mit breiter Rahmung und Reliefinschriften. Im Süden des Gebetsraumes befindet sich der Kenotaph aus weißem Marmor in einer erhöht gelegenen Gruft mit eigener, hervorgehobener Kuppel.

Bei dem Kenotaph handelt es sich um eine Replik. Das Original, das gerissen war, wurde anlässlich von Sanierungsarbeiten ersetzt und wird im Museum für die Geschichte von Termiz und des Termizidenerbe gezeigt. Das dreistufige Scheingrab ist mit Inschriften verziert. Der Sockel ist mit islamischen Mustern und Inschriften versehen. Der darüber liegende Teil verfügt an der Stirnseite über drei Nischen, deren Formen an eine Mihrāb erinnern. Sie weisen Muqarnas-Elemente auf. Beide seitlichen Nischen sind mit Darstellungen von Lampen geschmückt. Die Inschriften auf dem Kenotaph berichten vom Leben und Wirken des Al-Hakīm at-Tirmidhī. Unter der Kuppel wurden 36 Suren des Korans in kufischer Schrift eingearbeitet. Die Gesamtfläche des Mausoleums beträgt 28,0 × 29,0 Meter, die des Grabes 5,10 × 4,70 Meter.

Das Mausoleum von Termiz ist mit Stuckarbeiten aus einem Gantsch genannten Ton-Gips-Mörtel verziert. Der Sockel ist mit Marmor verkleidet. Der Innenraum ist mit sternförmigen Girih-Mustern verziert. Die Lichtöffnungen sind mit gemusterten Gittern versehen.

Welterbe Zehn historische Stätten in einer Entfernung von bis zu 5 km um die Stadt Termiz stehen seit 2008 auf der Tentativliste der UNESCO, darunter das Mausoleum von Al-Hakīm at-Tirmidhī.

Währung Die 50.000-Som-Banknote der Währung in Usbekistan, die seit 2021 im Umlauf ist, zeigt als Motiv das Mausoleum von Al-Hakīm at-Tirmidhī.

Literatur

F. Abduxolikov, A. Hakimov, B. Abduhalimov, B.Bobojonov, A.Mansurov: O'zbekiston obidalaridagi bitiklar: Surxondaryo, Kolor Pak MCHJ, Toshkent: Uzbekistan today, 2015, ISBN 978-9943-4509-6-7, S. 53-56.

Weblinks

Innenraum, Google Maps, abgerufen am 21. August 2026.

Einzelnachweise

Kategorie:Mausoleum in Usbekistan Kategorie:Viloyat Surxondaryo Kategorie:Erbaut im 12. Jahrhundert