mini|Die sardische Flagge: die Vier Mauren Als Sarden bezeichnet man die einheimische Bevölkerung der Insel Sardinien im westlichen Mittelmeer, die politisch zu Italien gehört.Lisa-Marlene Edelsward, Philip Salzman: Sardinians. In: Encyclopedia of World Cultures, 1996.Jeffrey Cole: Ethnic Groups of Europe: An Encyclopedia. S. 321–325 Als deutsche Einwohnerbezeichnung ist neben „Sarde“ auch „Sardinier“ belegt; letztere Form wird im Duden jedoch als veraltend gekennzeichnet. Bedingt durch die wechselhafte Geschichte Sardiniens mischten sich immer wieder Menschen aus anderen Völkern mit „ethnischen Sarden“, die an den Küsten lebten.
Ursprung mini|links|Die einzige Zikkurat Europas, der Tempel von Monte d’Accoddi, der von den vornuragischen Sarden aus der Ozieri- und Abealzu-Filigosa-Kultur errichtet wurde. mini|Darstellung des Sardus Pater Babai in einer römischen Münze (59 v. Chr.). Die Herkunft des sardischen Volks bleibt unklar:Marcello Serra: Enciclopedia della Sardegna: con un saggio introduttivo intitolato Alla scoperta dell’isola. Giardini editori e stampatori, Pisa 1978, S. 29: Origine e carattere dei SardiNatale Sanna: Sull’origine del popolo sardo le fonti classiche non riescono a darci che poche e scarse notizie, la cui interpretazione non è affatto facile. In: Il cammino dei Sardi: storia, economia, letteratura ed arte di Sardegna, I. Ed.Sardegna, Cagliari 1986, S. 19 das Stammwort „S(a)rd“ gehört zu einem alten vorindogermanischen Substrat und könnte seinen Ursprung bei den Iberern haben. Die älteste schriftliche Bescheinigung über das Ethnonym befindet sich auf der Stele von Nora, wo das Wort Šrdn (ShardanI.E.S. Edwards, C.J. Gadd, N.G.L. Hammond, E.Sollberger (edited by): The Cambridge Ancient History. Volume II, Part 2. Cambridge University Press, 1970, S. 369) bereits zu einer Zeit bezeugt scheint, als die phönizischen Kaufleute zum ersten Mal an die sardische Küste kamen.
Nach Platons Dialogem Timaios, könnten die Sarden (Σαρδονιοί oder Σαρδιανοί) nach „Sardò“ (Σαρδώ) benannt worden sein, einer legendären lydischen Frau aus Sardes (Σάρδεις) in der Region Westanatolien (Türkei).Platonis dialogi, scholia in Timaeum (edit. C. F. Hermann, Lipsia 1877), 25 B, pag. 368M. Pittau: La Lingua dei Sardi Nuragici e degli Etruschi. Sassari 1981, S. 57Emanuele Sanna: Nella preistoria le origini dei sardi. CUEC, Cagliari, 2009, S. 76 Nach anderen Autoren, wie Pausanias und Sallust, führten die Sarden ihre Abstammung zum Sardus Pater Babai zurückFrancesco Cèsare Casula: La storia di Sardegna, I, Evo Antico Sardo: Dalla Sardegna Medio-Nuragica (100 a.C. c.) alla Sardegna Bizantina (900 d.C. c.). 2017, S. 92 („Sardischer Vater“ oder „Vater der Sarden“), einem mythischen Vorfahr und libyschen Sohn des Herkules oder Makeris,Sallust, Historiae, II, fr.4Pausanias, Ελλάδοσ περιήγησισ, X, 17Silius Italicus, Punica, XII, 360Gaius Julius Solinus, Collectanea rerum memorabilium, IV, 1Isidor von Sevilla, XIV, Etymologiae, Thapsumque iacentem, 39 der entweder verwandt mit der Kabylischen Maqqur „Er ist der Größte“ oder verbunden mit der Figur vom Melqart ist.
Es wurde auch behauptet, dass die alten Nuraghen-Sarden das Seevolk von den Sherden (šrdn auf dem Altägyptischen) gewesen sein könnten.E. De Rougè. In: Révue Archéologique, XVI, 1867, S. 35 ff.F. J. Chabas: Étude sur l’antiquité historique d’après les sources égyptiennes et les monuments réputés préhistoriques. impr. de J. Dejussieu, (Chalon-sur-Saône) 1872, S. 191–192, 314Giovanni Ugas: Shardana e Sardegna: i popoli del mare, gli alleati del Nordafrica e la fine dei grandi regni (15.-12. secolo a.C.). Edizioni della Torre, Cagliari 2017, S. 398–408Sardi. In: Enciclopedia Italiana. Giacomo Devoto, Treccani 1936Nuovo studio dell’archeologo Ugas: “È certo, i nuragici erano gli Shardana”Shardana, sardi nuragici: erano lo stesso popolo? Interview with Giovanni Ugas (in Italian) Das Ethnonym wurde dann als sardus und sarda romanisiert.
Die Daten scheinen darauf hinzudeuten, dass die heutige Bevölkerung Sardiniens zum großen Teil aus den steinzeitlichen Siedlern und dem Beitrag der historischen Kolonisatoren stammt.Francesco Cucca: “Caratteri immutati da diecimila anni, ecco perché la Sardegna è speciale” (di Elena Dusi) - Sardegna SoprattuttoMarcus et al.,Population history from the Neolithic to present on the Mediterranean island of Sardinia: An ancient DNA perspective, 2019 Letzteres ist jedoch nur in den Küstengebieten relevant, da die Einheimischen den fremden Mächten das malariaverseuchte (wenn auch strategisch wichtige) Tiefland überließen und in das rauere Landesinnere flüchteten, wo sich die meisten historischen Siedlungen Sardiniens konzentrierten. Die alten Sarden waren keine Italiker: einige Forscher behaupten, dass sie aus dem östlichen Mittelmeer kamen.…«La separazione della Sardegna dal resto del continente, anzi da tutte le altre popolazioni europee, che probabilmente rivela un'origine più antica della sua popolazione, indipendente da quella delle popolazioni italiche e con ascendenze nel Mediterraneo Medio-Orientale.» Alberto Piazza, I profili genetici degli italiani, Accademia delle Scienze di Torino Weitere Forschung deutet darauf hin, dass die Basken aus Spanien die genetisch am nächsten liegende Bevölkerung zu den ethnischen Sarden sein könnten und diese Ähnlichkeit nicht auf den Einfluss anderer Spanier während der Neuzeit zurückzuführen ist.Genomic history of the Sardinian population, Nature mini|Ein Rauchverbotszeichen auf Sardisch und Italienisch. mini|Ein alter Sarde von Ulassai, 1950er Jahre.
Sprachen
Italienisch wurde erstmals im Juli 1760 durch das Haus Savoyen auf Sardinien eingeführtCardia, Amos (2006). S'italianu in Sardìnnia candu, cumenti e poita d'ant impostu: 1720-1848; poderi e lìngua in Sardìnnia in edadi spanniola, Iskra, Ghilarza, pp. 88, 91 und ist heute die am häufigsten gesprochene Sprache, wenn auch in einer regionalen Variante, als Ergebnis von Assimilationswellen und Sprachwechsel, die die kulturelle Italianisierung förderten.
Das sardische Volk zählt etwa 1,0 bis 1,3 Millionen Menschen und deckt sich etwa mit den Sprechern der Sardischen Sprache (sardu),Sardinians. In: World Directory of Minorities die zur romanischen Sprachfamilie gehört. Der historische Verlust der politischen Autonomie der Sarden hat ihre Sprache in einem Stadium von dialektaler Fragmentierung gehalten, da verschiedenen anderen Sprachen (nämlich Katalanisch, Spanisch, und letztendlich Italienisch) sich in einer politischen Prestigeposition durchsetztenMartin Maiden, John Charles Smith, Adam Ledgeway (edited by). The Cambridge History of the Romance Languages: Volume II, Contexts, Cambridge University Press, 2013, p.167. Aufgrund des italienischen Schulunterrichts, der das Italienische zum Nachteil des Sardischen gefördert hat, ist die sardische Sprache im Niedergang begriffen. Obwohl die Sarden die Bevölkerungsmehrheit in Sardinien stellen, sind die meisten aber weitgehend kulturell italienisiert und die zweisprachigen Sarden zu einer kleinen Minderheit auf ihrer eigenen Insel geworden. Es wird geschätzt, dass heutzutage nur 13 Prozent der jungen Sarden Sprachkenntnisse des Sardischen haben.La Nuova Sardegna, 04/11/10, Per salvare i segni dell'identità – di Paolo Coretti
Um Alghero wird lokal begrenzt ein katalanischer Dialekt gesprochen, da dort einst Nachfahren katalanischer Siedler lebten,L’Alguer and Alguerese Catalan, Corpus Oral de l’Alguerés und in Arborea in der Provinz Oristano lebt noch eine Gruppe von Mussolini umgesiedelter Festlanditaliener, die furlanische und venezianische Dialekte sprechen.
Flagge
Die sogenannte Flagge der Vier Mauren ist die historische Flagge der Sarden. Die Flagge besteht aus dem Georgskreuz und vier enthaupteten Maurenköpfen, die in jedem Viertel ein weißes Stirnband tragen. Ihre Ursprünge sind im Wesentlichen rätselhaft, aber es wird vermutet, dass sie ihren Ursprung in Aragon hat, um die Niederlage der sarazenischen Invasoren in der Schlacht von Alcoraz 1096 zu symbolisieren.B. Fois: The crest of the four Moors, brief history of the Sardinian emblem. Carlo Delfino, Sassari 1990
Demografie
Im Gegensatz zu den anderen Europäern findet sich in der Volksgruppe der Sarden ein sehr hoher prozentualer Anteil an Menschen, die über 100 Jahre alt sind; man vermutet, das könnte aus spezifischen genetischenSardinia Exploration Backgrounds – Blue Zones sowie sozialenSusan Pinker: why face-to-face contact matters in our digital age – The Guardian Gründen der Fall sein.
Saul Justin Newman vom Centre for Longitudinal Studies des University College London fand heraus, dass viele Daten über Höchstbetagte falsch sind und wurde 2024 für seine Arbeit mit dem Ig-Nobelpreis ausgezeichnet. Demnach seien „Betrug, Irrtum und Wunschdenken“ sowie Rentenbetrug die wahrscheinlichere Erklärung für die vermeintliche Langlebigkeit, zumal Sardinien laut Eurostat noch 1990 bei der Lebenserwartung unter 128 europäischen Regionen nur Rang 51 belegte.
Siehe auch Romanische Sprachen Romanen
Literatur Historia de la isla de Cerdeña, por el caballero G. de Gregory, traducida al castellano por una sociedad literaria. Imprenta de Guardia Nacional, Barcelona, 1840.
Steven Danver (Hrsg.): Native peoples of the world: An Encyclopedia of Groups, Cultures, and Contemporary Issues. Sharpe Reference, Armonk, 2013, ISBN 9780765682222.
Einzelnachweise
Kategorie:Ethnische Minderheit in Italien Kategorie:Romanischsprachige Ethnie