mini|Grabstein ʿAbd al-Ḫāliq Ġuǧduwānīs | Usbekistan

Abd al-Khaliq Ghujduwani (arabisch عبد الخالق غجدواني, DMG: ʿAbd al-Ḫāliq Ġuǧduwānī) war ein zentralasiatischer Sufi des 12. Jahrhunderts, der als maßgebliche Person der Ḫwāǧagān-Tradition gilt und zu den wichtigsten Wegbereitern der späteren Naqschbandiyya zählt. Er gehörte der hanafitischen Rechtsschule an und führte selbst seine Abstammung über seinen im heutigen Malatya (Türkei) geborenen Vater auf Mālik ibn Anas (gest. 795), den Begründer der mālikitischen Rechtsschule, zurück.

Mit Abd al-Khaliq Ghujduwani beginnt die Epoche der sogenannten Ḫwāǧagān („die Meister“ türk. 'Hâcegan"). Obwohl bereits sein Lehrer Yusuf Hamadani als Ḫwāǧa bezeichnet wurde, etablierte sich die Bezeichnung Ḫwāǧagān erst mit Abd al-Khaliq Ghujduwani als Sammelbegriff für die Vertreter dieser Tradition und blieb bis zur Zeit von Bahāʾ ad-Dīn Naqšband in Gebrauch. Mit Letzterem setzte sich schließlich die zusätzliche Bezeichnung Naqschbandīya für den gesamten Orden durch.

Darüber hinaus gilt er als Wegbereiter des stillen Gottesgedenkens (ḏikr ḫafīī), das in der späteren Naqschbandīya zentrale Praxis wurde. mini|Gedenkkomplex von ʿAbd al-Ḫāliq Ġuǧduwānī (Usbekistan)

Leben und Studium

Sein Vater soll aus der Gegend vom heutigen Malatya (Türkei) nach Transoxanien ausgewandert sein und habe sich im Dorf Gʻijduvon (heute Usbekistan) niedergelassen, wo Abd al-Khaliq geboren wurde. Nach den Überlieferungen soll seine Mutter die Tochter eines christlichen Herrschers aus dem Gebiet von Byzanz gewesen sein, die mit der Heirat den Islam annahm.

Über seine frühe Ausbildung wird berichtet, dass er bis zum Alter von etwa 22 Jahren bei einem Gelehrten namens Imām Sadr ad-Dīn studierte, über dessen Person und Wirken keine weiteren Informationen überliefert sind.

Nachdem Yūsuf al-Hamadānī nach Buchara gekommen war, schloss er sich diesem an und nahm regelmäßig an dessen Lehrsitzungen teil. Den Überlieferungen zufolge gilt er als vierter der vier bedeutendsten Nachfolger al-Hamadānīs. Zu den Schülern Yusuf Hamadanis zählte auch Aḥmad Yasawī. Während die Yasawīya ihre spirituelle Abstammung auf diesen zurückführt, wurde die Silsila der Ḫwāǧagān und späteren Naqschbandīyaüber Abd al-Khaliq Ghujduwani weitergeführt.

al-Chidr

In traditionellen Überlieferungen gilt al-Chidr (türk. Hızır) als der erster geistliche Lehrer von Abd al-Khaliq Ghujduwani. Dabei wird berichtet, dass al-Chidr bereits vor seiner Geburt dessen Eltern die Geburt eines Sohnes angekündigt und den Namen Abd al-Khaliq vorgeschlagen haben soll.

Nach der Darstellung von ʿAbd ar-Raḥmān Ğāmī im Nafaḥāt al-uns erhielt Ghujduwani bereits in jungen Jahren von al-Chidr die Unterweisung im ḏikr al-qalb (stilles Gedenken). Dort wird berichtet, dass al-Chidr ihn anwies, sich in Wasser zu begeben, den Atem anzuhalten und innerlich das Glaubensbekenntnis zu rezitieren. Diese Form des inneren Gedenkens habe er anschließend dauerhaft praktiziert.

Die Überlieferungen stellen al-Chidr daher als denjenigen dar, der Ghujduwani in die Praxis des stillen bzw. inneren Gottesgedenkens einführte. Diese Form des ḏikr wurde später zu einem festen Merkmal der von ihm geprägten spirituellen Tradition der Naqschbandīya .

Obwohl das öffentliche Gedenken (ḏikr ǧahrī) in den damaligen Sufi-Kreisen weit verbreitet war, soll Yusuf Hamadani die von al-Chidr vermittelte Praxis des stillen Gedenkens ausdrücklich gebilligt haben.

Kalimāt-i Qudsiyya Zu den bedeutendsten Beiträgen Ghujduwanis zählt die Formulierung der als Kalimāt-i Qudsiyya bezeichneten Prinzipien, die später erweitert und zu den zentralen Grundlagen der Naqschbandiyya wurden: +Nr.BezeichnungPersischErklärung1Hūš dar dam (pers. هوش در دم)Bei jedem Atemzug (dauerhaft) wachsam sein und Gott nicht vergessen.2Naẓar bar qadam(pers. نظر بر قدم)Den Blick auf die eigenen Schritte/Person richten, um Ablenkungen zu vermeiden.3Safar dar waṭan(pers. سفر در وطن)Die innere Reise von menschlichen zu göttlichen Eigenschaften antreten.4Ḫalwat dar anǧuman(pers. خلوت در انجمن)Äußerlich unter den Menschen sein, innerlich jedoch mit Gott verweilen.5Yādkard (pers. یادکرد)Gott mit der Zunge oder im Herzen gedenken.6Bāzgašt (pers. بازگشت)Die Hinwendung zu Gott erneuern und ihn als einziges Ziel vergegenwärtigen.7Nigāh-dāšt(pers. نگاه داشت)Das Herz und den Geist vor fremden Gedanken bewahren.8Yād-dāšt(pers. یادداشت)Stets der Gegenwart Gottes bewusst sein. Während die ersten sieben Prinzipien auf die Verwirklichung von Yād-dāšt, der dauerhaften Gottesgegenwart, ausgerichtet sein sollen, wurde dieses System später durch drei zusätzliche Prinzipien ergänzt, die auf Baha-ud-Din Naqschband zurückgeführt werden: +9Wuqūf-i Zamānī(pers. وقوف زمانی)Selbstprüfung des eigenen Zustands in jedem Augenblick.10Wuqūf-i ʿAdadī(pers. وقوف عددی)Beachtung der vorgeschriebenen Anzahl der Dhikr-Wiederholungen.11Wuqūf-i Qalbī(pers. وقوف قلبی)Gegenwärtigkeit des Herzens in der Erinnerung an Gott.

Einzelnachweise

Kategorie:Islamischer Geistlicher Kategorie:Sufi Kategorie:Viloyat Buxoro Kategorie:Geboren im 11. oder 12. Jahrhundert Kategorie:Gestorben im 12. oder 13. Jahrhundert Kategorie:Mann