mini|350px|Route des 2. Geschwaders von Kronstadt nach Tsushima. Am 15. Oktober 1904 stach der größte Teil der russischen Baltischen Flotte als Zweites Pazifik-Geschwader (auch Zweites Pazifisches Geschwader genannt) von Libau (heute Lettland) aus in See. Die Flotte unter dem Kommando des Vizeadmirals Sinowi Roschestwenski sollte in den Fernen Osten verlegt werden, und nach dem Fall von Port Arthur von Wladiwostok aus mit den Resten der russischen Pazifikflotte den Seekrieg gegen Japan fortführen.
Nach über sieben Monaten Fahrt erreichte das Geschwader die Koreastraße, wo es von der überlegenen japanischen Flotte unter Tōgō Heihachirō in der Seeschlacht bei Tsushima am 27. und 28. Mai 1905 vernichtend geschlagen wurde. Die Niederlage des Geschwaders war vorentscheidend für den Ausgang des Russisch-Japanischen Krieges.
Beginn Der russische Wunsch nach Ausdehnung seiner Macht nach Westen bzw. über den Bosporus zum Mittelmeer wurde durch die Niederlage im Krimkrieg gestoppt. Auch eine Ausdehnung über Serbien zur Adria stieß auf den Widerstand Großbritanniens, Österreich-Ungarns und Deutschlands.Pleshakov, Tsars last Armada, S. 10 Der Unternehmer und spätere Finanzminister Sergei Juljewitsch Witte setzte sich für eine Umorientierung der Expansionswünsche in Richtung Asien ein. Die von Witte geförderte Transsibirische Eisenbahn, die von Tscheljabinsk am Ural bis nach Wladiwostok (übersetzt „Beherrsche den Osten“) an der Pazifikküste führte, war ein Teil der russischen Ostasienpolitik. Da die Baukosten den Rahmen zu sprengen drohten, schloss Witte mit dem chinesischen Beauftragten Li Hongzhang einen Vertrag, die Bahn ab Sabaikalsk an der russisch-chinesischen Grenze durch die Mandschurei über Harbin bis Wladiwostok über chinesisches Gebiet zu bauen. Die Gründe für Li Hongzhang waren drei Millionen Goldrubel Bestechungsgeld und die Suche Chinas nach Verbündeten gegen Japan.Pleshakov, Tsars last Armada, S. 15 Gleichzeitig wurde das Abkommen über die Pacht der Liaodong-Halbinsel geschlossen. Es schloss den Hafen Port Arthur (heute Lüshunkou, China) am Gelben Meer mit ein. Nach dem Ersten Japanisch-Chinesischen Krieg 1894–1895 wurde das Gebiet Japan im Vertrag von Shimonoseki zugesprochen, aber kurz darauf durch die Intervention von Shimonoseki Japan wieder abgenommen. Mit dem Pachtvertrag für Liaodong erhielt Russland auch die Konzession für den Bau einer Eisenbahnstrecke, die Ostchinesische Eisenbahn, von Harbin, wo es an die Transsibirische Eisenbahn angeschlossen war, bis nach Port Arthur, das zu einem Kriegshafen, der, im Gegensatz zu Wladiwostok, im Winter nicht zufror, ausgebaut werden sollte. Dieser Vertrag enthielt schon sehr viel Konfliktpotential mit Japan, aber das wurde von Zar Nikolaus II. in Kauf genommen.
Es blieb nicht bei dem Pachtvertrag. Die nach der Niederschlagung des Boxeraufstandes und während des Russisch-Chinesischen Krieges im Jahre 1900 in die Mandschurei einmarschierten russischen Truppen blieben auch nach Abschluss der Kämpfe im Land. Schon 1898 hatte Alexander Michailowitsch Besobrasow, ein Geschäftsmann mit politischen Ambitionen, den Plan, eine Firma mit Holzgewinnungs- und Bergbaukonzessionen am Yalu in Korea zu gründen. Ein russischer Kaufmann hatte diese Konzessionen seit 1896. Besobrasow kaufte sie ihm ab und gründete auf dem linken Ufer des Yalu, also in Korea und damit im japanischen Interessengebiet, eine Sägemühle und ließ zum „Schutz“ ein sibirisches Regiment aufmarschieren.Thiess, Tsushima, S. 28ff Er gründete den sogenannten „Besobrasow-Kreis“, eine politisch motivierte Investmentgruppe, die von Besobrasow organisiert wurde und zu deren Investoren viele hochrangige Mitglieder des russischen Hofes zählten, darunter auch der Zar. Ziel des „Besobrasow-Kreises“ war die Gründung eines Handelsunternehmens ähnlich der Britischen Ostindien-Kompanie, das seine Investoren mit finanziellen Vorteilen belohnen und gleichzeitig die Voraussetzungen für die Eroberung der Mandschurei und Koreas schaffen sollte. Ein Mitglied dieses Kreises war Jewgeni Iwanowitsch Alexejew, ein unehelicher Sohn Zar Alexanders II. und seit dem 13. August 1903 von Zar Nikolaus II. ernannter fernöstlicher Vizekönig mit vollständiger ziviler und militärischer Autorität über die russischen Besitztümer im Fernen Osten, einschließlich der von Russland besetzten Mandschurei, der Halbinsel Liaodong und des russischen Militärbezirks Amur (heute Region Primorje). Als im gleichen Jahr Finanzminister Witte in Ungnade fiel, erhielt Besobrasow unbegrenzten Zugriff auf staatliche Gelder.Kowner, Historical Dictionary of the Russo-Japanese War, S. 68f Der Aufbau einer nahezu ausschließlich aus russischen Reservisten bestehenden Holzhandelsgesellschaft spitzte den Konflikt mit Japan weiter zu. 1903 errichtete die russische Armee ein Fort in Yongampo an der Mündung des Yalu, wieder auf dem linken Ufer. In Japan wurde die Konzentration russischen Einflusses in der Mandschurei, in Port Arthur und in Korea als Bedrohung der japanischen Interessenssphäre und der nationalen Sicherheit empfunden. Die japanische Position wurde durch eine 1902 abgeschlossene Allianz mit Großbritannien gestärkt und Japan bereitete sich auf einen militärischen Konflikt vor.Connaughton, Rising Sun and Tumbling Bear - Russia's war with Japan S. 20–24 Alexejew allerdings versicherte dem Zaren, dass ein verstärktes aggressives Vorgehen in der Region keine militärische Reaktion Japans hervorrufen würde.Kowner, Historical Dictionary of the Russo-Japanese War, S. 32–33
Im Januar 1904 wurde der japanische Botschafter in St. Petersburg bei der russischen Regierung vorstellig und forderte die Anerkennung der japanischen Ansprüche in Korea und bot im Gegenzug den Verzicht Japans auf Einfluss in der Mandschurei an. Die russische Regierung glaubte nicht an eine Bedrohung durch Japan und nahm das Verhalten der japanischen Diplomatie nicht ernst. Eine Einstellung, die auch von Vizekönig Alexejew unterstützt wurde. Alexejew war einem Krieg mit einem Land, von dem er glaubte, dass es militärisch unterlegen sei, nicht abgeneigt.Connaughton, Rising Sun and Tumbling Bear - Russia's war with Japan S. 10–11
Am 4. Februar 1904 beschloss die japanische Militärführung unter dem Vorsitz des Tennōs eine energische militärische Reaktion.
Und so musste der Vizekönig am folgendes Telegramm an Zar Nikolaus II. senden:
Der Russisch-Japanische Krieg hatte begonnen.
Nikolai II. war nicht beunruhigt, hatte doch Alexejew ihm immer wieder versichert, dass alles in Ordnung sei. Außerdem hatte sein Ratgeber Konstantin Pobedonoszew erklärt, dass „ein Krieg den Sinn für das autokratische Herrschertum neu beleben würde“. Wobei Innenminister Plehwe, der mit einer langsam aufkeimenden revolutionären Stimmung in Russland nicht fertig wurde, ihn unterstützte.Thiess, Tsushima, S. 24–34 Er meinte, das, was fehlte, die Revolution zu verhindern, sei ein „kleiner, siegreicher Krieg“.Pleshakov, Tsars last Armada, S. 21
Der japanische Angriff war von Admiral Tōgō, dem Oberbefehlshaber der japanischen Flotte genau geplant und gut vorbereitet. Nach den ersten Explosionen brach auf russischer Seite hektischer Aktionismus aus, Scheinwerfer beleuchteten das Meer vor den russischen Schiffen und Landbatterien eröffneten das Feuer. Der Erfolg, trotz der Hektik, war immerhin, dass die zweite Welle der japanischen Zerstörer ihre Torpedos nicht mehr gezielt abfeuern konnte.Lardas, Tsushima 1905, S. 40
Obwohl der Angriff auf Port Arthur als Beginn des Krieges gilt, war im Hafen der koreanischen Stadt Tschemulpo der erste Schuss gefallen. In Tschemulpo fanden die Truppenanlandungen der 1. japanischen Armee statt. Ein Schiffsverband unter dem Kommando von Konteradmiral Uryū Sotokichi, bestehend aus dem Panzerkreuzer Asama, fünf Kreuzern und acht Torpedobooten waren die Deckungsstreitkräfte für die Landung. Im Hafen lagen der Kleine Kreuzer Warjag und das Kanonenboot Korejez. Beide Schiffe liefen am 8. Februar 1904 aus und gerieten in das japanische Landungsmanöver und die japanischen Deckungskräfte. Diese forderten die russischen Kriegsschiffe zur Kapitulation auf, was der Kapitän der Warjag, Rudnew, ablehnte und in den Hafen zurückkehren wollte. Dann wurden auf der Korejez angeblich Torpedolaufbahnen gesehen, das Schiff gab zwei Schuss aus einer 3,7 cm Kanone ab und feuerte damit die ersten Schüsse in dem Konflikt.Thiess, Tsushima, S. 39ff Am Morgen des 9. Februar 1904 kam es schließlich zum Gefecht. Die russischen Schiffe versuchten den Ausbruch aus dem Hafen von Tschemulpo, um in die offene See zu entkommen. Die japanische Flotte verhinderte das durch Kreuzfeuer, welches der Warjag schwere Schäden und den Verlust von 122 Mann zufügte. Die kleine Korejez hatte der japanischen Übermacht nichts entgegenzusetzen. Beide Schiffe kehrten nach einer Stunde in den Hafen zurück und wurden dort von ihren Besatzungen versenkt. mini|Die Petropawlowsk sinkt mit Admiral Makarow
Am folgenden Tag griff die japanische Flotte mit sechs Linienschiffen und neun Kreuzern unter dem Kommando von Admiral Tōgō das in Port Arthur vor Anker liegende russische Geschwader an und es kam zu einem 40-minütigem Feuerwechsel. Danach brachen die Japaner den Beschuss ab und die Russen unter Admiral Oskar Stark folgten nicht. Admiral Tōgō sperrte mit seiner Flotte die Zufahrt zum Hafen und die japanischen Truppentransporte nach Korea konnten ungehindert stattfinden. Die Inaktivität der russischen Flotte führten zum Rücktritt von Admiral Stark und der Ernennung von Vizeadmiral Makarow im Februar 1904 zum Kommandeur des Geschwaders. Er kam am 8. März 1904 in Port Arthur an und entschied sich für die Petropawlowsk als Flaggschiff. Gribovskij, The catastrophe of March, 31 of 1904 S. 49 Direkt nach seiner Ankunft begann Makarow damit, seine Schiffe auf Gefechte mit der japanischen Marine vorzubereiten. Fünf Mal lief er im folgenden Monat aus und trainierte das Fahren im Verband und Manöver während des Gefechts.
Anders als sein Vorgänger Stark verfolgte Makarow angreifende japanische KriegsschiffeGrant, Personal Diary, S. 126. und hielt seine Schiffe in Gefechtsbereitschaft an der Ausfahrt von Port Arthur.Grant, S. 115. Als japanische Kreuzer im März die Hafenstadt beschossen, erwiderten seine Kreuzer das Feuer derart heftig, dass sich die Japaner zurückzogen.Grant, Personal Diary, S. 93. Als sie im gleichen Monat versuchten, Blockschiffe in die Einfahrt zu bringen, um die eigene Flotte von dem ständigen Wachdienst zu entlasten und ein Auslaufen der russischen Flotte zu verhindern, liefen die russischen Kreuzer sofort aus und die Begleitschiffe der Blockschiffe flohen.Grant, Personal Diary, S. 116.
Nachdem er mit seinem Vorhaben, das russische Geschwader in Port Arthur durch Versenkung von Blockschiffen in der Hafeneinfahrt zu blockieren, gescheitert war,Grant, Personal Diary, S. 48ff. plante Admiral Tōgō nun die Blockade der Einfahrt durch ein Minenfeld. Der Minenleger Korumaru begann in der Nacht zum 13. April mit der Ausbringung von Minen nahe der Einfahrt. Gesichert wurde er dabei durch vier Zerstörergruppen. Die Russen bemerkten die Schiffe, hielten sie aber für eigene Zerstörer.Suliga, Battleship Poltava S. 32 Am Morgen des 13. April 1904 kehrte der russische Zerstörer Strasny von einer Patrouillenfahrt zurück, als er von den japanischen Zerstörern angegriffen wurde.Grant, Personal Diary, S. 125. Makarow entsandte sofort den Panzerkreuzer Bajan, um in das sich entwickelnde Zerstörergefecht einzugreifen, während er mit drei Linienschiffen (Petropawlowsk, Pobeda, Pereswet), drei weiteren Kreuzern (Askold, Diana, Nowik) und einer Zerstörergruppe folgte, um die japanischen Kriegsschiffe zu stellen.