André Nox (* 14. November 1869 als Abraham André Nonnes-Lopes in Paris; † 25. Februar 1946 in Fouesnant, Frankreich) war ein französischer Filmschauspieler mit Ausflügen zum späten deutschen Stummfilm.

Leben und Wirken Die frühen Jahre Der Sohn von David Adrien Nonnes-Lopes und Valentine da Porto-Riche hatte nach eigener Aussage zunächst einen komplett anderen Lebensweg als den eines Künstlers eingeschlagen. In einem 1924 in Österreichs "Der Filmbote" veröffentlichten Artikel heißt es, er habe im Alter von zehn Jahren das Gymnasium besucht und musste selbiges sechs Jahre darauf wieder verlassen, weil er wegen eines Mädchens einen Mitschüler zum Duell herausgefordert habe. Heimatlos geworden, habe er sich in einer Stadt eine Arbeit als Fabrikarbeiter gesucht. Nach Jahrzehnten in der Fabrik wollen er und einige seiner Kollegen eine Laienaufführung eines Theaterstücks auf die Beine gestellt haben, die erstmals Nox’ Interesse an der Schauspielkunst offenbart haben soll. Bereits in den Dreißigern befindlich, habe der Fabrikdirektor Nox an einen Theaterdirektor weiterempfohlen, der ihm angeboten haben will, ihn zum Bühnenschauspieler auszubilden. Nox soll laut dieser Schilderung dieses Angebot ausgeschlagen haben und stattdessen lieber wieder in die Fabrikhallen zurückgekehrt sein. Erst als sich die Chance ergeben habe, beim Film, der sich zu dieser Zeit noch in den Kinderschuhen befand, unterzukommen, will Nox zugegriffen haben: “Aus zwingender, seelischer Notwendigkeit heraus stellt er sich dieser jungen Kunst zur Verfügung.” Hier machte sich der bereits im fortgeschrittenen Alter befindliche André Nox einen Namen mit der Darstellung gemarterter Persönlichkeiten und gequälter IntellektuellerJean-Loup Passek: Dictionnaire du cinema, Paris 1992, S. 480.

Wechsel zum Film und Arbeit in Deutschland Mit 47 Jahren gab er inmitten des Ersten Weltkriegs seinen Einstand vor der Kamera. Zunächst nur von mäßig bekannten Regisseuren vor die Kamera geholt, sollte sich dies nach Kriegsende ändern, als Nox nunmehr auch mit bedeutenden Repräsentanten der Kinematographie, darunter Marcel L’Herbier, Germaine Dulac, Léonce Perret sowie den beiden Exilrussen Victor Tourjansky und Jakow Protasanow zusammenarbeitete. Schon frühzeitig wurde man im deutschsprachigen Raum auf den Pariser Künstler aufmerksam. In der Wiener Neuen Kino-Rundschau beispielsweise hieß es 1920 zu Nox’ Leistung in dem Film Das wahre Gesicht, wo er einen Maler verkörpert, der in die Seelen seiner Mitmenschen blicken kann: “Aus einer Monumentalfigur heraus entwickelt sich die Handlung zu hochdramatischer Wucht und Stärke, hervorgerufen durch das exzeptionelle Spiel des Trägers der Hauptrolle André Nox. Das ist eine wohldurchdachte, große künstlerische Leistung.” 1927 wurde Nox für vier Filme nach Deutschland geholt: In Franz Seitzens gleichnamiger Operettenverfilmung nach Leo Falls Der fidele Bauer wurde er mit der Rolle des Geheimrat von Grunow betraut, und in Robert Dinesens Drama Die Hölle der Jungfrauen erhielt der Franzose die Hauptrolle des knorrigen Gutsbesitzers Skuretzki. In beiden Filmen war Werner Krauß sein Spielpartner. Im selben Jahr hatte Nox in Das brennende Schiff seine Landsmännin Françoise Rosay zur Partnerin. Den Abschluss seiner „deutschen Phase“ bildete 1928 Carmine Gallones S.O.S. Schiff in Not, wo André Nox einen alternden Clown verkörperte.

Die späten Jahre Wieder daheim in Frankreich, ließ man ihn im selben Jahr 1928 einen Kaplan in dem symbolhaften Völkerverständigungs- und Kriegsdrama Verdun, das Heldentum zweier Völker spielen. Zu Beginn des Tonfilmzeitalters noch gut beschäftigt, wurden die Rollen des greisen Künstlers im Lauf der Jahre immer kleiner. 1932 spielte Nox auch in der französischen Sprachfassung des tschechisch-österreichische Filmskandalons Ekstase. Im Jahr darauf wirkte Nox auch in der französischen Version von Kurt Bernhardts Der Tunnel mit. In Inszenierungen bedeutender Regisseure wie Abel Gance und Robert Wiene erhielt Nox nur noch recht kleine Rollen. Nunmehr wurde er oftmals als ebenso namenloser wie angesehener Vertreter der Gesellschaft (ein Marquis, ein Direktor, ein Präsident, ein Hotelier oder ein Bürgermeister) besetzt. Bei Kriegsausbruch 1939 zog sich André Nox aus dem Filmgeschäft zurück und verbrachte seinen Lebensabend an der bretonischen Küste.

Filmografie 1916: Sous les phares 1917: Chacals 1917: La Fugitive 1917: Requins 1918: La Geôle 1918: Johannes, fils de Johannes 1918: Ruiné par l'ambition 1919: Âmes d'Orient 1920: Das wahre Gesicht (Le Penseur) 1920: Le Trésor de Kériolet 1921: Der Roman eines Arztes (L’ami des Montagnes) 1921: Das Verbrechen des Lord Saville (Le Crime de Lord Arthur Savile) 1921: Die sterbende Sonne (La Mort du soleil) 1922: Der Sinn des Todes (Le Sens de la mort) 1922: Le Quinzième Prélude de Chopin 1923: La Mendiante de Saint-Sulpice 1923: Vaterschaft (Paternité) 1924: Cousin Pons 1924: Liebessünden (Après l’amour) 1924: Graf Kostja (Le Comte Kostia) 1925: L'Orphelin du cirque 1925: Hagar, die Tänzerin (Le Puits de Jacob) 1926: Die Wiege Gottes (Le berceau de dieu) 1926: Le Criminel 1926: Lolotte, das Modell (La Femme nue) 1927: Der fidele Bauer 1927: Die Hölle der Jungfrauen 1927: Das brennende Schiff 1928: S.O.S. Schiff in Not 1928: Verdun, das Heldentum zweier Völker (Verdun, visions d’histoire) 1929: Das Recht des Stärkeren (La possession) 1929: Quand l'ombre descend 1930: Princes de la cravache 1931: Ceux du Viking 1931: Une histoire entre mille 1932: Extase 1933: Nackt wie Adam (Nu comme un ver) 1933: Le Tunnel 1934: Cessez le feu 1936: L'Appel du silence 1936: Beethovens große Liebe (Un grand amour de Beethoven) 1937: La Citadelle du silence 1937: J'accuse… ! 1937: Eifersucht (Nuits de feu) 1938: Le Héros de la Marne 1938: Ultimatum 1939: La Brigade sauvage 1939: Cas de conscience

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