mini|Blick in die Straße Schwibbogen vom Alten Markt, links die Magdeburger Börse, rechts das Haus Zum güldenen Hammer, der 1904 abgerissene Schwibbogen fehlt bereits mini|Schwibbogen (vor 1904), Blick nach Norden in Richtung Alter Markt Der Schwibbogen war eine Straße in Magdeburg im heutigen Sachsen-Anhalt. Nach Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg wurde die Straße aufgegeben und zum Teil überbaut.
Lage und Verlauf Die Straße befand sich in der Magdeburger Altstadt, südlich des Alten Markts. Sie verlief von der Königshofstraße aus in einem Bogen nach Norden. Von Westen mündete die Schuhgasse ein, letztlich mündete der Schwibbogen dann auf den Alten Markt. Parallel verlief etwas weiter westlich die Schuhbrücke.
Die Hausnummerierung verlief beginnend mit der Nummer 1 an der südöstlichen Ecke zur Königshofstraße, auf der Ostseite aufsteigend bis zur Nummer 5. Dann schloss sich der langgestreckte Bau der Magdeburger Börse an, der jedoch bereits zum Alten Markt gehörte. Auf der Westseite befand sich an der Ecke zum Alten Markt das Haus Zum güldenen Hammer (Schwibbogen 7), nachdem die Schuhgasse einmündete. Weiter südlich befand sich die Hausnummer 8. Die Nummerierung verlief auf der Westseite dann weiter nach Süden bis zur Nummer 11.
Heute befindet sich im Bereich des ehemaligen Schwibbogens ein in der Zeit der DDR errichteter Wohnhauskomplex, an der Südwestseite des Alten Markts, mit der heutigen Hausnummer Alter Markt 1a. An der Stelle der historischen Einmündung auf den Alten Markt befindet sich heute eine vom Markt auf den Innenhof führende Durchfahrt. Ganz im Süden reicht der Bereich bis auf die Ernst-Reuter-Allee.
Geschichte mini|Weihnachtszeit im Schwibbogen, Blick von der Königshofstraße nach Norden Als ältester Name der Straße ist aus dem Jahr 1552 die Bezeichnung Huthof überliefert. Die Bezeichnung bezog sich auf den Huthof, ein alter Name für das Seidenkramerinnungshaus, die spätere Börse, sowie das Gebäude Schwibbogen 6. Die korrektere Bezeichnung wäre daher Am Huthof gewesen. Zu den Seidenkramern gehörten auch die Hutstaffierer. In der Zeit bis 1631 setzte sich der Name Königshof durch, der sich auf die Ratsfamilie König bezog.
Für den nördlichen Teil des Königshofs, der als Bogen nach Norden vom restlichen Königshof abging, kam ab 1700 der Name Schwibbogen auf. Noch bis 1750 waren beide Namen parallel in Verwendung, dann nur noch Schwibbogen, 1798 und 1807 in der Variante Unter dem Schwibbogen, 1817 als Schwibbogen-Straße oder Schwibbogen-Steg. Der Name rührte von dem über die Straße zwischen den Häusern Schwibbogen 6 und Schuhgasse 3 „schwippenden“ Bogen, der auf den architektonischen Begriff Schwibbogen zurückgeht. Eine erstmalige Erwähnung des Bogens stammt aus einem Plan Otto von Guerickes aus dem Jahr 1632. Der Bogen dürfte jedoch deutlich älter gewesen sein. Errichtet worden war er, da die Hauseigentümer so weiteren Raum gewannen. Es gab, jedoch letztlich unrichtige, Vermutungen, der Bogen sei das älteste südliche Tor der Stadtmauer aus karolingischen Zeiten gewesen. Zwischen 1838 und 1840 erfolgte eine Erneuerung des Bogens.Günter Hammerschmidt, Häuser mit Hauszeichen in der ehemaligen Altstadt von Magdeburg, Magdeburg 2004, Seite 118 Im Jahr 1904 wurde der Schwibbogen abgerissen. Am Haus Schuhgasse 3 befand sich noch in den 1930er Jahren die Inschrift Schwibbogen erbaut 1838. Die Jahreszahl bezog sich auf einen Umbau des Bogens.Ernst Neubauer, Häuserbuch der Stadt Magdeburg 1631–1720, Teil 1, Herausgeber: Historische Kommission für die Provinz Sachsen und für Anhalt, Magdeburg 1931, Seite 416
Während des Zweiten Weltkriegs wurde auch der Bereich des Schwibbogens zerstört. Nach der Zerstörung fanden archäologischen Untersuchungen statt. Dabei wurden im Nordteil der Straße, zwischen den Häusern Schwibbogen 7 und Alter Markt 5, Reste von Kugeltöpfen niedersächsischer Art aus der Zeit um das Jahr 1000 bis ins 12. Jahrhundert gefunden.Ernst Nickel, Der „Alte Markt“ in Magdeburg, Ergebnisse der archäologischen Stadtkernforschung in Magdeburg, Teil 2, Akademie-Verlag Berlin 1964, Seite 39
In der Zeit der DDR erfolgte ein Wiederaufbau der Innenstadt, der sich in weiten Teilen nicht an die historische Stadtstruktur hielt. Der Schwibbogen wurde dabei aufgegeben und mit einem Wohnhauskomplex überbaut.
Historische Häuser des Schwibbogens