Die Geschichte Panamas umfasst die Entwicklungen auf dem Gebiet der Republik Panama von der Urgeschichte bis zur Gegenwart. gerahmt|rechts|Präkolumbische Keramikfigur aus Talamancan, Panama

Präkolumbische Zeit Die Geschichte Panamas ist durch ein reichhaltiges präkolumbisches Erbe geprägt, welches sich über mehr als 12.000 Jahre erstreckt. Die ältesten Spuren dieser indigenen Völker sind unter anderem Pfeilspitzen. In Zentralpanama lagen die ersten Dörfer Amerikas, in denen Töpferei betrieben wurde, so zum Beispiel die Monagrillo-Kultur im Zeitraum von 2500 bis 1700 v. Chr. Aus diesen entwickelten sich bedeutende Ansiedlungen, deren Bekanntheitsgrad aus den Gräbern der Conte-Ausgrabungsstätte (500–900 n. Chr.) und der polychromen Töpferei des Coclé-Stils resultiert.

Die Conquista und die frühkoloniale Zeit Im Jahr 1501 brach Rodrigo de Bastidas aus Sevilla, der Christoph Kolumbus auf seiner zweiten Amerikareise begleitete, von der Atlantikküste des heutigen Kolumbiens auf, um die Küstenlinie des karibischen Meers zu kartographieren. Er erreichte La Punta de Manzanillo an Panamas oberer karibischer Küste, bevor er auf Grund des schlechten Schiffszustandes nach Santo Domingo zurückkehren musste. Er gilt als der erste Europäer, der diesen Teil des Isthmus, das Gebiet des heutigen Guna Yala, beanspruchte. Vor Ankunft der Europäer war Panama weitestgehend von den Völkern der Chibcha und Chocoa besiedelt, deren größte Gruppe die Cueva darstellten. Ein Jahr nach de Bastidas Ankunft in Panama segelte Christoph Kolumbus von den heutigen Gebieten Honduras und Costa Ricas in südlicher Richtung zum Isthmus. Kolumbus fertigte in dieser Zeit Karten der panamaischen Küstenlinie an und erkundete, im Gegensatz zu de Bastida, den westlichen Teil Panamas. Er landete an einem Platz namens Almirante und rückte in ein Gebiet vor, das er Veragua (deutsch: Wasser sehen) nannte. Er setzte seine Küstenfahrt bis zum Río Chagres fort, landete in Portobelo, einer natürlichen Bucht, die 1597 ein bedeutender Karibikhafen der spanischen Flotte werden sollte, und beendete schließlich seine Erkundungen in Del Retrete, nachdem er lediglich zwei Monate im Bereich des heutigen Panamas war.

Vasco Núñez de Balboa, ein Begleiter de Bastidas’, folgte 1513 Berichten der indigenen Bevölkerung, wonach es im Westen einen weiteren Ozean gab. Balboa gelang mit einer Truppe von 190 Mann die schwierige Überquerung des Isthmus zwischen Atlantik und Pazifik. Den Ozean, den er am 25. September 1513 als erster Europäer zu Gesicht bekam, nannte er Mar del Sur (Südmeer). Später setzte sich jedoch der Name Pazifik durch, der auf die erste Weltumsegelung unter Ferdinand Magellan zurückgeht.

mini|300px|Camino Real in einem trockengefallenen Uferbereich des Alajuela-Stausees Zentrum des kolonialen Panama wurde Panama-Stadt. 1519 von Pedro Arias Dávila gegründet wurde sie bald Sitz der Audiencia und Bischofssitz. Die Stadt an der geografisch bestgeeigneten Position für den interozeanischen Handel gelegen – obgleich in einer ungünstigen topographischen Lage – wurde wichtiger Umschlagplatz auf der Route zwischen Peru und Spanien. Gold und Silber wurden auf dem Seeweg nach Panama gebracht und von dort auf dem Landweg an die Karibikküste geschafft und von dort dann weiter nach Spanien verschifft. Es entwickelte sich ein System mit zwei Routen: dem Camino Real (deutsch: königlicher Weg) auf dem während der Trockenzeit von Dezember bis April das Gold und Silber auf dem Rücken von Maultieren transportiert wurde, und der Camino de Cruces (deutsch: Weg der Kreuze) der von Panama-Stadt auf dem Landweg nach Venta de Cruces führte, dort wurden die Güter in Boote umgeladen und über den Fluss Chagres zur Mündung gebracht. Der Camino de Cruces wurde vor allem während der Regenzeit für den allgemeinen Warenverkehr benutzt. Der Ursprung des Namens Camino de Cruces wird von der kreuzförmigen Form des Straßenpflasters abgeleitet.

Der Erfolg der spanischen Herrschaft stand in scharfem Kontrast zur Unterdrückung der indigenen Völker. Wenige Jahre nach der Conquista waren die einheimischen Völker weitgehend ausgerottet. Im späten 17. Jahrhundert war beispielsweise die Kultur der Cueva vollständig verschwunden. Die fehlenden Arbeitskräfte wurden vor allem durch afrikanische Sklaven ersetzt, die ab dem 16. Jahrhundert in großer Zahl nach Panama verschleppt wurden. Harte Arbeitsbedingungen und schlechte Behandlung waren die Auslöser für häufige Sklavenaufstände. Ins Hinterland entflohene Sklaven, sogenannte Cimarrones, gründeten eigene Siedlungen und führten von dort aus eine Art Guerillakrieg gegen die Spanier, oft im Bündnis mit Angehörigen indigener Völker, so unter dem afrikanischstämmigen Anführer Bayano in den 1550er Jahren.Charles C. Mann: 1493. Uncovering the New World Columbus Created. Vintage Books, New York City 2012, S. 449–451. Bisweilen kam es sogar zu Allianzen mit Piraten wie 1573, als Cimarrones den englischen Freibeuter Francis Drake bei Angriffen auf spanische Silbertransporte nahe Nombre de Dios unterstützten.Charles C. Mann: 1493. Uncovering the New World Columbus Created. Vintage Books, New York City 2012, S. 453–455.

Im Jahr 1671 wurde Panamá la Vieja durch den englischen Piraten Henry Morgan zerstört. Er kam über den Isthmus und griff die Stadt von der Landseite an, die danach in zehn Kilometer Entfernung an besser geeigneter Stelle (Casco Viejo) neu gebaut wurde.

Ein schottischer Versuch, am Ende des 17. Jahrhunderts am Golf von Darién die Kolonie New Caledonia zu gründen und von dort aus Waren über den Isthmus zu transportieren, das sogenannte Darién-Projekt, scheiterte trotz hoher Investitionen. Der Bankier William Paterson (1658–1719) hatte für das Projekt 400.000 Pfund eingeworben, doch schließlich floss die Hälfte des schottischen Nationalvermögens in das erfolglose Unternehmen.

Panama unterstand von 1538 bis 1821 spanischer Herrschaft (Vizekönigreich Neugranada), und sein Schicksal war eng mit der geopolitischen Bedeutung des Isthmus für die spanische Krone verbunden. Die Bedeutung Panamas sank zum Ende des 17. Jahrhunderts in erheblichem Maße und verschwand Mitte des 18. Jahrhunderts fast völlig, als Spaniens Macht und Einfluss in Europa schwanden und spanische Schiffe mehrheitlich Kap Hoorn umsegelten, um den Pazifik zu erreichen. Die Strecke über Panama war zwar kurz, aber auch arbeitsintensiv und teuer, vor allem wegen des mehrfachen Ladungsumschlages und des aufwändigen Landtransportes. Zusätzlich war die Strecke über Panama durch (meist niederländische und englische) Piraten sowie Cimarrones bedroht.

Panama seit dem 19. Jahrhundert Das allgemeine Streben nach Unabhängigkeit in den Kolonien auf dem amerikanischen Kontinent berührte Panama zunächst nicht. Erst um 1820 – nach dem Eintreffen der ersten Druckpresse – intensivierten sich die Diskussionen um eine mögliche Unabhängigkeit von der spanischen Krone. Höhepunkt dieser Diskussionen war der Primer Grito de Independencia en la Villa de Los Santos, mit der die Stadt La Villa de Los Santos ihre Unabhängigkeit erklärte. Die konservativen Eliten in Veraguas und Panama-Stadt widersetzten sich dieser Erklärung. Zu denen, die die Unabhängigkeit ablehnten, gehörte auch der Kommandeur der Streitkräfte José de Fábrega, den die Befürworter der Unabhängigkeit jedoch auf ihre Seite ziehen konnten. Fábrega berief ein Treffen von Vertretern aller panamaischen Städte ein, wo sich Panama am 28. November 1821 von Spanien unabhängig erklärte und gleichzeitig dem Vizekönigreich Neugranada beitrat. Somit erlangte Panama – im Unterschied zu seinen Nachbarstaaten – seine Loslösung von Spanien ohne Blutvergießen. Im September 1830 trennte sich Panama unter der Führung von General José Domingo Espinar, dem lokalen Militärkommandanten, der sich wegen einer Versetzung gegen die Zentralregierung auflehnte, vom Rest Großkolumbiens. Als Bedingung für den Wiederbeitritt wurde die Direktherrschaft Simón Bolívars verlangt. Bolívar wies Espinars Forderungen zurück und verlangte seinerseits, dass sich die Provinz wieder der Zentralregierung unterwerfe. Im Rahmen der allgemeinen politischen Spannungen in den letzten Tagen Großkolumbiens putschte General Juan Eligio Alzuru gegen die Autorität Espinars. Anfang 1831 wurde Panama wieder Bestandteil dessen, was einmal Großkolumbien gewesen war, und wurde Teil einer neuen Union namens Republik Neugranada.

Im Juli 1831, als sich die neuen Staaten Venezuela und Ecuador konstituierten, erklärte der Isthmus erneut seine Unabhängigkeit, diesmal unter der Führung von General Alzuru als militärischem Oberkommandanten. Der Machtmissbrauch der kurzlebigen Administration Alzurus rief militärische Gegenmaßnahmen unter Colonel Tomás de Herrera hervor. Nach der Niederlage und der Exekution Alzurus im August wurden die alten Verbindungen mit Neugranada wiederhergestellt. Im November 1840, während eines aus einem Religionskonflikt entstandenen Bürgerkrieges, erklärten mehrere lokale Autoritäten ihre Unabhängigkeit, dem folgte auch General Herrera für den Isthmus. Panama erhielt den Namen Estado Libre del Istmo, zu deutsch: Freier Staat des Isthmus. Dieser neue Staat etablierte einige außenpolitische und wirtschaftliche Verbindungen und im März 1841 wurde eine Verfassung verabschiedet, die die Möglichkeit eines Wiederanschlusses an Neugranada innerhalb eines föderalen Systems eröffnete. Nach dem Ende des Bürgerkrieges wurde mit der neugranadischen Regierung über die Wiedervereinigung zum 31. Dezember 1841 verhandelt. Der Isthmus war insgesamt für 13 Monate unabhängig.

Wie so häufig in der neuen Welt, wurden die politischen und administrativen Strukturen nach der Unabhängigkeit von den Nachfahren der Kolonialaristokratie kontrolliert. Im Falle Panamas wurde diese Elite aus zehn erweiterten Familienkreisen gebildet. Obwohl Panama erhebliche Fortschritte in der Durchlässigkeit sozialer Schichten und der Integration von Minderheiten gemacht hat, wird das wirtschaftliche und gesellschaftliche Leben Panamas noch immer von einer kleinen Anzahl von Familien kontrolliert. Der abwertende Begriff unbekannten Ursprungs rabiblanco, was so viel heißt wie weißer Schwanz, wird seit Generationen für die Mitglieder dieser weißen Familien verwendet.

Im Jahre 1852 übernahm der Isthmus das trial by jury-Prinzip für Gerichtsverhandlungen, das heißt über Schuld und Unschuld entscheidet eine Jury, und 30 Jahre nach der internationalen Abschaffung der Sklaverei erklärte auch Panama diese für beendet und bekämpft sie seitdem. 1855 wurde die erste transkontinentale Eisenbahnlinie der neuen Welt eröffnet, die Panama Railway, die von Colón nach Panama-Stadt verläuft, um Glücksritter, die auf dem Weg zu den Goldfeldern in Kalifornien waren, schnell an den Pazifik transportieren zu können. Die Existenz dieser Bahnlinie machte erst die Überlegung über einen Panamaischen Kanal ernsthaft möglich.

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