Die Formel-1-Weltmeisterschaft 2026 ist die 77. Formel-1-Weltmeisterschaft. Sie sollte ursprünglich 24 Große Preise und 6 Sprintrennen umfassen. Wegen des Irankriegs wurde der Große Preis von Bahrain vom 12. April letztlich auf den 4. Oktober und als Ersatzschauplatz auf den Sepang International Circuit in Sepang, Malaysia verlegt. Der am 19. April geplante Große Preis von Saudi-Arabien wurde ersatzlos abgesagt, womit im April kein Rennen ausgetragen wurde. Die Saison umfasst nun voraussichtlich 23 Große Preise.
Die Weltmeisterschaft begann am 8. März mit dem Großen Preis von Australien und wird voraussichtlich mit dem Großen Preis von Abu Dhabi am 6. Dezember enden.
Hintergrund Technisches Reglement Die erstmals im April 2024 von der Fédération Internationale de l’Automobile (FIA) präsentierten und zwischenzeitlich noch einmal abgeänderten Überarbeitungen des technischen Regelwerks traten nun in Kraft. Sie unterscheiden sich sehr deutlich von den Richtlinien der Vorjahre und sollen die Attraktivität des Geschehens auf der Rennstrecke sowie die Nachhaltigkeit der Rennserie erhöhen.
Chassis und Fahrgestell Die Abmessungen der Fahrzeuge und das Äußere im Allgemeinen veränderten sich grundlegend. So fiel der Radstand von 3600 mm auf 3400 mm und die Fahrzeugbreite von 2000 mm auf 1900 mm. Außerdem sank das Mindestgewicht von 800 kg auf 768 kg sowie die Reifenbreite um 25 mm vorn und 30 mm hinten. Die Vorschriften der Überrollvorrichtung bzw. Fahrersicherheit wurden noch einmal verschärft. Des Weiteren werden aktive aerodynamische Elemente erstmals vollständig zugelassen. So ist es den Fahrern nun möglich, den Anstellwinkel von Front- und Heckflügel während der Fahrt innerhalb designierter Streckenabschnitte frei und beliebig oft anzupassen, um die bestmöglichen Fahreigenschaften zu erreichen oder ein Überholmanöver zu vereinfachen. Dieser Modus wird als Straight Mode bezeichnet und steht im Gegensatz zum Corner Mode, der in Kurven aktiv wird und den höchstmöglichen Anpressdruck bietet. Derartige Systeme waren in der Geschichte der Formel 1 aus Sicherheitsgründen für lange Zeit verboten und jegliche Anpassungen der Flügel mussten von der Boxenmannschaft bei stehendem Fahrzeug durchgeführt werden. Ein erster Versuch waren zweimal pro Runde am Lenkrad begrenzt anpassbare Frontflügel in den Saisons 2009 und 2010, die laut Aussage der Fahrer die Fahrzeugbalance deutlich verbessern konnten. Zur Saison 2011 wurden sie aber zugunsten des Drag Reduction System (DRS) wieder verboten, das wiederum bis 2025 zugelassen blieb. Es erlaubte bei Abstand von unter einer Sekunde zum vorausfahrenden Fahrzeug am Messpunkt das völlige Flachstellen des Heckflügels für eine kurze Zeit auf festgelegten Geraden, was die Höchstgeschwindigkeit und dadurch die Überholchancen anhob.
Motoren Das im Juli 2021 beschlossene neue Motorenreglement gilt nun nach einer einjährigen Vertagung durch die COVID-19-Pandemie und Kritik der Konstrukteure an der ursprünglichen Fassung ebenfalls.
Grundlage des Antriebsstrangs der Hybridfahrzeuge bildet weiter ein 1,6-Liter-Sechszylinder-Ottomotor mit Turboaufladung, der durch elektrische Antriebssysteme mit Elektromotor ergänzt wird. Dieses Grundprinzip ist bereits seit der Saison 2014 in Anwendung, wurde allerdings für die Saison 2026 vereinfacht. Das Energy Recovery System (ERS) besteht zukünftig nur noch aus der Stromproduktion mittels kinetischer Energie in der vergrößerten MGU-K, die zusätzliche Verwertung der Abgaswärme des Verbrennungsmotors durch das MGU-H-System entfällt. Mit rund 350 kW (475 PS) wird der Gesamtanteil der elektrischen Energie im Antriebssystem fast verdreifacht (120 kW bis einschließlich 2025, 350 kW ab 2026) und rückt deutlich näher an den zuvor als Primärantrieb wirkenden Verbrennungsmotor heran, der bis zu 430 kW (585 PS) leistet. Für Letzteren ist zudem nun ein von der FIA in Eigenregie entwickelter synthetischer Kraftstoff vorgeschrieben, der den Kohlenstoffdioxidausstoß der Fahrzeuge deutlich senken und durch die Unabhängigkeit vom Erdöl die Nachhaltigkeit verbessern soll.
Bedingt durch die Steigerung des Anteils elektrischer Energie wurden zusätzliche Möglichkeiten zum Abruf weiterer Motorleistung geschaffen. Als Ersatz für das aerodynamische DRS steht nun der Overtake Mode zur Verfügung, der beim Höchstabstand von einer Sekunde zum vorausfahrenden Fahrzeug auf Knopfdruck zusätzliche Leistung zur Verfügung stellt, um Überholmanöver zu vereinfachen. Diese Energie kann innerhalb einer Runde frei – entweder auf einmal oder aufgeteilt in mehrere Energieschübe – abgerufen werden. Er ergänzt den Boost Mode, der immer zur Verfügung steht und ohne Mindestabstand nach Ermessen des Fahrers angewendet werden kann, so auch beispielsweise zur Abwehr eines Überholversuchs des Hintermanns. Beide Modi ähneln Verfahren, die bereits in der FIA-Formel-E-Weltmeisterschaft bzw. zwischen 2009 und 2013 in der Formel 1 mit KERS zum Einsatz kommen bzw. kamen. Beachtet werden muss allerdings immer der Ladestand der Fahrzeugbatterie, von der die Zusatzenergie bezogen wird. Sie wird weiterhin grundsätzlich durch die Bremsenergie aufgeladen; es gibt nun allerdings auch die Möglichkeit, durch die Wegnahme von Gas am Kurvenende bzw. bei Kurvendurchfahrt im Recharge Mode die Rekuperation und somit die Energieausbeute zu erhöhen. Im Rennbetrieb wird angestrebt, bei jeder Zieldurchfahrt den gleichen Ladezustand zu haben; im Qualifying soll der Akku leergefahren werden.
Schon in den ersten Rennen erwiesen sich die Fahreigenschaften der Wagen aufgrund der neuen Motorisierung als problembehaftet. Zahlreiche Fahrer merkten den deutlich gestiegenen Arbeitsaufwand an, die Energiereserven ihrer Wagen zu steuern, und wiesen auf das Gefahrenpotential der von anderen Fahrern kaum vorhersehbaren Geschwindigkeitsgewinne bei Einsatz des Overtake Mode hin. Es kam in den ersten Rennen zu zahlreichen Überholmanövern, die allerdings wiederholt als künstlich beschrieben wurden und zudem zu teils sehr riskanten Fahrmanövern führten. Des Weiteren erwies sich das neue Antriebssystem auf manchen Strecken als untauglich – so traten wiederholt unerwünschte Effekte aufgrund unzureichender elektrischer Energie im System auf. Bei langer Vollgasfahrt kann das Clipping auftreten, wenn die Fahrzeugbatterie zwischenzeitlich entladen wurde und somit die Antriebskraft allein vom Verbrennungsmotor bezogen wird. Es kommt entsprechend zu Leistungseinbußen und somit niedriger Maximalgeschwindigkeit. Sollte die Rekuperation in den folgenden Kurven nicht ausreichen, um die Batterie wieder ausreichend aufzuladen, kann es außerdem zum Super Clipping kommen. Dabei verliert das Fahrzeug sogar deutlich an Geschwindigkeit trotz Vollgasfahrt, da ein beträchtlicher Teil der Energie des Verbrennungsmotors zum Aufladen der Batterie genutzt wird.
In Japan hatte Oliver Bearman aufgrund eines enormen Leistungsüberschusses vor einer Kurve einen schweren Unfall: Er lief auf Franco Colapinto auf, der mit Clipping deutlich langsamer fuhr als üblich, und kam beim folgenden Überholversuch gegen ihn von der Strecke ab. Vor dem Großen Preis von Miami kam es zu ersten Regeländerungen. Unter anderem wurde die maximal abrufbare elektrische Energie im Boost Mode erstmals begrenzt. Dies sollte die Gefahr durch die sehr großen Leistungsunterschiede auf Geraden oder langgezogenen Kurven reduzieren, wo üblicherweise nicht mit Überholversuchen gerechnet wird.
Sportliches Reglement und Organisation
Modus Die seit 2021 an vereinzelten Rennwochenenden zusätzlich ausgetragenen Sprintrennen sind dieses Jahr für die Grands Prix in Shanghai, Miami, Montreal, Silverstone, Zandvoort und Singapur vorgesehen. Zudem wird das Qualifikationsformat leicht verändert: Schieden bislang in den ersten beiden Qualifying-Abschnitten jeweils die langsamsten fünf Fahrer aus, wird diese Zahl nun aufgrund der Vergrößerung des Starterfeldes auf 22 Fahrzeuge um je einen auf sechs Fahrer angehoben.
Strafen Das Strafpunktesystem wurde vor Beginn der Saison von der FIA überarbeitet. Anlass war Kritik seitens der Fahrer, wonach zu häufig normale Rennsituationen mit Punkten bestraft würden, zumal Strafpunkte zu einer Rennsperre führen können. So haben die Stewards jetzt mehr Spielraum bei der Vergabe von Strafpunkten, insbesondere bei Kollisionen, für das Ignorieren der blauen Flagge gibt es Strafpunkte nur noch bei eindeutiger Absicht oder grober Fahrlässigkeit, für Abdrängen von der Strecke bei Rücksichtslosigkeit. Als Erfolg wurde gewertet, dass es in den ersten sieben Rennen dieser Saison erst einen Strafpunkt gab.
Strecken Der seit 1991 auf dem Circuit de Barcelona-Catalunya ausgetragene Große Preis von Spanien wechselt auf den neu errichteten Circuito de Madring, einen semi-permanenten Stadtkurs in Madrid. Mit dem Valencia Street Circuit gab es in Spanien bereits von 2008 bis 2013 eine vergleichbare Strecke, auf dem in dieser Zeit der Große Preis von Europa ausgetragen wurde. In Barcelona wird stattdessen erstmals der Große Preis von Barcelona-Katalonien stattfinden, der den Kalenderplatz des von 2020 bis 2025 (mit einer Ausnahme in der Saison 2023) auf dem Autodromo Enzo e Dino Ferrari gefahrenen Großen Preis der Emilia-Romagna einnimmt.
Der Große Preis der Niederlande wurde 2026 zum vorerst letzten Mal veranstaltet.
Concorde Agreement Das vorherige Concorde Agreement lief nach der Saison 2025 aus und wurde für die Saison 2026 neu verhandelt. Die kommerzielle Vereinbarung wurde von Teams, FIA und FOM im März 2025 unterzeichnet; das Governance-Abkommen im Dezember 2025.
Teilnehmer
Teams Der deutsche Volkswagen-Konzern plante ab 2026 ein Engagement mit den Konzernmarken Audi und Porsche in der Formel 1. Statt ein neues Werksteam von Grund auf neu aufzubauen, sollte jeweils eine Partnerschaft mit einem bereits bestehenden Formel-1-Team eingegangen werden. Während Verhandlungen mit Red Bull Racing kurz vor einem Vertragsabschluss abgebrochen wurden und sich Porsche daraufhin zurückzog, übernahm Audi 2024 den Rennstall Sauber vollständig und bringt ihn ab 2026 als Audi F1 Team mit eigenen Motoren an den Start.
Vollständig neu steigt das Cadillac Formula 1 Team ein, das auf Basis des gescheiterten Formel-1-Projekts von Andretti Global aufgebaut wurde und bis zur voraussichtlichen Fertigstellung der eigenen Motoren im Jahr 2029 mit Antrieben der Scuderia Ferrari an den Start geht. Dadurch beträgt die Zahl der eingeschriebenen Teams und Fahrer zum ersten Mal seit 2016 wieder 11 bzw. 22.
McLaren tritt zum ersten Mal seit 2013 wieder mit einem Titelsponsor an und erscheint so als McLaren Mastercard Formula 1 Team in den Meldelisten. Toyota Gazoo Racing ging zudem eine Zusammenarbeit mit dem Haas F1 Team ein, das entsprechend in TGR Haas F1 Team umbenannt wurde.
Motorenhersteller Im Zuge des neuen Motorenreglements kommt es zu einigen Neuerungen. Renault beendet sein mit kurzer Unterbrechung fast 50 Jahre lang vorangetriebenes Motorenprogramm für die Formel 1 und das Werksteam Alpine wird als Folge Kundenmotoren von Mercedes beziehen. Außerdem wechselte Honda nach dem Ende der Zusammenarbeit mit Red Bull Racing als Werkspartner zu Aston Martin und erscheint so wie zuletzt 2021 wieder mit vollständig selbst entwickelten Motoren unter eigenem Namen. Red Bull ging stattdessen eine technische Partnerschaft mit Ford ein und fertigt bei Red Bull Powertrains (RBPT) als Red Bull Ford bezeichnete Motoren für das Hauptteam und den Nachwuchsrennstall Racing Bulls. Ford war zuletzt in der Saison 2004 mit der damaligen Konzernmarke Jaguar Cars in der Formel 1 engagiert und verkaufte Jaguar Racing anschließend an die Red Bull GmbH.
Einziger neuer Motorenhersteller in diesem Jahr ist Audi, die das Aggregat zunächst exklusiv im Werksteam einsetzen.
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