Jörg Baumann (* 1981 in Aschaffenburg) ist ein deutscher Politiker (AfD) und Polizeibeamter a. D. Er ist seit 2023 Mitglied des Bayerischen Landtages.

Werdegang Jörg Baumann absolvierte nach der Mittleren Reife eine Ausbildung im mittleren Polizeidienst. Sein Vater, Hausmeister bei der Polizeiinspektion Aschaffenburg, vermittelte den Kontakt zur Polizei. Baumann sammelte Berufserfahrung bei der Polizei in Würzburg und der Verkehrspolizei in Weilheim, bevor er 2004 als Streifenbeamter nach Aschaffenburg zurückkehrte. Ab 2013 war er dort als Diensthundeführer tätig.

Baumann ist verheiratet, hat zwei Kinder und gehört der römisch-katholischen Kirche an.

Politik Baumann trat 2019 der AfD bei und ist seit 2020 Mitglied im Kreistag des Landkreises Aschaffenburg sowie im Gemeinderat von Haibach. Innerhalb der Partei ist er Vorsitzender des AfD-Ortsverbandes Haibach, stellvertretender Kreisvorsitzender der AfD Aschaffenburg und Beisitzer im AfD-Bezirk Unterfranken. 2020 kandidierte er erfolglos für das Bürgermeisteramt in Haibach. Bei der Landtagswahl in Bayern 2023 trat er im Stimmkreis Aschaffenburg-West an und wurde über die Liste des Wahlkreises Unterfranken in den Bayerischen Landtag gewählt.

2026 kandidierte er erneut für das Amt des Bürgermeisters von Haibach. Dieses kann er per bayerischer Verfassung nur annehmen, wenn er sein Landtagsmandat niederlegt, was politische Beobachter als unwahrscheinlich ansehen.Torsten Maier: Jörg Baumann als Bürgermeister von Haibach? „Das interessiert den doch gar nicht“. Main-Echo vom 24. Februar 2026, S. 2.

Laut dem Main-Echo, das Sitzungsprotokolle auswertete, ist sein Engagement im Gemeinderat in Haibach überschaubar. 2024 sei er nur in 5 von 14 Gemeinderatssitzungen anwesend gewesen, 2025 in acht von 13 Sitzungen. Wortbeiträge von ihm in Sitzungen seien äußerst selten, zudem sei in Protokollen keine einzige sachbezogene Diskussion von ihm dokumentiert. Vorbesprechungen zu Sitzungen habe er gemäß Erinnerungen anderer Teilnehmer nie bzw. so gut wie nie besucht.

Politische Ansichten Im Bayerischen Landtag ist Baumann Mitglied im Ausschuss für Öffentlichen Dienst sowie im Innenausschuss. Er setzt sich nach eigenen Angaben für die Stärkung der kommunalen Selbstverwaltung und der Inneren Sicherheit ein. Baumann thematisiert eine von ihm wahrgenommene Zunahme von Gewalt gegen Einsatzkräfte und eine Verrohung der Gesellschaft, die er unter anderem auf Migration, veränderte Familienstrukturen und wirtschaftliche Zwänge zurückführt. Er kritisiert, dass viele Eltern ihre Erziehungsverantwortung an Schulen und Kitas delegieren, und sieht einen Verlust generationenübergreifender Zusammenhänge.

Baumann unterstützt den Thüringer AfD-Politiker Björn Höcke und verteidigt dessen Positionen als innerparteiliche Solidarität. Ebenso spricht er sich für die Meinungsfreiheit aus und zeigt Sympathie für den österreichischen rechtsextremen Aktivisten Martin Sellner. Den Begriff „Remigration“ interpretiert Baumann als Rückführung illegal in Deutschland lebender Personen, etwa aus Syrien, da der dortige Bürgerkrieg laut Staatschef Assad beendet sei. Gleichzeitig betont er, dass legal eingereiste und integrierte Migranten willkommen seien. Am 13. September 2024 kommentierte er die Festnahme eines mutmaßlichen Islamisten in Hof und betonte die Notwendigkeit von „Remigrationsanstrengungen“. Am 23. Januar 2025 forderte er ein Verbot islamistischer Vereine und ein Ende der Hetze gegen Juden und Christen in Bayern.

In Plenardebatten im Landtag verwendet Baumann mitunter populistische Rhetorik, etwa wenn er von einem „Gewalt-Tsunami“ spricht oder Deutschland mit Städten wie Islamabad oder Aleppo vergleicht. Auf der Plattform X präsentiert er sich als nationalkonservativ und verwendet Slogans wie „Ich bin rechts, ich bin konservativ, und das ist gut so.“ Seine Auftritte und Posts führen bei anderen Landtagsabgeordneten zu der Einschätzung, dass er eine klar rechtsnational geprägte Haltung vertritt.

2026 forderte Baumann die Einführung einer Abschiebepolizei nach Vorbild des amerikanischen United States Immigration and Customs Enforcement (ICE).

Einordnung Baumann wird vom Main-Echo als „AfDler durch und durch – bis zur rechtsextremen Ausrichtung der Partei“ eingeordnet. Er gebe sich zwar „jovial und kumpelhaft“ und stelle sich als „Liebling aller Schwiegermütter“ dar, doch stecke hinter der „Fassade“ ein „AfD-Extremer, der wie viele seiner Parteikollegen gerne an einem menschenverachtenden und autoritären Bild“ zeichne. Er provoziere regelmäßig im Landtag oder Internetplattformen, zeige sich als Fan des österreichischen Rechtsextremen Martin Sellner, von Björn Höcke und „der rechtsextremen AfD-Nachwuchsorganisation Junge Alternative“. Er veröffentliche Aufreger-Videos gegen den bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder und gegen die Grünen, hänge sich an Berichte rechtspopulistischer Medien und stehe diesen als Interviewpartner zur Verfügung. Auch habe er schon das Remigrationsbuch von Martin Sellner verlost.

Weblinks

Biographie auf der Parteiwebsite

Einzelnachweise

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