Die Établissements Battard SA war ein belgisches Lebensmittelunternehmen, das vor allem im Lebensmitteleinzelhandel, aber auch im Lebensmittelgroßhandel tätig war. Das Unternehmen, vor allem bekannt für seine Battard-Supermärkte, wurde 128 Jahre in fünf Generationen als Familienunternehmen geführt, ehe es an die Vendex Food Group verkauft wurde.
Geschichte Beginn als Warenproduzent und Aufbau der eigenen Marke (1866–1913) Der Notar Lehon, Großvater mütterlicherseits von François Battard (1836–1891), verwaltete den Besitz der belgischen Adelsfamilie Princes de Ligne. Über die Jahre erwarb die Familie landwirtschaftliche Flächen in Ville-Pommerœul und Umgebung und bewirtschaftete diese selbst oder durch Pacht. François Battard, der mit der Rösterei von Wegwarten als Kaffeeersatzprodukt startete, gründete im Oktober 1867 ein eigenes Unternehmen namens Battard-Lepoivre, nachdem ihm am 15. April 1867 eine Baugenehmigung für die Rösterei von der Stadt erteilt wurde. Nach einigen Jahren, auch wegen der wachsenden Zahl der Kolonialwarenhändler, erweiterte er das Sortiment um importierte Artikel wie Kaffee, Reis und Schokolade und lokalproduzierte Artikel wie Papier, Seife und Zucker. In seiner Fabrik wurden darüber hinaus Mehl und Weizen verarbeitet. Nach seinem Tod übernahm sein Sohn François Battard (1862–1947) das Unternehmen. Der jüngere François, der zwischen 1896 und 1946 Bürgermeister von Ville-Pommerœul war, stand vor neuen Herausforderungen. So entstand mit Kaufhäusern, Genossenschaften und Handelsketten wie Delhaize oder Louis Delhaize neue Konkurrenz. In Folge passte man sich der neuen Situation an und füllte fortan Weine ab und begann mit der eigenen Kaffeerösterei. So konnte man Kosten senken und auf Zwischenhändler verzichten. Neue Lagerhäuser entstanden 1905 in Ville-Pommerœul. Es wurde begonnen, ein regionales Filialnetz unter dem Namen Battard aufzubauen. Die Filialen blieben im Besitz der Familie und wurden von Mitarbeitern geleitet, die nach Umsatzzahlen ihren Lohn erhielten. Parallel begann der Aufbau einer eigenen Marke, die auf Waren sichtbar sein sollte. Eine erste Marke wurde 1892 beim Handelsgericht von Tournai angemeldet. Ab 1898 sollte sie auch als Teil der Geschäftsschilder verwendet werden dürfen, ab 1906 wurde sie auf allen Artikelverpackungen verwendet. Es folgte die Marke Chicorée Gauloise, die 1912 eingetragen wurde.
Kriegsjahre und erste Einkaufsgenossenschaften (1914–1949) Die Auswirkungen des Ersten Weltkrieges waren auch in Belgien zu spüren. Die Bevölkerung litt unter Hunger und Verarmung. Damit sein eigenes Unternehmen fortbestehen konnte, wurde 1919 die Großhandelsgenossenschaft Fédération des Négociants Belges en Denrées coloniales gegründet, an der auch Battard beteiligt war. Die Genossenschaft hatte ihren Sitz in Brüssel. Vorteil der Genossenschaft war der gemeinsame Einkauf, der geringe Kosten durch Rabatte bei Lieferanten bedeutete. Insgesamt 180 Lieferanten belieferten Battard in der Zeit zwischen 1919 und 1946. Nach dem Ersten Weltkrieg stieg Michel Battard (1891–1963), der Sohn von François Battard, in das Unternehmen ein. Die Unternehmensform wurde 1925 zu einer offenen Handelsgesellschaft geändert. Das Unternehmen trug nun den Namen Établissements F. Battard. Es entstand eine Destillerie für Weine, Spirituosen, ausländische Biere und Liköre am Hauptsitz in Ville-Pommerœul. Waren wurden mit eigenen Wagen ausgeliefert. Mit Ausbruch des Zweiten Weltkriegs und dem Einmarsch von Nazi-Deutschland in Belgien verschärfte sich die Situation für das Unternehmen und die Familien wieder. Der private Familiensitz wurde beschlagnahmt, es kam in den Geschäften zu Plünderungen von deutschen Soldaten. Zum Kriegsende konnte man 30 Millionen belgische Franken umsetzen und 2.000 Kunden in den Filialen bedienen. Nach Ende des Kriegs fand ein erneutes Wachstum statt, die Lieferflotte konnte über die Jahre verdreifacht werden. Die Großhandelsgenossenschaft verließ man 1946. 1949 wurde das Unternehmen in eine SPRL umgewandelt und Michel Battards Sohn Jacques Battard (geb. 1920) zum Geschäftsführer bestellt. Die Geschäftsführung übernahm er dabei bereits im Vorjahr. Durch die Änderung der Rechtsform konnte die Familie einen möglichen Einfluss von außen und folglich den Verlust der Geschäftshoheit unterbinden.
Neue Investitionen und erste SB-Filialen (1950–1969) Durch die weitere Marktentwicklung wurde eine umfassende Modernisierung des Unternehmens notwendig. Es folgten Erweiterung von Büros und Lagerhallen. Zudem trat Battard als Sponsor der Tour de France 1955 und 1956 auf. Auch die Möglichkeiten für Lagerung und Verkauf von Waren wie Butter, Eier, Käse, Obst und Gemüse und andere Warengruppen wurden ausgebaut. Das Sortiment umfasste zu dieser Zeit 4.000 Waren, die täglich 200 Tonnen ausmachten und mit 40 LKW an 500 Verkaufsstellen geliefert wurden. Das Jahr 1963 bot gleich mehrere Veränderung für das Unternehmen auf. So investierte man in einen IBM-Plattenrechner, der mehr als 50.000 Lochkarten für 500 tägliche Lieferungen verarbeiten konnte. Im selben Jahr verstarb Michel Battard, ein neuer Verwaltungsrat wurde gewählt. Dieser bestand aus Jacques Battard, Michel Battards Witwe Louise Battard sowie dem Bauingenieur Édouard George, Ehemann von Jacques Battards Schwester Françoise, und zum Geschäftsführer ernannt wurde. Gleichzeitig eröffnete man die erste Filiale mit Selbstbedienung. 1966 bestand das Filialnetz mit Selbstbedienung bereits aus 23 Standorten in der Provinz Hennegau, zusätzlich wurden 228 unabhängige Selbstbedienungsgeschäfte beliefert. Zuvor in den 1950er-Jahren waren vor allem kleine Flächen in einem Umkreis von 50 Kilometern um den Firmensitz herum Teil des Filialnetzes. Der Umstieg auf Selbstbedienung lohnte sich auch wirtschaftlich. So konnte man den Umsatz von 1947 bis 1966 um 540 % steigern. Im gleichen Jahr feierte man das 100-jährige Jubiläum des Unternehmens. Ebenfalls in den 1960er-Jahren bildeten sich Arbeitsgewerkschaften bei Battard.
Der erste Supermarkt und die Einführung von EAN-Strichcodes (1970–1983) Um Investitionen tätigen zu können, wurden vor allem die kleinen Filialen nach und nach aufgegeben und die Flächen verkauft. Der Fokus lag fortan auf SB-Geschäften sowie auf im Discountgeschäft. Der erste Supermarkt wurde 1970 in Chapelle-lez-Herlaimont unter dem Namen CASH 136 eröffnet. Der Name des Marktes bezog sich auf das Verkaufskonzept, bei dem Kunden gestaffelte Preise nach Menge erhielten (ein Stück, drei oder sechs Stück). Das Layout des Marktes entstand aus einer freundschaftlichen Zusammenarbeit mit dem Promodès-Gründer und späteren Carrefour-Geschäftsführer Paul-Louis Halley. Der Markt in Chapelle-lez-Herlaimont schrieb allerdings bis zu seiner Schließung 1995 durchweg rote Zahlen. Dennoch etablierte sich das Supermarktgeschäft grundlegend. Mitte der 1970er-Jahre betrieb das Unternehmen elf Cash-Märkte mit einer Verkaufsfläche zwischen 450 und 750 m² und angeschlossener Metzgerei sowie acht Top Fresh-Minimärkte mit 400 m² Verkaufsfläche, die keine Metzgerei beinhielten. Battard beschäftigte 450 Mitarbeiter. Nach dem Tod von Édouard George kam es 1975 zu Veränderungen im Vorstand. Herr Dendal trat an die Stelle von George, während Jacques Battards Frau Claire die Nachfolge von Louise Battard antrat. 1977 trat man der Genossenschaft Groupement Bloc bei. Ebenfalls Teil von Bloc waren zum damaligen Zeitpunkt die Unternehmen Colruyt, Lambrechts sowie Mestdagh. Auch bedingt durch die Ölpreiskrisen 1973 und 1979 gingen Menschen preisbewusster einkaufen, sodass eine Welle der Konsolidierung begann, bei der viele Unternehmen durch Übernahmen und Fusionen verschmolzen oder komplett verschwanden. Zeitgleich wuchsen neue Handelsmarken heran. So lancierte die GB-Gruppe 1981 als erstes Unternehmen in Belgien eine Preiseinstiegsmarke mit produits blancs (dt.: weiße Produkte). Battard bezog über Bloc eigene Handelsmarkenprodukte, die man als produits économiques (dt.: wirtschaftliche Produkte) verkaufte. Gemessen am Umsatz belegte Battard 1982 Platz 15 unter den belgischen Lebensmittelhändlern. Im selben Jahr führte man bei Battard EAN-Strichcodes als einer der ersten Händler, vorerst in der Logistik. Sohn Pierre Battard (geb. 1952) übernahm das Geschäft 1983 von seinem Vater Jacques Battard.
Inter Ballard und der Verkauf an Vendex Food (1984–1993) Um der weiter wachsenden Konkurrenz, die auch begann Franchisesysteme aufzubauen, entgegnen zu können, wurde eine neue Vertriebslinien namens Inter-Battard gegründet. Pierre Battards Wunsch, dass auch andere im Bloc organisierten Handelsketten die gleiche Vertriebslinien nutzen würden, um landesweit mit einer Marke auftreten zu können, wurde nicht verwirklicht, aus Mangel an Interesse anderer Ketten. Die Vertriebslinie Inter-Battard war als Franchisekette angelegt, ähnlich der Konkurrenz AD Delhaize. Die Verkaufsfläche der Inter-Battard-Märkte betrug zwischen 300 und 500 m², zugeschnitten auf Ortschaften mit 2.000 bis 3.000 Einwohnern. Ende November 1989 führte man dann das Scannen der EAN-Strichcodes in 17 Filialen ein. Zu Beginn der 1990er-Jahre betrieb man 33 Battard-Supermärkte in den Provinzen Brabant, Hennegau und Namur. Die Battard-Märkte machten 74 % des Umsatzes aus, 24 Märkte hatten eine Verkaufsfläche, die größer als 750 m² war. Hinzu kamen Inter Ballard-Märkte. Die fünf größten machten 4 % des Umsatzes aus, während das verbliebene Großhandelsgeschäft, das 450 Einzelhändler belieferte, 22 % des Umsatzes ausmachte, jedoch rückläufig war. In den folgenden Jahren spürte Battard Gegenwind durch mehrere Entwicklungen. Preislich rangierte die Kette 1991 teils weit hinter der Konkurrenz. Die Rezession von 1993 setzte dem Unternehmen zu, im gleichen Jahr kam es im Unternehmen zu Streiks der Mitarbeiter. Weitere Faktoren wie der sich nach Frankreich verlagerte Grenzhandel, die rasche Expansion durch Aldi und den Markteintritt von Intermarché taten ihr übriges. So wurden verschiedene Optionen geprüft. Eine dieser war ein Franchisevertrag mit Super U, analog zum damals parallel erfolgten Einstieg von Promodès bei Mestdagh (Mestdagh wurde daraufhin zum Franchiser des Konzerns). Da Super U jedoch keinerlei Kapitalbeteiligung vorsah, wurden die Pläne nicht weiter verfolgt. Andere Pläne waren die Fusion mit Mestdagh sowie die Übernahme von Battard durch Delhaize. Im Juli 1993 kam es zu Gesprächen mit der aus den Niederlanden stammenden Vendex Food Group. Letztlich entschied sich Pierre Battard auch zum Verkauf an die Niederländer, weil in der Generation seiner Kinder kein Interesse an einem Einstieg im Unternehmen bestand.
Expansion unter Vendex Food (1994–1997)