mini|Axel Dönhardt am Eingang Haus 18 Krankenhaus Barmbek Wilhelm Axel Henry Dönhardt (* 18. April 1920 in Hamburg;Katharina Alexandra Wolke: Der Hamburger Internist Axel Dönhardt (1920–2004) und die Frühphase der Beatmungs- und Intensivmedizin. Dissertation zur Erlangung des Grades eines Doktors der Medizin an der Medizinischen Fakultät der Universität Hamburg. Institut für Geschichte und Ethik der Medizin Hamburg 2021. † 11. Dezember 2004 ebenda)Nachruf von K. G. Kreymann (Hamburg) in: Intensivmed. 42, 2005, S. 305–307, DOI:10.1007/s00390-005-0602-0 war ein deutscher Mediziner und Chefarzt am Allgemeinen Krankenhaus in Barmbek. Er war ein Pionier der deutschen Intensivmedizin und der Errichtung von Giftinformationzentren. 1947 baute er als Assistenzarzt die erste Eiserne Lunge in Deutschland.

Schule, Studium, Militärdienst und Assistenzarztzeit Axel Dönhardt besuchte zunächst die Volksschule in Moorkamp, ab 1930 das Heinrich-Hertz-Gymnasium in Hamburg und legte dort das Abitur im März 1939 ab.Katharina Alexandra Wolke: Der Hamburger Internist Axel Dönhardt (1920–2004) und die Frühphase der Beatmungs- und Intensivmedizin. Dissertation zur Erlangung des Grades eines Doktors der Medizin an der Medizinischen Fakultät der Universität Hamburg. Institut für Geschichte und Ethik der Medizin Hamburg 2021. Seit 1936 war er Mitglied des Deutschen Amateur-Sende- und Empfangsdienst (DASD) und bewarb sich nach dem Abitur zum Militärdienst bei der Abteilung für Luftnachrichten der Luftwaffe. Nachdem er zum Reichsarbeitsdienst beim Autobahnbau in der Nähe von Soltau eingezogen worden war, leistete er seinen Wehrdienst ab 1. Oktober 1939, zunächst bei einer Baukompanie der Luftwaffe. Im Winter 1939/1940 wurde er während der Grippeepidemie im Krankenpflegedienst auf dem Krankenrevier der Kompanie eingesetzt. Da die Luftwaffe Mediziner suchte und ausbildete, konnte er ab September 1940 in Hamburg das Medizinstudium aufnehmen. Nach dem Physikum im März 1942 wurde er erneut zum Wehrdienst einberufen, den er bis Ende 1942, zuletzt bei der 1. Luftwaffen-Felddivision in Russland, ableistete. Ab 1943 war er Assistent bei Klotilde Gollwitzer-Meier im Institut für experimentelle Pathologie und Balneologie in Hamburg.Katharina Alexandra Wolke: Der Hamburger Internist Axel Dönhardt (1920–2004) und die Frühphase der Beatmungs- und Intensivmedizin. Dissertation zur Erlangung des Grades eines Doktors der Medizin an der Medizinischen Fakultät der Universität Hamburg. Institut für Geschichte und Ethik der Medizin Hamburg 2021. Am 9. Dezember 1943 heiratete Dönhardt seine Kommilitonin Erika Gräber (1921–2010).Hamburger Ärzteblatt 2010, Nr. 12, 10. Dezember. Im April 1945, nach neun Semestern Studiendauer, legte Axel Dönhardt das Staatsexamen ab und wurde mit der Arbeit Über den Wilson-Block und Veränderungen der QIII-Zacke im Elektrokardiogramm der toxischen Diphtherie und über die Ausprägung dieser Veränderung im Brustwandelektrokardiogramm des kleinen Herzdreiecks nach Kroetz und Nehb in Hamburg zum Dr. med. promoviert.Axel Dönhardt: Über den Wilson-Block und Veränderungen der QIII-Zacke im Elektrokardiogramm der toxischen Diphtherie und über die Ausprägung dieser Veränderung im Brustwandelektrokardiogramm des kleinen Herzdreiecks nach Kroetz und Nehb. PPN (Katalog-ID): 322758025 Staatsbibliothek Hamburg, Hochschulschrift Hamburg, Med.-Fak., Diss. V. 20. April 1945, erschienen in Hamburg 1944. Bis Kriegsende arbeitete er in einem Lazarett. Aus der Kriegsgefangenschaft wurde er im Oktober 1945 entlassen, erkrankte an Scharlach und wurde im Krankenhaus Altona behandelt. Dort arbeitete er ab Anfang 1946 zunächst als unbezahlter Hospitant auf der internistischen Abteilung. Seine Frau war dort bezahlte Assistentin. Sein Förderer wurde der Chefarzt der internistischen Abteilung des Krankenhauses Altona Reinhard Aschenbrenner. Als Dönhardts Frau schwanger wurde, trat er ihre Stelle als Assistenzarzt an und übernahm die Leitung des Labors für klinische Chemie.Katharina Alexandra Wolke: Der Hamburger Internist Axel Dönhardt (1920–2004) und die Frühphase der Beatmungs- und Intensivmedizin. Dissertation zur Erlangung des Grades eines Doktors der Medizin an der Medizinischen Fakultät der Universität Hamburg. Institut für Geschichte und Ethik der Medizin Hamburg 2021. In Altona wurden Personen mit Unterernährung, unter anderem auch ehemalige Gefangene des KZ Bergen-Belsen behandelt und untersucht.Hamburger Abendblatt: Die medizinische Versorgung war unvorstellbar primitiv, Conradt 14.10.1988, Sonderausgabe; S. 56. In den Jahren 1948 und 1949 untersuchte er in Zusammenarbeit mit dem Hygienischen Institut den Lipoidkomplex bei Unterernährung. Hierbei wurden zunächst die Blutwerte von Erkrankten mit Hungerödem mit denen gut ernährter Schwestern sowie von Patienten mit Karzinomkachexien verglichen.Katharina Alexandra Wolke: Der Hamburger Internist Axel Dönhardt (1920–2004) und die Frühphase der Beatmungs- und Intensivmedizin. Dissertation zur Erlangung des Grades eines Doktors der Medizin an der Medizinischen Fakultät der Universität Hamburg. Institut für Geschichte und Ethik der Medizin Hamburg 2021.

Eiserne Lunge Als im Sommer 1947 eine Poliomyelitisepidemie in Hamburg ausbrach,Festschrift zur Jubiläumsfeier, 1. Oktober 2011, 20 Jahre Bundesverband Poliomyelitis e. V. Nachrichten - Festschrift zum 20-jährigen Jubiläum des Bundesverbandes Poliomyelitis e. V. www.polio-selbsthilfe.de https://www.polio-selbsthilfe.de/ceasy/resource/?id=12-0&download=1 wurde das Allgemeine Krankenhaus Altona im September 1947 geräumt und dort die Zentrale für Hamburger Poliopatienten eingerichtet.Katharina Alexandra Wolke: Der Hamburger Internist Axel Dönhardt (1920–2004) und die Frühphase der Beatmungs- und Intensivmedizin. Dissertation zur Erlangung des Grades eines Doktors der Medizin an der Medizinischen Fakultät der Universität Hamburg. Institut für Geschichte und Ethik der Medizin Hamburg 2021. Um dem dringenden Bedarf an Beatmungsgeräten nachkommen zu können – etliche Patienten waren bereits aufgrund schwerer Atemlähmungen verstorben – beauftragte Aschenbrenner Dönhardt, schnellstmöglich eine eigene Version der „Iron Lung“ von Philip Drinker bauen zu lassen; der Ankauf amerikanischer Beatmungsgeräte stand im Nachkriegsdeutschland der 1940er Jahre außer Frage. Als Vorlage diente ein Nuffield-Both-Respirator aus dem Garnisons-Lazarett der Britischen MilitärregierungHans Christian Niggebrügge: Die Geschichte der Beatmung – Analyse und Neubewertung am Beispiel der Geschichte des „Pulmotor“ Notfallbeatmungs- und Wiederbelebungsgeräts der Lübecker Drägerwerke. Inauguraldissertation Zur Erlangung der Doktorwürde der Universität zu Lübeck - Aus der Medizinischen Fakultät - Lübeck 2011. und eine schlecht gedruckte Zeichnung einer amerikanischen Eisernen Lunge von 1928.Gisela Schütte: Ein Hamburger Mediziner entwickelte Eiserne Lunge. In: Die Welt. 7. Juni 2000. Auf der Deutschen Werft wurde innerhalb von drei Tagen u. a. aus Kriegsschrott (Torpedorohr eines Zerstörers), Schiffsteilen (Getriebe eines Fischkutters) und dem Blasebalg einer FeldschmiedeNeue Beatmungsmasken lassen nicht nur die Kosten aufatmen. In: draegerheft. 381-1, November 2008- Der Spiegel Geschichte Medizingeschichte Letzte Rettung Stahlsarg von Christoph Gunkel 16.10.2009 https://www.spiegel.de/geschichte/medizingeschichte-a-948551.html?sara_ref=re-so-app-sh die Deutsche-Werft-Lunge gebaut, im Krankenhaus Altona aufgebaut und am 12. Oktober 1947 in Betrieb genommen. Somit wurde das Behandlungszentrum am Krankenhaus Altona eine der Keimzellen der Intensivmedizin in Deutschland.Nachruf von K. G. Kreymann (Hamburg) in: Intensivmed. 42, 2005, S. 305–307, DOI:10.1007/s00390-005-0602-0

Insgesamt wurden in kurzer Zeit drei Eiserne Lungen gebaut. Das Modell wurde verbessert und von der verbesserten Form wurden zehn Lungen gebaut, die u. a. im Universitäts-Krankenhaus-Eppendorf (UKE) und im Hamburgischen Krankenhaus Bad Bevensen genutzt wurden. Auch nach Düsseldorf, Erlangen, Stuttgart, Berlin, Marburg, Kassel und Darmstadt wurden die Deutsche-Werft-Lungen vertrieben und dort eingesetzt.Katharina Alexandra Wolke: Der Hamburger Internist Axel Dönhardt (1920–2004) und die Frühphase der Beatmungs- und Intensivmedizin. Dissertation zur Erlangung des Grades eines Doktors der Medizin an der Medizinischen Fakultät der Universität Hamburg. Institut für Geschichte und Ethik der Medizin Hamburg 2021. Die Firma Dräger führte die Produktion verbesserter Geräte weiter.O2 Report. Ausgabe 39, 2/2017, Organ der Deutschen Sauerstoff- und BeatmungsLiga LOT e.V., Geschichte der maschinellen Beatmung Ortrud Karg – München S. 13.Hans Christian Niggebrügge: Die Geschichte der Beatmung – Analyse und Neubewertung am Beispiel der Geschichte des „Pulmotor“ Notfallbeatmungs- und Wiederbelebungsgeräts der Lübecker Drägerwerke. Inauguraldissertation Zur Erlangung der Doktorwürde der Universität zu Lübeck - Aus der Medizinischen Fakultät - Lübeck 2011. In den weiteren Jahren arbeitete Dönhardt an der Verbesserung der Eisernen Lunge. Zudem entwickelte er in Zusammenarbeit mit der Firma Dräger ein Gerät zur endotrachealen Beatmung. Dieser „Poliomat“ ging 1952/53 in Serienfertigung und fand schnell weltweite Verbreitung – auch in den USA, wo bis dahin lediglich die Eiserne Lunge zum Einsatz kam.Nachruf von K. G. Kreymann (Hamburg) in: Intensivmed. 42, 2005, S. 305–307, DOI:10.1007/s00390-005-0602-0

1951 wurde er Oberarzt der Medizinischen Abteilung des Allgemeinen Krankenhauses Altona. 1954 reichte er in Hamburg seine Habilitationsschrift ein, die 1955 unter dem Titel Künstliche Dauerbeatmung veröffentlicht wurde. Er war ab demselben Jahr dann als Privatdozent weiter in Altona tätig.Nachruf von K. G. Kreymann (Hamburg) in: Intensivmed. 42, 2005, S. 305–307, DOI:10.1007/s00390-005-0602-0

Intensivmedizin und Giftinformation am Allgemeinen Krankenhaus Barmbek Im Jahr 1961 wurde Dönhardt von der Universität Hamburg zum außerplanmäßigen Professor für Innere Medizin ernannt. Noch im selben Jahr übernahm er die Leitung der III. Medizinischen Abteilung des Allgemeinen Krankenhauses Barmbek in Hamburg. Er richtete dort eine der ersten internistischen Intensivstationen in Hamburg ein.Nachruf von K. G. Kreymann (Hamburg) in: Intensivmed. 42, 2005, S. 305–307, DOI:10.1007/s00390-005-0602-0 mini|Dokumentationsbogen Giftinformation 1981 Im damaligen Haus 9 wurde eine Beatmungsstation errichtet, welche als Vorläufer der heutigen Intensivstationen gesehen werden kann. Es wurde hierzu die erste Sauerstoff- und auch Pressluftzentrale des Krankenhauses sowie eine akustische Überwachungseinrichtung eingebaut.Fritz Balzereit: (Hrsg.): 75 Jahre Allgemeines Krankenhaus Barmbek. Allgemeines Krankenhaus Barmbek. Hamburg: Studio Weiss 1988.Fritz Balzereit: Prof. Dr. Axel Dönhardt wurde 70 Jahre. In: Hamburger Ärzteblatt. 1990 (5), S. 190.Lutz Hoffmann, Claudia Liekam, Karen Schäfer, Asmus Rösler: 100 Jahre Krankenhaus Barmbek, 1. November 2013, Herausgeber: Verein der Freunde und Förderer des Krankenhaus Barmbek, Geschäftsführung der Asklepios Klinik Barmbek ISBN 978-3-9815170-6-4 Aus den Bemühungen um die Behandlung Vergifteter entwickelte Axel Dönhardt 1962 die Einrichtung einer norddeutschen Giftinformationszentrale am Krankenhaus Barmbek, einer Einrichtung, bei der Ärzte, aber auch besorgte Laien per Anruf rund um die Uhr Informationen zu Wirkungsweise und Behandlung von Giften bekommen konnte, von der Tollkirsche bis zum Rattengift.Nachruf von K. G. Kreymann (Hamburg) in: Intensivmed. 42, 2005, S. 305–307, DOI:10.1007/s00390-005-0602-0Lutz Hoffmann, Claudia Liekam, Karen Schäfer, Asmus Rösler: 100 Jahre Krankenhaus Barmbek, 1. November 2013, Herausgeber: Verein der Freunde und Förderer des Krankenhaus Barmbek, Geschäftsführung der Asklepios Klinik Barmbek ISBN 978-3-9815170-6-4