Jever [] ist die Kreisstadt des Landkreises Friesland in Niedersachsen, Deutschland und staatlich anerkannter Erholungsort. Inoffiziell wird Jever auch als Marienstadt bezeichnet.Offizielle Homepage der Stadt Jever, abgerufen am 6. Oktober 2023. Dieser Beiname weist auf Fräulein Maria, die letzte Herrin von Jever, hin. Während ihrer Herrschaft erhielt Jever 1536 die Stadtrechte. Die Bewohner Jevers heißen Jeveraner. Die Bezeichnung leitet sich vom neulateinischen ieverani her. In früheren Zeiten war auch die Bezeichnung Jeveringer geläufig.Karl Fissen: Jeversche Volkskunde. Jever 1936, S. 161. Das zum Stadtnamen gehörige Adjektiv lautet jeversch. Der Name der Stadt ist durch die gleichnamige Biermarke international bekannt.

Geografie Geographische Lage und Nachbargemeinden Jever liegt im Jeverland, dem nordöstlichen Teil der ostfriesischen Halbinsel. Die Stadt befindet sich in der Nähe der niedersächsischen Nordseeküste, rund 15 Kilometer westlich von Wilhelmshaven und dem Jadebusen entfernt. Im Norden grenzt Jever an die Gemeinde Wangerland, im Osten und Süden an die Stadt Schortens sowie im Westen an die Stadt Wittmund. Im Südwesten besitzt Jever eine kurze Grenzlinie zur ostfriesischen Gemeinde Friedeburg.

Stadtgliederung Die Stadt besteht seit der Kommunalreform 1972 aus der Kernstadt Jever, in die bereits 1844 die bis dahin eigenständige jeversche Vorstadt eingegliedert worden war, sowie den Ortsteilen Moorwarfen, Rahrdum, Cleverns, Sandel und Sandelermöns.

Geologie mini|Geestlandschaft mit Wallhecken

Die Stadt liegt auf einer weit in die Marsch reichenden flachen Geestzunge des oldenburgisch-ostfriesischen Geestrückens, die sich 7 bis 8 Meter über das umliegende flache wangerländische Marschland erhebt. Der Ausläufer entstand durch Sandablagerungen während der Eiszeiten.Karl Fissen: Jever. Volkskundliches aus einer kleinen Stadt und ihrer Landschaft. Jever 1960, S. 7 f. Eine typische Landschaft mit Geestkultur, zu der insbesondere Wallheckenanlagen gehören, zeigt sich unter anderem im Ortsteil Cleverns. Zur Stadtgrenze nach Schortens hin besitzt Jever Moorflächen, die unter Naturschutz stehen.

Gewässer Jever wird von einigen miteinander verbundenen Tiefs umgeben. Dazu gehören das Moorlandstief im Osten, das Mühlentief im Westen sowie das Tettenser Tief und das Hooksieler Tief im Norden. Die Tiefs dienen in erster Linie der Entwässerung der tiefer gelegenen Flächen hinter dem Deich. Alle Tiefs des Jeverlandes münden im Verbund über das Hohenstiefer Sieltief in Horumersiel in die Nordsee. Auf dem Stadtgebiet liegt zudem der Moorwarfener See, ein ehemaliger Baggersee, der vom Angelverein-Jever e. V. bewirtschaftet wird. Der See liegt im Jeveraner Ortsteil Moorwarfen und ist rund 17 Hektar groß.

Klima Jever liegt in der gemäßigten Klimazone, hauptsächlich im direkten Einfluss der Nordsee. Im Sommer sind die Tagestemperaturen tiefer, im Winter häufig höher als im weiteren Inland. Das Klima ist insgesamt von der mitteleuropäischen Westwindzone geprägt.

Nach der effektiven Klimaklassifikation von Köppen befindet sich Jever in der Einteilung Cfb. C steht für ein warm-gemäßigtes Klima, fb für ein feucht-gemäßigtes Klima mit warmen Sommern.

Die nächste Wetterstation befindet sich im 13 Kilometer entfernt gelegenen Hooksiel.

Geschichte mini|Herrschaft Jever um 1500 mini|Französische Départements mit dem Département Ems-Oriental um 1812 mini|Fräulein Maria von Jever, Gemälde von 1572 mini|Jever um 1651, rechts unten die „Schlachte“, Hafen von Jever mini|3-%-Anleihe der Stadt Jever von 1895 mini|Denkmal für die ermordeten Juden

Archäologische Funde lassen auf eine sehr frühe Besiedlung des jeverschen Stadtgebietes schließen. Mehrere Hügelgräber in der Nähe von Nobiskrug bei Sandelermöns,Zum vermeintlichen Steingrab von Nobiskrug siehe Schripnest.de: Die (bisher bekannte) Geschichte eines Findlings beim Nobiskrug. Findlinge als Zeugen der Landschaftsentwicklung (V. Bleck; 2009); eingesehen am 5. Februar 2019 die gegen Ende des 19. Jahrhunderts noch vorhanden waren, sowie weitere Werkzeugfunde (zum Beispiel der Feuersteindolch von Addernhausen und die Feuersteinsichel aus Mennhausen) belegen eine Besiedlung des Jeverlandes für die jüngere Steinzeit.Karl Fissen: Jever. Volkskundliches aus einer kleinen Stadt und ihrer Landschaft. Jever 1960, S. 9. Auch für die späteren Epochen lassen sich eine große Zahl von Kultur- und Siedlungsspuren nachweisen. Dazu gehören eine Bronzelanzenspitze (Fundort: Möns), ein Tüllenbeil (Fundort: Grappermöns) sowie zahlreiche Urnenfunde (Urnenfriedhof von Gottels, Urnenfriedhof Jever). Sie verweisen auf das 6. Jahrhundert vor Christus.

Um die Zeitenwende – so vermutet manVergleiche dazu Karl Fissen: Jever. Volkskundliches aus einer kleinen Stadt und ihrer Landschaft. Jever 1960, S. 12 f. – war das Jeverland Siedlungsgebiet der Chauken. Um 826 kam Jever unter die Herrschaft des dänischen Fürsten Hariold. Er hatte sich taufen lassen und war dafür von Ludwig dem Frommen mit der Grafschaft Rüstringen, zu der damals auch Jever gehörte, belehnt worden. Das legendäre Kudrunlied aus dem 13. Jahrhundert berichtet über die Dänenherrschaft in Friesland und vom dänischen Sänger Horand, der gen „Givers“ auf dem Sande ritt. Eine weitere Nennung des Stadtnamens erfolgte 1158 als „Geverae“, der latinisierten Form des niederdeutschen Geveren oder Gaveren („Weideland“, im übertragenen Sinne auch „Thingstätte“).

In Jever geprägte Münzen,Die ältesten Kulturerzeugnisse Jevers: Münzprägungen der Billunger Herzöge, abgerufen am 17. Februar 2016. die am Finnischen Meerbusen und im Wartheland gefunden worden sind, lassen die Bedeutung Jevers als Handelsort erahnen. Im 10. und 11. Jahrhundert war Jever Seehafen und hatte Seezugänge zur Harlebucht und zur Jade. Allerdings versandeten die Seezugänge im Laufe der Zeit, später sorgten Eindeichungen dafür, dass die Stadt heute tief im Binnenland liegt. Dennoch behielt Jever seine Bedeutung als Handelsort und Endpunkt eines bedeutenden Heerweges. Über das Hooksieler Tief konnte der Hafen an der Schlachte weiterhin von kleineren Schiffen angelaufen werden.

Aus den Zeiten Jevers als Seehandelsplatz stammt die bisher nur wenig erforschte Burg auf dem Woltersberg am Nordostrand der Stadt. Der mächtige Burghügel erbrachte bei Begehungen Fundmaterial des 9. bis 14. Jahrhunderts. Seine historische Rolle ist unklar, in ihm wird der Sitz der Amtsgrafen von Östringen gesehen.

1546 entstand Hooksiel als Vorhafen von Jever. Mit dem Ausbau befestigter Straßen von Jever nach Hooksiel verloren der Schiffstransport und somit der Hafen an Bedeutung. Heute erinnern nur ein Spielschiff mit einem Kinderspielplatz, der einem Hafenbecken nachempfunden ist, und der Platzname Schlachte an den ehemaligen Hafen.

Ungeklärt ist die Rolle der Burgstelle Dannhalm am Nordwestrand von Jever. Möglicherweise war sie der Standort einer Burg der Östringer, die nach der historischen Überlieferung 1149 kurzzeitig von den Harlingern besetzt worden war. Als weitere Möglichkeit wurde aufgrund des Namens angenommen, dass es sich um eine Verteidigungsanlage gegen die Dänen aus dem 8./9. Jahrhundert handelte. Da bislang keine Ausgrabungen stattgefunden haben und solche wegen der weitgehenden Zerstörung des ca. 50 m breiten Hügels durch militärische Einbauten des Zweiten Weltkriegs auch wenig erfolgversprechend wären, bleiben alle Annahmen zum historischen Kontext bloße Hypothesen. Ein noch 1786 vorhandener, breiter Wassergraben ist heute ebenso verschwunden wie ein noch im 19. Jh. existenter zweiter Hügel, der Kleine Dannhalm.

Herzöge aus Sachsen und anschließend die Welfen waren weitere Herren des Jeverlandes. Spätestens am Ende des 12. Jahrhunderts kam Jever unter die Herrschaft Oldenburgs. Ein Schreiben, das die Östringer zwischen 1271 und 1285 an König Philipp III. von Frankreich richteten, lässt auf eine „Demokratisierung“ des Östringerlandes schließen. Darin heißt es, dass die Östringer keinem Fürsten Untertan sind, sondern ihre Richter und Häuptlinge selbst wählen (Friesische Freiheit).

1347 wurden die Einwohner Jevers bereits als Stadtbürger bezeichnet. Um 1400 sind enge Handelsbeziehungen zu den Vitalienbrüdern bezeugt. Bekannteste Vertreter dieser Piratengenossenschaft, die sich auch die „Likedeeler“ nannten, waren Klaus Störtebeker und Goedeke Michels.

Der letzte Häuptling des Jeverlandes war Edo Wiemken der Jüngere, der 1505 den Bau des Schlosses vollendete und dessen Grabmal sich in der Stadtkirche befindet. Für eine Interimszeit kam Jever unter die Herrschaft des ostfriesischen Grafen Edzard des Großen. Fräulein Maria, Erbtochter Edo Wiemkens, stellte jedoch die jeversche Unabhängigkeit ab 1532 kurzzeitig wieder her. Unter ihrer Regentschaft erhielt Jever 1536 offiziell die Stadtrechte (kodifiziert 1572) und bezeichnet sich bis heute als „Marienstadt“. Am 20. Februar 2016 wurde vom Landesfrauenrat Niedersachsen in Jever der frauenORT Maria von Jever eröffnet.frauenORTE Niedersachsen, abgerufen am 18. März 2016.

Nach Maria fielen Jever und das Jeverland, die Herrschaft Jever, 1575 an Oldenburg. 1667 kam Jever zum Fürstentum Anhalt-Zerbst. Da in Anhalt-Zerbst die männliche Erbfolge galt, wurde 1797, nach dem Tod des letzten männlichen Erben in der Zerbster Fürstenfamilie im Jahre 1793, dieses Fürstentum zwischen den anderen anhaltischen Fürstentümern aufgeteilt. Jedoch wurde das Jeverland aufgrund seines Sonderstatus als Kunkellehen an die nächstfolgende Erbin, die russische Zarin Katharina II., eine Schwester des letzten Zerbster Fürsten, weitergegeben. Somit wurde Jever bis zur Besetzung durch französische Truppen von 1807 „über Russland regiert“. 1807 wurde es mitsamt Ostfriesland als Département Ems-Oriental an das Königreich Holland angegliedert, 1810 kam es mitsamt Holland direkt zum Kaiserreich Frankreich und stand dann bis 1813 unter napoleonischer Herrschaft. Nach dem Sturz Napoleons kehrte Jever in den Besitz der russischen Krone zurück, die es 1818 an das Großherzogtum Oldenburg abtrat.

1844 erhielt Jever ein neues Stadtrecht, am 1. Mai 1856 das Stadtrecht 1. Klasse (ähnlich einer heutigen „kreisfreien Stadt“).

1871 wurde Jever von Sande aus an das Eisenbahnnetz angeschlossen. Bereits zwei Jahre später kam es zu einem Ausbau der Strecke in Richtung Wittmund. Ab 1881 bestand eine durchgängige Eisenbahnverbindung über Wittmund, Esens und Dornum nach Norden und ab 1888 ein Bahnanschluss nach Carolinensiel. Das jeversche Bahnhofsgebäude besitzt bis heute einen repräsentativen Charakter und verfügte über einen ausschließlich für den Oldenburger Großherzog bestimmten Wartesaal.

Auch der Straßenbau wurde im 19. Jahrhundert vorangetrieben. 1836 wurde zwischen Sande und Jever die erste gepflasterte Landstraße angelegt und in der Folgezeit bis an die oldenburgische Staatsgrenze in Richtung Wittmund verlängert. Anfang der 1850er-Jahre ließ der Großherzog eine sogenannte Staatschaussee anlegen, die Jever mit Oldorf und Hohenkirchen verband. Etwas später folgte eine Pflasterstraße nach Waddewarden und von dort über Federwarden und Heppens ins neu entstehende Wilhelmshaven.