mini|Karte mit Gebieten der bewaffneten ethnischen Organisationen im Februar 2022. Die oben erwähnte Stadt Myawaddy ist in dieser Karte grün, also Militärregierung. Ein Fehler in der Karte. Bei der grün-gelb-schraffierten Fläche an der Thai Grenze handelt es sich um die Region 171 des Wa-Staates und nicht um Gebiete der RCSS bzw. Armee. Die richtige Farbe wäre Hellblau also UWSA. mini|Situation am 30. April 2024. Man beachte den schmalen Korridor entlang des Asia Highway 1 nach Myawaddy, welcher noch immer von der Militärregierung kontrolliert wurde. Man beachte auch die Gebiete der RCSS und der SSPP. Die RCSS verlor Gebiete an die SSPP und die TNLA. mini|Rekruten der Kachin Independence Army im Oktober 2016 mini|Mitglieder der Arakan Army (AA) im Trainingslager der Kachin Independance Army (KIA) in Laiza mini|Karen National Liberation Army Sanitäter untersucht Flüchtlinge mini|Soldaten der MSLA mini|Weibliche Kämpfer der United Wa State Army von der 468. Division. Die UWSA gilt als stärkste und bestausgerüstete ethnische Armee im Land. mini|Kämpfer der United Wa State Army. Die UWSA ist offiziell neutral im Bürgerkrieg, gilt aber als großer Waffenproduzent und Waffenlieferant für die Rebellen. mini|Ehrengarde der myanmarischen Armee mini|Durch die Kämpfe wurden viele Bewohner zu Flüchtlingen. Im Bild das Mae La Flüchtlingslager in Thailand mini|Halboffizieller Grenzübergang zu Thailand. Die ethnischen Armeen finanzieren sich auch durch Schmuggel. Der Bürgerkrieg in Myanmar, der auch als Burmesische Frühlingsrevolution, Burmesischer Bürgerkrieg oder Volksdefensivkrieg bezeichnet wird, ist ein Konflikt zwischen der myanmarischen Militärjunta (State Administration Council kurz SAC) und der Nationalen Einheitsregierung Myanmars (National Unity Government kurz NUG), welche sich aus Oppositionsgruppen wie der Nationalen Liga für Demokratie und verschiedenen ethnischen Milizen zusammensetzt. Es ist auch ein Konflikt zwischen der burmesischen Mehrheitsbevölkerung und verschiedenen ethnischen Minderheiten im Land. Dabei ist die burmesische Seite in Gegner und Anhänger der Militärregierung gespalten. Aber auch bei den ethnischen Minderheiten gibt es Anhänger und Gegner der NUG, der Einheitsregierung. Und es gibt ethnische Gruppen, welche nichts mit einem gemeinsamen Vielvölkerstaat zu tun haben wollen und diesen ablehnen. Der Krieg ist im Rahmen des anhaltenden und sehr komplexen bewaffneten Konflikts in Myanmar einzuordnen. Dieser eskalierte 2021, als sich nach einem Militärputsch die Nationale Einheitsregierung Myanmars bildete und ihre People’s Defence Force im Verbund mit anderen Milizen als Reaktion auf die Repressionen der Militärjunta die Streitkräfte Myanmars angriffen. Am zweiten Jahrestag des Staatsstreichs, im Februar 2023, gab der Vorsitzende des Staatsverwaltungsrates, Min Aung Hlaing, zu, dass die Regierung die Kontrolle über „mehr als ein Drittel“ der Gemeinden an die Aufständischen verloren hat.

Vorgeschichte

Myanmar wird seit 1962 von verschiedenen Militärregierungen regiert, welche das Land international isolierten. In verschiedenen von ethnischen Minderheiten bewohnten Gebieten bildeten sich ethnische Milizen, die von den Streitkräften, welche Politik und Wirtschaft des Landes beherrschten, teilweise brutal bekämpft wurden. Mit anderen ethnischen Milizen arbeiteten die Militärregierungen mehr oder weniger eng zusammen. Die ethnischen Milizen bekämpften sich auch teilweise gegenseitig. Ab 2011 waren in Myanmar die Anfänge eines Demokratisierungsprozesses zu verzeichnen, und die Macht des Militärs wurde zurückgedrängt. Im März 2016 wurde Htin Kyaw, ein enger Vertrauter der bisherigen Oppositionsführerin Aung San Suu Kyi, zum neuen Präsidenten gewählt. Aung San Suu Kyi wurde unter ihm als Staatsberaterin Regierungschefin, Ministerin des Büros des Präsidenten und Außenministerin von Myanmar.

Nach der Amtsübernahme der demokratisch gewählten Regierung stellte sich die Frage, inwieweit diese eher föderalistische oder zentralistische Strukturen fördern sollte. Die Regierung verfolgte das ‚DDR-Konzept‘ (Disarmament, Demobilization and Reintegration, also Entwaffnung, Demobilisierung und Reintegration der bewaffneten ethnischen Organisationen). Dies führte zu Konflikten mit einigen ethnischen Gruppierungen, welche ja Unabhängigkeit, bzw. einen starken Föderalismus in ihren Verfassungen festgelegt hatten. Das Motto der Karen National Union lautete etwa: „Wir werden unsere Waffen niemals aufgeben.“ Die ethnischen Organisationen fühlten sich von der Mehrheitsbevölkerung der Birmanen jahrzehntelang unterdrückt. Eine wirtschaftliche Integration war nicht im Sinne dieser Organisationen, die laut Schätzungen zwischen 20 und 30 Milliarden Dollar im Jahr durch eigene wirtschaftliche Aktivitäten einnahmen. So bestanden beispielsweise zwischen dem Wa-Staat und dem restlichen Unionsgebiet Grenzen; Import und Export wurden durch Zollkontrollen behindert, während die Grenze zwischen dem Wa-Staat und China relativ offen war. Der Wa-Staat bezog Elektrizität, Kommunikation und andere öffentliche Dienste aus China und verwendete die chinesische Währung. Die Shan State Army-South dagegen war eng mit Thailand verbunden und nutzte dessen Infrastruktur (und damit auch die thailändische Zeit) sowie den Thai Baht als Währung. All diese Organisationen profitierten von Waffenstillständen mit den Militärregierungen und agierten wie unabhängige Staaten. Eine Integration in die staatlichen Strukturen von Myanmar war nicht in ihrem Sinne, und schon gar nicht eine starke Zentralregierung. Viele dieser Organisationen finanzierten ihre Aktivitäten durch Schmuggel. Dazu kam der Abbau von Bodenschätzen und der Betrieb von Spielkasinos. So gab es etwa an der Grenze zu Thailand dutzende halb-offizielle Grenzübergänge, die sogenannten Gates. Einige Organisationen versuchten, Verträge mit internationalen, besonders chinesischen Investoren abzuschließen, indem sie ihnen Land und Sicherheit zur Verfügung stellten. Dies nutzten besonders kriminelle chinesische Organisationen aus, um ihre illegalen Aktivitäten in die Gebiete unter der Kontrolle von ethnischen Organisationen zu verlegen. Die Waffenstillstände von 2015 mit der Regierung ermöglichten dies. Es entstanden Fraud Factories wie Shwe Kokko und KK Park. Einige ethnische Organisationen waren stark in die Produktion von illegalen Drogen und in den Drogenschmuggel involviert. Eine Reintegration in den Zentralstaat war daher nicht im Interesse dieser Organisationen.Tea Circle Oxford: Myanmar’s Peace Process: Disarmament, Demobilization and Reintegration, Borderland Economies, Service Delivery, and other Post-Panglong ConcernsFrontier Myanmar Does the National League for Democracy really want a federal system?

Die myanmarische Armee ist auf sogenannten Light Infantry Battaliones, kurz LIB, aufgebaut. Diese wurden oft in die unzugänglichen Bergregionen, die von bewaffneten ethnischen Organisationen kontrolliert wurden, entsandt. Letztere bauten ihre festungsartigen Stellungen mit Lauf- und Schützengräben an strategischen Orten (meistens Bergspitzen) auf. Die LIB waren primär auf sich alleine gestellt und mussten sich selbst versorgen. Eine ihrer Aufgaben war die Rekrutierung regierungsfreundlicher Milizen, die ihnen bei der Versorgung helfen sollten. Mit der Zeit entwickelten sich enge Beziehungen zwischen den Soldaten der LIB und den Bewohnern der umliegenden Dörfer, welche mit den LIB kooperieren wollten. Gemeinsame Wirtschaftsunternehmen wurden gegründet, besonders um Bodenschätze abzubauen. Aber viele LIB unterstützten auch den Anbau von Schlafmohn und den Schmuggel von Drogen. Dabei waren auch die Soldaten der übergeordneten regionalen Operationszentralen in die Geschäfte involviert. Die Soldaten der LIB mussten einen Teil ihrer Gewinne an die befehlshabenden Dienststellen abliefern. Nach verschiedenen Waffenstillstandsverhandlungen beteiligten sich auch andere ethnische Organisationen an diesen lukrativen Geschäften mit dem Militär. Die Zivilregierung versuchte gegen diese Missstände in der Armee vorzugehen. Dennoch kontrollierte das Militär einen erheblichen Teil der Wirtschaft. So forderte die Zivilregierung unter anderem die Entlassung der Befehlshaber der Bataillione der Karen Border Guard Force, welche in Shwe Kokko einen eigenen Mafiastaat gegründet hatten. Viele LIB unterstützen auch den Schmuggel in den Grenzregionen. Dies wurde von höheren Militärs geduldet oder gefördert; viele von diesen waren an Gesellschaften, welche von Militäreinheiten gegründet wurden, privat beteiligt.