Modell (von entlehnt, geht zurück auf , die Suffixvariante zu )C. T. Onions & al., The Oxford Dictionary of English Etymology, Oxford 1966, S. 583. bezeichnet im wissenschaftlichen Sprachgebrauch ein vereinfachtes Realitätsabbild, hat jedoch in der Umgangssprache weitere Bedeutungen.
In der Wissenschaft definiert man ein Modell als die vereinfachte, analoge Darstellung eines Originals, die spezifische Eigenschaften hervorhebt und für einen bestimmten Zweck verwendet wird. Modelle dienen dazu, komplexe Sachverhalte zu erklären, zu analysieren oder vorherzusagen. Sie können sowohl statische Artefakte als auch dynamische Werkzeuge sein, wie Nissen und Thalheim betonen. Modelle werden in Wissenschaft, Technik und Praxis vielfältig eingesetzt.Ivor Nissen, Bernhard Thalheim (2015): „Modelle, Modellieren, Modellierung – eine Kieler Begriffsbestimmung“. In: Ivor Nissen, Bernhard Thalheim (Hrsg.): „Wissenschaft und Kunst der Modellierung. Kieler Zugang zur Definition, Nutzung und Zukunft“. De Gruyter, Berlin, Boston, S. 29–36.
Weder der abgebildete Gegenstand selbst noch die Nachbildung muss dabei materiell sein, so werden beispielsweise in den Geisteswissenschaften manche Theorien als Modelle betrachtet.
Wissenschaftliche Hauptmerkmale Nach Stachowiak lassen sich Modelle durch drei grundlegende Merkmale charakterisieren:Herbert Stachowiak: Allgemeine Modelltheorie. Springer Verlag, Wien/New York 1973, ISBN 978-3-211-81106-1, S. 128–133.
Abbildungsmerkmal: Modelle sind Abbildungen natürlicher oder künstlicher Originale. Sie stellen ein bestimmtes Objekt oder System dar. Was und wie wird abgebildet? Verkürzungsmerkmal: Modelle sind immer vereinfachte Darstellungen und erfassen nur die für einen bestimmten Zweck relevanten Eigenschaften oder Aspekte eines Originals. Wie verkürzt wird das Was abgebildet? Pragmatismusmerkmal: Modelle erfüllen eine spezifische Funktion. Sie sind für bestimmte Zwecke, Benutzergruppen und Zeiträume entwickelt und auf diese begrenzt. Für wen, für welchen Zeitraum und für welchen Zweck wird das Was abgebildet?
Heuristische Modelle In der Wissenschaft werden sogenannte heuristische Modelle angefertigt, ohne dass oder bevor die davor stehende Wirklichkeit bekannt oder ausreichend sicher bekannt ist. Nachträglich als brauchbar erwiesen haben sich z. B. der Benzolring, die Doppelhelix der DNS und die Relativitätstheorie.
Populäre Begriffsverwendung Die Begriffe Modell und Modellierung werden nicht einheitlich benutzt, was in der Kritik eines Philosophen zum Ausdruck kommt:
Der wissenschaftlichen Verwendung entsprechend ist diese Bedeutung: Verfahrensmuster: Ein Schema für Vorgehensweisen wie z. B. Arbeitszeitmodell, Steuerstundungsmodell oder Bauherrenmodell
In diesem Sinne außerwissenschaftliche Begriffsanwendungen existieren seit langem: Malerei und Fotografie: Das Modell des Malers oder Photographen ist kein Abbild der Wirklichkeit, sondern es ist die Wirklichkeit, die abgebildet wird. Gießerei: Das Guss-Modell ist keine Nachbildung, sondern das nachzubildende Objekt. Von ihm werden mithilfe der damit erzeugten negativen Guss-Form ein oder mehrere Objekte (Guss-Stücke) hergestellt. Letztere sind kein reduziertes Abbild, sondern unterscheiden sich vom Guss-Modell i. W. nur im Werkstoff, aus dem sie bestehen. Konsumgüter: Verschiedene Varianten von Gebrauchs-Produkten werden als verschiedene Modelle bezeichnet, obwohl sie gleichbedeutend sind, nicht einerseits Objekt und andererseits ein davon reduziertes Abbild.
Anwendung Modelle werden in vielfältigen Bereichen menschlichen Handelns eingesetzt, um komplexe Sachverhalte begreifbar zu machen: Freizeit und Bildung: Puppen, Modellfahrzeuge sowie Lehrmodelle in der Ausbildung oder dem Gesundheitswesen (z. B. Anatomie-Modelle). Technik und Wirtschaft: Prototypen, Gussmodelle in der Industrie oder Organisationsmodelle in Verwaltung und Politik. Wissenschaft: Theoriemodelle zur Analyse und Vorhersage von Phänomenen.
Beispiele vorwiegend gegenständlicher Modelle
Weblinks
Einzelnachweise