Die Kathedrale König Ludwigs des Heiligen (, NN, “Cathédrale Saint-Louis le Roi, Haifa, Israel” (9. Oktober 2023), auf: GCatholic.org; abgerufen am 31. Oktober 2023.) ist eine syrisch-maronitische Kirche im Range einer Kathedrale in Haifa, Israel. Seit Errichtung der Erzeparchie Haifa und Heiliges Land am 8. Juni 1996 ist sie Bischofskirche.

Die Erzeparchie, deren Diözesangebiet ganz Israel umfasst, ist eine kirchliche Jurisdiktion mit gut 10.500 Getauften, die als Maroniten nach den katholischen Melkiten, den orthodoxen Melkiten und den Lateinern die viertgrößte Gruppe unter christlichen Israelis und Teil des Katholizismus im Lande bilden, der insgesamt unter ihnen mit all seinen Kirchen eigenen Rechts die große Mehrheit stellt.

Lage 200px Die Kathedrale liegt im Stadtteil HaʿIr haTachtit () zwischen dem Rechōv haMarōnīṭīm (), wo sie das Grundstück Nr. 8/10 einnimmt, und der Sackgasse , dort mit der Nr. 5/7. Beide Straßen münden auf die im Norden kreuzende innerörtliche Hauptstraße Sderot haPalJam just um die Ecke von der Kikkar Paris (, bis 1954 , ), bis 1948 Zentrum des Christenviertels extra muros westlich vor der einstigen Stadtmauer.

Intra muros steht die Karmelitenkirche Elias des Propheten am nicht mehr erhaltenen Westtor, um die herum das alte Christenviertel bestand.Daphna Berger-Sperling (), Tamir Harʾel (), Itziq Herman (), Walīd Karkabī (, Leiter der Baudenkmalpflege der Stadt Haifa), ʿAdi Roitenberg (), , Stadt Haifa / (Hrsg.), Tl. B '', Haifa: , 2019, Seite wie gesondert angegeben. Nah an Hauptstraßen, Bahnhöfen und Hafen von Haifa gelegen ist HaʿIr haTachtit das alte Kerngebiet und Geschäftszentrum der Stadt Haifa, das im Laufe ihres Wachstums hinauf in die bergige Geographie heute mehrere Zentren aufweist, die verschiedene verdichtet bewohnte Stadtgebiete bedienen.

mini|Das neue, ummauerte Haifa unterhalb der Festung auf Kreuzfahrerursprung, 1801 von Cooper Willyams

Geschichte Der Beduine Ẓāhir al-ʿUmar al-Zaydani, aus eigenem politischen, militärischen und pekuniären Vermögen autonomistischer Regionalpotentat, geflissentlich dem osmanischen Fiskus die geforderten Steuern zahlend und offenen Konflikt mit der wenig präsenten Hohen Pforte meidend, hatte Alt-Haifa 1752/1753 eingenommen. Nach Überfällen maltesischer Piraten, erhielt Ẓāhir al-ʿUmar Geld vom Sultan, mit dem er 1753/1754 zum Schutz des Dörfchens Haifas die Reste einer Festung, deren Bau wohl Frankreichs König Ludwig IX.Der auf genannte Kreuzfahrer beeindruckte und erhielt davon hergeleitet im Arabischen den Namen . veranlasst hatte, erneuerte.Giovanni Filippo Mariti, Travels through Cyprus, Syria and Palestine with a General History of the Levant: 3 Bde. [Viaggi per l’isola di Cipro e per la Soria e Palestina fatti dall’anno 1760 al 1768: 2 Bde., Lucca 1769 und Florenz 1776; engl.], London: G. G. J. and J. Robinson, 1791, Bd. 2, S. 130.

Ẓāhir al-ʿUmar ließ 1762 Alt-Haifa abreißen und zwei bis drei Kilometer südöstlich im Gebiet der heutigen Unterstadt () befestigt neu anlegen. Er warb Einwanderer zur Entwicklung der Stadt, wobei er Nichtmuslime nicht diskriminierte, und förderte die Wirtschaft. Maroniten in Haifa, ohne Zahlen zu nennen, erwähnte der Forschungsreisende James Silk Buckingham 1821.James Silk Buckingham, Travels in Palestine, through the Countries of Bashan and Gileʿad, East of the River Jordan: Including a Visit to the Cities of Geraza and Gamala, in the Decapolis, London: Longman, Hurst, Rees, Orme, and Brown, 21822, Bd. I, S. 179. Der Seelsorge aller Katholiken am Ort nahmen sich die Karmeliten des Karmels Stella Maris oberhalb Haifas in ihrer Eliaskirche unten in der Stadt an.

Mit dem Einsatz Österreichs, Russlands und des Vereinigten Königreichs, der Hohen Pforte zu helfen, ihr Osmanisches Reich zu erhalten und den ägyptischen Khediven Muhammad Ali Pascha, eigentlich osmanischer Untertan, seinerseits unterstützt von Frankreich und Spanien in seinem Expansionismus (Zweiter Ägyptisch-Osmanischer Krieg) zurückzuschlagen, begannen Reformen im Reiche.

Mit dem Hatt-ı Scherif von 1839, der die Selbstherrlichkeit lokaler osmanischer Beamte durch Zentralisierung wehren wollte, ging Amtsmissbrauch zurück, wenn auch um den Preis verlangsamter Entscheidungsprozesse. Im Zuge der Rückdrängung Muhammad Ali Paschas kam es 1840 zu verheerenden Zerstörungen in Akkon, die viele Akkoner forttrieb, manche auch nach Haifa. Vor allem christliche Akkoner, oft Teil wirtschaftlicher Eliten, verzogen in Folge zahlreich nach Haifa. Zwischen 1840 und 1860 entstand westlich vor den Stadtmauern eine erste Vorstadt Haifas, das Christenviertel (). Ältester erhaltener Eintrag der Taufe eines Maroniten in Haifa ist im Taufregister des Karmels Stella Maris für das Jahr 1840 verzeichnet.

Nachdem Frankreich, Vereinigtes Königreich und Sardinien-Piemont das Osmanische Reich im Krimkrieg gegen Russland unterstützt hatten, der mit dem Pariser Frieden (März 1856) endete, hob die Hohe Pforte mit dem Hatt-ı Hümâyûn von November 1856 de jure die Diskriminierungen gegen Dhimmi (Nichtmuslime) auf, was sich, wenn auch langsam, de facto zunehmend bemerkbar machte. Vom Libanongebirge zugewanderte Maroniten bildeten 1844 eine Gemeinde von 14 Seelen, ihre Zahl stieg bis 1855 auf 48, 1865 dann auf 82 und 1877 waren es 139 Parochianen.

Haifa gehörte wie das Libanongebirge zum osmanischen Eyâlet Sidon, das im Zuge der Reformen 1865 im Vilâyet Syrien aufging. Vorrangig Frankreich, das sich schon seit 1535 als selbst ernannte Schutzmacht aller Katholiken im Osmanischen Reich gerierte,Joseph Lammeyer, Das französische Protektorat über die Christen im Orient, historisch, rechtlich und politisch gewürdigt: ein Beitrag zur Geschichte der diplomatischen Beziehungen der Hohen Pforte, Borna-Leipzig: Noske, 1919, S. 26seqq. engagierte sich konsularisch für sie, protegierte sie bis hin zur Verleihung der Staatsbürgerschaft, und hob manchen Konflikt zwischen osmanischen Katholiken und Andersgläubigen aufs diplomatische Parkett.

mini|Liebfrauenkirche vor -Bürohaus und Migdal haMifras, 2011 mini|Karmelitenkirche Elias des Propheten von der Kikkar Paris, 2011 Moderne französische Lehranstalten überall im nordafrikanischen und osmanischen Mittelmeerraum, die staatliche, religiöse und karitative französische Akteure betrieben und finanzierten, hoben das Bildungsniveau, sie standen in der Regel Schülern und Studenten aller Bekenntnisse offen, doch vor allem Maroniten nutzten keine anderen mehr, was das Französische unter osmanischen Katholiken zur lingua franca machte.Deshalb ziehen Haifas Maroniten diese Sprache unter den europäischen Idiomen vor, wie bei Benennung ihrer Kathedrale auf der Webseite.

Im Jahre 1859 konnten katholische Melkiten mit der Liebfrauenkirche ihre erste eigene Kirche in beginnen, und den Bau bis 1862 fertigstellen. Da die arabische Einwanderung vom Libanon und aus anderen Teilen der Levante den christlichen Anteil an Haifas Bevölkerung bis 1856 schon auf 40 % gehoben hatte, waren eigene Kirchen der verschiedenen katholischen Konfessionen vom Aufwand her möglich und vom Platzbedarf her erforderlich. Vorher nutzten die Katholiken verschiedener Richtungen gemeinsam die Karmelitenkirche Elias des Propheten intra muros am damaligen Westtor der Stadt, die noch aus Zeiten der Anlage Neu-Haifas stammt und 1867 bis zur Unkenntlichkeit erweitert und umgebaut worden war.

Im Nachgange des Bürgerkriegs im Libanongebirge 1860 (damals zu Syrien gehörig), bei dem drusische Bergbewohner unter Maroniten ein Blutbad mit über 10.000 Toten angerichtet hatten, brachte die arabisch-christliche Binnenwanderung weitere Maroniten nach HaifaDaphna Berger-Sperling (), Tamir Harʾel (), Itziq Herman (), Walīd Karkabī (, Leiter der Baudenkmalpflege der Stadt Haifa), ʿAdi Roitenberg (), , Stadt Haifa / (Hrsg.), Tl. B ‘’, Haifa: , 2019, S. 11. und an andere Orte, wie Jerusalem, wo für überlebende Waisen das Syrische Waisenhaus eingerichtet wurde.

mini|Villa Salim Effendi Choury, 1940–1948 Direktorat der Palestine Railways, am 22. April 1948 ausgebrannt.Walter Rothschild, Arthur Kirby and the last years of Palestine Railways 1945–1948, Berlin: Selbstverlag, 2009, S. 309. Zugleich: Diss. King’s College, London 2007.mini|Blick 2011 aus Hadar haKarmel auf Kuppel und Tambour der Kathedrale vor den weißen Flachkuppeln der Karmelitenkirche und Hafen Schließlich vermochten auch Maroniten sich eine eigene Kirche zu bauen. Am 12. Januar 1884 erging der osmanische Ferman, der den Bau genehmigte, am 14. Januar 1884 wurde der Grundstein gelegt. Doch die Arbeiten hatten schon am 11. Dezember 1883 begonnen und verliefen finanziell bedingt in zwei Bauphasen, die erste endete am 24. August 1885, gefolgt von der zweiten von August 1887 bis November 1889, wobei Angehörige der Familie Choury (Die Churis stammen aus Bkassine (, heute Libanon) und ihr haifawitischer Zweig war nach Zwischenetappe in Beirut in den 1870er Jahren von dort zugezogen. Vgl. Daphna Berger-Sperling (), Tamir Harʾel (), Itziq Herman (), Walīd Karkabī (, Leiter der Baudenkmalpflege der Stadt Haifa), ʿAdi Roitenberg (), , Stadt Haifa / (Hrsg.), Tl. B ‘’, Haifa: עירית חיפה, 2019, S. 66; vgl. auch Johnny Mansour (), “” (1. September 2023), auf: ; abgerufen am 31. Oktober 2023.) Hauptfinanziers waren.Alex Carmel (), Geschichte Haifas in der türkischen Zeit 1516-1918 [תּוֹלְדֹוֹֹת חֵיפָה בִּיְמֵי הַתּוּרְכִּים, Haifa: , 1969; dt.], Clara Zellermeyer (Übs.), Wiesbaden: Harrassowitz, 1975, (=Abhandlungen des Deutschen Palästinavereins; Bd. 3), Seite wie gesondert angegeben. ISBN 3-447-01636-1.

Die Bauherren für die Syrisch-Maronitische Gemeinde Haifa waren Ibrahim Naṣrallah Choury () und Effendi Salim Choury (), Dragoman des französischen Konsulats und Exportkaufmann, dessen zweistöckige, eklektische und prächtige Villa Beit Churi (auch ) von 1908 nur 300 Meter Wegs entfernt am Karmelhang oberhalb der Kathedrale in alten Stadtansichten Haifas hervorsticht.Die Villa, im Bankrott Ende der 1930er Jahre an privat veräußert, 1940 an die Palestine Railways vermietet und im Bürgerkrieg am 22. April 1948 ausgebrannt, am östlichen Ende des (sic! eigenwillige hebräische Schreibweise) gelegen, wurde 1964 ihre Ruine abgetragen und statt ihrer entstand der Migdal haNeviʾim, 1981–1985 von Moscheh Zor (). Pietro Bostani (1819–1899, ), Eparch von Tyros-Sidon, weihte die Kirche am 23. Februar 1890 dem christlichen Heiligen König Ludwig IX. von Frankreich.NN, “Haifa” (2002), auf: Maronite Patriarchal Exarchate Jerusalem; abgerufen am 1. September 2011.

Haifa, das seit den 1760er Jahren zunächst stark von Maghrebinern besiedelt worden war, war in den 1870er Jahren dagegen von Bewohnern geprägt, die nicht nur ihre Wurzeln im Libanongebirge hatten, sondern die Stadt war von 1888 bis 1918 zudem politisch Teil des Vilâyets Beirut. Auch religiös gehörten Haifas Maroniten zur Eparchie Tyros-Sidon (ab 1965 Erzeparchie Tyros) mit Sitz im 63 Kilometer nördlich gelegenen Tyros, was Johannes Paul II. erst 1996 ändern sollte. Bei Trennung der Eparchie Tyros-Sidon in zwei Jurisdiktionen, blieb Haifa bei Tyros. Bei seiner Pastoralvisite am 8. Juli 1906 zum Amtsantritt als neuer Eparch von Tyros notierte Choukrallah Choury () für die Paroisse Saint-Louis d’Haïfa 700 Mitglieder.