Der comes rerum privatarum (), auch als comes rei privatae bezeichnet (im Sinne eines Beauftragten für Privatangelegenheiten), war eine wichtige Amtsperson am spätrömischen Kaiserhof, der das kaiserliche Krongut verwaltete.
Das kaiserliche Privatgut war bereits in der frühen und hohen Kaiserzeit sehr umfassend und wuchs im Laufe der Zeit ständig an. In der Zeit nach Augustus, der zwischen staatlichen und seinen privaten Gütern unterschieden hatte, wurde kaiserlicher Privatbesitz (patrimonium) zum Krongut, wenngleich weiterhin rechtlich zwischen Privat- und Staatsvermögen unterschieden wurde. Dieses Krongut stand dann den jeweils nachfolgenden Kaisern zur Verfügung. Die römischen Kaiser waren die größten Landbesitzer des Imperiums mit ausgedehnten Ländereien und Villen. Der Umfang des kaiserlichen Privatbesitzes ist kaum genau zu ermitteln und war über das gesamte Imperium verteilt, besonders in Italien und in Africa war dieser aber offenbar beachtlich.A. H. M. Jones: The Later Roman Empire 284–602. A Social, Economic and Administrative Survey. Band 1. Oxford 1964, S. 415 f. Im Rahmen von Verratsprozessen ging das Privatgut von Verurteilten in den Besitz des Staates über, ebenso profitierten die Kaiser von herrenlosen Besitztümern; seit der Zeit Konstantins des Großen kam konfisziertes Tempelgut hinzu.Vgl. Alexander Demandt: Die Spätantike. 2. Auflage. C. H. Beck, München 2007, S. 286 f.; A. H. M. Jones: The Later Roman Empire 284–602. A Social, Economic and Administrative Survey. Band 1. Oxford 1964, S. 414 f.
Der comes rerum privatarum (unter Diokletian ist das Amt noch als magister rei privatae belegtAlexander Demandt: Die Spätantike. 2. Auflage. C. H. Beck, München 2007, S. 285.) war seit der konstantinischen Zeit für die Verwaltung und finanzielle Nutzung der kaiserlichen Güter verantwortlich, wobei die Abgrenzung seines Kompetenzbereichs gegenüber dem comes sacrarum largitionum, der die staatliche Kasse verwaltete, nicht immer klar war. Beide verfügten jeweils über einen eigenen Verwaltungsstab und über lokale Amtspersonen in den Provinzen.Alexander Demandt: Die Spätantike. 2. Auflage. C. H. Beck, München 2007, S. 287. Der comes rerum privatarum hat zudem die Nutzung einzelner Teile des umfangreichen Kronguts gegen Gebühren auf Zeit verpachtet.Vgl. dazu A. H. M. Jones: The Later Roman Empire 284–602. A Social, Economic and Administrative Survey. Band 1. Oxford 1964, S. 417 ff. Teils wurden Besitztümer auch an kaiserliche Günstlinge verkauft oder verschenkt.
Des Weiteren zählten beide comites zu den wichtigsten Hofbeamten und verfügten entsprechend über einen ständigen Sitz im Staatsrat (consistorium), wobei sie den Titel eines vir illustris trugen. Im 6. Jahrhundert schwand die Bedeutung des comes rerum privatarum im Ostreich, wo dessen Aufgaben nun vom sacellarius (sakellarios) übernommen wurden.
Amtsinhaber (in Auswahl)
350: Marcellinus 369/70: Fortunatianus 383: Ammianus 387: Nummius Aemilianus Dexter 395: Hosius Flavius Peregrinus Saturninus (wohl Anfang 5. Jahrhundert)
Literatur Comes Rei Privatae. In: The Oxford Dictionary of Late Antiquity. Band 1. Oxford University Press, Oxford 2018, S. 375. Robert Delmaire: Largesses sacrées et res privata. L'aerarium impérial et son administration du IVe au VIe siècle (= Collection de l'École française de Rome. Band 121). École Française de Rome, Rom 1989, ISBN 2-7283-0163-8. Robert Delmaire: Les responsables des finances impériales au bas-empire romain (IVe–VIe s.). Études Prosopographiques (= Collection Latomus. Band 203). Latomus, Brüssel 1989, ISBN 2-87031-143-5 (Prosopographie der Amtsträger). A. H. M. Jones: The Later Roman Empire 284–602. A social, economic and administrative survey. Blackwell, Oxford 1964 (ND in zwei Bänden, Baltimore 1986), Band 1, S. 411–427 (Digitalisat). Alexander Kazhdan: Comes rerum privatarum. In: The Oxford Dictionary of Byzantium. Band 1. Oxford University Press, New York/Oxford 1991, S. 485 f. (Digitalisat).
Anmerkungen
Kategorie:Römisches Reich in der Spätantike Kategorie:Römisches Amt Kategorie:Hofamt