mini|Möwe beim Abkoten mini|hochkant=2|Collage einer Heupferdnymphe beim Abkoten Kot ist die Ausscheidung (Exkrement) des Darms oder der Kloake.
Der Kot setzt sich aus Wasser, Darmbakterien, abgeschilferten Zellen der Darmschleimhaut, Sekreten der Verdauungsdrüsen, nicht resorbierten Nahrungsbestandteilen sowie Gärungs- und Fäulnisprodukten zusammen. Bei Ausscheidung über die Kloake kommen zusätzlich noch die Produkte der Exkretion hinzu.
Etymologie und Begriffsverwendungen Das Wort Kot stammt vom althochdeutschen quāt aus dem 10./11. Jahrhundert, mittelhochdeutsch quāt, kāt und gewann in der mitteldeutschen Lautung quōt, kōt (11./12. Jh.), frühneuhochdeutsch Kot durch Martin Luther literatursprachliche Geltung. Alle Formen – auch in den slawischen Sprachen – gehen auf indoeuropäisch *gu̯ēdh- zurück. Als Pluralwort ist fachsprachlich in der Medizin auch Fäzes oder Faeces [] (, Plural von faex „Bodensatz“, „Hefe“), wohl im 19. Jahrhundert aus dem französischen Adjektiv fécal als Fäkalien ins Deutsche entlehnt.
Die Bedeutung „Straßenschmutz“ ist im Wort Kotflügel seit dem 19. Jahrhundert erhalten geblieben.. Noch heute bezeichnet der Duden Kot als veraltend für „aufgeweichte Erde, schlammiger Schmutz auf einem Weg oder einer Straße“.Kot, der, duden.de, abgerufen am 27. Oktober 2018. Diese ursprüngliche Bedeutung wird noch in Österreich verwendet. Während die Bezeichnung Kotflügel heute noch im Gebrauch ist, wird etwa Kotbürste (für die – grobe – Schuhbürste) kaum mehr verwendet.
Weitere Bezeichnungen Vor allem bei Pflanzenfressern, insbesondere Huftieren, ist die Bezeichnung Dung, in der Jägersprache Losung, üblich. Hingegen ist Mist eine Mischung aus Einstreu und Dung bei der Stallhaltung von Pflanzenfressern. Ähnlich wie das Wort Kot hatte das Wort Dung ursprünglich eine andere Bedeutung; es bezeichnete zunächst die Abdeckung von halb in die Erde gegrabenen Vorrats- und Aufenthaltsräumen. Als Isolierung gegen Winterkälte erhielten diese eine Schicht aus Mist (vgl. Donk und das englischsprachige dungeonvgl. dungeon (englischsprachiges Wiktionary).). Dung bezeichnet zudem vorwiegend natürliche Bodenzusätze – ähnlich dem Mist – zur Ertragssteigerung; daher auch Dünger..
Eine Bezeichnung für die Darmentleerung (Defäkation) beim Menschen ist der Stuhlgang. Diese Bezeichnung entstammt der Zeit, als man den sogenannten Leibstuhl (Toilettenstuhl) nutzte, einen Stuhl mit Öffnung in der Sitzfläche und darunter hängendem Topf oder Eimer. Seit dem 16. Jahrhundert ist Stuhlgang (von mittelhochdeutsch stuol-ganc, entstanden aus zuo stuol gân, zu Stuhl gehen) ein Ausdruck für das menschliche Koten. Auch die Redensarten „zu Stuhle kommen“ oder „zu Potte kommen“ haben diesen Ursprung, nämlich, einen langwierigen, mühseligen Prozess erfolgreich zum Abschluss bringen. Insbesondere, weil bei Kranken die wieder in Gang gekommene Darmtätigkeit meist als Zeichen der Besserung des Krankheitsverlaufs gewertet wird.
Die griechische Bezeichnung für Kot, Mist und Schmutz ist kópros. Dies ist enthalten in Begriffen wie: Kopragogum, ein über die Steigerung der Peristaltik wirkendes Abführmittel Kopremesis, das Erbrechen von Kot. Ein seltenes, aber ernstes Symptom z. B. bei Darmverschluss. Koprolalie, dem (krankhaften) Gebrauch von vulgären Ausdrücken häufig aus der Fäkalsprache. Koprophagie, das Fressen von Kot. Es ist die artgerechte Nahrungs- oder Vitaminaufnahme, etwa bei verschiedenen Saprophyten, aber auch bei einigen Nagetieren und Hasenartigen in Form von Caecotrophie. Häufig ist es ein arttypisches Verhalten zur Sauberhaltung von Bruthöhlen der Säugetiere, beispielsweise Hunden. Auch tritt es als psychische Störung oder atypisch erlerntes Sexualverhalten bei koprophilen Menschen auf. Koprophilie, eine Paraphilie. Die sexuelle Erregung durch menschliche Fäkalien. Kopropraxie, obszöne Gesten als neurologisch-psychiatrisches Symptom beim Tourette-Syndrom.
Die wissenschaftliche Untersuchung der Fäzes wird als Koprologie oder Skatologie bezeichnet.
Scheiße und Kacke sind umgangssprachlich derbe Bezeichnungen für Kot, im gesamten deutschen Sprachraum auch als Schimpf- und Fluchwort verbreitet und werden im Allgemeinen als Interjektion, in adverbialen oder adjektivischen Bestimmungen verwendet. Daher stammt auch der Ausdruck Fäkalsprache. In denselben Zusammenhängen wird immer häufiger auch der entsprechende Anglizismus oder crap verwendet.
Zusammensetzung Kot besteht aus nicht resorbierten Anteilen der Nahrung, aus körpereigenen Substanzen sowie aus im Darm lebenden Mikroorganismen, der Darmflora. Erstere sind vor allem die unverdaulichen Ballaststoffe, aber auch unverdaute Reste wie Fette, Stärke, Bindegewebs- und Muskelfasern sowie jene Menge Wasser, die nicht in den oberen Dickdarmabschnitten resorbiert wurde.
An körpereigenen Substanzen sind abgestoßene Darmzellen, Rückstände von Verdauungsenzymen und Schleim enthalten. Die Gallenfarbstoffe Bilirubin und Biliverdin werden im Dickdarm von Bakterien zu Sterkobilin, Bilifuscin und Mesobilifuscin abgebaut und ergeben die charakteristische gelblichbraune bis dunkelbraune Farbe. Geringe Mengen der Gallensäuren selbst sowie des zum Schutz der Darmschleimhaut von der Gallenblase ausgeschiedenen Lecithins und anderer Phospholipide werden zusammen mit dem Kot ausgeschieden.
Der unangenehme Geruch des Kots von Allesfressern rührt von Indol und Skatol sowie von Alkanthiolen her. Diese entstehen bei der Verdauung von Proteinen. Auch Schwefelwasserstoff trägt zum Geruch bei; er wird beim Abbau der schwefelhaltigen Aminosäuren durch Fäulnisbakterien gebildet.
Die – teils abgestorbene – Darmflora macht beim Menschen etwa 20 bis 30 % der Gesamtmasse des Kots aus. Sie besteht ganz überwiegend aus Bakterien; daneben sind in geringer Menge Hefen (Candida) und andere einzellige Eukaryoten vorhanden.Lexikon der Biologie: Darmflora. Spektrum, Heidelberg 1999.
Der Nachweis von Verunreinigung durch Fäzes erfolgt durch Fäkalindikatoren.
Funktionen von Kot in Natur und Ökosystemen mini|Elefanten produzieren täglich über 100 Kilogramm Kot Kot hat in Ökosystemen durch die darin enthaltenen Mineralien und unverdauten Bestandteile eine wichtige Funktion. Ausgewachsene Elefanten setzen beispielsweise zwischen 120 und 180 Kilogramm Kot pro Tag ab, von dem zahlreiche andere Tiere, wie beispielsweise der Mistkäfer profitieren. Mittlerweile konnte wissenschaftlich belegt werden, dass ganze Nährstoffkreisläufe gestört werden, wenn weniger große Tiere für Fäkalien als Nahrungsgrundlage für andere Tiere und Dünger für Pflanzen sorgen. Nährstoffkreisläufe: Ein Lob dem Kot Spektrum der Wissenschaft, aufgerufen am 12. November 2022.
mini|Helmlingsschimmel Spinellus fusiger auf Kot In Deutschland können einzelne Dunghaufen grasender Weidetiere (wie Rind, Pferd, oder Büffel) mehrere 1.000 Insekten und mehrere 10.000 Raubmilben enthalten und sind somit ein wichtiger Teil des Ökosystems. Der Dung entwurmter Weidetiere ist jedoch eine ökologische Sackgasse, da Eier und Larven durch die im Dung enthaltenen Chemikalien absterben.Entwurmungsmittel zerstören das Dungnahrungsnetz Deutscher Naturschutztag, aufgerufen am 12. November 2022.Alles Mist! Chemiekeule bedroht Artenvielfalt auch im Dung NABU, aufgerufen am 12. November 2022.
Als Nahrungsgrundlage für andere Arten mini|Der Stierkäfer ernährt sich vom Dung von Wiederkäuern An Land dient Kot unter anderem Schimmelpilzen und Milben als Nahrung. Bei der Zersetzung durch die Pilze wird aus organischen Stickstoff- oder Ammoniumverbindungen Nitrat frei, das Pflanzen neben den anderen Mineralien als Dünger dient. Es gibt auch hochspezialisierte, „koprophile“ Pilze, aus der Familie der Ascobolaceae, die mittlerweile sehr selten geworden sind, da sie auf den Kot bestimmter Großtiere angewiesen sind.
Im Meer ist insbesondere der Kot von Walen von großer ökologischer Bedeutung, da er als Nahrungsgrundlage für das Phytoplankton dient. Da insbesondere die Bestände der Großwale durch Bejagung stark dezimiert wurden, arbeiten Forscher mittlerweile an der Herstellung von künstlichem Walkot, der die wichtige Funktion im Ökosystem übernehmen kann.Thomas Samboll: Meeresökologie. So schützen Wale das Klima. In: SWR Wissen, 7. Juni 2021, aufgerufen am 12. November 2022.Bettina Wurche: Künstlicher Walkot gegen die Klimakrise? In: ScienceBlogs, 8. März 2022, aufgerufen am 12. November 2022.
Nagetiere und Hasenartige sind Pflanzenfresser, die nicht über die Fähigkeit des Wiederkäuens verfügen. Sie scheiden die Nahrung in Form weicher Kotpillen, dem Blinddarmkot aus und schlucken sie danach direkt wieder, um die im Dickdarm freigesetzten Nährstoffe aufnehmen zu können. Dies ist eine Form von Koprophagie. Pferde sind ebenfalls keine Wiederkäuer: Sie scheiden deswegen eine große Menge Pferdeäpfel aus, je nach Fütterung alle 30 bis 120 Minuten. Die Gesamtmenge kann bis zu 50 kg pro Tag betragen.
Mistkäfer, wie Stierkäfer, Pillendreher, aber auch Käfer aus der Familie der Dungkäfer und Blatthornkäfer, nutzen den Kot von Wiederkäuern sowohl als Nahrung als auch als Kinderstube für ihre Larven. Chemische Verunreinigungen durch Medikamentenrückstände, die auch prophylaktisch (beispielsweise zur Entwurmung) von Nutztieren verabreicht werden, führen zu einem Absterben der Käferlarven. Einige der dungbewohnenden Käfer stehen daher mittlerweile auf der Roten Liste gefährdeter Arten, zumal indirekt auch zahlreiche Stutzkäfer und Kurzflügler betroffen sind, die sich von den Larven der kotbewohnenden Käfer ernähren.
Kot als Mittel zur Verbreitung bei Pflanzen Über Endochorie, auch Verdauungsausbreitung genannt, nutzen Pflanzen wie die Vogelbeere Tiere, um ihre Samen über deren Kot zu verbreiten. Die Ausbreitung über Vögel wird auch als Ornithochorie bezeichnet. Solche Samen haben eine Schutzschicht, die es ihnen ermöglicht, die Verdauung unbeschadet zu überstehen.
Einige Arten, wie der Afrikanische Affenbrotbaum (Adansonia digitata) benötigen als Voraussetzung für die Keimung hohe Temperaturen, die beispielsweise im Darm von Elefanten gewährleistet sind.Thea Lautenschläger, Nele Teutloff, Markus Günther, Christoph Neinhuis: Adansonia digitata germination tests. Elephants or heat: what causes scarification of seed to facilitate germination? United States National Library of Medicine, online veröffentlicht am 16. Juni 2020. doi:10.1186/s40529-020-00296-0.
Zur Abwehr von Feinden Manche Vögel bespritzen ihre Feinde zur Abwehr mit ihrem dünnflüssigen Kot, hierzu zählen neben der Schleiereule auch der Wiedehopf.Aus der Vogelwelt: Wiedehopf, Stadtverband Leipzig der Kleingärtner e. V., aufgerufen am 12. November 2022. Die Wacholderdrossel reagiert auf Angriffe möglicher Nesträuber, indem sie, selbst fliegende Feinde gezielt mit Kot bespritzt. Getroffene Feinde ergreifen in der Regel die Flucht, das Verkleben ihres Gefieders kann jedoch sogar zum Tod der Angreifer führen.Zur Feindabwehr der Wacholderdrossel (Turdus pilaris) SpringerLink, aufgerufen am 12. November 2022.
Einige Schlangen, wie die Ringelnatter nutzen übel riechenden Kot zur Abwehr von Feinden, wenn sie sich bedroht fühlen.Ringelnatter. Strategien: Angriff und Verteidigung BUND, aufgerufen am 12. November 2022.
Auch Insekten nutzen Kot zu ihrer Verteidigung; dieses Verhalten wurde unter anderem bei Östlichen Honigbienen beobachtet, die den Eingang zu ihrem Stock mit Fäkalien beschichten, um sich gegen mögliche Angriffe durch Asiatische Riesenhornissen zu schützen.Tiere. Ekelfaktor: Honigbienen wehren Riesenhornissen mit Werkzeug ab National Geographic, aufgerufen am 12. November 2022.
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