Als Budge (boge, bogey, bogy, bugeye) wurde im Mittelalter eine Art nach England importierter, ursprünglich eigentlich naturschwarzer Lammfelle bezeichnet.bǒuğḝ In: Hans Kurath, Sherman M. Kuhn: Middle English Dictionary. 3. Auflage. The University of Michigan Press, 1971,; books.google.de Ein englisches Wörterbuch erwähnt als eine Besonderheit von Bogy- beziehungsweise Budge-Pelz, dass er mit dem Haar nach außen getragen wurde.
Der in englischen Dokumenten seit dem späten 13. Jahrhundert übliche Name findet sich anderswo nur sehr selten. Die Bezeichnung dieser, in der Zeit in englischen Aufzeichnungen wohl am häufigsten erwähnten LammfellartFrancis Weiss: From Adam to Madam. Aus dem Originalmanuskript Teil 1 (von 2), (ca. 1980/1990er Jahre), im Manuskript S. 104–105 (englisch). leitet sich von dem Ortsnamen Bougie ab, einem kleinen maurischen Königreich in Nordafrika, einem florierenden Handelszentrum vom 11. bis zum frühen 14. Jahrhundert. Von hier wurden im 13. Jahrhundert „peleterie d’aigniaux“ nach Brügge exportiert.
Der Rauchwarenhändler Francis Weiss schrieb, dass die Gebiete nördlich des Oxus (Amudarja) schon immer für die Edellämmer von großer Bedeutung waren. Seine Vermutung, das Wort Budge für feine Lammfellartikel könnte von „Boghery“, abgeleitet sein, das „wahrscheinlich die Bukhara ist“,Francis Weiss: Die Schaf-Aristokratie. In: Rund um den Pelz, September 1978, S. 75, Heft 9, Rhenania-Fachverlag, Koblenz. die Heimat der schwarzen Karakullammfelle, ist wohl falsch.
Während Persianer, das Lammfell des Karakulschafs, vor allem in der Farbe Schwarz (naturschwarz, zusätzlich schwarz gefärbt), im 20. Jahrhundert ein bedeutender Modeartikel für Frauen war, wurde das schwarze Budge im Mittelalter wohl nur im Zusammenhang mit Männerkleidung erwähnt.
Geschichte mini|Lammfelle aus der Bucharei und daraus gefertigte Mützen (1914) Ein Händler aus Genua sandte 1262 einen Ballen „aginarum de Buzea“ auf die Champagnemessen. 1262 wurde für ein „peaulx de Bougie“ Zoll bezahlt, das entlang der Seine transportiert wurde. Händler aus Santander führten für Southampton und Sandwich bestimmte Budge und Kaninfelle mit sich, als ihr Schiff bei Dartmouth in einen Sturm geriet. Ein Händler aus Lynn verlud neben anderen Gütern Budge in Poitou. Thomas Humfrey aus Paris brachte 1305 eine Sendung Budge und Pelze im Wert von 25 £ nach Sandwich, 1307 eine andere im Wert von 150 £ nach London.Elspeth M. Veale, S. 68–69.
Während des 14. Jahrhunderts beschränkte sich die Bezeichnung nicht mehr auf die über Bougie gehandelten Lammfelle, der Begriff wurde auf Lammfelle aus anderen Mittelmeerländern ausgedehnt, insbesondere waren im frühen sechzehnten Jahrhundert die feinen spanischen Lammfelle und Lammfelle aus der Lombardei unter den Bezeichnungen „Rommenie“ oder „Rumney Budge“ bekannt. In einer Zeit, in der politische Schwierigkeiten den baltischen Handel mit Fellen behinderten, brachten ähnliche Probleme schließlich den Handel mit spanischen Budge fast zum Erliegen. Diese Lammfelle hatten den Londoner Kürschnern etwa ein halbes Jahrhundert lang eine modische und preisgünstige Alternative zu den teureren russischen Budge – bei uns als Persianer- oder Karakulfelle gehandelt – geboten. Budgefelle waren bis dahin sowohl in Schwarz als auch in Weiß, in verschiedenen Qualitäten und zu vernünftigen Preisen erhältlich gewesen. Die feinsten schwarzen galten um 1535 immerhin als fein genug für königliche Gewänder. Die Beinteile, im Deutschen als „Klauen“ bezeichnet, wurden für preisgünstigere Innenfutter gebraucht. Obwohl ein Teil, der als „Rommenie“-Budge bezeichnet wurde, aus Norditalien stammte und möglicherweise noch Lammfelle aus anderen Teilen des Mittelmeerraums unter dem Namen Budge zusammengefasst wurden, ist es wahrscheinlich, dass der Großteil dieser Felle im späteren 15. Jahrhundert aus Spanien stammte; manchmal wurden die Felle ausdrücklich als „Bugy de Spayne“ beschrieben.Elspeth M. Veale, S. 167, 196–170. Der allgemeine Handel mit Spanien, der zu Beginn des 14. Jahrhunderts recht erfolgreich gewesen war, sah sich in dessen dreißiger und vierziger Jahren in Anbetracht sich anbahnender Unruhen mit immer größeren Schwierigkeiten konfrontiert. So kam es, dass die Einfuhr von Budge in der Mitte des Jahrhunderts stark zurückging und dass ein Großteil der im Juli 1656 und Januar 1550 eingeführten Budge jetzt aus der Lombardei kam. Auch wandten die Londoner Kürschner sich zunehmend in größerer Menge anderen, aus dem Baltikum kommenden Fellarten zu.Elspeth M. Veale, S. 168–169.
Auch der Name „Pampelion“, ein im späten fünfzehnten und frühen sechzehnten Jahrhundert beliebter Pelz, wurde für Lammfelle verwendet, die vermutlich aus Pamplona, der Hauptstadt von Navarra, stammten. Sie waren schwarz und offenbar wertvoller als andere schwarze Budge. Die interessanteste Bedeutungserweiterung zu dieser Zeit ist die Bezeichnung „Orkynnay-Budge“, für Lammfelle die vermutlich von den Orkney-Inseln kamen.
Sogar die Londoner Frauen trugen in der Öffentlichkeit mit baltischem Feh oder „edlem“ Budge verbrämte, „Hoods“ (Kapuzen) genannte Gewänder, sehr zum Ärger der guten Bürger. Geoffrey Chaucer (um 1342/1343–1400), als er die „Habsucht“ beschrieb, bildete er sie in einem mit Lamm gefütterten Gewand ab. Zwischen 1338 und 1353 ordnete die Stadt an, dass gewöhnliche Frauen keine mit Budge oder Wolle besetzte Kleidung tragen sollten. Und bald darauf wurde verordnet, dass Frauen mit unmoralischem, bösen Leben keine Hoods mit Pelz tragen sollten, „außer mit Wolle von Lämmern oder Kaninchen usw.“
Im mittelalterlichen England, wie auch andernorts, waren durch Kleiderordnungen zeitweilig bestimmte, hochwertige Kleidungen nur höheren Ständen und dem Klerus vorbehalten. Das erste dieser Statuten, das von 1337, besagte, dass das Tragen von Pelzen jeglicher Art ein Privileg derjenigen von edler Geburt waren. Jedoch zwanzig Jahre später, ein Gesetz von 1363, in einer Zeit großer Veränderungen, berücksichtigte die Sinnlosigkeit einer so engen Beschränkung, es führte eine Liste von Pelzarten ein, welche als angemessene Kleidung für die jeweilige Klasse der Gesellschaft angesehen wurden. Es bestimmte, nur Handwerker wie Fuhrleute und Hirten, Viehzüchter und Getreidedrescher, Dienstboten verschiedener Art und diejenigen, die weniger als vierzig Shilling Wert an Gütern besaßen, waren ausgeschlossen. Eine abgestufte Skala unterschied den Adel, die Kleriker und die reicheren Bürger, die Hermelin, Lettich (weißes Wieselfell, eine preiswertere Alternative zu Hermelinfell), baltisches Eichhörnchen und Budge, also die feinen importierten Fellarten, tragen durften, von den übrigen, mit nur Lamm-, Kanin-, Katzen- oder Fuchsfellen aus größtenteils einheimischem Ursprung. Diese Unterscheidung wurde in dem Gesetz detailliert festgelegt: Ritter und Damen mit einem jährlichen Einkommen über 266 ₤. 13 s. 4 d. konnten Miniver und Gris (Grauwerk) tragen; weniger wohlhabende Ritter und Beamte nur Verbrämungen aus Hermelin und Lattice an ihren Hoods; Esquires mit jährlich Einnahmen von 200 ₤ und mehr und Kaufleute mit einem Einkommen von 1000 ₤, Hood-Verbrämungen aus Miniver (Wieselfell). Unterhalb dieser Klassen befanden sich Esquires, Herren unterhalb des Ritterstandes mit Ländereien im Wert von 100 ₤, Schreiber mit weniger als 133 ₤. 6 s. 8 d. Gehalt und Bürger und Handwerker bis einem Einkommen von 500 ₤ pro Jahr, die in Gruppen zusammengefasst und vermutlich auf das Tragen von Budge beschränkt wurden. Andere, wahrscheinlich die Mehrheit der in den Städten und Dörfern arbeitende Bevölkerung, musste sich mit Lamm, Kaninchen, Katze und Fuchs bescheiden.Elspeth M. Veale, S. 4–6.
Eine bedeutende Änderung der Kleiderordnung brachte ein Gesetz des Jahres 1509. Es legte erstmals fest, dass, mit wenigen Ausnahmen, niemand unter dem Rang eines Gentlemans „Pelze verwenden oder tragen durfte, von denen es in diesem Land, England, Irland oder Wales, keine vergleichbare Art gibt.“. Ein Gesetz von 1532, das gemäßigter wurde, in der Hoffnung, dass es damit auch wirklich eingehalten würde, erlaubte denjenigen, die mehr als 100 Pfund im Jahr ausgeben konnten, das Tragen von Steinmarder, grauen Genetten und Budge, sowie Fellen „englischer, walisischer und irischer Herkunft“.Elspeth M. Veale, S. 146.
Thomas of Lancaster, (um 1278–1322) erwarb in den Jahren 1313/14 für Livreen 391 Innenfutter aus Budge für die Barone, Ritter und Schreiber, 123 Futter für die Winterkleidung der Knappen, außerdem 14 Budges für die Surcots, 13 Hoods aus Budge für die Schreiber und 75 Lammfelle für die Sommerlivreen. John Fastolf (um 1378–1459), englischer Ritter und Heerführer während des Hundertjährigen Krieges, hatte beispielsweise mit Biber, Marder und Budge gefütterte Gewänder. Der wohlhabende, mit vielen Ämtern betraute englische Geistliche Bogo de Clare (1248–1294) kleidete sich in feinstes Feh und in Budge. In Durham trug im 14. Jahrhundert nicht nur der Prior einen mit Budge gefütterten Pilch und Rock.Elspeth M. Veale, S. 7–8. Nicht nur Anwälte wie Justices of the Bench des obersten Gerichts und Barons of the Exchequer, sondern auch viele weniger angesehene Praktiker trugen Budge oder Miniver, das schwarz getupfte Hermelin.Elspeth M. Veale, S. 11.
In den Jahren 1285 bis 1288 wurden für den Haushalt Eduards I., neben einer großen Anzahl von Edelfellen, 3300 Budge und andere Lammfelle angeschafft.Elspeth M. Veale, S. 19. Die Pelzzurichtung und -verarbeitung fand fast ausschließlich in London statt, wo sich um Garlick Hill am Bach des Walbrook ein eigenes Zentrum der Fellgerber entwickelte. Hugh le Despenser, 1. Baron le Despenser († 1265), letzter Chief Justiciar Englands, erwarb die Livrees aus Budge für seine Leute ebenfalls in London.Elspeth M. Veale, S. 55. Der Kürschner William Jenyns hatte, etwa 1520, einen Kunden, Thomas Fouler aus Essex, der ihm schwarze Budge brachte, damit er daraus ein Innenfutter für dessen Gewand herstellte. Da die Felle nicht ausreichten konnte er den Auftrag nicht zu Ende ausführen. Thomas kaufte deshalb zusätzlich für 40 Shilling Felle von Thomas Spencer, „einem Mann von großem Vermögen und Ansehen in der Stadt“, der an diesem Tag zufällig bei Jenyns im Haus war. William Jenyns lieferte das fertig gearbeitete Teil an Fouler, wurde jedoch später von Spencer verklagt, da Fouler die 40 Shilling nicht bezahlt hatte.Elspeth M. Veale, S. 80–81. Spencer wurde 1510 freigesprochen, nahm 1512 seine ersten Lehrlinge auf und trat 1524 in die Zunft ein; Jenyns wurde 1491/92 in die Lehre geschickt, trat 1503 in die Yeomanry ein, konnte den Lehrling, den er 1501 aufnahm, nicht halten und nahm bis 1527 nur einen weiteren auf. Möglicherweise hatte er einen Laden, aber in dieser Petition, die zwischen 1518 und 1529 zu datieren ist, kam der Kunde in sein „Haus“.