Der Bund für (Deutsche) Gotterkenntnis (Ludendorff) e. V. (nach Erich Ludendorff und seiner Frau Mathilde auch Ludendorffer oder Ludendorffianer) ist eine religiös-völkische Weltanschauungsgemeinschaft mit Sitz in TutzingGerhard Summer: Ludendorff-Villa in Tutzing. Der Schrein des völkischen Generals. In: Süddeutsche Zeitung, 14. März 2011. https://www.sueddeutsche.de/muenchen/starnberg/ludendorff-villa-in-tutzing-der-schrein-des-generals-1.961535, die von den Verfassungsschutzbehörden als rechtsextrem und antisemitisch eingestuft wird.Verfassungsschutzbericht Schleswig-Holstein 2000.Verfassungsschutz Brandenburg: Antisemitischer Weltanschauungsverein lässt sich in Brandenburg nieder, 2008.Mein deutscher Sommer. taz, 12. Juni 2007. Der Bund für Gotterkenntnis, ein eingetragener Verein, hat nach Eigenangaben 12.000 Mitglieder; die Behörden gehen jedoch von nur etwa 240 aktiven Mitgliedern aus.Bundeszentrale für politische Bildung: Langjähriger Vorsitzender des BfG war bis zu seinem Tod 2010 der Dachauer Arzt Gunther Duda, seitdem führt ihn Gudrun Klink aus Ingelfingen.https://aktionsbuendnis-brandenburg.de/bund-fuer-gotterkenntnis/

Weltanschauung Der Verein wird der neugermanischen Szene zugeordnet. Dabei ist das kultische Element beim Bund für Gotterkenntnis völlig eliminiert; die Religion wird auf das Volkstum als letzte Wirklichkeit reduziert. Es wird behauptet, dass die Gesetze der Vererbungslehre auch für ethische und seelische Eigenschaften gälten, so dass auch die Religiosität vererbt werde.Harald Baer u. a.: Lexikon neureligiöser Gruppen, Szenen und Weltanschauungen. Freiburg u. a., ISBN 3-451-28256-9, S. 878. Aufgrund des „völkischen Hintergrunds“ wird der Bund im Standardwerk Die völkisch-religiöse Bewegung in einem eigenen Kapitel behandelt, da er laut den Autoren „alle Züge einer esoterischen Sekte“ trage.Uwe Puschner, Clemens Vollnhals: Die völkisch-religiöse Bewegung im Nationalsozialismus: Eine Beziehungs- und Konfliktgeschichte. Göttingen 2012, S. 160.

Die Anhänger lehnen einen personalisierten Gott ab und suchen die Erkenntnis Gottes in dem sie umgebenden Weltall, das nach Überzeugung der Gemeinschaft von „göttlichen Wesen durchseelt“ ist. Diese Vorstellung ist laut Selbsteinschätzung pantheistisch; der Bund kenne keinen Kult und propagiere die Übereinstimmung der Naturwissenschaften mit der Religionsphilosophie Mathilde Ludendorffs.Stefanie von Schnurbein: Göttertrost in Wendezeiten. München 1993, S. 48. Der jüdisch-christliche Monotheismus wird hingegen als dem Germanentum wesensfremd abgelehnt.

Ethnische und Rassentrennungen seien wichtig, weil jedes Volk besondere Aspekte des Göttlichen repräsentiere und diese durch eine Vermischung von Volksgruppen und die Übernahme von Kulturen und Religionen verloren gingen. Das „Wesen aller Erscheinungen“ wird als Gott angesehen:

Die Weltanschauung des Bundes ist durchzogen von offenem Rassismus und Antisemitismus. Die Auffassung der je nach Volk bzw. „Rasse“ unterschiedlichen „Gotterkenntnis“ und die daraus abgeleitete Forderung, „Rassenvermischung zu vermeiden“, ist dafür ein Beispiel. Darüber hinaus ist die Gedankenwelt der Ludendorffer durch Verschwörungstheorien geprägt, wonach angebliche „überstaatliche Mächte“ wie insbesondere Juden, Freimaurer, Jesuiten und die römisch-katholische Kirche die Weltherrschaft anstrebten. Vor allem „die Juden“ seien dabei bestrebt, insbesondere „den Deutschen eine Art von Irrsein zu induzieren“, und zwar mit Hilfe des Christentums, der Freimaurerei und des Sozialismus. Unter ihrem Einfluss würden die Deutschen sich zu anderen Rassen hingezogen fühlen, so dass ihre „Rassentugenden mit dem ererbten Gotterleben“ verloren gingen und die „Blutsvermischung“ schließlich zum deutschen „Volkstod“ führen werde.

Geschichte Die Wurzeln des Bundes liegen in der Zwischenkriegszeit. Vor allem während der Zeit des Nationalsozialismus traten viele Menschen in Deutschland aus der Kirche aus. Im geistigen Zentrum dieser Kirchenaustrittsbewegung standen unter anderem die kirchenkritischen Schriften des NS-Parteiideologen Alfred Rosenberg.Harald Iber: Christlicher Glaube oder rassischer Mythus, 1987. Die Bezeichnung „gottgläubig“ ermöglichte all jenen, die aus der Kirche ausgetreten waren, eine außerkirchliche offizielle Bezeichnung zu wählen.Margarete Dierks: Jakob Wilhelm Hauer. Heidelberg 1986; S. 270 Auch die Ludendorffs waren in dieser Szene sehr aktiv. Die beiden Vorläuferorganisationen des Bundes, der Tannenbergbund und das Deutschvolk, wurden jedoch am 22. September 1933 verboten. Das Haus Ludendorff verfügte mit der Zeitschrift Am Heiligen Quell, die nun auf halbmonatliches Erscheinen umgestellt wurde, aber weiterhin über ein Medium, das 1937 eine Auflagenhöhe von 86.000 Exemplaren erreichte. In Analogie zur Deutschen Glaubensbewegung, der beizutreten sich das Haus Ludendorff beharrlich weigerte, nannte man sich nun Glaubensbewegung der Deutsch-Gottgläubigen.

Nach einer persönlichen Unterredung zwischen Adolf Hitler und Erich Ludendorff, die einander seit dem gemeinsamen Putschversuch 1923 verbunden, aber seit 1929 zerstritten gewesen waren, wurde im März 1937 die Eintragung „Bund für Deutsche Gotterkenntnis (Ludendorff)“ ermöglicht.Erich und Mathilde Ludendorff: Die machtvolle Religiosität des deutschen Volkes vor 1945. 2004. Hitler erteilte Ludendorff wenige Monate vor dessen Tod die Erlaubnis zur Neugründung eines nationalreligiösen Vereines, der 1937 den Namen Bund für Deutsche Gotterkenntnis erhielt und am 19. Juni 1937 ins Vereinsregister eingetragen wurde. Alle Beschränkungen des weltanschaulichen Wirkens des Vereins wurden aufgehoben. Die Ludendorff-Bewegung gehört damit zu den wenigen Ausläufern der völkischen Bewegung, die unter der nationalsozialistischen Herrschaft geduldet wurden.Stefan Breuer: Die Völkischen in Deutschland. Kaiserreich und Weimarer Republik. Darmstadt 2008, ISBN 978-3-534-21354-2, S. 258f.

Kurz nach Ende des Zweiten Weltkriegs verschickte Mathilde Ludendorff Rundschreiben an die verbliebenen Anhänger und redete diese als „Mitglieder unserer religiösen Vereinigung“ an.Spruchkammerakten, Akte III, Blatt 38–42, Eingang vom 16. Januar 1947 Geschützt durch die im Potsdamer Abkommen festgelegte Religionsfreiheit bekam Mathilde Ludendorff 1947 die Genehmigung der amerikanischen Militärregierung, den Bund auf rein „religiöser Grundlage“ neu zu gründen. Allerdings verzögerte sich die Neugründung durch ein Spruchkammerverfahren,Dokumentation zum Spruchkammerverfahren gegen Frau Dr. Mathilde Ludendorff vom 23.11.–26.12.1949, mehrere Bände, herausgegeben von Franz Karg von Bebenburg, Pähl 1950. demzufolge Mathilde Ludendorff am 5. Januar 1950 im Zusammenhang der Entnazifizierung als Hauptschuldige eingestuft wurde.https://www.dhm.de/lemo/biografie/biografie-mathilde-ludendorff.html

1951 wurde der Bund für Gotterkenntnis (L) in Berlin dennoch offiziell neu gegründet und ins Vereinsregister des Amtsgerichts München eingetragen. Erster Vorsitzender war der Rechtsanwalt Wilhelm Prothmann.Satzung mit Stand vom 16. Dezember 1952, beurkundet von Notar Victor Nowak, Berlin 1961 wurde er durch die Innenminister der Länder als verfassungsfeindliche Organisation und „Keimgebiet antisemitischer Gruppengesinnung“ (Verfassungsschutzbericht 1963) verboten. Im Jahr 1976 wurde das Verbot aufgrund von Verfahrensfehlern aufgehoben, jedoch wird der Bund für Gotterkenntnis bis heute vom Verfassungsschutz beobachtet.

Seit 1952 wird für eine Neuanmeldung für den Bund für Gotterkenntnis eine Kirchenaustrittsbescheinigung verlangt.Der Quell, 9. Oktober 1952. Die bereits vor 1933 formulierte Ideologie wird unverändert bis in die Gegenwart weitervertreten:

Einrichtungen und Veranstaltungen Der Bund für Gotterkenntnis (BfG) unterhält mit dem Verlag Hohe Warte einen eigenständigen unternehmerischen Zweig, der die Weltanschauung der Ludendorffer publizistisch verbreitet.Weiteres siehe folgenden Abschnitt Medien.

Der BfG-nahe Lühe-Verlag wird nach dem Tod von Harm Menkens von Sonnhild Sawallisch, Tochter der Vorsitzenden Gudrun Klink, geleitet.Antisemitismus in Tracht und Lederhose (Timo Büchner) – Kontext: Wochenzeitung, 29. Juni 2022

mini|Eingangstor zur Ahnenstätte Hilligenloh Es bestehen zudem mehrere als „Ahnenstätten“ bezeichnete Privatfriedhöfe, deren Nutzung den Angehörigen des Bundes vorbehalten ist bzw. war. Sie befinden sich im Eigentum von Gruppen, die mit dem Bund für Gotterkenntnis verbunden sind. Zum Beispiel fühlten sich die Vereinsmitglieder des Trägervereins „Ahnenstätte Hilligenloh e. V.“ gemäß ihrer Satzung lange Zeit „der Gotterkenntnis Mathilde Ludendorffs“ verbunden. 2015 wurde die Satzung geändert. Zwar gebe es im Verein noch Mitglieder des Bundes für Gotterkenntnis, sie könnten aber keinen Einfluss mehr auf die Geschicke der Ahnenstätte Hilligenloh nehmen, so der Ahnenstätten-Vorsitzende Ekkehard Mannigel.Karsten Krogmann: Wo alte Nazis friedlich ruhen dürfen. In: Nordwest-Zeitung (NWZ) vom 27. September 2014. Auch in Petershagen-Seelenfeld gibt es eine Ahnenstätte. Sie wurde vom Tannenbergbund gegründet. Dort haben sich Ludendorffer im Juni 2017 getroffen.

Im Jahr 1999 erwarb der Bund für Gotterkenntnis in Kirchmöser einen sanierungsbedürftigen Hof. Es wurden ein großer Saal, eine Mensa und zahlreiche Gästezimmer geschaffen..

Die weltanschaulichen Vorstellungen der Ludendorffer werden auf regelmäßigen Tagungen und Seminaren vermittelt. Daneben hat der Bund für Gotterkenntnis eine eigene Feierkultur. Laut Verfassungsschutz Schleswig-Holstein hat der Bund in Norddeutschland einen Schwerpunkt. 1994 schätzte das schleswig-holsteinische Innenministerium die Aktivitäten wie folgt ein: „Diese (Veranstaltungen) ziehen – über kleine und durchweg überalterte Kreise der BfG-Mitglieder hinaus – auch Angehörige anderer rechtsextremer Organisationen in nicht unbeträchtlicher Zahl an.“Der Rechte Rand Nr. 37, Nov./Dez. 1995, S. 17.

In jüngerer Vergangenheit lässt sich eine wachsende Aktivität, eine Anwerbung neuer Mitglieder und eine Vernetzung mit der rechtsextremen Szene, insbesondere der völkischen Bewegung, beobachten. In der niedersächsischen Ortschaft Dorfmark im Landkreis Heidekreis (Lüneburger Heide) veranstaltet der Bund seit 1971, also auch schon zu Verbotszeiten, jedes Frühjahr zu Ostern ein Treffen. Immer wieder sind dabei prominente Neonazis Gäste der Ludendorffer, etwa Steffen Hupka (2006 und 2012), Mitglieder der inzwischen verbotenen Heimattreuen Deutschen Jugend (2007), Hans-Joachim Herrmann (2010), die mehrfach verurteilte Holocaustleugnerin Ursula Haverbeck (2013) und Nikolai Nerling (2018).

Der „Arbeitskreis für Lebenskunde“ (AfL), der sich an der Philosophie Mathilde Ludendorffs orientiert, ist für Jugendveranstaltungen zuständig. Regelmäßig werden in Niedersachsen und Schleswig-Holstein Ferienlager, Wanderungen und „philosophische“ Schulungen veranstaltet. Kindern und Heranwachsenden wird auch „Lebenskunde“-Unterricht erteilt.Arbeitskreis für Lebenskunde: Verweis auf die Philosophie von Mathilde Ludendorff.

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