Esther Dayan-Ulivelli (geb. 1918 in Berlin; gest. 2002 in Berlin) war eine deutsche Filmcutterin.
Als Dozentin lehrte sie ab 1971 Filmschnitt an der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin. Sie war als Aktivistin im linken Spektrum tätig.
Leben Esther Dayan wurde 1918 als Kind eingebürgerter italienischer Einwanderer in Berlin geboren. Sie verwaiste 1924 und wuchs danach bei unterschiedlichen Pflegefamilien auf. Ihre halbjüdische Herkunft war für Behörden nicht mehr nachvollziehbar, da ihre Pflegefamilien ihr mehrfach neue Namen gegeben hatten. Als junge Erwachsene lebte sie zur Untermiete bei einer Familie, die im Widerstand während der Zeit des Nationalsozialismus aktiv war. Sie überlebte die NS-Zeit als jüdische Person in Berlin und sagte selber, dass sie als Deutsche und Italienerin durchgegangen sei. Dayan-Ulivelli war zwei Mal verheiratet und Mutter zweier Kinder. Ihr erster Ehemann war der Schriftsteller Wolfdietrich Schnurre.
Karriere 1933 wurde sie aus der Schule entlassen. Danach fand sie einen Job als Botenmädchen bei Agfa, wo sie später in der 16-mm-Schmalfilmabteilung arbeitete. 1936 wurde sie arbeitslos. Bei Tobis Filmkunst in Köpenick wurde ihr ein Lehrvertrag als Filmtechnikerin angeboten. Während der Zeit des Nationalsozialismus lernte sie dort die Arbeit im Kopierwerk.
Esther Dayan-Ulivelli schreibt von dieser Zeit im Artikel stationen in Frauen und Film:
Sie heiratete 1944 und hörte auf zu arbeiten. Nach dem Zweiten Weltkrieg begann sie 1948 in einem Synchronstudio mit Kopierwerk in Westdeutschland zu arbeiten. Mit ihrem Mann bekam sie ein Kind, ließ sich 1953 scheiden und zog wieder zurück nach Berlin. Dort arbeitete sie frei als 2. Assistentin im Schneideraum und später als Cutterin. Unter anderem schnitt sie Helke Sanders Film Die allseitig reduzierte Persönlichkeit – Redupers.
Aktivismus Esther war in der Westberliner Frauengruppe Brot und Rosen aktiv, die von Helke Sander gegründet wurde. Zusammen gaben sie das Frauenhandbuch Nr. 1: Abtreibung und Verhütungsmittel heraus, das 1971 mit über 30.000 Kopien veröffentlicht wurde. Die Schrift befasst sich mit der Selbstbestimmung von Frauen, dem Recht auf Abtreibung und Kritik an der Pille.
Filmografie (Auswahl) 1961: Flucht nach Berlin (Schnittassistenz) – Regie: Will Tremper 1972: Die Wollands – Regie: Marianne Lüdcke, Ingo Kratisch 1972: His-Story – Regie: Elsa Rassbach 1972: Leo Brouwer – Cuba – Regie: Dieter Jung 1972: Wer braucht wen? – Regie: Valeska Schöttle 1974: Wir sind hier der Kinder wegen – Regie: Tamara Wyss 1978: Die Allseitig reduzierte Persönlichkeit – Regie: Helke Sander 1978: Gegen Spekulanten – Regie: Klaus Helle, Florence Kraak 1978: Anna Astrid Proll – Regie: Gerd Conradt, Petra Goldmann 1979: Okay, Okay – Der moderne Tanz – Regie: Heiner Mühlenbrock, Christoph Dreher 1980: Strahlende Zukunft – Regie: Suzanne Beyeler, Andreas Soschynski 1980: Etwas tut weh – Regie: Recha Jungmann 1985: Der Unbesiegbare – Regie: Gusztáv Hámos 1988: Die Gottesanbeterin (Georgette Meunier / Beratung) – Regie: Tania Stöcklin, Cyrille Rey-Coquais
Hörspiel 1996: Martin Daske, Carine Limbosch: Land des tödlichen Schweigens. Ein Radiogedicht (Stimme) – Komposition und Realisation: Martin Daske (Original-Hörspiel – HR/SFB/Belgische Radio en Televisieomroep (BRT))ARD-Hörspieldatenbank (Land des tödlichen Schweigens, HR/SFB/BRT 1996)
Weblinks
Esther Dayan-Ulivelli im dffb Archiv der Deutschen Kinemathek Esther Dayan-Ulivelli auf filmportal.de
Einzelnachweise
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