Im Kreml ist noch Licht ist ein Gedicht von Erich Weinert über Josef Stalin von 1939.

Hintergründe Der kommunistische Dichter Erich Weinert emigrierte 1935 nach Moskau, wo er aus den „Säuberungen“ gegen KPD-Mitglieder unbeschadet herauskam, und selber zwei Genossen denunzierte. Nach seiner Beteiligung am spanischen Bürgerkrieg seit 1937 kehrte er im Herbst 1939 nach Moskau zurück. Er wohnte dort in dem privilegierten Funktionärskomplex an der Moskwa mit direktem Blick zum Kreml.Die Trifonows und das Haus an der Moskwa Stern

Erich Weinert veröffentlichte das Gedicht Im Kreml ist noch Licht in einem von ihm 1939 herausgegebenen Sammelband mit deutschen Lobgedichten auf Stalin zu dessen 60. Geburtstag. Ab 1948 wurde es in Ost-Berlin mehrfach neu gedruckt und vervielfältigt. Es war Anfang der 1950er Jahre wahrscheinlich das bekannteste deutsche Gedicht über Stalin (der bekanntermaßen nie schlief, denn ein dürftiges Gedicht, seinerzeit tausendfach gedruckt, behauptete, selbst wenn alles schlummerte, brannte im Kreml noch Licht).Günter Kunert, Ein Armer flüstert "Stalin" noch im Sterben, in Die Welt vom 5. März 2003

In der DDR entstand aus dem Gedichttitel die Redewendung „Im Kreml brennt noch Licht“, die anfangs von Funktionären der SED und des Staates aus Hochachtung und Überzeugung gebraucht wurde. Später wurde sie von der Bevölkerung als eine inhaltslose Redewendung gebraucht, wenn bei einem Bekannten abends noch lange Licht brannte, auch um eine Sache zu ironisieren und zu verspotten, mitunter schwang Zynismus mit.Eberhart Schulz: Im Kreml brennt noch Licht. In: Kurt Pätzold, Manfred Weißbecker (Hrsg.): Schlagwörter und Schlachtrufe. Aus zwei Jahrhunderten deutscher Geschichte. Leipzig 2002, Band 2, S. 168 ff.

Inhalt Das Gedicht ist in ähnlich wiederkehrenden Strophen wie ein Schlaflied gestaltet.Varga, 2013, S. 27

„Wenn du die Augen schließt, und jedes Glied und jede Faser deines Leibes ruht - dein Herz bleibt wach; dein Herz wird niemals müd; und auch im tiefsten Schlafe rauscht dein Blut.

Ich schau’ aus meinem Fenster in der Nacht; zum nahen Kreml wend ich mein Gesicht. Die Stadt hat alle Augen zugemacht. Und nur im Kreml drüben ist noch Licht.

Und wieder schau’ ich weit nach Mitternacht zum Kreml hin. Es schläft die ganze Welt. Und Licht um Licht wird drüben ausgemacht. Ein einz’ges Fenster nur ist noch erhellt.

Spät leg’ ich meine Feder aus der Hand, als schon die Dämmrung aus den Wolken bricht. Ich schau’ zum Kreml. Ruhig schläft das Land. Sein Herz blieb wach. Im Kreml ist noch Licht.“

Der Kehrreim bezieht sich offenbar auf eine gleiche Redewendung in Moskau, die ausdrücken soll, dass der fürsorgliche Landesvater nicht ruht, um für sein Volk so viel zu sorgen, wie es ihm möglich ist.Varga, 2013, S. 25 (Was er dort in der Zeit des Großen Terrors tatsächlich tat, war den meisten damals nicht bekannt.)

Veröffentlichungen Erich Weinert (Hrsg.): Dem Genius der Freiheit. Dichtungen um Stalin, Kiew 1939, S. 299 Heute und Morgen, 1948, S. 700

Literatur Patrick Varga, Religiöse Züge der Stalin-Verehrung deutscher Schriftsteller. Bakalářská prace [Bakkalaureus-Arbeit], Olomouc 2013, S. 25–33 PDF

Weblinks Wortlaut des Gedichtes auf der Website ddr-geschichte.de, abgerufen am 25. November 2023

Einzelnachweise

Kategorie:Literatur (20. Jahrhundert) Kategorie:Gedicht Kategorie:Werk über Josef Stalin Kategorie:Literatur (Deutsch) Kategorie:Exilliteratur