All Things Must Pass ( für: Alles muss vergehen) ist das erste Solo-Studioalbum von George Harrison nach der Trennung der Beatles. Gleichzeitig ist es einschließlich der beiden Instrumental­alben aus den 1960er Jahren das dritte Album von George Harrison. Es wurde am 30. November 1970 in Großbritannien und am 27. November 1970 in den USA veröffentlicht.

In den USA und in Großbritannien erreichte das Album Platz eins der jeweiligen Charts.

Entstehungsgeschichte Harrison veröffentlichte All Things Must Pass als sein drittes und erfolgreichstes Soloalbum. Zuvor waren der Soundtrack Wonderwall Music (1968) und das elektronisch orientierte Album Electronic Sound (1969) erschienen. Letzteres war kein klassisches Rockalbum, sondern enthielt Soundexperimente. Beide Soloalben fanden wenig Beachtung und waren kommerziell erfolglos.

Auf All Things Must Pass erschienen viele Lieder, die sich im Laufe der Jahre bei Harrison angesammelt und nicht den Weg auf ein Beatles-Album gefunden hatten, so wurde der Titeltrack des Albums als Demo im Oktober 1996 auf dem Album Anthology 3 veröffentlicht. Weitere teilweise noch unfertige Lieder wurden während der Aufnahmesessions von Let It Be geprobt.

Die Aufnahmesessions für die Basic-Tracks fanden im Wesentlichen zwischen Mai und Juli 1970 statt. Die Aufnahmen für das Album begannen am 26. Mai 1970 mit den Band-Demos in den Abbey Road Studios (Studio 3), als Begleitmusiker fungierten Ringo Starr und Klaus Voormann. Von diesen 15 Demos fanden folgende Lieder keine Berücksichtigung bei den anschließenden Sessions: Going Down To Golders Green, Dehra Dun, Om Hare Om [Gopala Krishna] und Sour Milk Sea. Von dem letzten Song existiert auch ein Demo von Ende Mai 1968, das gemeinsam mit den Beatles aufgenommen wurde, jedoch auf dem Album The Beatles keine Berücksichtigung fand. Am 27. Mai 1970 nahm George Harrison in den Abbey Road Studios 15 weitere akustische Demos allein auf, von denen folgende nicht auf dem Album veröffentlicht wurden bzw. weitere Aufnahmen unterblieben: Window-Window, Cosmic Empire, Mother Divine, Nowhere to Go, Tell Me What Has Happened With You, Beautiful Girl und I Don’t Want to Do It. Die beiden letzten Lieder wurden in den kommenden Jahren neu aufgenommen, so erschien Beautiful Girl auf dem Album Thirty Three & 1/3, I Don’t Want to Do It wurde im April 1985 als Single in den USA veröffentlicht. Die Bonustitel Beware of Darkness und Let It Down von der Wiederveröffentlichung vom Januar 2001 stammen von derselben Probesession.

mini|hochkant|George Harrison, 1971 Als Produzenten engagierte Harrison Phil Spector, der auch das letzte Album der Beatles, Let It Be, nachproduziert hatte. Spector wurde wegen seiner „Wall of Sound“ sowohl gefeiert als auch angefeindet. Auf All Things Must Pass kann man ihn auf dem Höhepunkt seines Schaffens hören. Neben Schlagzeug und Bass benutzte Spector mehrere, teilweise kaum hörbare akustische und elektrische Gitarren, drei Keyboarder, die unter anderem Klavier und Orgel spielen, und zusätzlich zahlreiche Streicher und Bläser, die den Sound „wahrlich zu einer Mauer anschwellen lassen“. Die Backing-Tracks des Albums wurden in den Abbey Road Studios auf Acht-Spur-Band aufgenommen, wobei die Musiker normalerweise live spielten. Phil Spector verließ die Sessions im Juli 1970 und überließ es Harrison, den Rest zu produzieren.

Klaus Voormann sagte über die Aufnahmen: „George wusste nicht, was passieren würde, weil er noch nie eine Platte alleine gemacht hatte. Aber er hatte die Hilfe von Phil Spector, was ihm das Selbstvertrauen gab, es zu tun. Er hatte großartige Songs und großartige Musiker. Phil (Spector) hatte die volle Kontrolle über diesen ganzen Haufen von Musikern, die spielten. Wir spielten alle gleichzeitig – wir haben nicht übereinander aufgenommen, es waren alle sechs Leute, die akustischen Gitarren spielten und fünf Keyboarder, die gleichzeitig Klavier spielten. Es war verrückt! Ich glaube, er brach sich im Apple-Kontrollraum den Arm – George machte ein paar Overdubs, Phil kam herein und war völlig betrunken und fiel einfach nach hinten um. Und am Ende war George davon irritiert und Phil verschwand irgendwie. Also beendete George das Album.“ Harrison äußerte sich 2001 ergänzend: „Die Songs wurden immer und immer wieder gespielt, bis die Arrangements fertig waren, damit der Toningenieur im Kontrollraum den Sound mit Phil Spector hinbekommen konnte. Viele der Tracks waren quasi live.“

Anfang Juli 1970 unterbrach George Harrison, aufgrund des Todes seiner Mutter die Aufnahmen. Weitere Aufnahmen und die Einspielungen von Overdubs fanden vom 27. Juli bis 12. August ohne Phil Spector statt. Die Overdubs, die während dieser Zeit aufgenommen wurden, waren Harrisons Leadgesang und Slide-Gitarrenparts sowie die vielschichtigen Backing Vocals, die den George O'Hara-Smith Singers, bestehend aus Harrison, Clapton und Whitlock, zugeschrieben werden. George Harrison schickte frühe Mixe der meisten Lieder an Phil Spector, der sich in Los Angeles erholte. Am 19. August 1970 schrieb Spector einen Brief an Harrison, in dem er seine Gedanken über den Fortschritt des Albums darlegte und wie er sich die endgültige Veröffentlichung vorstellte. John Barhams Orchesterarrangements für das Album All Things Must Pass fanden während der nächsten Session vom 2. bis zum 12. September 1970 in den Londoner Trident Studios statt, die eine 16-Spur-Tonbandmaschine hatten. Barham war seit den Aufnahmen der Backing-Tracks dabei und war so mit dem Material vertraut. In den Trident Studios wurden aber auch weitere Overdubs und Chorgesang, den Harrison alleine beisteuerte, aufgenommen. All Things Must Pass war ursprünglich für eine Veröffentlichung im Oktober 1970 geplant, aber der Mix wurde erst am 17. Oktober abgeschlossen. Am 28. Oktober trafen George und Pattie Harrison in New York ein, wo er und Phil Spector letzte Vorbereitungen für die Veröffentlichung trafen. Die letzten Schnitte, Masterings und Sequencings wurden Anfang November in den Mediasound Studios durchgeführt, danach war das Album fertig.

Zu den Musikern zählte neben Harrison dessen Freund Eric Clapton, am Keyboard saß unter anderem Billy Preston, der schon bei den Sessions zum Album Let It Be der Beatles mitwirkte. Auf vielen Liedern spielte Ringo Starr Schlagzeug, der die Aufnahmesessions am 22. Juni verließ, um sein eigenes Album aufzunehmen. Weiterhin wirkten die Bassisten Klaus Voormann und Carl Radle, die weiteren Keyboarder Gary Wright, Gary Brooker und Bobby Whitlock, der weitere Schlagzeuger Jim Gordon und die Gruppe Badfinger sowie Peter Frampton und weitere Studiomusiker mit. Laut John Leckie, einer der Toningenieure, kamen auch andere Musiker, Rick Wright und Donovan, zu den Aufnahmen, spielten aber nicht mit. Phil Collins spielte bei einer Aufnahme Congas, aber seine Einspielung wurde nicht verwendet.

Wah-Wah (Aufnahme: 28. Mai 1970) schrieb Harrison während der Aufnahmesessions im Januar 1969 zu Let It Be / Get Back als er für kurze Zeit die Beatles verließ, Wah-Wah steht als Metapher für Kopfschmerzen. Es war das erste Lied, das eingespielt wurde.

Bei I’d Have You Anytime (Aufnahme: 4., 5. Juni 1970) handelt es sich um eine Gemeinschaftskomposition von George Harrison und Bob Dylan, während If Not for You (Aufnahme: 28., 29. Mai, 4. Juni 1970) eine neue Dylan-Komposition ist, die der Komponist im Oktober 1970 auf seinem Album New Morning veröffentlichte. Behind That Locked Door (Aufnahme: 5. Juni, 3. Juli 1970) behandelt textlich Bob Dylans Rückzug aus der Öffentlichkeit nach seinem Motorradunfall im Juli 1966.

Hear Me Lord (Aufnahme: 23., 24. Juni, 1. Juli 1970) und My Sweet Lord (Aufnahme: 28. Mai 1970) sind Lieder in Gebetsform. Hear Me Lord stellte Harrison im Januar 1969 den Beatles vor, es stieß auf wenig Interesse. George hatte My Sweet Lord während einer Tour mit Delaney & Bonnie geschrieben, es war die erfolgreichste Single von Harrison und erreichte in vielen Ländern auf der Welt Platz 1 der Charts. Schon im folgenden Jahr wurde Harrison allerdings verklagt, weil My Sweet Lord Ähnlichkeiten mit dem Lied He’s So Fine von den Chiffons aus dem Jahr 1963 aufweise. Nach Jahren entschied das Gericht, dass Harrison den Song „unbewusst plagiarisiert“ habe.

Awaiting on You All (Aufnahme: 22., 26. Juni 1970) spiegelt religiöse Ansichten von Harrison wider.

Apple Scruffs (Aufnahme: 25. Juli 1970) ist eine Hommage an die weiblichen (Beatles-)Fans, die vor den Abbey Road Studios oder dem Apple-Gebäude standen und von Harrison die wenig schmeichelhafte Bezeichnung ‚Apple scruffs‘ erhielten.

mini|Einfahrt zum Anwesen Friar Park Ballad of Sir Frankie Crisp (Let It Roll) (Aufnahme: 4., 5. Juni 1970) ist eine weitere Hommage, hier an Frankie Crisp, er war der ursprüngliche Erbauer des Hauses, Friar Park, in dem Harrison seit 1970 lebte.

Die Titel Run of the Mill (Aufnahme: 29. Mai, 24., 30. Juni, 1. Juli 1970), Beware of Darkness (Aufnahme: 22., 23. Juni 1970), Art of Dying (Aufnahme: 29. Mai, 2., 23. Juni, 1. Juli 1970) und All Things Must Pass (Aufnahme: 10. Juni 1970) reflektieren philosophische Ansichten von George Harrison. Harrison fing 1966 mit der Komposition von Art of Dying an. All Things Must Pass wurde erstmals im Januar 1969 mit den Beatles während der Aufnahmen zum Album Let It Be geprobt, eine zufriedenstellende Aufnahme wurde aber nicht eingespielt.

Die restlichen Titel Isn’t It a Pity (Aufnahme: Version One: 2. Juni, Version Two: 3. Juni 1970), What Is Life (Aufnahme: 22., 23. Juni, 3. Juli 1970), Let It Down (Aufnahme: 24. Juni 1970) und I Dig Love (Aufnahme: 2. Juni 1970) behandeln das Thema Liebe. Isn’t It a Pity schrieb Harrison schon 1966, im Januar 1969 wurde in den Apple Studios eine Demoversion von Harrison alleine eingespielt. What Is Life wurde im Frühjahr 1969 geschrieben und war ursprünglich für Billy Preston vorgesehen. Let It Down wurde ebenfalls im Januar 1969 den Beatles vorgestellt, diese zeigten abermals kein Interesse.

Während der Aufnahmesessions wurden noch weitere Lieder, teilweise nicht vollständig, aufgenommen. Das Lied I Live for You (Aufnahme: 9. Juni 1970) wurde im Januar 2001 als Bonustitel veröffentlicht. Das Lied Whenever (I Still Love You) aka I’ll Still Love You (When Every Song is Sung) ist bisher nur auf Bootleg veröffentlicht. Die Lieder Down to the River, Woman Don’t You Cry For Me, Dehra Dun, Going Down to Golders Green und Om Hare OM (Gopala Krishna) wurden auf 50th Anniversary Edition des Albums veröffentlicht. Down to the River ist ein erster Entwurf für den Song Rocking Chair In Hawaii, der auf dem Album Brainwashed veröffentlicht wurde. Woman Don’t You Cry For Me erschien als Neuaufnahme auf dem Album Thirty Three & 1/3.