Bernstein – the memory of paper ist ein Projekt der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW), das von Emanuel Wenger unter Mithilfe von Vlad AtanasiuEmanuel Wenger und Vlad Atanasiu: Bernstein – the memory of paper. Presentation of Bernstein at EVA06 Conference, Berlin. online abgerufen am 9. November 2023 formuliert wurde und u. a. in eine Website mündete, die sich als Expertensystem mit Papier, Papierforschung und Papiergeschichte befasst.

„Sie stellt Ressourcen in den folgenden Bereichen zur Verfügung: historische Papierforschung in Europa, Expertise zu Papierdokumenten, Vermessung der strukturellen Charakteristika von Papier, Unterstützung für die Erstellung von neuen Papierdatenbanken, Einführung in die digitalen Papierstudien.“Bernstein – The Memory of Paper, zuletzt abgerufen am 9. November 2023. Die Website hat sich zu einem wesentlichen Arbeitsinstrument für eine Vielzahl von Forschungsvorhaben und Erschließungsprojekten im Bereich der Kodikologie, der InkunabelforschungPeter Rückert: Wasserzeichen in Inkunabeln. Neue Forschungsperspektiven in digitalem Format. In: Christoph Reske und Wolfgang Schmitz (Hrsg.): Materielle Aspekte der Inkunabelforschung. (Wolfenbütteler Schriften zur Geschichte des Buchwesens. Band 49). Harrassowitz Verlag, Wiesbaden 2017, S. 121–132. und Buchwissenschaft, der Musikwissenschaft, der Kunstgeschichte, der Archivkunde und der Editionswissenschaft entwickelt und wird dank ihrer Multilingualität international stark frequentiert.

Das Bernstein-Konsortium Seit 1999 war die unter der Leitung von Alois Haidinger zustande gekommene Sammlung WZMA – Wasserzeichen des Mittelalters online zugänglich, die das Ziel hatte, die „rund 650 mittelalterlichen Papierhandschriften der Stiftsbibliothek Klosterneuburg mit Hilfe der in Bibliothek und Archiv des Stiftes verwahrten datierten Handschriften“Alois Haidinger: Die Sammlung WZMA – Wasserzeichen des Mittelalters der Kommission für Schrift- und Buchwesens des Mittelalters. In: Peter Rückert, Jeannette Godau und Gerald Maier (Hrsg.): Piccard-Online. Digitale Präsentationen von Wasserzeichen und ihre Nutzung. (Werkhefte der Staatlichen Archivverwaltung Baden-Württemberg, 19). Kohlhammer, Stuttgart 2007, S. 45–54, hier S. 45. zeitlich einzuordnen. An der Königlichen Bibliothek der Niederlande, Den Haag, war die durch Gerard van ThienenMarieke van Delft: Gerard van Thienen (1939-2015). In: Gazette du livre médiéval, n°62.2016. S. 105. Online abgerufen am 12. November 2023. erarbeitete Datenbank Watermarks in Incunabula printed in the Low Countries (WILC) in das Internet gestellt worden.Gerard van Thienen und Martine Veldhuizen: Watermarks in Incunabula printed in the Low Countries (WILC). An online illustrated database. In: Peter Rückert, Jeannette Godau und Gerald Maier (Hrsg.): Piccard-Online. Digitale Präsentationen von Wasserzeichen und ihre Nutzung. (Werkhefte der Staatlichen Archivverwaltung Baden-Württemberg, 19). Kohlhammer, Stuttgart 2007, S. 65–69. In Stuttgart wurde die von Gerhard Piccard aufgebaute Wasserzeichenkartei digitalisiert und für ein Online-Angebot aufbereitet.Peter Rückert: Piccard online. Die digitale Präsentation von Wasserzeichen als neue Forschungsperspektive. In: Gazette du livre médiéval, n°50. Printemps 2007. S. 40–50. Online abgerufen am 12. November 2023.Jeannette Godau und Gerald Maier: Piccard-Online. onzeption, Präsentation und Ausblick. In: Peter Rückert, Jeannette Godau und Gerald Maier (Hrsg.): Piccard-Online. Digitale Präsentationen von Wasserzeichen und ihre Nutzung. (Werkhefte der Staatlichen Archivverwaltung Baden-Württemberg, 19). Kohlhammer, Stuttgart 2007, S. 27–41. Das Zusammenführen unterschiedlicher digitaler Ressourcen war das Anliegen des Förderprogramms eContentPlus, so dass schließlich diese drei Projekte in Verbindung mit einer kunstwissenschaftlichen Datenbank des NIKI und unter Beiziehung umfangreicher bibliografischer Daten der Deutschen Nationalbibliothek und der dort erstellten Internationalen Bibliographie zur Papiergeschichte IBPStephanie Jacobs: Das Buch museal. Das Deutsche Buch- und Schriftmuseum der Deutschen Nationalbibliothek in Leipzig. In: Ursula Rautenberg (Hrsg.): Buchwissenschaft in Deutschland. Ein Handbuch. De Gruyter Saur Berlin; Boston, Mass. 997–1016, hier S. 1010. die inhaltliche Basis des Projekts stellten, während zusätzliche Projektpartner vor allem informationstechnische Unterstützung leisteten. Das Bernstein-Projekt wurde von September 2006 bis Februar 2009 von der Europäischen Kommission im Rahmen des eContentplus-Programms kofinanziert.Commission of the European Communities. Directorate-General Information Society and Media. eContentplus Programme. Bernstein – The Memory of Papers. Collaborative systems for paper expertise and history. Grant agreement Number ECP-2005-CULT-038097. Das Konsortium bestand aus folgenden Partnern: Österreichische Akademie der Wissenschaften (ÖAW), Wien, Österreich [Koordinator] Landesarchiv Baden-Württemberg, Stuttgart, Deutschland Technische Universität Graz, Graz, Österreich Laboratoire de Médiévistique Occidentale de Paris (LAMOP), Paris, Frankreich Deutsche Nationalbibliothek, Leipzig, Deutschland Netherlands Interuniversity Art Historical Institute (NIKI), Florenz, Italien Technische Universität Delft, Delft, Niederlande Königliche Bibliothek der Niederlande, Den Haag, Niederlande University of Liverpool, Liverpool, Vereinigtes Königreich

Das Projekt war von Anfang an auf einen multilingualen Ansatz ausgerichtet und erstellte für die Beschreibung von Wasserzeichen ein mehrsprachiges Verzeichnis entsprechender Begriffe, das seit 2018 die Sprachen Deutsch, Englisch, Französisch, Griechisch, Italienisch, Russisch, Spanisch, Portugiesisch, Ungarisch und Niederländisch umfasst.Erwin Frauenknecht, Carmen Kämmerer, Peter Rückert, Maria Stieglecker: Watermark Terms. Deutsch – English – Français – Ελληνικά – Italiano – Русский – Español – Português – Magyar – Nederlands. Vocabulary for Watermark Description. Version 11, 10. November 2018. online„Die Mehrsprachigkeit bezieht sich nicht nur auf die Texte der Webseiten, sondern vor allem auf die Abfrage in den Datenbanken [...]. Die automatische Übersetzung erfolgt durch eine Tabelle, die die unterschiedlichensprachlichen Benneungen zusammenführt.“Emanuel Wenger: Metasuche in Wasserzeichendatenbanken (Bernstein-Projekt). Herausforderungen für die Zusammenführung heterogener Wasserzeichen-Metadaten. In: Wolfgang Eckhardt, Julia Neumann, Tobias Schwinger und Alexander Staub (Hrsg.): Wasserzeichen – Schreiber – Provenienzen. Neue Methoden der Erforschung und Erschließung von Kulturgut im digitalen Zeitalter. Zwischen wissenschaftlicher Spezialdisziplin und Catalog enrichment. (Zeitschrift für Bibliothekswesen und Bibliographie. Sonderbände, 118). Vittorio Klostermann, Frankfurt am Main 2016, S. 289–297, hier S. 297.

Als Bernstein Systematics wurde eine drei Ebenen umfassende Systematik der Wasserzeichenmotive in Deutsch, Englisch, Spanisch, Französisch, Italienisch und Russisch veröffentlicht. Erwin Frauenknecht, Peter Rückert, Maria Stieglecker: Bernstein Systematics. Deutsch – English – Español – Français – Italiano – Русский. Version 1.6. 13. Februar 2012. online

Der Katalog bietet den Zugriff auf 327.225 Datensätze (Stand: 31. Dezember 2025) zu verschiedenen Eigenschaften von Papier, das vor allem im Mittelalter und in der Frühen Neuzeit in Europa hergestellt und für Bücher, Archivdokumente oder Drucke verwendet wurde. Die Daten konzentrieren sich auf die Wasserzeichen, die dieses Papier enthält. Suchbilder ermöglichen eine erste Orientierung, die zugleich als Link zu den Ursprungsdatenbanken dienen, in den jeweils die ausführlichen Beschreibungen und Abbildungen geboten werden. Bei der Auswertung des Datenbestands helfen zeitliche Eingrenzungen, und bei der Darstellung der Suchergebnisse stehen auch kartografische Hilfsmittel zur Verfügung.

Die Unterschiede zu dem nach Ablauf der EU-Förderung auf nationaler Ebene mit Förderung durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) entstandenen „Wasserzeichen-Informationssystem“ (WZIS)Erwin Frauenknecht und Maria Stieglecker: Das Projekt „Wasserzeichen-Informationssystem“ (WZIS). Innovative Wege bei der Erfassung und Präsentation von wasserzeichen. In: IPH Congress Book 19 (2012), S. 25–33.Erwin Frauenknecht, Gerald Maier und Peter Rückert: Das Wasserzeichen-Informationssystem (WZIS), Bilanz und Perspektiven. (Sonderveröffentlichungen des Landesarchivs Baden-Württemberg). Kohlhammer, Stuttgart: 2017. ISBN 978-3-17-031538-9. sind struktureller Natur.

Nachhaltigkeit In einer kurzen Projektbeschreibung wurde 2006 folgende Feststellung getroffen:

Durch die kontinuierliche Fortsetzung der Projektarbeit unter der Koordination von Emanuel Wenger über den ursprünglichen Projektzeitraum hinaus, ist es gelungen, das Bernstein Portal von ursprünglich 4 auf inzwischen 57 Wasserzeichensammlungen aus 25 Ländern, darunter auch die nichteuropäische Länder Australien, Brasilien, Chile, Ecuador und Kuba auszuweiten (Stand Dezember 2025).

Die zeitliche Spanne der Wasserzeichenbelege, auf die das Portal Zugriff gewährt, reicht von jenen frühen durch Charles-Moïse Briquet belegten Wasserzeichen, die durch die Online-DatenbankBO – Briquet Online (v. 2.1 - 2021-01-23) von dessen vierbändigem Standardwerk Les Filigranes. Dictionnaire historique des marques du papier dès leur apparition vers 1282 jusqu'en 1600 aus dem Jahr 1907 bzw. 1923 eingebunden sind, bis zu den Maschinenpapierwasserzeichen des 19. und 20. Jahrhunderts aus der Sammlung des Papiergroßhändlers Stefan FeyerabendMaschinenwasserzeichen Sammlung Feyerabend . 2013 wurde am Beispiel der Datenbank IVC+R des Departamento de Conservación y Restauraciónde Material de Archivo y Obra Gráficadas (Unidad de Conservación, Restauración e Investigación. Culturarts. Generalitat Valenciana) das Verfahren publiziert, wie Daten kompatibel zum Standard der IPHInternationale Arbeitsgemeinschaft der Papierhistoriker: Internationale Norm für die Erfassung von Papieren mit oder ohne Wasserzeichen. Version 2.1 (2012). Online abgerufen am 12. November 2023] strukturiert und im Bernstein-Portal abgerufen werden können. Dabei wird das Search/Retrieval via URL (SRU) Protokoll für die direkte Suche in den Originaldatenbanken benutzt.Emanuel Wenger und M. Ferrando Cusí: How to make and organize a watermark database and how to make it accessible from the Bernstein portal. A practical example: IVC+R database. In: Paper History, Journal of the International Association of Paper Historians. Nr 17(2) (2013), S. 16–21. Online abgerufen am 12. November 2023.

Beim 6. Internationalen Bernstein Meeting in Fabriano machte Wenger im Mai 2022 darauf aufmerksam, wie viele unpublizierte Wasserzeichensammlungen existieren bzw. welche erst unvollständig veröffentlicht sind.Emanuel Wenger: Memory of Paper. Unpublished Watermark Collections. abgerufen am 14. November 2023. Damit ist in gewisser Weise ein wasserzeichenkundliches Arbeitsprogramm beschrieben, zu dessen Umsetzung erhebliche Ressourcen erforderlich sind.

Ausstellungen Wesentliche Ergebnisse der Bernstein Projekts wurden durch Ausstellungen während der finanzierten Projektzeit und auch im Anschluss daran einer breiteren Öffentlichkeit vorgestellt, wobei in mehreren Sprachen begleitende Kataloge veröffentlicht wurden.Bull's head and mermaid. The History of Paper and Watermarks from the Middle Ages to the Modern Period. An European travelling exhibition zuletzt abgerufen am 6. November 2023.

Internationale Konferenzen Watermark Conference and Bernstein Meeting, Den Haag, Niederlande 11. April 2013, International Conference Watermark in digital collections, Valencia 14.–15. Mai 2014 3rd International Conference Watermarks in Digital Collections, 26. und 27. Mai 2016, Santa Maria da Feira, Portugal 4th international conference on watermarks in digital collections, Wien 19.–20. Oktober 2017