Fernando Francisco González Ciuffardi (* 29. Juli 1980 in Santiago de Chile) ist ein ehemaliger chilenischer Tennisspieler. In seiner Karriere gewann er elf Einzeltitel. Der größte Erfolg seiner Laufbahn war jedoch der Gewinn der Goldmedaille bei den Olympischen Spielen 2004 in Athen an der Seite seines Landsmannes Nicolás Massú.
Leben und Karriere González, der in Santiago geboren wurde, zog mit seiner Familie in die Gemeinde La Reina östlich von Santiago, wo sein Vater Präsident eines Tennisclubs war. Im Alter von sieben Jahren begann Fernando selbst mit dem Tennisspielen und machte durch Erfolge auf der Juniorentour bereits früh auf sich aufmerksam. Er gewann 1997 den Juniorenwettbewerb der US Open im Doppel mit Nicolás Massú. Im folgenden Jahr gewann er zwei Juniorentitel bei den French Open, im Einzel gegen Juan Carlos Ferrero und im Doppel mit José de Armas. In der Junior-Rangliste erreichte er Rang 4 im Einzel und Platz 2 im Doppel. Zur Saison 1999 wechselte González auf die Profitour.
Die ersten Profijahre (1999–2003) In seiner ersten Profisaison nahm er größtenteils an Turnieren unterer Kategorien teil, er spielte nur zwei Partien bei Turnieren der höchsten Kategorie. Bereits in der Saison 2000 gelang González der erste Turniersieg auf der ATP Tour bei den US Men’s Clay Court Championships in Orlando. An diesen Erfolg konnte er 2001 nicht anknüpfen, ihm gelangen lediglich ein Finaleinzug und zwei Halbfinalteilnahmen bei Turnieren der Challenger-Serie.
In der Saison 2002 gelang ihm der Durchbruch, als er Turniersiege in Viña del Mar und in Palermo feiern konnte. Auch bei den Grand-Slam-Turnieren sorgte er mit einem Viertelfinaleinzug bei den US Open und dem Erreichen des Achtelfinales bei den Australian Open für Aufsehen. Die Saison beendete González auf Platz 18 der Weltrangliste; er überholte damit Marcelo Ríos und war erstmals der am höchsten platzierte Chilene im Ranking. Das Jahr 2003 verlief eher enttäuschend; er blieb im gesamten Saisonverlauf ohne Turniersieg, allerdings erreichte er bei den French Open sein zweites Grand-Slam-Viertelfinale.
Olympiasieg im Doppel (2004–2006) In der Saison 2004 gelang González in Viña del Mar erneut der Titelgewinn, doch der größte Erfolg seiner noch jungen Karriere sollte bei den Olympischen Spielen in Athen folgen. Dort gelang ihm an der Seite von Nicolás Massú der Einzug ins Finale der Doppelkonkurrenz; die Chilenen konnten das deutsche Doppel Nicolas Kiefer und Rainer Schüttler bezwingen, nachdem diese fünf Matchbälle vergeben hatten. Am selben Tag hatte González bereits durch einen Sieg gegen Taylor Dent die Bronzemedaille in der Einzelkonkurrenz gewonnen. In beiden Partien zusammengenommen stand González an dem Tag über sieben Stunden auf dem Platz.
In der Saison 2005 gelangen ihm drei Turniersiege – in Auckland, Amersfoort und Basel. Zudem erreichte er in Wimbledon sein drittes Grand-Slam-Viertelfinale. Durch diese Erfolge konnte er als Reservist am saisonabschließenden Tennis Masters Cup teilnehmen. Nach der Abreise von Andre Agassi rückte González ins Hauptfeld des Turniers vor, wo ihm ein Sieg gegen Mariano Puerta gelang, er das Halbfinale jedoch knapp verpasste. Das Jahr beendete er auf Platz 11 der Weltrangliste. 2006 rückte er noch weiter nach vorne, obwohl er ohne Titel blieb. Zum Jahresende gelangen ihm drei Finalteilnahmen in Folge (Wien, Madrid, Basel). Allerdings blieb ihm ein Turniersieg verwehrt und er verpasste als Zehntplatzierter der Weltrangliste knapp die erneute Teilnahme am Masters Cup.
Erweiterte Weltspitze (2007–2009) Zu Beginn der Saison 2007 erreichte González das Finale der Australian Open; er war damit zu diesem Zeitpunkt einer von nur fünf aktiven Spielern, denen es gelungen war, bei allen vier Grand-Slam-Turnieren mindestens einmal das Viertelfinale zu erreichen. In der Runde der letzten Acht besiegte er den Weltranglistenzweiten Rafael Nadal mit 6:2, 6:4, 6:3 und er erreichte damit zum ersten Mal in seiner Karriere das Halbfinale eines Grand-Slam-Turniers. Dort traf er auf Tommy Haas, den er mit 6:1, 6:3 und 6:1 eindrucksvoll besiegen konnte. Bemerkenswert war die Tatsache, dass er im gesamten Matchverlauf keine einzige Breakchance gegen sich zuließ und selbst nur drei unerzwungene Fehler machte. Im Finale traf er auf den Titelverteidiger Roger Federer, gegen den er 6:7 (2:7), 4:6 und 4:6 unterlag.
Nach längerer Zeit ohne größeren Erfolg erreichte González im Mai das Finale des Masters in Rom. Im Halbfinale schlug er dort Filippo Volandri, der im Achtelfinale den Weltranglistenersten Federer bezwungen hatte. Im Finale unterlag der Chilene Rafael Nadal glatt mit 2:6 und 2:6. Bei den French Open folgte mit 2:6, 2:6, 4:6 eine Erstrundenniederlage gegen Radek Štěpánek. Beim Grand-Slam-Turnier in Wimbledon erreichte er mit einem 3:6, 7:6, 6:2, 6:2 über Robby Ginepri und einem weiteren Sieg über Alejandro Falla die dritte Runde, in der er Janko Tipsarević mit 3:6, 6:3, 3:6, 6:4, 6:8 knapp unterlag.
Im November konnte er zum zweiten Mal am Masters Cup in Schanghai teilnehmen, wo er seine erste Partie gegen Roger Federer mit 3:6, 7:6 (7:1), 7:5 gewann. Es war nach zehn Niederlagen González’ erster Sieg über Federer. Das restliche Turnier verlief allerdings enttäuschend; er konnte kein einziges Match mehr gewinnen und verpasste erneut den Einzug ins Halbfinale.
Bei den Australian Open konnte González die Finalteilnahme aus dem Vorjahr nicht wiederholen. Nach seinem Drittrundenaus rutschte er in der Weltrangliste von Platz 7 auf Platz 24 ab. Im Februar gewann er jedoch zum dritten Mal sein Heimturnier in Viña del Mar und im Mai feierte er bei den BMW Open in München den 10. Turniersieg seiner Karriere. In Roland Garros unterlag er im Viertelfinale Federer mit 6:2, 2:6, 3:6, 4:6.
Höhepunkt des Jahres wurde der Gewinn der Silbermedaille bei den Olympischen Spielen in Peking. Im Halbfinale gegen den US-Amerikaner James Blake (4:6, 7:5, 11:9) konnte er mehrere Matchbälle abwehren, im Finale unterlag er Rafael Nadal 3:6, 6:7 (2:7), 3:6. Mit den beiden Medaillen von Athen (Gold im Doppel, Bronze im Einzel) besaß González nun einen kompletten olympischen Medaillensatz.
Der Achtelfinaleinzug bei den US Open bescherte ihm schließlich die Rückkehr in die Top Ten der Weltrangliste.
Bei den Australian Open 2009 besiegte González in der ersten Runde Lleyton Hewitt mit 5:7, 6:2, 6:2, 3:6, 6:3 und in den nächsten beiden Runden Guillermo Cañas mit 7:5, 6:3, 6:4 und Richard Gasquet mit 3:6, 3:6, 7:6 (12:10), 6:2, 12:10. Im Achtelfinale scheiterte er allerdings am späteren Turniersieger Nadal. Im Februar gewann er zum vierten Mal das Turnier in Viña del Mar. Er setzte sich im Finale mit 6:1, 6:3 gegen José Acasuso durch. Dies stellte seinen elften und letzten Karrieretitel dar.
Bei den French Open erreichte er das Halbfinale, wo er im fünften Satz mit 4:1 gegen den Schweden Robin Söderling führte und am Ende trotzdem noch mit 3:6, 5:7, 7:5, 6:4 und 4:6 verlor. Durch die Halbfinalteilnahme war González wieder zurück in den Top Ten der Weltrangliste. Bei den US Open stand er erneut im Viertelfinale. Damit gewann er 14 Matches bei den vier Grand-Slam-Turnieren in diesem Jahr, was sein Karrierebestwert wurde.
Abstieg und Karriereende (2010–2012) Während er das Vorjahr noch auf Rang 11 abschloss, fiel er Ende 2010 bis auf Rang 68 zurück. Sein bestes Resultat auf Grand-Slam-Ebene war das Achtelfinale bei den Australian Open. Wegen Verletzungen an der Hüfte und am rechten Knie verpasste er mehrere Monate der Saison und musste etwa bei den US Open zum Auftakt aufgeben.
2011 kehrte er erst im April auf die Tour zurück. Er schaffte es in Wimbledon in die dritte Runde, weitere Erfolge verzeichnete er nicht, weshalb er bis auf Rang 297 abstürzte. Anfang 2012 gab González seinen geplanten Rücktritt vom Tennis nach dem Miami Masters im März bekannt.
Davis Cup Zwischen 1998 und 2011 spielte González 22 Begegnungen für die Chilenische Davis-Cup-Mannschaft, wo er eine Bilanz von 31:13 vorwies.
Erfolge Legende (Anzahl der Siege) Grand Slam Tennis Masters Cup Olympische Spiele (1) ATP Masters SeriesATP World Tour Masters 1000 ATP International Series GoldATP World Tour 500 ATP International SeriesATP World Tour 250 (13) Titel nach Belag Hartplatz (3) Sand (9) Rasen (0) Teppich (2)
Einzel Turniersiege Nr. Datum Turnier Belag Finalgegner Ergebnis 1. 7. Mai 2000 Sand 6:2, 6:3 2. 17. Februar 2002 (1) Sand 6:3, 6:75, 7:64 3. 29. September 2002 Sand 5:7, 6:3, 6:1 4. 15. Februar 2004 Viña del Mar (2) Sand 7:5, 6:4 5. 16. Januar 2005 Hartplatz 6:4, 6:2 6. 24. Juli 2005 Sand 7:5, 6:3 7. 30. Oktober 2005 Teppich (i) 6:710, 6:3, 7:5, 6:4 8. 16. September 2007 Hartplatz 6:1, 3:6, 6:1 9. 3. Februar 2008 Viña del Mar (3) Sand kampflos 10. 4. Mai 2008 Sand 7:64, 6:74, 6:3 11. 8. Februar 2009 Viña del Mar (4) Sand 6:1, 6:3
Finalteilnahmen Nr. Datum Turnier Belag Finalgegner Ergebnis 1. 27. Oktober 2002 (1) Teppich (i) 4:6, 3:6, 2:6 2. 3. August 2003 Hartplatz 3:6, 4:6 3. 5. Oktober 2003 Hartplatz (i) 3:6, 6:1, 3:6 4. 18. Juli 2004 Sand 6:75, 6:4, 4:6 5. 6. Februar 2005 Sand 3:6, 4:6 6. 15. Oktober 2006 Hartplatz (i) 3:6, 4:6, 5:7 7. 22. Oktober 2006 Hartplatz (i) 5:7, 1:6, 0:6 8. 29. Oktober 2006 Basel (2) Teppich (i) 3:6, 2:6, 6:73 9. 28. Januar 2007 Hartplatz 6:72, 4:6, 4:6 10. 13. Mai 2007 Sand 2:6, 2:6 11. 17. August 2008 Hartplatz 3:6, 6:72, 3:6
Doppel Turniersiege Nr. Datum Turnier Belag Partner Finalgegner Ergebnis 1. 21. August 2004 Hartplatz 6:2, 4:6, 3:6, 7:67, 6:4 2. 10. April 2005 Sand 6:4, 6:4 3. 30. Oktober 2005 Teppich (i) 7:5, 7:5
Finalteilnahmen Nr. Datum Turnier Belag Partner Finalgegner Ergebnis 1. 24. Juli 2005 Sand 4:6, 4:6
Abschneiden bei Grand-Slam-Turnieren Einzel Turnier 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 Karriere Australian Open — 1 AF 2 1 3 1 F 3 AF AF —F French Open — 2 3 VF 1 3 2 1 VF HF 2 —HF Wimbledon — — 2 1 3 VF 3 3 2 3 — 3VF US Open 2 — VF 3 1 3 3 1 AF VF 1 1VF
Doppel Turnier 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 Karriere Australian Open 1 1 — — — — 1 VFVF French Open — — HF — — — VF —HF Wimbledon — — 2 — — — — —2 US Open 1 VF AF 2 — 2 — —VF Zeichenerklärung: S = Turniersieg; F, HF, VF, AF = Einzug ins Finale / Halbfinale / Viertelfinale / Achtelfinale; 1, 2, 3 = Ausscheiden in der 1. / 2. / 3. Hauptrunde; Q1, Q2, Q3 = Ausscheiden in der 1. / 2. / 3. Runde der Qualifikation; n. a. = nicht ausgetragen
Weblinks
Einzelnachweise
Kategorie:Davis-Cup-Spieler (Chile) Kategorie:Olympiasieger (Tennis) Kategorie:Olympiateilnehmer (Chile) Kategorie:Teilnehmer der Olympischen Sommerspiele 2004 Kategorie:Teilnehmer der Olympischen Sommerspiele 2008 Kategorie:Chilene Kategorie:Geboren 1980 Kategorie:Mann