mini|Briefkopf der HAK GmbH, undatiert mini|Luftbild 1945 mit hervorgehobenen Straßenzügen mini|Ehem. Verwaltungsgebäude des Kettenwerks, vor dem Abriss 1999 Sitz des Kunstvereins Kettenwerk e. V. mini|Abriss der letzten Werkhalle, Juni 2010 mini|Skizze René Senenko, entworfen Mai 2019

Hanseatische Kettenwerk (Hak) war ein Tarnname für eine große Rüstungsfabrik in Hamburg-Langenhorn. 1934 wurde zur Kriegsvorbereitung das Grundstück nach strategischen Gesichtspunkten ausgewählt. Das Grundstück wurde von der Verwertungsgesellschaft für Montanindustrie, einem Vorläufer der IVG Immobilien und damals im Eigentum des Heereswaffenamts, erworben.Alexander Geckeler: Die Waffen von Heinrich von Wimmersperg: Eine biographisch-zeitgeschichtliche Dokumentation über den selbständigen Waffen-Konstrukteur (1900 - 1985) Books on Demand, 2023, ISBN 978-3-7504-4148-4, S. 336. Der Betrieb wurde 1935 von Clemens Pötz aus Monheim gegründet, der dort bereits Miteigentümer einer Metallwarenfabrik war. Der Bau verstieß gegen den Versailler Vertrags, der eine deutsche Rüstungsproduktion verbot. Vom Hak wurden bis 1945 hauptsächlich Granathülsen der Kaliber 15 bis 37 Millimeter sowie Panzerfäuste gefertigt.

Für die aus dem Monheimer Stammwerk kommenden Werkmeister wurden entlang der Langenhorner Chaussee strohgedeckte Häuser errichtet. Die ländlich wirkende Siedlung mit den unregelmäßigen Grundstücksgrenzen war Teil der Tarnung des Werkes. Das Hak-Werksgelände erstreckte sich über 4,8 Hektar am Weg Nr. 4, heute Essener Straße, von seiner Mündung in die Langenhorner Chaussee bis zum heutigen Bauspielplatz („Baui“).

Gemeinsam mit dem benachbarten Rüstungsbetrieb „Deutsche Meßapparate G.m.b.H.“ (Messap) gehörte das Kettenwerk am Ochsenzoll zu den größten Rüstungsstandorten Hamburgs im Zweiten Weltkrieg. Waren hier ab 1935/36 nur wenige Hundert Menschen beschäftigt, so arbeiteten nach der Niederlage in Stalingrad, als die Kriegsproduktion ihren Höhepunkt erreichte, weit über 8000 Menschen am Ochsenzoll, ein Großteil von ihnen unfreiwillig.

Zwangsarbeit Mit Kriegsbeginn wird die Produktion stark gesteigert und ausländische Arbeitskräfte aus Dänemark, Frankreich, den Niederlanden, Belgien und Kroatien werden dienstverpflichtet, da viele männliche Beschäftigte an die Front müssen. Anfang 1941 kommen sowjetische Arbeitskräfte, die aus ihrer Heimat verschleppt wurden. Sie werden in einem Ostarbeiterlager umgeben von Stacheldraht von der Werkspolizei und der Wehrmacht bewacht. Das Lager ist für 800 Personen ausgelegt und wird später auf 1.900 Zwangsarbeiter erweitert. 1944 wird ein Frauenlager für rund 500 jüdische Frauen errichtet. Auch 206 Strafgefangene aus dem Straf- und Jugendgefängnis Glasmoor sowie aus dem Zuchthaus Fuhlsbüttel werden beschäftigt.Olaf Wunder: Abenteuerliche Flucht aus dem Kettenwerk, Hamburger Morgenpost vom 6. Februar 2026, S. 94–97 mini|Die Jüdin Ruth Morgensternová aus Brno (1923-2022), Insassin des KZ-Frauenlagers, überlebte den Krieg. Foto: Passbild 1946

Nach 1945 Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das in Liquidation befindliche Unternehmen in Eigentum des damaligen deutschen Bundesfinanzministeriums bei der Industrieverwaltungsgesellschaft mbH geführt. Am 2. Juli 1956 wurde die Gesellschaft „Hak Hanseatisches Kettenwerk GmbH i. L.“ aus dem Handelsregister gelöscht.Deutscher Bundestag, 2. Wahlperiode, 1953, Drucksache 3014, Der Bundesminister der Finanzen, II B/2 - F 7738 - 143/56 Bonn, den 11. Dezember 1956, Seite 3. online

Die 1981 gegründete Friedensinitiative Langenhorn befasste sich ab 1984 erstmals mit der Geschichte der Rüstungsproduktion am Ochsenzoll. Der ihr angehörende Karl-Heinz Zietlow (1922–2009) gab 1995 eine erste Publikation unter dem Titel „Unrecht nicht vergessen 1933–1945. Zwangsarbeiter und KZ-Häftlinge in Langenhorn“ heraus. 1988 folgte die Einweihung des „KZ-Steins“ an der Essener Straße 54.

In den 1990er-Jahren ließ sich der „Kunstverein Kettenwerk e. V.“ im einstigen Hak-Verwaltungsgebäude, Essener Straße 99, nieder und erinnerte mit Ausstellungen, Lesungen und der Installation „Gasschleuse“ an die Vorgeschichte. Im Zuge des Gebäude-Abrisses siedelte der Verein 1998/99 in den Valvo-Park über.

Die Immobiliengesellschaft IVG plante in den 1990er Jahren, auf dem einstigen Hak-Firmengelände einen Firmen- und Gewerbepark zu errichten. Um keine Investoren abzuschrecken, ließ die IVG das Terrain bis 2010 von allen Überbleibseln säubern, die an das Kettenwerk erinnerten: Werkhallen, Baracken, Schutzräume, Bunker und Anlagen. Das einstige Verwaltungsgebäude an der Essener Straße 99, Sitz des Kunstvereins Kettenwerk e. V., wurde 1999 abgerissen, der Kunstverein unter nicht gehaltenen Versprechungen vertrieben. Die letzte Werkhalle wurde im Juni 2010 eingeebnet. Am 23. Februar 2008 wurde auf einem gebüschumstandenen aufgeschütteten Löschteich die Gedenkstele zur Erinnerung an die 6000 Zwangsarbeiter enthüllt, heute neben einigen Stolpersteinen der einzige erkennbare Hinweis, der auf dem einstigen Hak-Gelände an die Kriegsproduktion erinnert.

Die Dreikant-Stele trägt auf den drei Flächen folgende Inschriften: „Wir erinnern an die 6000 Frauen und Männer aus 19 Nationen, die für ‚Hanseatischen Kettenwerke‘ Zwangsarbeit leisten mussten / 1935 – 1945 – Auf diesem 4,8 Hektar großen Areal errichtete das Naziregime ab 1935 unter dem Tarnnamen ‚Hanseatische Kettenwerke‘ (Hak) eine Munitionsfabrik / Das private Unternehmen Pötz & Sand, an das die ‚Kettenwerke‘ verpachtet wurden, entwickelte das Werk zu einem der drei größten Rüstungsbetriebe Hamburgs / [Dachplatte mit graviertem Symbol des zerstörten Hakenkreuzes und die Worte:] Nie wieder! Never again! Болшье нет!“

Denkzeichen und Gedenkorte KZ-Gedenkstein mit Inschrift „Unrecht nicht vergessen – 1933-1945“ mit Emaille-Texttafel, seit 1.9.1988. Ort: Essener Str. 54. Initiator: SPD-Distrikt Langenhorn-Nord mini|Gedenkort Essener Straße 54 mit dem 1988 angelegten KZ-Stein und den 49 Stolpersteinen für Zwangsarbeiterinnen der Kettenwerke

Gedenkstele Zwangsarbeit, seit 23.2.2008. Ort: ZOB Ochsenzoll/Langenhorner Chaussee. Initiator: Bezirksversammlung HH-Nord und Willi-Bredel-Gesellschaft. Entwurf Stele: René Senenko, Entwurf Inschriften: Karl-Heinrich Biehl. Kontakt: Kulturverein Olmo e. V. mini|Dreikantstele zur Erinnerung an die 6000 Zwangsarbeiter*innen im Kettenwerk, am ZOB Ochsenzoll

Stolpersteine für Karl-Heinz Barthel und Otto Berger, strafgefangene Soldaten, die im Januar 1944 aus einem Außenkommando im Kettenwerk geflohen sind. Drei Stolpersteine übergeben am 18.5.2019. Näheres bei www.stolpersteine-hamburg.de, Initiator: René Senenko. Kontakt: Kulturverein Olmo e. V. mini|3 Stolpersteine für strafgefangene Soldaten, die im Kettenwerk Zwangsarbeit verrichten

49 Stolpersteine (seit 27.6.2018) für Säuglinge von Zwangsarbeiterinnen, denen man im Lager „Tannenkoppel“ und in der Heil- und Pflegeanstalt Langenhorn Nahrung und Pflege vorenthielt. Adresse: Essener Straße 54 (am KZ-Stein). Initiatorin: Margot Löhr, Näheres bei www.stolpersteine-hamburg.de mini| Erläuterungsstein für die insgesamt 49 Stolpersteine für die umgekommenen Säuglinge, Essener Straße 54

11 Stolpersteine (seit 17.6.2022) für Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter, die im Zusammenhang mit der Zwangsarbeit im Kettenwerk umgekommen sind. Adresse: Langenhorner Chaussee 625. Initiatorin: Margot Löhr, Näheres bei www.stolpersteine-hamburg.de mini|11 Stolpersteine für Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter der Kettenwerke

Weblinks Der Kulturverein Olmo e. V. plant einen Pfad der Erinnerung, der über das gesamte Terrain der einstigen Rüstungsbetriebe Messap und Hak zwischen Hochbahn Ochsenzoll und Tarpen führen wird. Auch betreut er einige der bereits vorhandenen Gedenkorte und hält die Erinnerung durch Gedenkveranstaltungen, Theateraufführungen und Führungen wach Gedenksäule zur Erinnerung an die Zwangsarbeit beim Hanseatischen Kettenwerk auf Gedenkstätten in Hamburg Video "Flucht aus dem Kettenwerk" (4min, produziert vom Kulturverein Olmo e. V., 2026)

Literatur Karl-Heinz Zietlow: Unrecht nicht vergessen 1933-1945. Zwangsarbeiter und KZ-Häftlinge in Langenhorn. Hamburg 1995

Karl Heinrich Biehl: Zwangsarbeit im Hanseatischen Kettenwerk (Hak) in Langenhorn. Erinnerungsberichte, Firmengeschichte. Hamburg 2005 René Senenko: Flucht aus dem Kettenwerk: Karl-Heinz Barthel und Otto Berger, strafgefangene Soldaten in der Rüstungsproduktion in Hamburg-Langenhorn. Herausgegeben am Tag der Stolpersteinverlegung für Barthel und Berger, 18. Mai 2019. (PDF) Michael Holtmann: Langenhorn und seine Bauten – Wohnungsbau für die Rüstungsindustrie: Siedlungen für das Hanseatische Kettenwerk und die Messap. Hamburg 2020 Margot Löhr: Die vergessenen Kinder von Zwangsarbeiterinnen in Hamburg – ermordet durch Vernachlässigung und Unterernährung, Ein Gedenkbuch, 2 Bde., hrsg. Rita Bake, Landeszentrale für politische Bildung Hamburg und Beate Meyer, Institut für die Geschichte der deutschen Juden, Hamburg 2020. Margot Löhr: Stolpersteine in Hamburg Fuhlsbüttel, Ohlsdorf, Klein Borstel und Langenhorn – Biographische Spurensuche, 2 Bde., hrsg. Rita Bake, Landeszentrale für politische Bildung Hamburg und Beate Meyer, Institut für die Geschichte der deutschen Juden, Hamburg 2022.

Einzelnachweise

Kategorie:Rüstungshersteller (Deutschland) Kategorie:Produzierendes Unternehmen (Hamburg) Kategorie:Ehemaliges Unternehmen (Hamburg) Kategorie:Hamburg-Langenhorn Kategorie:Wehr- und Rüstungswirtschaft im Nationalsozialismus Kategorie:NS-Zwangsarbeit Kategorie:Unternehmensgründung 1935 Kategorie:Aufgelöst 1945 Kategorie:Unternehmen (Deutsches Reich, 1933–1945)