mini|Johannisfahrtstraße, Blick nach Norden zur Johanniskirche, links die Häuser 10 und 11, rechts 7, 8 und 9 Die Johannisfahrtstraße war eine Straße in Magdeburg im heutigen Sachsen-Anhalt. Nach Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg wurde die Straße aufgegeben und zum Teil überbaut.
Lage und Verlauf Die Straße befand sich im östlichen Teil der Magdeburger Altstadt. Sie begann an einer Kreuzung der Berliner Straße, der Straße Am Brücktor und des Zeisigbauers und verlief von dort aus nach Norden in Richtung Johanniskirche. Nach etwa einem Drittel des Straßenverlaufs mündete von Westen die Straße Trommelsberg ein. Am nördlichen Ende traf die Johannisfahrtstraße auf die Johannisbergstraße. Die Straße stellte die kürzeste Verbindung aus dem Bereich um den Alten Markt zum Alten Brücktor und dem dort befindlichen Elbübergang dar.
Die Hausnummerierung verlief beginnend mit der Nummer 1 nahe der südöstlichen Ecke auf der Ostseite aufsteigend bis zur Nummer 9 an der Johannisbergstraße. Auf der Westseite lief sie dann weiter nach Süden. Nach der Nummer 11 mündete der Trommelsberg ein. Mit der Nummer 16b endete die Nummerierung dann letztlich an der südwestlichen Ecke zum Zeisigbauer.
Heute befindet sich im Bereich der ehemaligen Johannisfahrtstraße ausgedehnte Grünflächen südlich der Johanniskirche und östlich des Allee-Centers. Unterbrochen wird der Verlauf von der den Bereich in West-Ost-Richtung durchschneidenden Ernst-Reuter-Allee.
Geschichte Die Straße bestand bereits im 12. Jahrhundert. Über sie wurde der starke Verkehr vom Alten Markt zur Elbe geführt, was zu einer hohlwegartigen Vertiefung führte, der mit Pflasterungen begegnet wurde. Durch regelmäßige Verschlammungen, die von den höher gelegenen Flächen herrührten, machten sich neue Pflasterungen erforderlich.Ernst Nickel, Der „Alte Markt“ in Magdeburg, Ergebnisse der archäologischen Stadtkernforschung in Magdeburg, Teil 2, Akademie-Verlag Berlin 1964, Seite 79
Ein früher Name der Straße war Werftstraße. Er kam bereits 1552 vor und wurde noch bis 1807 zumindest als Nebenname weiter verwendet. Er ist nicht mit der nordöstlich gelegenen Werftstraße zu verwechseln. Vermutlich ist der Name jedoch noch deutlich älter und ging auf eine Zeit zurück, in der in diesem Bereich zur Elbe hin noch Werften bestanden. Der Name Johannisfahrtstraße wurde erstmalig 1755 erwähnt, dort aber noch für den Johannisförder, einem Teil der heutigen Johannisbergstraße genutzt. Eine erste Nutzung des Namens für die spätere Johannisfahrtstraße stammt aus dem Jahr 1781. Im 17. und 18. Jahrhundert gab es jedoch diverse weitere Namen. So wurde die Straße auch als Vor dem Brücktor, Klinkerei oder Sperlingsberg bezeichnet. Der Name Vor dem Brücktor ergab sich aus der räumlichen Lage vor dem Alten Brücktor. Klinkerei wird von den Häusern der Klinkerei Johannisfahrtstraße 6 und 7 abgeleitet, die ihren Namen von der Familie Klinte ableiteten. Der Name Sperlingsberg wurde lateinisch mons passerum schon 1296 erwähnt, wobei nicht ganz klar ist, welcher Bereich so bezeichnet wurde. Belegt ist die Verwendung des Namens für den unteren Teil der Johannisfahrtstraße aber auch für die höher gelegene Große Junkerstraße. Das gab Anlass für die Vermutung, das zeitweise der gesamte Hang zwischen Großer Junkerstraße und Johannisfahrtstraße als Sperlingsberg bezeichnet wurde. Als Bedeutung des Namens Sperlingsberg wird angenommen, dass die Bezeichnung im Sinne von Kleiner Berg zu verstehen ist. Tatsächlich war das Gefälle der Johannisbergstraße in ihrem unteren Teil deutlich geringer als das anderer Straßen in Richtung Elbe.Ernst Neubauer, Häuserbuch der Stadt Magdeburg 1631–1720, Teil 1, Herausgeber: Historische Kommission für die Provinz Sachsen und für Anhalt, Magdeburg 1931, Seite 195 f.
1831/1832 wohnten in der Straße 263 Menschen in 15 Gebäuden.Julia Saborowski, Sabine Ullrich, STÄDTEBAULICH-HISTORISCHE ANALYSE ZUM „PRÄMONSTRATENSERBERG“ MAGDEBURG auf otto-beteiligt.de, 2023, Seite 65
Während des Zweiten Weltkriegs wurde auch der Bereich der Johannisfahrtstraße schwer zerstört. Im Zuge der Enttrümmerung diente der Bereich der Straße als Schuttabladeplatz.Ernst Nickel, Der „Alte Markt“ in Magdeburg, Ergebnisse der archäologischen Stadtkernforschung in Magdeburg, Teil 2, Akademie-Verlag Berlin 1964, Seite 8 Ab Herbst 1952 fanden archäologische Grabungen statt. Dabei fand man Am Brücktor einen Bohlenweg mit Wagenspur, der sich in die Johannesfahrtstraße zog. In der Straße selbst wurden zwischen den Häusern 7 und 10 sowie 7a und 8/9 bis zu fünf Meter tiefe Grabungen gesetzt. Auf der Westseite der Johannisfahrtstraße fand man dabei eine historische, 1,30 Meter breite Futtermauer, die dem Straßenverlauf folgte und den zur Stützung des Hangs diente. Sie stammte aus dem 13. Jahrhundert. Es wurden auch vier Pflasterungen gefunden. Die Zweite von oben wurde wohl im 13. bzw. Anfang des 14. Jahrhunderts, die Dritte und Vierte im 12. Jahrhundert genutzt.Ernst Nickel, Der „Alte Markt“ in Magdeburg, Ergebnisse der archäologischen Stadtkernforschung in Magdeburg, Teil 2, Akademie-Verlag Berlin 1964, Seite 76 f. Im etwas weiter nördlich gelegten Schnitt wurde noch ein fünftes Pflaster festgestellt, das ebenfalls aus dem 12. Jahrhundert stammte.Ernst Nickel, Der „Alte Markt“ in Magdeburg, Ergebnisse der archäologischen Stadtkernforschung in Magdeburg, Teil 2, Akademie-Verlag Berlin 1964, Seite 79
In der Zeit der DDR erfolgte ein Wiederaufbau der Innenstadt, der sich in weiten Teilen nicht an die historische Stadtstruktur hielt. Die Johannisfahrtstraße wurde dabei aufgegeben und Teil einer ausgedehnten Grünfläche, die durch die damalige Wilhelm-Pieck-Allee (heutige Ernst-Reuter-Allee) durchschnitten wurde. Der Bereich südlich der Ernst-Reuter-Allee wurde dann später mit dem Parkhaus des Allee-Centers bebaut, das an der Oberfläche jedoch als Grünfläche gestaltet ist.
Historische Häuser der Johannisfahrtstraße