Die Europastraße 6 (E 6) ist mit mehr als 3000 Kilometern die längste durchgehende Straßenverbindung in Skandinavien. Sie beginnt in Schweden am Ostsee-Fährhafen von Trelleborg, führt durch Westschweden und nahezu ganz Norwegen, und endet nahe der norwegischen Grenze zu Russland in Kirkenes an der Barentssee. Etwa das südliche Viertel der Strecke ist als Autobahn oder autobahnähnlich ausgebaut.

Geschichte Ursprünglich verlief die E 6 von Rom über Florenz, Verona, Innsbruck, München, Nürnberg, Leipzig, Berlin, Stralsund, Sassnitz-Trelleborg, Malmö, Göteborg, Oslo nach Trondheim. Als 1984 eine große Umstellung des Europastraßensystemes beschlossen wurde, behielt nur das Teilstück in Skandinavien seine alte Nummer, nun als E 6. Die anderen Teile wurden zur E 251, E 51, E 45 bzw. E 35. Die Funktion der Verbindung Italien-Skandinavien, die die alte E 6 durch den Eisernen Vorhang de facto schon verloren hatte, übernahm die neue E 45.

Der Ausbau zur Autobahn zwischen dem Großraum Malmö und Oslo wurde 2015 abgeschlossen.

Vollsperrungen mit Folgen In weiten Teilen Norwegens ist die E6 die einzige durchgängige Straße, die für Schwertransport taugt, oder sogar die einzige Straße überhaupt, die den Norden mit dem Süden verbindet. Dort funktioniert die E6 wie ein Rückgrat: Ist die Straße unterbrochen, dann steht oft in der Zeitung, dass Norwegen in zwei geteilt ist (Norge er delt i to). Das hat oft böse Folgen für Lebensmittelversorgung, Post, LKW-Transporte und Flugplätze; So manche Sektoren der norwegischen Wirtschaft werden ohne E6 gelähmt.

Dadurch, dass die E6 über weite Teile durch abgelegenes Gebirgsgelände verläuft, gibt es ein paar Mal im Jahr eine Vollsperrung, weil Felsbrocken auf die Straße fallen. Im Winter wehen Schneestürme einige Abschnitte für bis zu 24 Stunden zu, bis sich das Wetter beruhigt. Heftige Regenfälle haben bereits ein paar Brücken, die Teil der E6 sind, weggeschwemmt. Teile der E6 liegen auf Quickton, einer Bodensorte, die im Normalzustand fest zu sein scheint, aber sich sehr plötzlich verflüssigen kann, was zu Erdrutschen und Schlammströmen führt. Ist die Straße durch einen Erdrutsch unterbrochen, kann es Monate dauern, bis sie repariert werden kann. Am 24. Oktober 2024 entgleiste ein Zug bei Finneidfjord und die Lokomotive landete auf der E6, die bis zum 5. November 2024 gesperrt blieb. (siehe unten)

Bei fast jeder Vollsperrung der E6 nördlich von Trondheim müssen Fahrer auf der E6 oft weite Umwege von mehreren hundert Kilometern durch Schweden fahren, oder auf der Küstenstraße lange warten, weil die Fährschiffe die Verkehrsmengen der E6 nicht bewältigen können. LKW-Fahrer geraten dadurch in Schwierigkeiten, weil sie plötzlich ihre Ware verzollen müssen, um durch Schweden fahren zu dürfen, oder weil sie ihre Ruhezeiten einhalten sollen, das aber auf Umwegen über Bergstraßen nicht können.

Erdrutsch 2023, Stenungssund Gegen 2 Uhr morgens in der Nacht zum 23. September 2023 wurde bei Stenungsund, 50 km nördlich von Göteborg in Schweden, ein ca. 700 m langer Abschnitt der E 6 und der daneben verlaufenden Ortsstraße mehrere Dutzend Meter weit durch einen Erdrutsch verschoben und beide Straßen dadurch unpassierbar.Dronarbilderna som visar skredet i Stenungsund Diese Drohnenbilder zeigen die enormen Schäden. SVT/Schwedisches Fernsehen, veröffentlicht am 24. September 2023 Im Februar 2024 wurden Pläne zur Wiederherstellung der Autobahn bekannt gemacht;E6 i Stenungsund kan öppnas i höst Aftonbladet, auf Schwedisch, 6. Februar 2024 bis Ende 2024 wollte Trafikverket den Schaden repariert haben. Ende Juni 2024 machte Trafikverket bekannt, dass die Autobahn E 6 am Morgen des 5. Juli wiedereröffnet und die Vollsperrung damit aufgehoben wird, um etwa ein halbes Jahr früher als vorhergesehen.E6 Highway to Reopen Early After Landslide auf Englisch, Swedish news in English, Erscheinungsdatum unbekannt, gelesen am 3. Juli 2024 Nachdem die Autobahn E6 wieder eröffnet war, konnten die Anwohner der Umgehungsstraße endlich aufatmen, nach 9½ Monaten Schwerlastverkehr vor der Tür.

Zug entgleist bei Finneidfjord Am 24. Oktober 2024 entgleiste ein Zug bei Finneidfjord und die Lokomotive landete auf der E6. Die Bergung des Zuges konnte nicht sofort beginnen, zuerst weil ein instabiler Felshang gesichert werden musste, dann wegen eines Schneesturms, der orange bis rote Wetteralarme auslöste. Auf der Umleitungsstraße in Schweden verunfallte am 29. November 2024 ein norwegischer Autofahrer, der auf einen stillstehenden LKW fuhr und ein paar Tage später im Krankenhaus starb. Als die Fährschiffe dann auch nicht mehr gegen den Sturm ankamen, waren beide Umleitungen bis zum nächsten Tag geschlossen. Die E6 blieb wegen Bergungsarbeiten bis zum 5. November 2024 voll gesperrt (mit Ausnahme von einem Tag, Anfang November, als die Umleitung durch Schweden wieder zugeschneit war). Obwohl die Lokomotive nur etwa 700 Meter südlich der ersten Häuser Finneidfjords die Böschung herunter schlitterte, heißt der Unfall auf den Deutschen Wikipedia-Seiten Eisenbahnunfall von Bjerka, nach einem Bahnhof, der 3 Kilometer südlich der Unfallstelle liegt. Bis Ende November 2024 gab es auf der E6 noch Verkehrsbehinderungen und kurze Sperrungen an der Unfallstelle.

Viskisbrua wird marode Seit dem 2. Juli 2025 ist eine Brücke namens Viskisbrua, an der E6 zwischen Sørelva und Borkamo, im Saltdal-Kreis, nur noch einspurig befahrbar. Der Verkehr wird dort mit Ampeln geregelt und es gibt ein Tempolimit von 50 km/h,RanaBlad: (norwegisch) nachdem Statens Vegvesen festgestellt hatte, dass diese Brücke, die 1948 gebaut wurde, ziemlich marode ist. Bilder zeigen, dass Waffnungseisen unter der Brücke sichtbar sind und wegrosten, weil Betonteile an der Seite fehlen. Sollte diese Brücke noch weiteren Schaden nehmen, die zu einer Sperrung führen, dann würde die Umfahrung durch Schweden führen, über 610 Kilometer vom einen zum anderen Ufer, statt 30 Meter, die diese Brücke lang ist.Viskisbrua - Arjeplog - Sorsele - Mo i Rana - Viskisbrua Google Maps, aufgerufen am 4. Juli 2025 Die andere Umfahrungsmöglichkeit wäre die Rv17 an der Atlantikküste entlang, aber die zwei Schiffsfähren wären wohl nicht groß genug, um die Verkehrsmengen der E6 bewältigen zu können.

Erdrutsch 2025, Nesvatnen, Levanger Am Samstagmorgen, 30. August 2025, ereignete sich ein Erdrutsch am Nesvatnen-See, bei Levanger, nordöstlich von Trondheim: Das Ufer brach ein, und im Krater verschwanden ein dänischer Bauarbeiter, ein Auto mit Boot, ein Hauszufahrtsweg, die Eisenbahnlinie, die modernisierte E6 und die ältere E6-Straße.bild.de: Den dänischen Arbeiter hat man erst am 12. September 2025 unter den zusammengebrochenen Bahngleisen wiedergefunden; der Autofahrer konnte in sein Boot klettern und wurde gerettet, wobei er aber seinen Hund verlor.

Es gibt am anderen Seeufer zwar eine Landstraße, aber die Gamle Kongeveien (Alte Königsstraße) ist dermaßen schmal, dass zwei sich entgegenkommende LKWs dort nicht aneinander vorbeifahren können, ohne dass einer der beiden LKWs im Graben stecken bleibt oder umkippt.

Die Untersuchungen nach der Ursache des Erdrutsches laufen noch, aber es wird angenommen. dass Stabilisierungsarbeiten zum doppelspurigen Ausbau der Eisenbahn (damit entgegenkommende Züge aneinander vorbei fahren können) den Quicktonboden verflüssigt und somit den Erdrutsch ausgelöst haben könnten. Seit dem 8. November 2025 gibt es eine vorläufige Umgehungsstraße die um den Krater herum an den Erdrutsch vorbei führt.nrk.no: (norwegisch) Die endgültige Reparatur der Straße und Eisenbahn dürfte sich bis in den Sommer 2026 hinein ziehen.

Verlauf Die E 6 ist seit 2019 zwischen Vellinge (bei Trelleborg) und Hamar am Ostufer des Mjøsa (größter See Norwegens) durchgehend zu einer Autobahn mit je zwei getrennten Richtungsfahrbahnen ausgebaut (davon 10 km autobahnähnlicher Straße in Oslo). Von Hamar bis Tretten bei Øyer (nördlich von Lillehammer) wird der Verkehr auch kreuzungsfrei, aber vorwiegend einspurig geführt. Nur an einigen Steigungen gibt es drei Spuren, zwei für die Fahrt bergauf und eine für bergab. Der Autobahn- bzw. autobahnähnliche Ausbau erstreckt sich über 803 km.

Die E 6 führt bis dahin über mehrere besondere Bauwerke, wie die rund 1,7 Kilometer lange Schrägseilbrücke bei Uddevalla über den Sunningesund, die Svinesundbrücke an der Grenze von Schweden zu Norwegen, die über 1,4 Kilometer lange Mjøsabrücke bei Moelv oder die 2018 eröffnete 1,5 Kilometer lange Hängebrücke Hålogalandbrücke.

Von Tretten bis zu ihrem Endpunkt in Kirkenes ist die Straße eine normale Landstraße, sie weist teilweise auch sehr schmale kurvige und gebirgige Abschnitte auf und hat zahlreiche Brücken und Tunnel; auf einigen wenigen Abschnitten ist die E 6 jedoch auch in Mittelnorwegen kreuzungsfrei autobahnähnlich ausgebaut, z. B. nördlich von Ringebu und im Großraum Trondheim.

Im Streckenabschnitt zwischen Lillehammer und Trondheim quert die Straße die Gebirgslandschaft des Dovrefjell-Sunndalsfjella-Nationalparks. Weiter nördlich führt sie über mehrere Gebirgsübergänge wie z. B. Saltfjellet (hier überquert sie den Polarkreis), Kråkmofjellet, Gratangsfjellet, Kvænangsfjellet, Sennalandet und Hatter, die mit Schranken/Signalanlagen für im Winter wetterbedingt erforderliche zeitweise Sperrungen dieser Abschnitte ausgestattet sind. Es gibt mehrere sehr lange Tunnel auf der E 6 in Norwegen. Längster Tunnel der E 6 ist der im Jahr 2005 eröffnete fast neun Kilometer lange Korgfjelltunnel bei Mo i Rana, der gebaut wurde, da der Streckenabschnitt der E 6 über das Korgfjellet sehr oft im Winter unpassierbar war. Eine Besonderheit ist, dass die Straße im nördlichen Teil durch eine etwa acht Kilometer lange Fährstrecke über den Tysfjord (Meeresarm) unterbrochen ist.

Die gesamte Strecke ist in Norwegen und Schweden nur mit der Straßennummer E 6 gekennzeichnet.

Besonderheiten In den Wintermonaten sind bei schlechtem Wetter mehrere norwegische Streckenabschnitte der E 6 nur im Verfahren des Kolonnekjørings passierbar.

Viele Tunnel der E 6 sind für Radfahrer wegen schlechter Belüftung nicht passierbar, so dass Umfahrungen (oft mit Fähre) notwendig sind.

Der Ausbauzustand der E 6 wechselt sehr stark, besonders im Gebirge ist sie oft nur sehr schmal auf dem Niveau einer Kreisstraße ausgeführt.

Auf dem Abschnitt der E 6, der Teil der Stadtautobahn von Oslo ist, wird Maut erhoben. Ebenso auf mehreren neu gebauten Abschnitten und bei einigen Tunnels (Mautstationen).

Die Strecke von Trelleborg nach Kirkenes kann alternativ auch über die Europastraße 4 durch Schweden und die Europastraße 75 durch Finnland zurückgelegt werden; diese Variante ist rund 800 Kilometer kürzer als bei Benutzung der E 6.

Da die E 6 in einigen Regionen Norwegens die einzige durchgängige Straße ist, können ein einzelner Unfall oder eine weggespülte Brücke bereits zu erheblichen Schwierigkeiten und langen Umfahrungen führen. Ein Beispiel ist das Zugunglück bei Bjerka, bei dem am 24. Oktober 2024 ein Zug wegen eines Felssturzes entgleiste und die Böschung hinabrutschte. Der Lokführer verstarb, vier Zuginsassen mussten in ein Krankenhaus verbracht werden, und die Lokomotive kam teilweise auf der E 6 zum Stehen. Die Strecke sowie die Straße blieben mehrere Tage lang gesperrt, bis die Schäden untersucht, beseitigt und behoben wurden.

Projekte/Weiterer Ausbau

Statens vegvesen verfolgt intensiv den weiteren Ausbau der E 6, zahlreiche Projektierungen, Planungen und auch Baumaßnahmen sind in Arbeit.