Der Erste Weltkrieg war der verlustreichste Konflikt in der Geschichte der British Army. Anfangs eine reine Freiwilligenarmee, hatte das britische Heer Ende 1918 seine maximale Stärke von 3.820.000 Mann erreicht. Die meisten von ihnen kämpften auf dem Hauptkriegsschauplatz an der Westfront in Frankreich und Belgien gegen das Deutsche Reich, starke Kontingente kämpften außerdem an den Fronten im Nahen Osten gegen das Osmanische Reich und auf dem Balkan sowie in Italien gegen die verbündeten Mittelmächte.
Das Heer speiste sich aus vier verschiedenen Quellen. Die erste war die etwa 247.000 Soldaten umfassende stehende (reguläre) Armee, von denen in Friedenszeiten mehr als die Hälfte als Garnison im britischen Empire eingesetzt wurden. Sie wurden durch etwa 270.000 Reservisten ergänzt. Diese bildeten das Rückgrat der British Expeditionary Force (BEF). Die zweite Quelle bildeten die rund 246.000 Mann starken Territorialstreitkräfte, die ursprünglich für die Landesverteidigung vorgesehen waren, aber zur Verstärkung der BEF eingesetzt wurden, nachdem die reguläre Armee in den ersten Schlachten des Krieges schwere Verluste erlitten hatte. Die dritte Quelle setzte sich aus Männern zusammen, die dem Aufruf von Kriegsminister Lord Kitchener zur Einberufung von Freiwilligen in den Jahren 1914–1915 gefolgt waren (daher der Name Kitchener’s Army) und 1916 in der Schlacht an der Somme erstmals zum Einsatz kamen. Die vierte Quelle waren Einberufene nach der Einführung der Wehrpflicht im Januar 1916, die zur Verstärkung bestehender Formationen genutzt wurden.
Führung Kontrolle und Organisation Die Organisation des britischen Heeres während des Ersten Weltkriegs war auf die wachsenden Anforderungen der imperialen Expansion zurückzuführen. Den Rahmen bildeten das System der freiwilligen Rekrutierung und das Regimentssystem, das durch die Cardwell- und Childers-Reformen des späten 19. Jahrhunderts festgelegt worden war. Die britische Armee war in erster Linie für Angelegenheiten des Empire und die darauf folgenden Kolonialkriege vorbereitet und eingesetzt worden. Zum Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts, zeigte der Zweiten Burenkrieg (1899–1902), die Mängel in Taktik, Führung und Verwaltung auf. Der Esher-Bericht von 1904 empfahl radikale Reformen, wie die Schaffung eines Heeresrates (Army Council), eines Generalstabs, die Abschaffung des Amtes des Oberbefehlshabers der Streitkräfte und die Einsetzung eines Generalstabschefs. Die Haldane-Reformen von 1907 schufen formell eine Expeditionsarmee mit sieben Divisionen (eine Kavallerie- und sechs Infanteriedivisionen), reorganisierten die Freiwilligen in eine neue Territorialarmee mit vierzehn Kavalleriebrigaden und vierzehn Infanteriedivisionen und wandelten die alte Miliz in eine Spezialreserve zur Verstärkung der Expeditionsarmee um.
Bei Ausbruch des Krieges im August 1914 war die britische Armee eine kleine Berufsarmee. Sie bestand aus 247.432 Soldaten, die in vier Garderegimentern, 68 Linienregimentern, 31 Kavallerieregimentern, Artillerie und Unterstützungstruppen organisiert waren. Die meisten Infanterieregimenter hatten zwei reguläre Bataillone, von denen eines in der Heimat und das andere in Übersee stationiert war. Fast die Hälfte der regulären Armee (74 der 157 Infanteriebataillone und 12 der 31 Kavallerieregimenter) waren im gesamten Britischen Empire stationiert. Das Royal Flying Corps war bis 1918 Teil der britischen Armee. Bei Ausbruch des Krieges bestand es aus 84 Flugzeugen. Die reguläre Armee wurde von der Territorial Force unterstützt, die im September 1913 rund 246.000 Mann zählte und bei Kriegsausbruch zur Landesverteidigung eingesetzt wurde. Daneben gab es drei Arten von Reserven: Die Army Reserve 145.350 Soldaten, die Special Reserve 64.000 Mann, und die National Reserve (etwa 215.000 Mann).
Die administrative und operative Leitung der Armee lag bei dem 1904 gegründeten Army Council. Es stand unter der Führung des Secretary of State for War und setzte sich aus sechs weiteren Mitgliedern zusammen. Dem Chief of the Imperial General Staff, dem Adjutant-General, dem Quartermaster-General, dem Master General of the Ordnance, the Permanent Secretary at the War Office und dem Financial Secretary to the War Office. Im Laufe des Krieges kamen fünf weitere Mitglieder hinzu: Der Deputy Chief of the Imperial General Staff im Dezember, 1915, der Director-General of Military Aeronautics im Februar, 1916, der Director-General of Movements and Railways im Februar, 1917, der Surveyor-General of Supply im Mai 1917, und der Permanent British Military Representative at the Supreme War Council, Versailles, im Februar, 1918. Der Chief of the Imperial General Staff (CIGS) war das Bindeglied zwischen Armee und ziviler Regierung. Er war dem War Council gegenüber rechenschaftspflichtig. Der Imperial General Staff setzte sich aus drei Direktoren zusammen. Dem Director of Staff Duties, der für Stabsangelegenheiten, und die Ausbildung (mit Ausnahme der an das General Head-Quarters, Home Forces, übertragenen Aufgaben), zuständig war. Dem Director of Military Operations, zuständig für strategische Fragen für die Erfassung der Truppenstärke, für die Verbindung zu den alliierten Armeen, und für die Heimatverteidigung. Dem Director of Military Intelligence, zuständig für Militärischen Nachrichtendienst sowie die Presse-, Post- und Telegrafenzensur zuständig war.
Feldarmee, Korps, Division Im Laufe des Krieges wurden insgesamt fünf Feldarmeen aufgestellt. Eine Feldarmee wurde in der Regel von einem General befehligt. Ihm stand ein Stab aus 140 Mann zur Verfügung. Der Stab der Feldarmee setzte sich aus den Abteilungen General Staff, Adjutant-General und Quartermaster-General zusammen. Die Abteilung General Staff war zuständig für die Koordinierung der Stabsarbeit. Dies umfasste die Beratung in aller Angelegenheiten, militärische Operationen betreffend, die Auswahl der Pläne für die Konzentration, Verteilung und Bewegung von Truppen und Material auf der Schiene, Straße oder Binnenwasserstraßen sowie die Unterbringung der Soldaten, Aufklärung, Zensur, und Nachrichtendienst. Die Adjutant-General-Abteilung war für die Aufrechterhaltung der Disziplin, inklusive Kriegsrecht, der Bezahlung des Sanitätswesens und Beförderung zuständig. Die Generalquartiermeister-Abteilung regelte den Transport die Einquartierung, und Verpflegung der Truppen. Darüber hinaus war er für die Bereitstellung von Munition, Ausrüstung und Vorräten aller Art verantwortlich.
Im August 1914 führte die britische Armee eine neue Kommandoebene ein, um der französischen Armee zu entsprechen. Ursprünglich bestand jedes Korps aus 2 Divisionen, entwickelte sich aber bald zu einer elastischen Formation, bei der sich die Anzahl der Divisionen änderte. Ein Korps hatte eine Stärke von 50.000 – 80.000 Mann und wurde in der Regel von einem Generalleutnant befehligt. Sein Stab bestand aus 89 Mann. Die vier Teilstreitkräfte waren durch vier Stabsoffiziere mit folgenden Funktionen vertreten.
Eine Infanteriedivision bestand 1914 aus drei Infanterie- und vier Artilleriebrigaden (letztere entsprachen eher Abteilungen). Hinzu kamen unterstützende Einheiten wie 2 Pionierkompanien, 1 Fernmeldekompanie, eine Kavallerieschwadron, ein Divisionstrain und drei Feldlazarette. Die gesamte Division umfasste 18.073 Mann und 5.592 Pferde. Eine Division wurde von einem Generalmajor kommandiert, der von einem 82 Mann starken Stab unterstützt wurde. Der Stab bestand aus dem Generalstabsoffizier, der den Stab leitete, einem Brigadegeneral der Royal Artillerie, einem stellvertretenden Adjutanten und Generalquartiermeister sowie einem Offizier der Royal Engineers. Hinzu kamen Militärpolizisten, Schreibkräfte, Fahrer, Melder und Stabswachen. Die Kavalleriedivision bestand aus vier Brigaden mit jeweils drei Regimentern sowie Artillerie-, Pionier-, Fernmelde- und Sanitätseinheiten. Die Truppenstärke betrug etwa 9.000 Mann und 10.000 Pferde. Hinzu kamen vierundzwanzig Geschütze (18-Pfünder) und vierundzwanzig Maschinengewehre.
Brigade, Regiment, Bataillon, Kompanie und Zug Die Brigade stand unter dem Befehl eines Brigade-Generals und umfasste 4 Bataillone eine Maschinengewehr und eine Mörsereinheit der Stab bestand aus 4 Offizieren; insgesamt ca. 4000 Mann. Das von einem Oberstleutnant befehligte Bataillon bestand aus vier Kompanien mit insgesamt 1.000 Mann, einschließlich der Offiziere. Der Stab bestand aus einem Major als Stellvertreter einem Adjutanten gewöhnlich ein Captain und dem Quartiermeister. Die Kompanie unter dem Befehl eines Captains bestand aus 227 Mann inklusive Offiziere. Eine Kompanie setzte sich aus vier Zügen mit jeweils 48 Mann unter einem Leutnant oder Oberleutnant zusammen. Ein Gruppe (section) hatte eine Stärke von 12 bis 14 Mann unter dem Kommando eines Corporals.
Artillerie
Alle Brigaden der berittenen Artillerie (RHA) und der Feldartillerie (RFA), als Teil der Divisionsartillerie, standen unter dem Kommando eines Brigadegenerals – dem Kommandeur der Royal Artillery der Division (CRA). Vor Kriegsausbruch bestand die Divisionsartillerie aus drei 18-Pfünder-Brigaden, einer Brigade mit 4,5-Zoll-Haubitzen und einer schweren Batterie der Royal Garrison Artillery (RGA) mit vier BL-60-Pfünder-Kanonen. Im August 1914 wurde die 60-Pfünder-Batterie aufgelöst und durch eine RHA-13-Pfünder-Brigade sowie zwei RGA-Batterien mit je vier 4,7-Zoll-Geschützen ersetzt. Ende 1914 wurde die Divisionsartillerie auf drei Brigaden mit jeweils drei RFA-Batterien zu je vier Geschützen reduziert.
Im Jahr 1915 wurden die Divisionsartillerien um drei Grabenmörserbatterien mit den Bezeichnungen X, Y und Z erweitert, die später zu zwei Batterien mit jeweils sechs Mörsern (X und Y) umstrukturiert wurden. Haubitzenbatterien und -brigaden wurden bis Mai 1916 mit einem „H“ gekennzeichnet; zu diesem Zeitpunkt erfolgte eine Umstrukturierung der RFA, sodass alle Brigaden aus drei Feldgeschütz- und einer Haubitzenbatterie bestanden. Anfang 1917 wurden die Divisionsartillerien auf zwei Brigaden reduziert. Die verbleibenden Brigaden wurden zu Heeresfeldbrigaden, strategischen Reserven, die überall dort eingesetzt wurden, wo zusätzliche Feuerkraft benötigt wurde. Jede Brigade hatte eine Stärke von 755 bis 795 Mann einschließlich Offizieren und stand unter dem Kommando eines Oberstleutnants. Eine Brigade verfügte über einen Stab von vier Offizieren und bestand entweder aus zwei RHA- oder drei RFA-Batterien. Die Batterien umfassten 168 bis 198 Mann und vier bis sechs Kanonen oder Haubitzen unter dem Kommando eines Majors. Im Vergleich zu Kavallerie-Schwadronen oder Infanterie-Kompanien agierten Batterien nahezu autonom. Die berittenen Batterien wurden mit Buchstaben bezeichnet, während Feldartillerie-Batterien nummeriert wurden.
Rekrutierung und Wehrpflicht Im August 1914 hatten sich 300.000 Männer zum Kampf gemeldet und bis Ende September waren weitere 450.000 hinzugekommen. Ein herausragendes Merkmal der ersten Monate der Mobilmachung war die Bildung von Pals-Bataillonen d. h. von Männern, die zusammen lebten und arbeiteten und die als Anreiz für die Rekrutierung gemeinsam trainieren und in denselben Einheiten dienen durften. Diese Politik sorgte dafür, dass bei Gefallen der Pals-Bataillone ganze Gemeinden in Großbritannien unverhältnismäßig hohe Verluste hinnehmen mussten. Mit der Einführung der Wehrpflicht im Januar 1916 wurden keine weiteren Pals-Bataillone mehr aufgestellt.