Der Padrón Real (, etwa Königliche Musterkarte) war eine Weltkarte, die seit Beginn des 16. Jahrhunderts von den Kartografen der Casa de la Contratación im Auftrag der Krone von Kastilien angefertigt wurde.

Er war eine Modellkarte, die den Herrschern als Grundlage für die offizielle Darstellung der spanischen, deutschen und ab 1580 auch portugiesischen Sicht der Welt diente. Alle Schiffe, die von Kastilien nach Amerika segelten, benutzten Kopien der ständig aktualisierten Karte. Originale des Padrón Real sind nicht erhalten. Es gibt Karten, die als exakte Kopien betrachtet werden und einen Eindruck davon vermitteln, wie sich die Darstellung der Welt im Laufe der Zeit veränderte.

Vorläufer des Padrón Real mini|300px |Die im Jahr 1500 von Juan de la Cosa geschaffene Karte gilt als die erste Darstellung Amerikas mini|150px |Kompassrose auf der Karte aus dem Jahr 1500

Juan Rodríguez de Fonseca war seit der ersten Reise von Christoph Kolumbus für die Organisation der Expeditionen von Kastilien in die Neue Welt verantwortlich. Er sammelte die von Kolumbus und den nachfolgenden Entdeckern mitgebrachten Berichte und Karten und ließ daraus eine eigene Musterkarte entwickeln.

Das kastilische Königspaar, das im Sommer 1498 vom Erfolg der Reise Vasco da Gamas nach Indien gehört hatte, wünschte eine Karte, die alle bis dahin entdeckten Gebiete der Welt darstellen sollte. Dabei sollten die im Namen Kastiliens gemachten Entdeckungen im Vergleich zu den portugiesischen Entdeckungen deutlich hervorgehoben werden. Juan Rodríguez de Fonseca übertrug diese Aufgabe dem Kartografen Juan de la Cosa, der an einigen der ersten Reisen nach Amerika teilgenommen hatte. Seine Karte, die als erste Darstellung Amerikas gilt, trägt die Aufschrift: Juan de la Cosa la fizo en el Puerto de S. Mª en año de 1500 (Juan de la Cosa fertigte die Karte im Hafen von Santa María im Jahr 1500 an). Die Karte stützt sich auf Daten, die teilweise von Juan de la Cosa selbst erhoben wurden, und enthält Informationen der drei Reisen von Kolumbus in den Jahren 1492, 1493 und 1498, der ersten Reise von Juan Caboto im Jahr 1498, der Expeditionen von Alonso de Ojeda und Amerigo Vespucci im Jahr 1498 und der Entdeckungen von Vicente Yáñez Pinzón um 1500, aber auch der Forschungsreisen der Portugiesen Vasco de Gama (1498–99) und Pedro Álvares Cabral (1500). Die Karte ist mit zahlreichen symbolischen Darstellungen, zum Teil religiösen Ursprungs, geschmückt. Auf der Höhe des Wendekreises des Krebses befindet sich über der Inschrift mare oceanum die größte der Windrosen mit einer Darstellung der Jungfrau Maria und des Jesuskindes, darüber eine Darstellung des Heiligen Christophorus, des Schutzpatrons der Reisenden.

Erstellung des Padrón Real König Ferdinand berief im März 1508 eine Junta de Navegantes (Rat der Seefahrer) nach Burgos ein, bei der er selbst den Vorsitz führte. Teilnehmer waren der damalige Bischof von Palencia, Juan Rodríguez de Fonseca, und die Seefahrer Vicente Yáñez Pinzón, Amerigo Vespucci, Juan de la Cosa, Juan Díaz de Solís und vermutlich auch Bartolomeo Kolumbus. Die Junta beschloss u. a. die Einrichtung der Funktion des Piloto Mayor der Casa de la Contratación.Da es häufig keine treffenden Übersetzungen gibt, werden im weiteren Verlauf des Textes Amtsbezeichnungen, Fachbegriffe und einige Namen in der kastilischen Sprache verwendet. Die Urkunde, mit der König Ferdinand im Namen seiner Tochter, Königin Johanna, Amerigo Vespucci zum ersten Inhaber dieses Amtes ernannte, enthielt ausdrücklich den Auftrag, eine Musterkarte, den Padrón Real, zu erstellen und auf dem neuesten Stand zu halten, um davon Kopien für die Piloten, die nach Amerika reisten, anzufertigen. Grundlagen für die Herstellung des Padrón Real waren außer den bisher bekannten Karten die Itinerarios de viaje (Reiserouten), die von den Seefahrern während ihrer Reisen auf See geschrieben wurden. Im Juli des Jahres 1512 ordnete König Ferdinand an, dass alle aus Amerika zurückkehrenden Piloten dem Piloto Mayor der Casa de la Contratación eine Liste der neuen Länder oder Inseln oder Buchten oder neuen Häfen oder was auch immer es wert sei, in den genannten Padrón Real aufgenommen zu werden, zu übergeben hätten. Alle Piloten der Amerikafahrten wurden von der Casa de la Contratación ausgebildet und mit den notwendigen aktualisierten Seekarten und Navigationsinstrumenten ausgerüstet. Daher konnte davon ausgegangen werden, dass die Messergebnisse auf einer einheitlichen Vorgehensweise beruhten und keine abweichenden Maßeinheiten verwendet wurden. Die während der Fahrten gesammelten Informationen mussten durch Skizzen und Zeichnungen ergänzt werden, die die Piloten an Bord anfertigten. Sie bildeten eine der Grundlagen für die Verbesserung des Padrón Real durch die Kartografen der Casa de la Contratación. Zu den täglich zu erfassenden Daten gehörten die Mittagshöhe der Sonne, die magnetische Abweichung des Kompasses, die natürlichen Elemente der Luft-, See- und Landumgebung, d. h. Vögel, Vegetation, Meeresströmungen, Winde, Niederschläge, Wassertiefen, Inseln, Gebirgszüge und Küstenansichten, sowie die Route, die Anzahl der gesegelten Stunden und die zurückgelegte Strecke. Die Piloten waren verpflichtet, ihre Beobachtungen in das Logbuch einzutragen, es sicher aufzubewahren und niemandem zu zeigen. Nach ihrer Rückkehr mussten die Piloten ihre Logbücher, Seekarten und nautischen Instrumente dem Piloto Mayor der Casa de la Contratación übergeben. Die von den Piloten auf ihren Expeditionen gesammelten kartografischen Daten wurden von erfahrenen Kartografen der Casa de la Contratación ausgewertet, interpretiert und in den Padrón Real eingearbeitet, der damals die aktuellste und genaueste Darstellung des amerikanischen Kontinents war.

Problem der Breitengradskala Die ersten Seefahrten im mittleren und nördlichen Teil des Ozeans, die Ende des 15. und Anfang des 16. Jahrhunderts durchgeführt wurden, zeigten, dass die für die Navigation verwendeten Instrumente, insbesondere die Karten, ungenau waren. Ein Fehler wurde durch die magnetische Deklination verursacht, ein Phänomen, das von Christoph Kolumbus selbst auf seiner ersten Reise im Jahr 1492 entdeckt wurde. Einige Kartografen der Casa de la Contratación versuchten, die Unzulänglichkeiten der Karten durch die Erstellung von Karten mit doppelter Gradeinteilung zu beheben. Um den Piloten die Berücksichtigung der Deklination bei der Kursberechnung zu ersparen, wurde die Kompassabweichung mit den Breitengraden verrechnet und für die verschiedenen Regionen unterschiedliche Breitengradskalen eingezeichnet. Da ein bestimmter Punkt auf der Erde auf einem eindeutig feststellbarem Breitengrad liegt, ist bei einer Angabe von zwei verschiedenen Breitengraden einer falsch. Über die Frage der Karten mit mehreren unterschiedlichen Breitengradskalen kam es zu einer Kontroverse darüber, ob der Padrón Real in erster Linie ein praktisches Hilfsmittel für die Navigation oder eine wissenschaftlich exakte Darstellung der Welt sein sollte. Ein Rechtsstreit, der zwischen 1544 und 1545 im Consejo de Indias stattfand, sollte klären, ob die aus wissenschaftlicher Sicht falsche Darstellung mit mehr als einer Breitengradskalen im Padron Real und seinen Kopien verwendet werden sollte. Im Februar 1545 beendete Prinz Philipp, der seit 1543 Regent in Kastilien war, den Streit, indem er erklärte, dass der Padrón Real und die von ihm kopierten Karten mit nur einer Breitengradskala die einzigen Seekarten seien, die von der kastilischen Krone akzeptiert würden. Nach einer Inspektion der Casa de la Contratación, die der Consejo de Indias Ende 1549 durchführen ließ, bei der auch in der Abteilung für Kosmografie zahlreiche Unregelmäßigkeiten festgestellt wurden, übernahm 1552 Alonso de Chaves, ein Vertreter der wissenschaftlich orientierten Darstellung, das Amt des Piloto Mayor.

Nach einer gründlichen Überarbeitung des Real Padrón im Jahre 1553 wurde nicht nur ein Exemplar in der Casa de la Contratación aufbewahrt, sondern auch ein weiteres im Consejo de las Indias. Dies entspricht der Bedeutung der Real Padrón einerseits als Musterkarte für die Seefahrt und andererseits als geographische Darstellung der Herrschaftsgebiete der Krone Kastiliens. Das gleichzeitige Vorhandensein von zwei Padrones, einer in der Casa de la Contratación und einer im Consejo de las Indias, wurde durch weitere königliche Dekrete in den folgenden Jahren bestätigt.

Padron Real König Philipps II. Ende des 16. Jahrhunderts, in den letzten Jahren seines Lebens, zeigte König Philipp II. persönliches Interesse an einer gründlichen Überarbeitung und Korrektur des Padrón Real. Pedro Ambrosio de Ondériz, der Professor für Mathematik an der Academia de Matemáticas und Cronista Mayor del Consejo de Indias war, wurde mit dieser Aufgabe betraut. Um sicherzustellen, dass er sie unbehindert ausführen konnte, beschloss der Consejo de Indias am 16. September 1595, ihn zum Piloto Mayor de la Casa de la Contratación zu ernennen.

Mit zunehmender Ausdehnung des Reiches sollte das Kartenmodell der Krone fragmentiert und aufgeteilt werden, um mehr Details zu erhalten. Pedro Ambrosio de Ondériz schlug vor, eine Gesamtmusterkarte und sechs Einzelmusterkarten zu erstellen, von denen detailliertere Karten in größerem Maßstab angefertigt werden könnten. Für die Erstellung der neuen Musterkarten mussten nicht nur technische Fehler in der alten Musterkarte korrigiert werden, sondern es wurden auch neue Informationen benötigt.

In Zukunft sollten nicht mehr die Informationen aller Piloten der Silberflotte verwendet werden. Eine große Anzahl von Piloten lieferte fehlerhafte Messergebnisse, wobei sich die Fehler in der Menge nicht gegenseitig aufhoben, da sie meist auf dem gleichen fehlerhaften Vorgehen beruhten. Die Beamten der Casa de la Contratación erarbeiteten Ende 1593, auf Ersuchen des Consejo de Indias, eine Anweisung, nach der zweiundzwanzig der Seefahrer, die von Sanlúcar de Barrameda aus in die Neue Welt segelten, Daten erheben sollten. Sie wurden gebeten, entsprechend der Anweisung die Einzelheiten der Routen, der Inseln, Häfen und Küsten von Neuspanien, der Karibischen Inseln, Floridas, Bermudas und der Azoren zu ermitteln. Die so erhaltenen Auskünfte waren eher dürftig. In einem Bericht an den Consejo de Indias wurde festgestellt, dass von der Mehrzahl der Piloten die Aufgaben vernachlässigt worden seien und nur drei ihre Aufgaben erfüllt hätten, allerdings nicht mit der erforderlichen Sicherheit. Um wirklich exakte Informationen zu erhalten, schlug Pedro Ambrosio de Ondériz vor, zwei Männer in zwei kleinen Schiffen mit zwölf Rudern auszusenden, um die Küste der Gebiete zu erkunden, die auf den Karten falsch eingezeichnet waren, insbesondere die Inseln unter dem Winde, die Küste von Cartagena de Indias, den Golf von Mexiko und die Küste Floridas. Der König gab seine Zustimmung, aber die beiden kleinen Schiffe stachen nie in See. Im Januar 1596 starb Pedro Ambrosio de Ondériz.