(423) Diotima ist ein Asteroid des äußeren Hauptgürtels, der am 7. Dezember 1896 vom französischen Astronomen Auguste Charlois am Observatoire de Nice bei einer Helligkeit von 11 mag entdeckt wurde.
Der Asteroid ist benannt nach Diotima, einer Seherin und Lehrerin des griechischen Philosophen Sokrates (469–399 v. Chr.). Julius Bauschinger, der Direktor des Astronomischen Rechen-Instituts in Berlin, veröffentlichte 1901 die Namen von 34 von Charlois entdeckten Asteroiden zwischen den Nummern (356) und (451). Im Text heißt es lediglich: „Nach Zustimmung des Herrn Charlois haben folgende von ihm entdeckten… Planeten nachstehende Namen erhalten.“ Es liegt daher nahe, dass die Namen vom Astronomischen Rechen-Institut ausgewählt wurden.J. Bauschinger: Benennung von kleinen Planeten. In: Astronomische Nachrichten. Band 156, Nr. 3735, 1901, Sp. 239–240, doi:10.1002/asna.19011561520 (PDF; 141 kB).
Aufgrund ihrer Bahneigenschaften wird (423) Diotima zur Eos-Familie gezählt. Sie befindet sich dabei nahe einer Dreikörperresonanz mit Jupiter und Saturn, denn die gemittelte Umlauffrequenz (Kehrwert der siderischen Periode) ist etwa gleich groß wie die von Jupiter plus die dreifache Umlauffrequenz Saturns.E. A. Smirnov, I. I. Shevchenko: Massive identification of asteroids in three-body resonances. In: Icarus. Band 222, Nr. 1, 2013, S. 220–228, doi:10.1016/j.icarus.2012.10.034 (arXiv-Preprint: PDF; 2,70 MB).
Wissenschaftliche Auswertung Aus Ergebnissen der IRAS Minor Planet Survey (IMPS) wurden 1992 Angaben zu Durchmesser und Albedo für zahlreiche Asteroiden abgeleitet, darunter auch (423) Diotima, für die damals Werte von 208,8 km bzw. 0,05 erhalten wurden.E. F. Tedesco, P. V. Noah, M. Noah, S. D. Price: The Supplemental IRAS Minor Planet Survey. In: The Astronomical Journal. Band 123, Nr. 2, 2002, S. 1056–1085, doi:10.1086/338320 (PDF; 398 kB). Aus den Beobachtungsergebnissen einer Bedeckung des Sterns 9. Größe HIP 66446 durch den Asteroiden am 15. März 2001 wurde für diesen eine Abschätzung von (186 × 149) km für die projizierte Größe erhalten.R. Vasundhara, K. Jayakumar, C. Velu, M. Appakutty, A. Paranjpye, H. Kulkarni, P. Nitsure, M. Prabhunne, K. Shah: Observations of occultation of HIP 66446 by (423) Diotima on 2001 March 15 from India – Detection of a companion to the star. In: Bulletin of the Astronomical Society of India. Band 29, 2001, S. 577–584, (PDF; 137 kB). Mit hochaufgelösten Aufnahmen mit dem Adaptive Optics (AO)-System am Teleskop II des Keck-Observatoriums auf Hawaiʻi im Infraroten vom 6. Dezember 2003 konnte für den Asteroiden in einer Untersuchung von 2006 ein mittlerer Durchmesser von 208 km und das Achsenverhältnis einer zweiachsig-ellipsoidischen Kontur ermittelt werden.F. Marchis, M. Kaasalainen, E. F. Y. Hom, J. Berthier, J. Enriquez, D. Hestroffer, D. Le Mignant, I. de Pater: Shape, size and multiplicity of main-belt asteroids: I. Keck Adaptive Optics survey. In: Icarus. Band 185, Nr. 1, 2006, S. 39–63, doi:10.1016/j.icarus.2006.06.001 (PDF; 3,92 MB). Eine neue Auswertung der Daten ergab in einer Untersuchung von 2013 einen äquivalenten Durchmesser von 194 ± 18 km.J. Hanuš, F. Marchis, J. Ďurech: Sizes of main-belt asteroids by combining shape models and Keck adaptive optics observations. In: Icarus. Band 226, Nr. 1, 2013, S. 1045–1057, doi:10.1016/j.icarus.2013.07.023 (arXiv-Preprint: PDF; 1,79 MB).
Eine Auswertung von Beobachtungen durch das Projekt NEOWISE im nahen Infrarot führte 2011 zu vorläufigen Werten für den Durchmesser und die Albedo im sichtbaren Bereich von 177,3 km bzw. 0,07.J. R. Masiero, A. K. Mainzer, T. Grav, J. M. Bauer, R. M. Cutri, J. Dailey, P. R. M. Eisenhardt, R. S. McMillan, T. B. Spahr, M. F. Skrutskie, D. Tholen, R. G. Walker, E. L. Wright, E. DeBaun, D. Elsbury, T. Gautier IV, S. Gomillion, A. Wilkins: Main Belt Asteroids with WISE/NEOWISE. I. Preliminary Albedos and Diameters. In: The Astrophysical Journal. Band 741, Nr. 2, 2011, S. 1–20, doi:10.1088/0004-637X/741/2/68 (PDF; 73,0 MB). Ein Vergleich von Daten, die von 1978 bis 2011 an der Sternwarte Ondřejov in Tschechien und am Table Mountain Observatory in Kalifornien gesammelt wurden, mit den Daten von NEOWISE ergab 2012 Werte für den Durchmesser und die Albedo von 177,0 km bzw. 0,07.P. Pravec, A. W. Harris, P. Kušnirák, A. Galád, K. Hornoch: Absolute magnitudes of asteroids and a revision of asteroid albedo estimates from WISE thermal observations. In: Icarus. Band 221, Nr. 1, 2012, S. 365–387, doi:10.1016/j.icarus.2012.07.026 (PDF; 1,44 MB). Nachdem die Werte nach neuen Messungen mit NEOWISE 2012 auf 228,0 km bzw. 0,04 geändert worden waren,J. R. Masiero, A. K. Mainzer, T. Grav, J. M. Bauer, R. M. Cutri, C. Nugent, M. S. Cabrera: Preliminary Analysis of WISE/NEOWISE 3-Band Cryogenic and Post-cryogenic Observations of Main Belt Asteroids. In: The Astrophysical Journal Letters. Band 759, Nr. 1, L8, 2012, S. 1–8, doi:10.1088/2041-8205/759/1/L8 (PDF; 3,27 MB). wurden sie 2014 auf 175,9 km bzw. 0,07 korrigiert.J. R. Masiero, T. Grav, A. K. Mainzer, C. R. Nugent, J. M. Bauer, R. Stevenson, S. Sonnett: Main Belt Asteroids with WISE/NEOWISE. Near-infrared Albedos. In: The Astrophysical Journal. Band 791, Nr. 2, 2014, S. 1–11, doi:10.1088/0004-637X/791/2/121 (PDF; 1,10 MB). Nach der Reaktivierung von NEOWISE im Jahr 2013 und Registrierung neuer Daten wurden die Werte 2015 zunächst mit 217,6 km bzw. 0,04 angegebenC. R. Nugent, A. Mainzer, J. Masiero, J. Bauer, R. M. Cutri, T. Grav, E. Kramer, S. Sonnett, R. Stevenson, E. L. Wright: NEOWISE Reactivation Mission Year One: Preliminary Asteroid Diameters and Albedos. In: The Astrophysical Journal. Band 814, Nr. 2, 2015, S. 1–13, doi:10.1088/0004-637X/814/2/117 (PDF; 1,07 MB). und dann 2016 korrigiert zu 167,2 km bzw. 0,07, diese Angaben beinhalten aber alle hohe Unsicherheiten.C. R. Nugent, A. Mainzer, J. Bauer, R. M. Cutri, E. A. Kramer, T. Grav, J. Masiero, S. Sonnett, E. L. Wright: NEOWISE Reactivation Mission Year Two: Asteroid Diameters and Albedos. In: The Astronomical Journal. Band 152, Nr. 3, 2016, S. 1–12, doi:10.3847/0004-6256/152/3/63 (PDF; 1,34 MB). Eine Untersuchung von 2020 bestimmte aus drei Sternbedeckungen durch (423) Diotima einen Durchmesser von 205,7 ± 8,4 km.D. Herald, D. Gault, R. Anderson, D. Dunham, E. Frappa, T. Hayamizu, S. Kerr, K. Miyashita, J. Moore, H. Pavlov, S. Preston, J. Talbot, B. Timerson: Precise astrometry and diameters of asteroids from occultations – a data set of observations and their interpretation. In: Monthly Notices of the Royal Astronomical Society. Band 499, Nr. 3, 2020, S. 4570–4590, doi:10.1093/mnras/staa3077 (PDF; 6,52 MB).
Photometrische Messungen des Asteroiden fanden erstmals statt am 10. August 1981 am La-Silla-Observatorium in Chile. Die über einen Zeitraum von mehr als sieben Stunden aufgezeichnete Lichtkurve wurde dahingehend interpretiert, dass die Rotationsperiode mindestens so lange sein müsste, es wurde dafür zunächst ein Wert von 8 Stunden angenommen, aber eine deutlich längere Periode auch nicht völlig ausgeschlossen. Am 10. November 1982 erfolgte eine weitere Beobachtung über fünf Stunden am Observatoire de Haute-Provence in Frankreich. Die gemessene Lichtkurve schien ebenfalls zu der früheren Periode zu passen. Es wurde auch versucht, Besonderheiten in der Lichtkurven zu erklären. Als eine Möglichkeit dafür wurde unter anderem die Existenz eines dunklen Begleiters vorgeschlagen.H. J. Schober: The large C-type asteroid 423 Diotima – Rotation period, lightcurve and implications for a possible satellite. In: Astronomy & Astrophysics. Band 127, Nr. 2, 1983, S. 301–303, (PDF; 68 kB).
Bereits am 22. November 1982 erfolgte eine weitere Beobachtung des Asteroiden über etwa sieben Stunden am Osservatorio Astronomico di Torino in Italien. Die aufgezeichnete Lichtkurve wurde hier aber zu einer deutlich kürzeren Rotationsperiode von 4,62 h ausgewertet.M. Di Martino, S. Cacciatori: Rotation periods and light curves of the large asteroids 409 Aspasia and 423 Diotima. In: Astronomy & Astrophysics. Band 130, 1984, S. 206–207, (PDF; 56 kB). Eine Untersuchung von 1985 versuchte, diese widersprüchlichen Ergebnisse zu klären. Dabei zeigte es sich, dass die Messwerte von 1981 wegen ihrer geringen Qualität offenbar falsch interpretiert worden waren, denn sie passten auch sehr überzeugend zu der kürzeren Periode. Dafür wurde ein verbesserter Wert von 4,622 h abgeleitet.V. Zappalà, M. Di Martino, A. Hanslmeier, H. J. Schober: New cases of ambiguity among large asteroids’ spin rates. In: Astronomy & Astrophysics. Band 147, Nr. 1, 1985, S. 35–38, (PDF; 93 kB). Aus den archivierten Daten von 1981 und 1982 sowie neuen Messungen vom April 1985 in Turin (siehe unten) wurden dann erstmals zwei alternative Rotationsachsen und die Achsenverhältnisse eines dreiachsig-ellipsoidischen Gestaltmodells des Asteroiden berechnet.V. Zappalà, M. Di Martino: Rotation axes of asteroids via the amplitude-magnitude method: Results for 10 objects. In: Icarus. Band 68, Nr. 1, 1986, S. 40–54, doi:10.1016/0019-1035(86)90073-4. Weitere Beobachtungen erfolgten vom 13. bis 23. Oktober 1987 während vier Nächten am Observatorio astronómico Municipal de Mercedes in Argentinien. Die Auswertung der Daten bestätigte die kürzere Rotationsperiode mit einem Wert von 4,626 h.R. Gil Hutton: Rotation period and light curve of asteroid 423 Diotima. In: Boletín de la Asociación Argentina de Astronomía. Band 36, 1990, S. 193–200, (PDF; 499 kB, spanisch).
Aus photometrischen Messungen vom 14. und 16. April 1985, 19. November 1987 und 10. Januar bis 7. Februar 1989 in Turin wurde eine neue Lichtkurve zusammengesetzt, aus der jetzt aber eine geringfügig, aber signifikant längere Periode von 4,775 h bestimmt wurde. Außerdem konnte in Verbindung mit den archivierten Daten der früheren Beobachtungen dieses Mal eine eindeutige Position für die Rotationsachse mit prograder Rotation und einer Periode von 4,7747 h sowie die Achsenverhältnisse eines dreiachsig-ellipsoidischen Gestaltmodells des Asteroiden berechnet werden.E. Dotto, G. De Angelis, M. Di Martino, M.A. Barucci, M. Fulchignoni, G. De Sanctis, R. Burchi: Pole Orientation and Shape of 12 Asteroids. In: Icarus. Band 117, Nr. 2, 1995, S. 313–327, doi:10.1006/icar.1995.1158. Aus Beobachtungen während der Oppositionen in den Jahren 1990 und 1992 mit dem Carlsberg-Meridiankreis am Roque-de-los-Muchachos-Observatorium auf La Palma wurde eine Rotationsperiode von 4,30 h abgeschätzt.J. Piironen, P. Magnusson, C.-I. Lagerkvist, I. P. Williams, M. E. Buontempo, L. V. Morrison: Physical studies of asteroids. XXXI. Asteroid photometric observations with the Carlsberg Automatic Meridian Circle. In: Astronomy & Astrophysics Supplement Series. Band 121, Nr. 3, 1997, S. 489–497, doi:10.1051/aas:1997325 (PDF; 402 kB).
Aus Beobachtungen vom 19. bis 26. September 1992 am La-Silla-Observatorium konnten drei gleichermaßen mögliche Werte für die Rotationsperiode von 4,7840, 9,5630 oder 11,9529 h bestimmt werden, wovon der mittlere als der richtige angesehen wurde.M.-C. Hainaut-Rouelle, O. R. Hainaut, A. Detal: Lightcurves of selected minor planets. In: Astronomy & Astrophysics Supplement Series. Band 112, 1995, S. 125–142, (PDF; 468 kB). Dagegen führten Messungen während sieben Nächten vom 17. November 1993 bis 7. Februar 1994 am Charkiw-Observatorium in der Ukraine und am Krim-Observatorium in Simejis in der Auswertung wieder zu einer Rotationsperiode von 4,7752 h.V. G. Chiorny, V. G. Shevchenko, Yu. N. Krugly, F. P. Velichko, N. M. Gaftonyuk: Photometry of asteroids: Lightcurves of 24 asteroids obtained in 1993–2005. In: Planetary and Space Science. Band 55, Nr. 7–8, 2007, S. 986–997, doi:10.1016/j.pss.2007.01.001.