mini|Abruzzen Wein und Brot (OT: Vino e pane) ist der Titel eines 1955bei Arnoldo Mondadori Editore Mailand publizierten Romans von Ignazio Silone. Die erste Fassung Pane e vino erschien 1936.im Oprecht [& Helbling] Verlag Zürich in deutscher Übersetzung von Adolf Saager Erzählt wird die Geschichte des Sozialisten Pietro Spina, der zur Zeit des Faschismus in Italien aus seinem Exil zurückkehrt und versucht, in seinem Heimatgebiet Marsica revolutionäre Zellen zu organisieren. Die deutsche Übersetzung der Neubearbeitung von Hanna Dehio wurde 1974 veröffentlicht.im Verlag Kiepenheuer & Witsch Köln

Überblick Die Haupthandlung spielt zur Zeit des Faschismus und des Abessinienkriegs 1935. Der Sozialist Pietro Spina ist aus dem Exil nach Italien zurückgekehrt und wird von der Polizei verfolgt. Er flieht in sein Heimatgebiet, in die italienische Landschaft Marsica bei Avezzano. Freunde helfen ihm. Er wechselt die Identität und findet als Priester Pietro Spina einen Unterschlupf im Bergdorf Pietrasecca. Hier lernt er das harte Leben und die Sorgen der Menschen kennen und bemüht sich, eine revolutionäre Untergrundgruppe aufzubauen. Er gewinnt durch sein undogmatisches bescheidenes Auftreten das Vertrauen der Menschen, findet aber nur wenige gleichgesinnte junge Leute. Mit ihnen und den alten Freunden diskutiert er über die Gesellschaftsstruktur und die Haltung des Vatikans zur faschistischen Regierung. Unterstützung für seine Arbeit hofft er in Rom zu finden. Doch es kommt zum Streit mit dem kommunistischen Parteisekretär über seine Kritik am Kurs der Organisation. Ohne Ergebnis kehrt er in die Marsica zurück. Er wird enttarnt und flieht ins Gebirge.

Inhalt Vorgeschichte Pietro Spina wurde in OrtaName von Silones Lehrer als Sohn wohlhabender Eltern, die Weinberge und eine Kiesgrube besaßen, geboren.Kap. 4 Sein Vater Ignazio entstammte einer wohlhabenden Familie und studierte in Neapel, war Republikaner und später ein von den Freiheitsideen enttäuschter Bauer. Nachdem die Eltern bei einem Erdbeben ums Leben gekommen waren, wohnte Pietro bei der Großmutter Donna Maria Vincenza. Seine Biographie wird im 2. Kapitel von seinen ehemaligen Schulkameraden erzählt, die an einem Apriltag 1935 ihrem Philologielehrer, dem ehemaligen Priester Don Benedetto de Merulis, zum 75. Geburtstag gratulieren. Die drei Schüler, ein Priester, ein Polizist und der Arzt Nuncio Sacca, die mit Pietro 8 Jahre eine kirchliche Internatsschule besuchten, haben sich mehr oder weniger mit dem faschistischen Regime in Italien arrangiert, im Gegensatz zu ihrem Lehrer. Er ist bei seinem Bischof in Ungnade gefallen und entlassen worden. Seit 15 Jahren hat er sich zusammen mit seiner Schwester und Haushälterin Marta in das Gebirgsdorf Rocca zurückgezogen. Pietro war der Lieblingsschüler Don Benedettos, weil er alle Dinge kritisch hinterfragte und sich für ungerecht behandelte Kameraden einsetzte. Er las gerne Bücher über Heilige, hatte kein Interesse für materielle Dinge und wollte in seinem Leben für die Gerechtigkeit kämpfen. Ein Jahr später, 1921, löste er sich von der Kirche, „weil sie mit der kleinlichen, korrupten und grausamen bürgerlichen Gesellschaft gemeinsame Sache machte“,Kap. 9 und schloss sich in Rom der sozialistischen Jugend an. Dadurch lernte er den Marxismus kennen und übernahm die Ideologie des Atheismus und Materialismus. 1927, zwei Jahre nach der Installation einer faschistischen Einparteiendiktatur, wurde er verhaftet und auf die Insel Lipari verbannt. Nach einem Jahr gelang ihm die Flucht nach Frankreich, ein Jahr später wurde er ausgewiesen und dieses Schicksal wiederholte sich mehrmals: Schweiz, Luxemburg. Belgien. In diesem Jahr ist der inzwischen 35-Jährige illegal nach Italien zurückgekehrt. Er hat sein Gesicht mit einer jodhaltigen Flüssigkeit behandelt und wirkt durch die Runzeln und Verfärbungen älter. Trotzdem wurde er in Rom erkannt und von der Polizei verfolgt. Dann floh er in seine Heimat, die Marsica, verlor seine Verbindungen zu seinen Parteifreunden und tauchte unter. Davon erzählt die Haupthandlung.

Flucht in die Marsica mini|Marsica Die Haupthandlung beginnt mit der Flucht Pietros vor den Carabinieri aus Rom in die Marsica. Er ist lungenkrank und hat einen Unterschlupf beim Bauer Cardile Mulazzi in Acquafredda gefunden, den er im Exil in Frankreich kennengelernt hat. Wegen seines schlechten Gesundheitszustands ruft Cardile den Arzt Nuncio Sacca, Pietros ehemaligen Schulkameraden.Kap. 3 Sacca hat einerseits Sympathien für den alten Freund, andererseits fürchtet er die Folgen, wenn er einem von der faschistischen Regierung gesuchten Kommunisten hilft. Er gehört jetzt einer anderen Partei an, hat eine Familie mit zwei Kindern, leitet eine Klinik und hofft, Sanitätsrat zu werden. Sie diskutieren über ihre unterschiedlichen Lebenswege. Pietro erinnert den Arzt daran, dass sie bis zu ihrem 20. Lebensjahr dieselben Zukunftsträume hatten. Sacca hat sich damals für die Freiheit und die Verbindung von Kirche und Volk engagiert und öffentlich Reden gehalten.Kap. 3 Nuncio wirft dem kommunistischen Aktivisten seinen Fanatismus vor und erzählt von seinem Leben: Auch er habe Hoffnungen, Enttäuschungen, Lügen und Intrigen erfahren: „Du bist nicht fähig zu begreifen, dass der Mensch im allgemeinen gar keine Wahl hat. Er findet Lebensbedingungen vor, denen er sich anpassen muss. Wenn die Verhältnisse ihm nicht zusagen, kann er nichts tun als abzuwarten, bis sie anders werden.“ Pietro erwidert darauf: „Und wenn sie nicht von selbst anders werden? Wer soll sie denn ändern? Ach, wie trostlos ist eine Intelligenz, die nur dazu dient, Argumente zu liefern, die das Gewissen beruhigen sollen. […] Als wir die Schule verließen […] sahen wir uns einer Gesellschaftsordnung gegenüber, auf die wir nicht vorbereitet waren, und wir mussten unsere Wahl treffen: Unterdrückung oder Widerstand.“ In der heutigen Situation gebe es keinen Mittelweg.Kap. 3 Er habe sich für den Widerstand entschieden. Sacca untersucht den Kranken, versorgt ihn mit Medikamenten und organisiert für ihn ein sicheres Versteck, denn Spina will seine Verwandten und alten Freunde nicht gefährden. Während seiner Genesungszeit befreundet er sich mit Margherita, einer jungen Frau, deren Mann in einer Zuckerfabrik arbeitet und die im Haus ihrer Schwiegermutter in der Nähe seines Stalls wohnt. Sie erkennt ihn als den von der Polizei Gesuchten, auf dessen Gefangennahme eine Belohnung ausgesetzt ist, aber sie verrät ihn nicht und informiert ihn über die Nachforschungen, z. B. über Hausdurchsuchungen und Fahndungen.Kap. 4

Inzwischen hat sich der Arzt mit seinem alten Lehrer Don Benedetto in Rocca verständigt und der hat den am Ende eines Hochtals gelegenen Gebirgsort Pietrasecca als Erholungsort empfohlen. Beim letzten Besuch bespricht Sacca mit Pietro dessen Identitätswechsel und gibt ihm ein Traktat über das Verhalten eines Geistlichen außerhalb seiner Diözese zu lesen: Als Priester Don Paolo Spada aus der Diözese Frascati solle er für einige Zeit zur Wiederherstellung seiner Gesundheit im der Diözese Marsi angehörenden Pietrasecca wohnen. Er reist sofort mit einer Kutsche in das Fucino-Becken, an seinem Heimatdorf vorbei nach Fossa dei Marsi, wo er in einem Gasthaus der Witwe Berenice Girasole übernachtet, und wird am nächsten Tag nach Pietrasecca zu seiner Unterkunft im Wirtshaus von Matalena Ricotta gebracht.Kap. 5

Pietrasecca mini|Marsica-Dorf Nach anfänglicher vorsichtiger Zurückhaltung sucht Don Paolo zunehmend das Gespräch mit den Bewohnern und die Menschen erzählen ihm ihre Lebensgeschichten, ihre gescheiterten Auswanderungspläne und Krankheiten und klagen über die geringen Ernteerträge und die hohen Abgaben, so dass sie trotz harter Arbeit sich und ihre kinderreichen Familien kaum ernähren können. Er versucht sich zwar an die Anweisungen Saccas zu halten, aber er kommt dadurch in einen Rollenkonflikt: Obwohl er den Menschen erklärt, dass er nur zur Kur hier ist und in einer fremden Diözese keine Sakramente erteilen darf, bitten ihn die Bewohner um seinen Beistand und er kann sich dem nicht entziehen. Durch seine undogmatische Zuwendung gewinnt er schnell das Vertrauen der Menschen, v. a. der zwischen abergläubischen Beschwörungen und christlichen Ritualen schwankenden Frauen:

Bianchina, die Tochter der Wirtin Berenice Girasole in Fossa dei Marsi, ist nach einem misslungenen Schwangerschaftsabbruch todkrank und bittet ihn um die Absolution.Kap. 6 Sie hatte eine Beziehung zu Alberto Colamartini, dessen Patrizier-Familie aus gesellschaftlichen Gründen eine Ehe ablehnte. Nachdem sie wieder gesund wird, hält sie Don Paolo für einen Heiligen, besucht ihn in seinem Zufluchtsort und möchte ihm als Dank einen Dienst erweisen. Er gibt ihr den Auftrag, seiner Untergrundorganisation in Rom eine geheime Nachricht zu überbringen (Kap. 8).

Paolos Wirtin Matalena Ricotta ist stolz darauf, einen Heiligen mit guter Ernährung gesund zu pflegen. Sie ist eifersüchtig auf seine Kontakte zu Cristina Colamartini und fürchtet, dass deren Vater Don Pasquale den Priester als Gast in sein Haus einlädt. Deshalb sucht sie nicht nur Hilfe bei der Madonna, sondern auch Rat bei der „Kräuterhexe Cassarola“, wie sie ihn durch Magie an sich binden kann.Kap. 11 Trotz Don Paolos Anweisungen gelingt es ihr nicht immer, ihn vor den um Hilfe suchenden Dorfbewohnern abzuschirmen. So dringt eine schwangere Frau in sein Zimmer ein. Sie hat geträumt, sie würde ein blindes Kind bekommen, und droht ihm, sich aus dem Fenster zu stürzen, wenn er nicht mit Weihwasser zwei Kreuze auf ihren Bauch zeichne.Kap. 7

Don Paolo sucht nach anfänglicher Zurückhaltung und Vorsicht zunehmend den Kontakt mit den einfachen Bewohnern und die Menschen erzählen ihm ihre Lebensgeschichten, ihre gescheiterten Auswanderungspläne und Krankheiten und klagen über die geringen Ernteerträge und die hohen Abgaben, so dass sie trotz harter Arbeit sich und ihre kinderreichen Familien kaum ernähren können. Er erzählt ihnen von der Revolution der Bauern in Russland und von der Ablösung der monarchistischen Regierungen in anderen europäischen Ländern nach dem Weltkrieg und befragt sie darüber, ob sie und ihre Kinder sich nicht auch befreien und eigenes Land bebauen wollen. Doch die meisten halten diese Ideen nur für einen schönen Traum, den sie in ihrem irdischen Leben nicht realisieren können. Paolo sieht, dass die Männer und Frauen des Gebirgsdorfes nur mit ihrem Alltag beschäftigt sind und er ist über ihr Desinteresse an den politischen Veränderungen in Europa und ihre Resignation und Apathie, sich gegen die Verhältnisse aufzulehnen, enttäuscht. Ihr Verhalten erinnert ihn an die Überschrift eines Traktats: „Von der Unzugänglichkeit der Cafoni für politische Probleme“.Kap. 12 und 13

Cristina