Partschins ([]; italienisch ) ist eine italienische Gemeinde im Vinschgau in Südtirol. Sie hat Einwohner (Stand ). Wirtschaftlich bedeutsam sind vor allem Tourismus und Obstanbau (Äpfel).
Geographie
Partschins befindet sich im unteren Vinschgau. An der Ostgrenze der Gemeinde an der Töll wird traditionell der Übergang vom Vinschgau zum Burggrafenamt verortet. Aufgrund ihrer Nähe zur etwa 8 km östlich gelegenen Stadt Meran ist Partschins jedoch nicht der Bezirksgemeinschaft Vinschgau, sondern der Bezirksgemeinschaft Burggrafenamt zugeordnet.
Die beiden größten Siedlungen der Gemeinde, der Hauptort Partschins () und Rabland (), liegen beide auf der orographisch linken, nördlichen Seite des Etschtals, dessen Talboden hier nahezu vollständig von Schwemmkegeln überdeckt ist. Dahinter erheben sich die Hänge des Sonnenbergs und die Gipfel der zu den Ötztaler Alpen gerechneten Texelgruppe. Dem von zahlreichen Dreitausendern umkränzten Zieltal in nordwestliche Richtung folgend reicht das Gemeindegebiet weit in das im Naturpark Texelgruppe unter Schutz gestellte Hochgebirge hinein. Zu den das Hochtal umgebenden Bergen zählen unter anderem das Roteck (), die Texelspitze (), die Hochweiße (), der Lodner (), die Lazinser Rötelspitze (), die Zielspitze () und der Tschigat (). An der südlichen Talflanke des Etschtals steigen die Hänge des Nördersbergs empor. Hier endet das Gemeindegebiet auf etwas über Höhe am Bergrücken des Vigiljochs, dem nordöstlichsten Ausläufer des Zufrittkamms der Ortler-Alpen.
Geschichte mini|links|Partschins (in der Bildmitte) und Rabland (gleich dahinter) von der Mutspitze aus gesehen Partschins gehörte bis zum Ende des Ersten Weltkriegs zum Gerichtsbezirk Meran und war Teil des Bezirks Meran.
Vorgeschichte Funden an prähistorischen Stätten zufolge siedelten sich die ersten Bewohner in Partschins vor ungefähr 6000 Jahren an. Die Hänge vom Sonnenberg bis Vellau eigneten sich als Siedlungsgebiet; es waren Jäger und Sammler, später sesshafte Bauern, die sich auf Hügeln und erhöhten Punkten ihre primitiven Wohnstätten errichteten, die sie oft mit Ringwällen sicherten. Zeitzeugen dieser Ursiedler sind die Menhire, Felszeichnungen und Schalensteine, die in die Jungsteinzeit reichen.
Römerzeit und Via Claudia Augusta Um das Jahr 15 v. Chr. kamen die Römer ins Land und unterwarfen es ihrer Herrschaft.Rampold S. 13. Die neuen Machthaber nannten die Bewohner Räter und gehörten zu einem Teil zur römischen Provinz Rätien. Zur damaligen Zeit führte oberhalb der Töll die Römerstraße, die Via Claudia Augusta, vorbei, welche im Jahre 46 n. Chr. fertiggestellt wurde. Durch den Bau der Straße wurde das Gemeindegebiet um Partschins mit dem Strom der Weltgeschichte verbunden. Auf der Töll war zeitweise die Zollgrenze der römischen Provinz Raetia; der Name Töll kommt von telonium=Zollstätte.Rampold S. 414. Die Existenz dieser Zollerhebungsstätte wird durch den Fund des Sockels eines Diana-Altars belegt. Das Fundstück befindet sich im Ferdinandeum in Innsbruck. Auch im Mittelalter und in der Neuzeit war auf der Töll eine ZollstationEintrag beim Südtiroler Denkmalamt (Zollwirt, Kontrollerhaus).
Römischer Meilenstein mini|Römischer Meilenstein
Der frühneuzeitliche Fund eines römischen Meilensteins in Rabland (1552 beim heutigen Hotel Restaurant Hanswirt, 14. Jahrhundert, ehemals Supphaus ‚Superhof‘, später „Steiner“ und dann „Löwenwirt“) wies früh auf den Verlauf der ehemaligen Via Claudia Augusta hin, einer römischen Kaiserstraße über die Alpen, die oberhalb der Töll vorbeiführte. Der Meilenstein stammt aus dem Jahr 46 n. Chr. und besteht aus Quadrater Marmor (Quadrat = Ortsteil der Gemeinde Partschins am Nörderberg), dessen Inschrift den Bau und Verlauf der Via Claudia Augusta belegt. Das Original ist im Stadtmuseum Bozen zu besichtigen, eine Replik befindet sich vor dem Eingangsbereich des Hanswirts.
Grabstein aus der Römerzeit Am Hochhueben-Hof in Partschins, einem Lehen der Salzburger Erzbischöfe aus dem 15. Jahrhundert, befindet sich in der vorderen Hausmauer, rechts neben der Eingangstür, ein eingemauerter römischer Grabstein.Rampold S. 416.
Der römische Diana-Altar Im 17. Jahrhundert wurde am Nörderberg oberhalb von Partschins der Sockel einer römischen Diana-Statue gefunden.Rampold S. 16. Wie aus einem Manuskript des Stamser Zisterzienserpaters Franz Lachemayr von 1696 hervorgeht, handelt es sich um den Sockel eines Altars zu Ehren der römischen Jagdgöttin Diana. Dieser Weihestein – das Bildnis der Göttin Diana ist leider zugrunde gegangen – ist auf den Römerort Maia und ebenso die Zollstation Töll zurückzuführen. Das Fundstück ist aus Quadrater Marmor; die Höhe der Schriftfläche beträgt 32 cm. Die lateinische Inschrift auf dem Sockel dieser Statue besagt, dass ein gewisser Aetetus, im 3. Jahrhundert Vorsteher des römischen Zollamtes Töll, den Altar zu Ehren des göttlichen Kaiserhauses und der heiligen Diana errichten ließ. Am naturgegebenen Engpass in Töll befand sich die römische Zollstation, wo die Weggebühr für Waren und Fahrzeuge entlang der Via Claudia Augusta eingehoben wurde. Das Original befindet sich im Tiroler Landesmuseum „Ferdinandeum“ in Innsbruck.
Die römische Zollstation an der Töll Entlang dieser wichtigen Verkehrsroute, der Via Claudia Augusta, entstanden Gasthöfe und Straßenstationen für den Wechsel der Pferde. Nach dem Abzug der Römer gegen Ende des 5. Jahrhunderts n. Chr., liegen für Jahrhunderte keine Niederschriften über die Existenz einer Zollstation vor. 1160 wird das erste Mal wieder von einem Zöllner berichtet und der landesfürstliche Zoll wird 1271 erstmals und als Besitz des Grafen von Tirol (Meinhard II.) erwähnt. 1388 wurde die Zollstation von Plars auf die Töll (ins heutige Gasthaus „Rössl“, seit seiner Renovierung vor einigen Jahren wieder „Zollwirt“ genannt) verlegt und entwickelte sich zur wichtigsten in Tirol. Die Zöllner hatten über die Einnahmen genau Buch zu führen – im so genannten „Zollregister“ – und vierteljährlich an die Kammer des Grafen abzuliefern. Die Einkünfte aus dem Zollhof kamen dem jeweiligen Zöllner als landesfürstlichem Beamten zugute. 1808 verkaufte die bairische Regierung den Bauernhof und 1829 wurde die Zollstation ganz aufgelassen, weil inzwischen die „Verzehrungssteuer“ eingeführt worden war. Seit 1400 kennt man namentlich 27 Zöllner. Zum Zollhof gehörten der Zollbaur, das Gasthaus mit Zollstube auf der linken Seite des Hauses, ein Kramerhaus rechts davon, sowie, etwas rückwärts gelegen, der Steidlhof.
Der Weihestein von Montelbon mini|Weihestein von Montelbon
Im Ansitz Montelbon wurde vor vielen Jahren bei Fensterreparaturarbeiten im ersten Stock der obere Teil eines Inschriftblocks aus weißem Marmor gefunden, der lange unbeachtet im Hause liegen blieb. Im Frühjahr 1954 wurde schließlich in der gegenüberliegenden Sennerei bei der Anlage eines neuen Betonbodens der untere, genau anpassende Teil dieses Steines entdeckt. Der insgesamt 34 cm hohe Steinblock trägt eine nur unvollständig erhaltene und schwer lesbare Inschrift.
Bad Egart
Bad Egart, dessen Bezeichnung sich vom mhd. Flurnamen Egart ableitet, wurde 1430 ersturkundlich erwähnt.Eintrag bei der Südtiroler Agentur für Umwelt im 18. Jahrhundert ist von „Badhaus mit Schwefelwasser, Kapelle und Behausung … Kupferwasser und kühles Trinkwasser“ die Rede. 1730 wurde das Badhaus von Joseph Joachim von Wolfenthal zu Spauregg und Gaudententurm neu errichtet und ausgestattet, daran erinnern auch das Datum im Brunnentrog aus Stein sowie die Marienkapelle. Eine Blütezeit erlebte das Bad, als 1906 die Eisenbahnlinie eröffnet wurde und der damalige Besitzer kostenlos den Grund für den Bahnhof zur Verfügung stellte. Peter Mitterhofer trat abends als „Sänger, Musikant, Tonkünstler und Bauchredner“ auf. Drei Quellen entspringen beim Bad Egart, eine 12 °C warme radioaktive Schwefelquelle, die im September versiegt und im Frühjahr erneut sprudelt. Etwas westlich davon entspringt die Eisenquelle und oberhalb im Birkenwäldchen die Mineralquelle, inzwischen offiziell getestet und heute als Mineralwasser in der Gaststube ausgeschenkt. 1956 wurde das Heilbad endgültig aufgelassen und später von Karl Platino gekauft und als historische Gaststube wiedereröffnet.
Flurnamen 2.336 Flurnamen gibt es in der Gemeinde Partschins. Diese können über das Orthofoto der Gemeindeverwaltung Partschins eingesehen werden.Flurnamen von Partschins online Unter den Toponymen gibt es einen hohen Prozentsatz von sprachwissenschaftlich interessanten vor- und alpenromanischen Namen, welche nur an der exakten dialektalen Aussprache und der entsprechend genauen Schreibweise zu erkennen sind. Die Sammlung der überlieferten Flurnamen mit 355 Erklärungen mundartlicher Ausdrücke wurde in jahrelanger Kleinarbeit zusammengetragen in die Orthofotos übertragen und 2014 auch erstmals abgedruckt.
Ortsname Das früheste Schriftzeugnis ist von 1087 und lautet „Perzins“. Die Etymologie des Wortes ist im Rätischen/Rätoromanischen zu suchen. Für die ursprüngliche Bedeutung gibt es mehrere Ansätze: pars sinus (Bergbucht, Wiesengelände), per sinum (am verwüstenden Wildbach), pratic (Wiesengelände), parricinies (umgrenztes Weidegebiet) oder ein Personenname.
Kultur und Sehenswürdigkeiten
Bauwerke Zahlreiche historische Bauwerke, vorwiegend im Dorf von Partschins sind erhalten und geschützt. Hierzu gehören Ansitze, Hofstellen, Ensembles, Bauwerke und Häuser mit historischem Hintergrund.
Sehenswert sind unter anderem der alte Dorfkern, die spätgotische Pfarrkirche St. Peter und Paul, die Stachlburg aus dem 13. Jahrhundert (heute Bio-Schlossweingut), der Waalweg. Das Schreibmaschinen-Museum im Dorf ist Peter Mitterhofer gewidmet, einem der Erfinder der Schreibmaschine, der in Partschins geboren ist und gewirkt hat.Schreibmaschinenmuseum "Peter Mitterhofer" mini|Bergstation der Texelbahn 2009 wurde die Texelbahn eröffnet. Diese Luftseilbahn führt direkt an den Meraner Höhenweg im Naturpark Texelgruppe; 1970 (PDF-Datei) wurde die Seilbahn Aschbach am Nörderberg eröffnet. In Rabland wurde am 30. Juni 2009 die größte Modelleisenbahnanlage Südtirols eröffnet. Mit dem K.u.k. Museum Bad Egart, dem ältesten Badl Tirols sind in Partschins, Rabland und auf der Töll drei unterschiedliche Museen zu besichtigen.
Pfarrkirche St. Peter und Paul St. Peter und Paul und zum heiligen Nikolaus: Die Pfarrkirche St. Peter und Paul (ehemalige Nikolauskirche) wurde erstmals 1264 urkundlich erwähnt und 1502 im spätgotischen Stil umgebaut.Weingartner S. 708. Die ehemalige Nikolauskirche: etwa im 10. Jahrhundert auf eine frühere kleine Kirche – nach ost-west ausgerichtet – in romanischem Stil, teilweise aus Quadrater Marmor erbaut und zu Ehren des heiligen Nikolaus geweiht; die ursprüngliche Kirche dient heute als Krypta und Aufbahrungsraum und die heutige Sakristei ist noch Bestandteil der alten aus dem 14. Jahrhundert. Im 16./17. Jahrhundert wurde die Kirche vergrößert und im 18. kamen die neuen großen Altäre hinzu. Der Hochaltar zeigt oben den heiligen Nikolaus, weiter unten stehen Petrus und Paulus und unten seitlich die Heiligen Valentin und Vigilius. Die Seitenaltäre sind dem Herzen Jesu geweiht und der Schmerzhaften Muttergottes gewidmet. Die Kanzel ist erst vor etwa 110 Jahren eingebaut worden, und in der seitlichen Frauenkapelle, „Unsere Liebe Frau“ aus dem Jahr 1350, befindet sich der wunderschöne Marienaltar sowie der Engel vom Pestaltar. Eine sehr wertvolle Figurengruppe des Marientodes von Jörg Lederer († 1550) aus Kaufbeuren, einziger noch erhaltener Bestandteil des ursprünglichen spätgotischen Altares, ist im Presbyterium aufbewahrt.
St. Helena auf der Töll Gotischer Bau, erstmals 1416Weingartner S. 711. urkundlich erwähnt. Im Inneren der Kirche befinden sich eine Statue der Hl. Helena, zwei neugotische Altäre, dem Hl. Nepomuk und dem Hl. Valentin geweiht, sowie ein Kruzifix aus dem 17. Jahrhundert.
Rätische Siedlung