Julius Talbot Konrad KellerGeburtsanzeige, Aachener Anzeiger vom 23. Dezember 1890, Seite 9 Deutsches Zeitungsportal, auch Jules Talbot KellerWulf Kirsten: Keller, Julius (Jules) Talbot in: Wilhelm Kosch: Deutsches Literatur-Lexikon. Biographisch-bibliographisches Handbuch, 3. Auflage 1968 ff., Band 8 Hohberg-Kober. De Gruyter, Berlin/Boston 1981. DOI Spalte 1036., (* 21. Dezember 1890 in Aachen; † 16. Mai 1946 ebenda) war ein deutscher Jurist, Landwirt und expressionistischer Lyriker.

Familie mini|Gut Eich, Eupener Straße 138 (früher 124) Die Großeltern väterlicherseits waren der Regierungsrat Otto Keller (* 13. November 1828; † 6. April 1885) und Juliane Talbot (* 11. Juni 1846; † 20. April 1895),Eintrag Juliane Talbot in Familienbuch Euregio Online die Enkelin des Gründers der Waggonfabrik Talbot in Aachen, Johann Hugo Jacob Talbot (1794–1850). Dieser Ehe entsprang der Sohn Julius Talbot Keller (der Ältere) (* 19. Dezember 1867; † 31. März 1934),Todesanzeige Juliane Kufferath, verwitwete Keller, im Aachener Anzeiger vom 20. April 1895, Seite 6 Deutsches Zeitungsportal in dessen Vornamen die mütterliche Linie weiterleben sollte. 1890 gründete Julius zusammen mit Conrad Scheuten die Offene Handelsgesellschaft Scheuten & Cie. in Aachen,Nachricht im Aachener Anzeiger vom 13. März 1890, Seite 3 Deutsches Zeitungsportal ab 1892 in Düsseldorf Kölnische Zeitung vom 17. Februar 1892, Seite 7 Deutsches Zeitungsportal. Etwa zur selben Zeit heiratete er Sibylla (Sibila) Scheuten († 19. August 1942),Todesanzeige Sibylla Keller in Aachener Anzeiger vom 21. August 1942, Seite 4 Deutsches Zeitungsportal vermutlich Schwester oder Tochter des Kompagnons.

Die Geburtsanzeige von Julius Talbot Konrad Keller (der Jüngere) vom Dezember 1890 endet mit „Sohn von Julius Keller, Kaufmann, Villa Eich“. Dieses Gut Eich in der Eupener Straße 124 (inzwischen Nr. 138) ist ein im 18. Jahrhundert errichtetes, Laurenz Mefferdatis zugeschriebenes imposantes Herrenhaus.Haus Eich als Dach: Neue Bestimmung für Bistumsgebäude, in: Aachener Zeitung vom 18. Januar 2007 Vater Julius zog sich früh aus der Handelsgesellschaft zurück; das Adressbuch bezeichnet ihn schon 1899 als „Rentner“Adressbuch für Aachen und Umgebung 1899, Seite 191 (in der Bedeutung von Privatier), der zunächst am Obstbau Gefallen fandErster Beleg: Gartenbauverein zu Aachen Burtscheid. Diplom für hervorragende Leistungen in der Anzucht schöner Früchte. In Aachener Anzeiger vom 22. November 1892, Seite 6 Deutsches Zeitungsportal und sich später als „Gutsbesitzer“Adressbuch für Aachen und Umgebung 1922, Seite 126Aachener Adressbuch: unter Benutzung amtlicher Quellen für 1929, Seite 165 der Pferdezucht widmete, aber auch öffentliche Wirkung entfaltete. Er wurde Mitglied der Prüfungskommission für Hufschmiede,Ernennungsdekret im Aachener Anzeiger vom 18. Januar 1901, Seite 2 Deutsches Zeitungsportal Vorsitzender des Pferdezuchtvereins Aachen-Geilenkirchen,Vereinsnachrichten im Aachener Anzeiger vom 18. Juli 1902, Seite 4 Deutsches Zeitungsportal Vorstandsmitglied der Landwirtschaftskammer für die Rheinprovinz,Mitteilung in Aachener Anzeiger vom 14. Dezember 1919, Seite 1 Deutsches Zeitungsportal Revisor der Armenkasse der Stadt Aachen.Bekanntmachung in Aachener Anzeiger vom 10. Januar 1902, Seite 2 Deutsches Zeitungsportal Er war reich und spendete mehrfach große Beträge für gemeinnützige Zwecke.Spender für die Nationalflugspende: Gutsbesitzer Julius Keller 1000 Mark. In Aachener Anzeiger vom 11. Mai 1912, Seite 4 Deutsches ZeitungsportalSpender für das Rote Kreuz: Julius Keller 5000 Mark. In Aachener Anzeiger vom 12. August 1914, Seite 6 Deutsches Zeitungsportal Nach seiner TodesanzeigeTodesanzeige Julius Talbot Keller, Kölnische Zeitung vom 3. April 1934, Seite 12 Deutsches Zeitungsportal war er auch Rittmeister der Landwehr gewesen.

Leben Der jüngere Julius Talbot Keller war Schüler des Kaiser-Wilhelm-Gymnasiums in Aachen, wo er zu einem Freundeskreis literaturbegeisterter Schüler um Karl Otten gehörte, der sich später erinnerte:

Otten, Hasenclever und Julius Talbot Keller gaben 1910 im Verlag Fölschle den Aachener Almanach heraus.

mini|Verlag Die Aktion, Anzeige für 1914-1916. Eine Anthologie. „Julius Talbot Keller türmt die Teufel des Infernos zu Goya-Versionen, aus denen ein Greco-Engel den ‚Pfad der Erlösung‘ führt.“ (Max Herrmann) Keller studierte ab 1910 Jura an der Universität Heidelberg und wurde 1913 zum Doktor jur. promoviert.Wulf Kirsten (Hrsg.): »Beständig ist das leicht Verletzliche« Gedichte in deutscher Sprache von Nietzsche bis Celan Ammann Verlag, Zürich 2010, ISBN 978-3-250-10535-0. Seite 415 und 993Paul Raabe: Keller, Julius Talbot in: derselbe: Die Aktion. Bio-Bibliographischer Anhang zu den Jahrgängen 5–8 (1915–18) Internet Archive Seite 36–37 Während der Studienzeit knüpfte er Kontakte zu den Rheinischen Expressionisten, also den Malern um August Macke, Ernst Moritz Engert, Heinrich Nauen und Franz Seraph Henseler. Er kaufte Bilder von Henseler und Nauen, und war häufiger Besucher im Schloss Dilborn, Wohnsitz von Marie von Malachowski-Nauen und Heinrich Nauen von 1911 bis 1931.Denise Steger: Die Rheinischen Expressionisten Portal Rheinische Geschichte (LVR)

Bereits vor dem Krieg war er, väterlicher Tradition entsprechend, Dragonerleutnant der Reserve geworden. Am 6. September 1914, kurz nach Ausbruch des Krieges, verlobte er sich mit Thilda (Mathilde) Rasch.Verlobungsanzeige Thilda Rasch und Julius Keller. In Aachener Anzeiger vom 6. September 1914, Seite 3 Deutsches Zeitungsportal Danach wurde er eingezogen, dem Stab des Reserve-Infanterie-Regiments 110 zugeordnet, und bereits im November 1914 mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet.Nachricht in: Echo der Gegenwart, 24. November 1914, Seite 4 Deutsches Zeitungsportal Den Schrecken des maschinellen Krieges bewältigte er mit expressionistischer Lyrik, die ab 1916 in der Zeitschrift Die Aktion, herausgegeben von Franz Pfemfert, veröffentlicht wurde. Auch in Pfemferts Anthologie 1914–1916 und in Das Aktionsbuch (1917) wurden seine Gedichte aufgenommen. Als der Aktionsverlag 1918 in der Reihe Der rote Hahn dem „Frontdichter“ als Nummer 23 ein eigenes Heft Durchblutung widmete, war Julius Talbot Keller bereits aus gesundheitlichen Gründen vom Dienst freigestellt worden. Er hielt sich 1917/18 in der Schweiz auf, wo er neue Verbindungen zu Dichtern und Künstlern anknüpfte.

mini|Verlag Die Aktion, Anzeige für die Buchreihe Der rote Hahn, circa 1919. Band 23: Jules Talbot Keller: Durchblutung. Nachdem am 9. November 1918 die deutsche Monarchie gestürzt worden war, erschien im darauffolgenden Heft 45/46 der Aktion als Leitartikel ein Aufruf der Antinationalen Sozialisten-Partei (A.S.P.) Gruppe Deutschland. Das Manifest endete mit „Nieder mit den Vaterländern! (…) Es lebe das grenzpfahllose Land der arbeitenden Menschheit! Hoch die sozialistische Weltrevolution!“ und war unterzeichnet von Ludwig Bäumer, Albert Ehrenstein, J. T. Keller, Karl Otten, Franz Pfemfert, Heinrich Schaefer, Hans Siemsen, Carl Zuckmayer.Aufruf der Antinationalen Sozialisten-Partei (A. S. P.) Gruppe Deutschland, in: Die Aktion. 8. Jahrgang, Heft 45/46, 16. November 1918, Spalte 583–586 Internet Archive

Julius Talbot Keller, im Manifest nur Mitunterzeichner, bestätigte seinen revolutionären Elan mit seinem im folgenden April im ersten Heft der Zeitschrift Der Gegner erscheinenden Pamphlet Was sind Revolutionen? (Herausgeber der im Malik-Verlag erscheinenden Bilder zur Kritik der Zeit – so der Untertitel – waren Julian Gumperz und wieder einmal Karl Otten.) Dieses Glanzstück pathetischer Prosa ist exemplarisch für die Umbruchstimmung 1918/19 und beginnt folgendermaßen:

Am 8. Januar 1920 wurde der Sohn Othmar (Ottomar) geboren, und zwar in Lugano,Geburtsanzeige Sohn Ottomar. In: Kölnische Zeitung vom 16. Januar 1928, Seite 10 Deutsches Zeitungsportal wo Julius Talbot Keller damals mit seiner Frau lebte. In den späteren 1920er Jahren lebte er wieder in Aachen und arbeitete einige Jahre als Architekt. (Details waren nicht ermittelbar). Er scheint wohlhabend gewesen zu sein und trat nach wie vor als Kunstsammler in Erscheinung. Eine kunsthistorische Studie bezeichnet ihn in diesem Zusammenhang als „Aachener Industriellen (…) der bevorzugt Werke von Nauen und Henseler sammelte“.

1930 wurde er – wahrscheinlich durch die Wirtschaftskrise bedingt – Landwirt, und zwar entweder im Kreis Jülich oder auf dem väterlichen Gut im Kreis Jülich oder auf einem benachbarten Hof in der Eupener Straße 138. (Die Angaben sind widersprüchlich). Jedenfalls übernahm er 1934 nach dem Tod des Vaters dessen Gut Eich. Ein Gedichtband Träume zwischen Tag und Tod entstand zwischen 1938 und 1946, blieb aber unveröffentlicht.

Julius Talbot Keller starb nach langer Krankheit am 16. Mai 1946 und wurde am Westfriedhof II in Aachen begraben. In der Anthologie »Beständig ist das leicht Verletzliche« ist Julius Talbot Keller mit dem Gedicht Präzisionsschießen (1916)Franz Pfemfert (Hrsg.): Die Aktions-Lyrik. Band 1: 1914–1916. Eine Anthologie. Verlag der Wochenschrift Die Aktion, Berlin-Wilmersdorf, 1916 vertreten.

Werke

Vier Zeilen von Julius Talbot Keller mini|Malik-Verlag Berlin, Anzeige für Der Dada, Die Pleite, Der Gegner, 1919. Im Gegner erschien Jules Talbot Kellers Was sind Revolutionen? Aus: Präzisionsschießen Nacht preßt wie Sargdeckel auf die gedunsenen Bäuche der toten Hügel, durch deren Hautschorf im Zickzack Aaskäfer Gänge fraßen, die phosphoreszieren. Graue Mikroben wimmeln in den Bohrlöchern der Verwesung, und Fäulnis leuchtet aus hoffnungslosen Unterständen. In Minenstollen raspelt der Wurmfraß und gärende Därme werden den Gasdruck nicht mehr lange binden. Dann werden wir fliegen wie Gliederpuppen, die ein zankendes Kind schmeißt, kreuzförmig und den Kopf nach unten.

Monographien Budgetrecht und Organisationsgewalt [Juristische Dissertation Heidelberg 1916] Verlag Rössler & Herbert, Heidelberg 1916. Inhaltsübersicht Durchblutung [Gedichte] (Der Rote Hahn, Heft 23). Verlag Die Aktion, Berlin-Wilmersdorf, 1918. Nachdruck: Kraus Reprint, Nendeln/Liechtenstein, 1973. Träume zwischen Tag und Tod. Gedichte 1938–1946. Unveröffentlicht.

Beiträge zu Zeitschriften Was sind Revolutionen? [Pamphlet] (Der Gegner / Streitschrift des Gegners, Heft 1) Joest, Halle 1919 Blue Mountain Seite 16–20. auch in Der Friede 2. Jahrgang 1919, Heft 64, 11. April 1919. in Die Aktion. Wochenschrift für Politik, Literatur und Kunst: Beiträge 1916 in Nr. 1/2 und 9/10, 1918 in Nr. 1/2, 25/26 und 31/32, 1919 in Nr. 30/31. Aufruf der Antinationalen Sozialisten-Partei 1918 in Nr. 45/46 vom 16. November 1918 Internet Archive Spalte 583–586. Die in einer Quelle erwähnten Beiträge zu Die weißen Blätter sind nicht identifizierbar.

Beiträge zu Anthologien Franz Pfemfert (Hrsg.): Die Aktions-Lyrik. Band 1: 1914–1916. Eine Anthologie. Verlag der Wochenschrift Die Aktion, Berlin-Wilmersdorf, 1916. Internet Archive Seite 49–58 (Gedichte Präzisionsschießen, Die FrontGertrude Cepl-Kaufmann: Schriftsteller und Krieg – Dafür oder dagegen? Der Erste Weltkrieg als Gretchenfrage, Erwähnung und Auszug aus Die Front von Julius Talbot Keller auf literaturkritik.de vom 21. November 2016, Der Pfad der Erlösung). Franz Pfemfert (Hrsg.): Das Aktionsbuch. Verlag der Wochenschrift Die Aktion, Berlin-Wilmersdorf, 1917. Internet Archive Seite 237 (Gedicht Präzisionsschießen).

Einzelnachweise

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