mini|Ernährungspyramide des United States Department of Agriculture (2026)

Eine Ernährungspyramide (teilweise auch Lebensmittelpyramide genannt) ist eine pyramidenförmige Ernährungsempfehlung, in der jene Mengenverhältnisse von Lebensmittel­gruppen repräsentiert sind, die für eine gesunde Ernährung des Menschen empfohlen werden. Im breitesten Teil der Pyramide sind die mengenmäßig zu bevorzugenden, an der Spitze die in geringerer Menge zu verzehrenden Nahrungsmittel eingetragen, so dass das ungefähre Verhältnis augenfällig dargestellt wird.

Die erste bekanntere Ernährungspyramide war die des United States Department of Agriculture (USDA), welche inzwischen mehrfach angepasst wurde. Ihr Aufbau ist umstritten und auch andere staatliche und nichtstaatliche Organisationen vieler Länder gaben und geben Empfehlungen in Form von Ernährungspyramiden heraus. Neben den USA und der WHO sind dies alleine in Europa mehr als ein dutzend Länder bzw. Organisationen.

Ziele der Empfehlung Ursprünglich war das Ziel der pyramidenförmigen Empfehlungen für eine gesunde Ernährung nur eine quantitativ ausreichende Versorgung mit Lebensmittelbestandteilen, typischerweise Proteine, Kohlenhydrate, Fette, Vitamine und Mineralstoffe. Später wurden Pyramiden veröffentlicht, deren Gesundheitsziele darüber hinausgingen und qualitative Wertungen von Lebensmitteln beinhalteten (über die hierarchische Stufe der Platzierung), motiviert z. B. über den Zusammenhang von Ernährungsweisen und Krankheitshäufigkeiten.

Ernährungspyramiden Erste Ernährungspyramiden Möglicherweise ist die Idee, in Form einer Ernährungspyramide quantitativ eine Ernährungsempfehlung abzugeben, eine schwedische Erfindung der Kochbuch­autorin Anna Britt Agnsäter, welche 1974 staatlich verbreitet wurde. 10. März 2008.

Ernährungspyramide des United States Department of Agriculture

mini|Ernährungspyramide des United States Department of Agriculture (1992) mini|Ernährungspyramide des United States Department of Agriculture (2004); das sechste schmale gelbe Segment steht für Öle und Fette mini|MyPlate des United States Department of Agriculture

Die erste Ernährungspyramide des USDA, herausgegeben 1992, basierte selbst auf einer Veröffentlichung des FDB in Dänemark 1978 und wurde eingeführt, um das ältere nahrungsmittelgruppenbasierte Empfehlungssystem zu ersetzen.Advisory Committee on the Dietary Guidelines for Americans. 1995. Sie erreichte eine weite Verbreitung und Bekanntheit bei den Verbrauchern und war der Prototyp vieler anderer pyramidenförmiger Veröffentlichungen in anderen Ländern.

Die Ernährungspyramide des USDA 2004, genannt MyPyramid, besteht aus sechs Lebensmittelgruppen und gab die hierarchische Präsentation dieser auf. Sie werden nun fächerförmig, flächenproportional zu den empfohlenen Mengen nebeneinander präsentiert.Department of Health and Human Services und Department of Agriculture. 2005. P. Britten, J. Haven, C. Davis: Consumer research for development of educational messages for the MyPyramid Food Guidance System. In: Journal of Nutrition Education and Behavior. 38, (6) Sup. 1, 2006, S. S108–S123, doi:10.1016/j.jneb.2006.08.006. Außerdem werden keine allgemeinen absoluten Portionsangaben mehr genannt (Portions/Servings), sondern nur relative Mengen gezeigt. Ergänzend wird eine individualisierte Variante mit absoluten Portionsangaben angeboten, die auf Basis von Geschlecht, Alter, Gewicht und körperlicher Fitness generiert wird. – individualisierte Pyramide, USDA.gov (englisch, 2011)

Am veröffentlichte die USDA die MyPlate als Ablöse für die Ernährungspyramide. Kritiker werfen der MyPlate vor, dass sie ebenso wie die MyPyramid von der Lebensmittelindustrie beeinflusst wurde und nicht den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen gerecht wird. In Folge wurde von der Universität Harvard die entwickelt.

Am veröffentlichte die US-Regierung ihre New Food Pyramid als neue Fassung der Ernährungspyramide. Die Pyramide stellt Proteine – darunter auch Fleisch und Milchprodukte – ebenso wie Gemüse und Obst in den Vordergrund und betont die Empfehlung, Zucker und hochverarbeitete Lebensmittel zu meiden. Grafisch ist die Pyramide im Vergleich zu verangehenden Fassungen auf dem Kopf dargestellt: Der breiteste Teil der Pyramide ist oben platziert, die Spitze unten.

Ernährungspyramide der WHO Europa CINDI dietary guide Im Jahr 2000 gab das WHO Regionalbüro für Europa die CINDI dietary guide im Rahmen des CINDI (Countrywide integrated noncommunicable disease intervention) Programms heraus, die eine Lebensmittelpyramide beinhaltete. Sie ist aus drei hierarchischen Ebenen mit vier Lebensmittelgruppen aufgebaut, zusätzlich wird eine Ampel-Farbcodierung von grün (unten) zu rot verwendet. Basis bildet eine Kohlenhydratträger/Gemüse/Obst Gruppe, in der zweiten Ebene befinden sich die beiden Gruppen Milchprodukte und Proteine (tierische und pflanzliche) und die Spitze bilden stark zucker- und fetthaltige Lebensmittel.

Ernährungspyramide der Deutschen Gesellschaft für Ernährung Dem Vorbild der USA folgend veröffentlichten andere Länder in den folgenden Jahren teilweise angepasste Versionen der Ernährungspyramide des USDA. Für Deutschland tat das die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) auf Basis ihres seit den 1950ern existierenden und Vollwertkost propagierenden Ernährungskreises.

mini|Ernährungspyramide nach den Empfehlungen der DGE (nach 1992, aktuell bis 2005) In der Ernährungsempfehlung der DGE (nach 1992) stehen an erster Stelle die Getränke, vor allem Wasser. Man sollte täglich mindestens 1,5 Liter trinken. An der Basis stehen die Grundnahrungsmittel, die langkettige Kohlenhydrate (Stärken) enthalten, wie Brot, Reis und Nudeln. Auf der nächsthöheren Ebene befinden sich Gemüse, worunter auch Hülsenfrüchte fallen und Obst, wobei Obst teilweise durch Nüsse ersetzt werden kann. Die dritte Stufe beinhaltet Proteine und eiweißhaltige Nahrungsmittel wie Milch und Milchprodukte einerseits sowie Fleisch, Fisch, Geflügel, und Eier andererseits. An der Spitze der Pyramide sind Zucker und Fette wie Pflanzenöle zu finden, von denen nur wenig konsumiert werden sollten.

2005 veröffentlichte die DGE eine Pyramide, in der Gemüse und Obst zusammen die kohlenhydrathaltigen Lebensmittel als größte Lebensmittelgruppe verdrängt hatten: 30 % Kohlenhydrat-Gruppe, 26 % Gemüse, 17 % Obst, 18 % Milchprodukte, 7 % Tierische Proteine (Fleisch, Fisch, Ei etc.), 2 % Öle und Fette. Durch eine komplexere drei-dimensionale Pyramidenrepräsentation wird nun außerdem eine in Quantität und Qualität differenzierte Ernährungsempfehlung vorgenommen. Eine Studie über die Effektivität dieser komplexen 3D-Präsentation bei der Vermittlung von Empfehlungen wurde durchgeführt und ergab im Mittel aus 42 Probanden 80 % korrekte Antworten zu der Pyramide.Evaluationsstudie zum Einsatz und Nutzen der Dreidimensionalen Lebensmittelpyramide in der Ernährungsbildung und -beratung (Peer-Review-Verfahren) – Universität Flensburg, Ulrike Johannsen u. a. (12. August 2009) Laut DGE entspricht eine flexitarische Ernährung den Empfehlungen der Fachgesellschaft.Deutschland nimmt Abschied vom Fleisch. In: Die Welt. 12. Mai 2015.

Ernährungspyramide des Österreichischen Bundesministeriums für Gesundheit mini|7-stufige Ernährungspyramide des Österreichischen Bundesministeriums für Gesundheit (2010)

Das österreichische Bundesministerium für Gesundheit veröffentlichte im März 2010 eine Ernährungspyramide mit folgenden Empfehlungen: Täglich min. 1,5 Liter Wasser und alkoholfreie bzw. energiearme Getränke. Täglich 3 Portionen Gemüse oder Hülsenfrüchte und 2 Portionen Obst. Täglich 4 Portionen Getreide, Brot, Nudeln, Reis oder Erdäpfel (5 Portionen für sportlich Aktive und Kinder) – vorzugsweise Vollkorn. Täglich 3 Portionen fettarme Milch und Milchprodukte. Pro Woche 1–2 Portionen Fisch. Pro Woche maximal 3 Portionen fettarmes Fleisch oder fettarme Wurstware. Pro Woche maximal 3 Eier. Täglich 1–2 Esslöffel pflanzliche Öle, Nüsse oder Samen. Streich-, Back- und Bratfette und fettreiche Milchprodukte sparsam. Fett-, zucker- und salzreiche Lebensmittel und energiereiche Getränke selten. In der 7-lagigen Pyramide wird feiner zwischen tierischen und pflanzlichen Fettquellen differenziert, außerdem bildet die Basis hier Obst und Gemüse, kohlenhydrathaltige Lebensmittel sind eine Stufe höher angesiedelt. Eine wissenschaftliche Quelle für diese Pyramide wurde vom BfG nicht angegeben.

Schweizer Lebensmittelpyramide Die Schweizer Lebensmittelpyramide wurde 2024 veröffentlicht und basiert auf älteren Versionen von 2011, 2005 und 1998.Schweizerische Gesellschaft für Ernährung SGE: Schweizer Lebensmittelpyramide. 2024. (abgerufen am 12. September 2024) Herausgeber sind die Schweizerische Gesellschaft für Ernährung SGE und das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen BLV.

Die Basis der Pyramide bilden ungesüsste Getränke (z. B. Wasser, Tee). Auf der zweiten Stufe stehen Gemüse und Früchte, dann folgen auf der dritten Stufe stärkereiche Lebensmittel wie z. B. (Vollkorn-)Brot, Teigwaren, Reis, Kartoffeln, Knäckebrot und Buchweizen. In der vierten Stufe sind proteinreiche Lebensmittel zusammengefasst, einerseits Milchprodukte, anderseits z. B. Hülsenfrüchte, Tofu, Eier, Fleisch und Fisch. In der 5. Stufe stehen Nüsse und Samen sowie Öle und Fette. Zuoberst sind Lebensmittel aufgeführt, die optional und in kleinen Mengen zu geniessen sind wie Süssigkeiten, Süssgetränke, salzige Knabbereien und (nicht täglich) alkoholische Getränke.

Bei der aktuellen Version der Lebensmittelpyramide von 2024 wird Fleisch, zu Gunsten von Hülsenfrüchten, mehr in den Hintergrund gestellt. Grundsätzlich wird vom Konsum hochverarbeiteter Lebensmittel abgeraten.

Detaillierte Empfehlungen sind auf der Internetseite der Schweizerischen Gesellschaft für Ernährung SGE zu finden.

Die Empfehlungen der Schweizer Lebensmittelpyramide richten sich an gesunde Erwachsene im Alter von 18–65 Jahren. Für spezifische Alters- und Bevölkerungsgruppen (z. B. Kinder, Schwangere, Leistungssportler) sowie bei Krankheit oder einer gewünschten Gewichtsabnahme gelten teilweise andere Empfehlungen.

Die Lebensmittelpyramide ist kein starrer Ernährungsplan, sondern erlaubt ein individuelles Zusammenstellen von Lebensmitteln, Getränken und Speisen nach persönlichen Vorlieben, Abneigungen und Gewohnheiten. Die im ergänzenden Merkblatt aufgeführten Lebensmittelmengen dienen als Orientierung.

Healthy Eating Pyramid der Harvard School of Public Health Auf Grund neuerer wissenschaftlicher Erkenntnisse bezüglich der einzelnen Nahrungsmittelklassen durch neue Studien und Metastudien schlugen Walter C. Willett und Meir J. Stampfer von der Harvard School of Public Health 2003 eine neue Ernährungspyramide vor: Pflanzenöle (aus Oliven, Raps, Sojabohnen, Mais­keimen, Sonnenblumenkernen oder Erdnüssen) sind jetzt an der Basis bei den ballaststoffreichen Getreideprodukten zu finden, während geschälter Reis, Weißbrot, Kartoffeln und Nudeln sowie Butter und rotes Fleisch an der Spitze, also bei den nur in geringen Mengen zu verzehrenden Nahrungsmitteln, stehen.

Beim Fleisch wird zwischen Geflügel und rotem Fleisch differenziert, wobei Geflügel als gesünder gilt und dementsprechend häufiger gegessen werden soll. Geflügel, Fisch und Nüsse sollen die Hauptquellen von Eiweiß sein, während rotes Fleisch und Käse möglichst selten gegessen werden sollen. Die Autoren räumen aber auch hier gewisse Unsicherheiten über den Zusammenhang von Essgewohnheiten und Gesundheit ein.Walter C. Willett u. a.: Eat, Drink, and Be Healthy: The Harvard Medical School Guide to Healthy Eating. Simon & Schuster, New York 2001, ISBN 0-684-86337-5.Walter C. Willett, Meir J. Stampfer: In: Spektrum der Wissenschaft. Nr. 3, 2003, S. 58–63.Walter C. Willett: Overview and perspective in human nutrition. In: Asia Pac J Clin Nutr. Band 17, 2008, S. 1–4, PMID 18296289