mini|hochkant=1.4|Sogenannter Marktturm am Kitzinger Rathaus Die ehemalige Kitzinger Stadtbefestigung umgab die Altstadt der unterfränkischen Stadt Kitzingen, von ihr sind vereinzelte Türme, Mauerabschnitte und Grabenreste erhalten. Die Kitzinger Stadtbefestigung, eine der ältesten in Unterfranken, bestand bereits im Hochmittelalter. Im 15. Jahrhundert wurde die Stadt mit einem zweiten Mauerring umgeben.
Im Nordosten verlief jenseits des Mains die Etwashäuser Ortsbefestigung um den Kitzinger Vorort Etwashausen, sie bildete eine wehrtechnische Einheit mit den Anlagen Kitzingens, wurde jedoch nicht von den Kitzingern unterhalten.
Geschichte Bau der Befestigungen Die Entstehung der Kitzinger Stadtbefestigung ist mit der Entwicklung der Kernstadt verbunden. Als „oppidum“, also Stadt, wurde Kitzingen im Jahr 1280 erstmals erwähnt und im Jahr 1300 wurde die örtliche Mainbrücke genannt. Insbesondere der Schutz der Zugänge zu dieser Brücke veranlasste den Bau der Schutzanlage.
Der Umfang der Kernstadt ist noch im Straßenbild ablesbar. Die Stadt endete (von West nach Ost) an der Kaiserstraße, der Prinzregent-Luitpold-Straße, an der Straße Am Stadtgraben, der Kapuzinerstraße und der Schrannenstraße.Erich Schneider: „Kitzing am Mayn, darüber da ein starcke steinerne Bruck gehet“. Bilder und Beschreibungen der Stadt Kitzingen von den Anfängen bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts (Kitzinger Museumsschriften Bd. 2). Kitzingen 2007. S. 24.
Kitzingen war im 14. Jahrhundert von einem einfachen Mauerring umgeben, dem ein Grabensystem vorgelagert wurde. Durch ihn führten fünf Tore. Topographisch ragt das Brückentor heraus als Barriere zwischen Main und Mainbrücke. Auf die Verbindung mit dem frühmittelalterlichen Benediktinerinnenkloster verweist das Klostertor im Norden der bürgerlichen Stadt. Die Stadt war schon im Hochmittelalter nicht auf das durch die Mauern umgrenzte Areal begrenzt. Vielmehr siedelten sich auch entlang der Einfallstraßen außerhalb des ersten Befestigungsrings immer wieder Menschen an. mini|Vogelschau auf Kitzingen im Jahr 1628, Georg Martin Es dauerte bis ins 15. Jahrhundert, bis die Vorstädte in die Wehranlagen einbezogen wurden. Dies beruhte auf dem Herrschaftswechsel nach der Verpfändung Kitzingens an die Markgrafen von Brandenburg-Ansbach im Jahr 1443. Zwischen 1450 und 1500 ließen die Markgrafen die Stadt Kitzingen vollständig mit einer Ringmauer umgeben, die außerhalb der ehemaligen Vorstädte verlief. Dazu wurden einzelne Hofstellen zusammengeführt und teilweise verlegt. Die geschützte Siedlungsfläche verdoppelte sich dadurch.Dieter Böhn: Die geographische Entwicklung Kitzingens. In: Helga Walter (Hrsg.): apud Kizinga monasterium. 1250 Jahre Kitzingen am Main ( Schriften des Stadtarchivs Kitzingen Bd. 4). Kitzingen 1995, ISBN 3-921327-25-3. S. 60.
Zur gleichen Zeit begann auch die Befestigung auf der gegenüberliegenden Mainseite. Etwashausen gehörte schon immer zu Kitzingen und war über die Mainbrücke mit ihm verbunden. Die Befestigung hatte dort allerdings nie den wehrtechnischen Stand von Kitzingen, denn an einigen Stellen schützten lediglich Hecken und Gräben die Ansiedlung. Unterhalten wurde die Vorortbefestigung von der Bevölkerung von Etwashausen. Etwashausen hatte drei Tore, das jüngste und sogenannte Neue Tor entstand im Jahr 1565.
Die Befestigung der Stadt Kitzingen wurde zwar von der Herrschaft angeregt, die Baukosten musste allerdings die Stadtgesellschaft tragen. Der Rat der Stadt war auch für die Ausrüstung der Bürgermilizen zuständig, die entlang der Mauer patrouillierten. Bereits in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts, 100 Jahre nach dem Bau der Anlagen, waren auf einem Aquarell des Malers Georg Martin Lücken in der vollständig aus Stein geschaffenen Befestigung aus Stein sichtbar. Vom Schloss im Süden der Anlage, das wohl von Markgraf Casimir im Jahr 1526 in Auftrag gegeben worden war, standen nur die Grundmauern.
Niedergang und Abriss Das Aquarell, das sich am tatsächlichen Erscheinungsbild Kitzingens im Jahr 1628 orientierte, gibt einen guten Überblick über die Anlage. Lediglich der Mauerabschnitt entlang des Mains erscheint darauf vollständig intakt. Die Tore der Stadt dienten nicht nur der Verteidigung, sondern waren auch als Zollstellen von großer wirtschaftlicher Bedeutung. Auf der von Nürnberg kommenden Mainroute gelangten die meisten Waren in die Stadt. Sie wurden hier verzollt. Die innere Stadtmauer, die ihre Bedeutung mit der Erweiterung verloren hatte, bestand nur noch an einigen Stellen und war stückweise bereits überbaut worden.
Der Unterhalt der starken Befestigungsanlagen überforderte die Stadtgesellschaft Kitzingens schnell. Hinzu kam die Verbesserung der Kriegstechnik. Einem Geschütz konnte die Stadtmauer nicht standhalten. Im Dreißigjährigen Krieg wurden viele mittelalterliche Befestigungen kampflos eingenommen, weil eine Verteidigung aussichtslos gewesen wäre. Dagegen stieg in der Folgezeit die wirtschaftliche Bedeutung der Stadtmauern. Die Tore waren die einzigen Punkte, an denen Waren in die Stadt gelangen konnten. Da der Zugang kontrolliert wurde, hatten sie auch einen wichtigen seuchenpolitischen Nutzen.
Erst im 19. Jahrhundert durchbrach man die geschlossene äußere Stadtbefestigung. Um das Wachstum der Stadt nicht zu behindern, wurden ab 1864 in kurzer Zeit die Reste der mittelalterlichen Verteidigungsanlagen fast überall entfernt. Durch Zuschütten der Stadtgräben konnte sich die Stadt nunmehr auch vor die Ummauerungen ausbreiten. Einige der ehemaligen Grabenbereiche wurden zu Parks. Eine solche Anlage hat sich heute noch zwischen Neuer Mainbrücke und Falterturm im Süden der Altstadt erhalten.Dieter Böhn: Die geographische Entwicklung Kitzingens. In: Helga Walter (Hrsg.): „apud Kizinga monasterium“. 1250 Jahre Kitzingen am Main (= Schriften des Stadtarchivs Kitzingen Bd. 4). Kitzingen 1995, ISBN 3-921327-25-3. S. 62.
In der Stadt Kitzingen stehen heute nur noch wenige Überreste der ehemaligen zwei Befestigungsanlagen. Lediglich im Süden und Westen der äußeren Stadt haben sich einzelne Türme, ein einzelner Mauerabschnitt und der Grabenbereich erhalten. Die beiden erhaltenen Türme Marktturm (innere Befestigung) und Falterturm (äußere Befestigung) sind heute Wahrzeichen Kitzingens. Insbesondere der Falterturm mit seiner schiefen Haube bildet das emblematische Erkennungszeichen der Stadt. Er wird auf dem Hinweisschild auf Kitzingen an der Bundesautobahn 7 abgebildet. Die Überreste der Stadtbefestigung werden als Baudenkmal eingeordnet, die untertägigen Überreste der Anlagen sind als Bodendenkmäler vermerkt.
Tore Von den historischen Toren der beiden Kitzinger Stadtbefestigungen haben sich heute keine Überreste mehr erhalten. Die Türme verschwanden bereits vor 1825, lediglich zwei Anlagen waren in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts noch vorhanden. Kitzingen besaß aufgrund seiner Größe insgesamt zehn Tore, von denen fünf die Zugänge zur inneren Stadt bildeten und fünf durch die äußere Befestigung führten. Das Aussehen der Tortürme ist auf einem Aquarell von Georg Martin überliefert. Neben den Toren dürfte es Pforten in der Stadtmauer gegeben haben, die von den Einheimischen genutzt wurden. In einer Beschreibung der Stadt Kitzingen nannte der Künstler Salomon Codomann beispielsweise die „Vordere Pförd“, die am westlichen Ende der heutigen Schweizergasse zu finden war.
Innere Stadtbefestigung Inneres Brückentor mini|Mainbrücke und Brückentor vor der Kitzinger Pfarrkirche auf einer Pergamentzeichnung des 18. Jahrhunderts Das innere Brückentor bildete das wichtigste Tor innerhalb der Kitzinger Stadtbefestigung. Es garantierte den auf der Ostseite der Stadt befindlichen Zugang über die Mainbrücke und wurde vom Brückenturm (auch Hoher Brückenturm) überragt. Damit stellte es den Zugang des von Nürnberg kommenden Verkehrs sicher, der an dieser Stelle verzollt wurde. Der Turm wurde im Jahr 1552 errichtet. Brückentor und -turm wurden, wie die meisten anderen Aufbauten auf der Brücke auch, im 19. Jahrhundert eingelegt. Der Turm wurde allerdings noch auf einer Schützenscheibe des Jahres 1851 abgebildet und wurde auch 1857 noch durch den Kunstmaler Joseph Walter auf einer Kitzinger Vogelschauansicht verewigt.Erich Schneider: „Kitzing am Mayn, darüber da ein starcke steinerne Bruck gehet“. Bilder und Beschreibungen der Stadt Kitzingen von den Anfängen bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts (= Kitzinger Museumsschriften Bd. 2). Kitzingen 2007. S. 153.
Auf dem Plan der Stadt Kitzingen aus dem Jahr 1628 wird der Brückenturm als Rechteckbau mit schiefergedecktem Walmdach dargestellt. Das Bruchsteinmauerwerk war sichtbar. Die Geschosse des Tores waren wohl durch Gesimse äußerlich voneinander abgegrenzt. Als Besonderheit wies der Turm eine Schlaguhr mit zwei Ziffernblätter auf, die an der stadtzugewandten Seite und in Richtung Etwashausen angebracht waren.Erich Schneider: „Kitzing am Mayn, darüber da ein starcke steinerne Bruck gehet“. Bilder und Beschreibungen der Stadt Kitzingen von den Anfängen bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts (= Kitzinger Museumsschriften Bd. 2). Kitzingen 2007. S. 42. Im 19. Jahrhundert hatte sich das Erscheinungsbild des Turmes stark verändert. Er besaß vier Geschosse und wurde von einem Zinnenkranz überragt. Das Dach des Turmes war flachgedeckt, um das Herumlaufen auf den Zinnen zu ermöglichen.
Inneres Faltertor Das innere Faltertor bildete den südwestlichen Zugang zur Stadt. Heute erinnert die Falterstraße an das Tor. Das Faltertor erhielt seinen Namen von den charakteristischen Verteidigungselementen, mit dem es ausgestattet war. Hier war ein Fallgatter zu finden, das mögliche Angreifer von einer Erstürmung der Stadt abhielt. Aus der Bezeichnung „Fall-Tor“ leitete sich später der Name Faltertor ab. Der Turm wurde 1628 als Rechteckbau mit einem Ziegelwalmdach dargestellt. Charakteristisch war der Zugang über eine Brücke, die den inneren Stadtgraben überwand. Der Turm verschwand im 18. Jahrhundert.
Klostertor Das Klostertor lag im Norden der inneren Stadt zwischen dem Marktplatz und dem Kloster, das der Anlage auch den Namen gab. Es war wohl mit einem Vorwerk ausgestattet, das sich vor dem Stadtgraben der inneren Stadt erhob. Statt eines Torbaus bestand das Tor selbst aus einem niedrigen, hausähnlichem Aufbau mit einem Renaissance-Stufengiebel. Die Anlage wurde vom hohen Marktturm überragt.
Wagtor Das Wagtor befand sich am östlichen Ende der Ritterstraße und verband die innere Stadt mit der am Main befindlichen, städtischen Waage.Erich Schneider: „Kitzing am Mayn, darüber da ein starcke steinerne Bruck gehet“. Bilder und Beschreibungen der Stadt Kitzingen von den Anfängen bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts (= Kitzinger Museumsschriften Bd. 2). Kitzingen 2007. S. 51.
Grabentor Das Grabentor war eines der sogenannten Haupttore der inneren Stadt. Seinen Namen hatte es durch die Lage am hier sehr breiten Stadtgraben erhalten. Das Grabentor war im Süden der inneren Stadtbefestigung zu finden, an der südlichen Einmündung der heutigen Kapuzinerklosterbrückenstraße. Das Tor wurde lediglich durch einen rundbogigen Torbogen gebildet, ein überragender Turm existierte nicht. Besonders eindrucksvoll muss sich die vor dem Tor erstreckende Brücke präsentiert haben. Das Grabentor war bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts bereits verschwunden.
Äußere Stadtbefestigung Äußeres Brückentor/Schützentor