mini|Der Roborowski-Zwerghamster bewohnt die Wüstensteppe Gobi und angrenzende Wüstenregionen.

Der Roborowski-Zwerghamster (Phodopus roborovskii) ist eine zu den Kurzschwanz-Zwerghamstern gehörende Art der Hamster. Er bewohnt die Wüstensteppe Gobi und angrenzende Wüstenregionen des nördlichen Chinas und der Mongolei, ist nicht im Bestand gefährdet und wird zunehmend als Heimtier gehalten.

Seine Kopf-Rumpf-Länge beträgt etwa sieben Zentimeter, das durchschnittliche Körpergewicht der Männchen etwa 23,5 Gramm und das der Weibchen etwa 20 Gramm. Das weiche Fell der Oberseite ist hellbraun bis grau, das der Unterseite weiß. Über jedem Auge befindet sich ein markanter weißer Fleck. Ein Aalstrich ist nicht vorhanden.

Der Roborowski-Zwerghamster bewohnt ausschließlich Sandgebiete mit spärlichem Pflanzenbewuchs und ernährt sich hauptsächlich von Pflanzensamen. Sein selbstgegrabener Bau besteht meist aus einer einfachen Röhre mit einer Nestkammer. Er ist ganzjährig und hauptsächlich in der Dämmerung aktiv, im Winter jedoch weniger.

Von April bis September bringen die Weibchen nach einer Tragzeit von je etwa 21 Tagen drei bis vier Würfe mit durchschnittlich 4,5 Jungtieren zur Welt. Diese sind nach etwa 19 Tagen geschlechtsreif und beginnen nach zwei Monaten sich fortzupflanzen. Die Lebenserwartung in der Natur beträgt bis zu eineinhalb Jahre.

Körpermerkmale Körpermaße mini|Jahreszeitliche Entwicklung des durchschnittlichen Körpergewichts erwachsener Roborowski-Zwerghamster

Mit einer Kopf-Rumpf-Länge von fünfeinhalb bis neun Zentimetern ist der Roborowski-Zwerghamster einer der kleinsten Hamster. Sein Schwanz ist 6 bis 14 Millimeter lang und meist kürzer als die Hinterpfoten. Deren Länge beträgt 10 bis 12 Millimeter und die der Ohrmuscheln 10 bis 15 Millimeter.Flint, 1966 („Systematik, Beschreibungen, Verbreitung“ S. 7–10).Ross, 1994 („General Characters“ S. 1). Miller bezeichnet die Pfoten als verkürzt und somit ungewöhnlich kurz und breit. Die Proportionen der Knochen zueinander seien jedoch nicht besonders abgewandelt. Zitiert in: Ross, 1994 („General Characters“ S. 1). Die Populationen der Mandschurei, der Mongolei und Shaanxis sind kleiner und besitzen andere Körperproportionen als die des Nan Shan. Zitiert in: Ross, 1994 („General Characters“ S. 1).

Das Körpergewicht des Roborowski-Zwerghamsters unterliegt jahreszeitlichen Schwankungen. Laut Feoktistowa und Meschtscherski ist es im Herbst und frühen Winter am niedrigsten. Im Dezember beginnt es stetig zu steigen, erreicht seinen Höhepunkt im späten Frühling und Sommer und nimmt im September rapide ab. Männchen wiegen durchschnittlich zwischen 20 und 28 Gramm, Weibchen sind mit 18 bis 23 Gramm etwas leichter.Feoktistowa und Meschtscherski, 2005 (S. 3, Abb. 1). Die Angaben beziehen sich auf unter halbnatürlichen Bedingungen gehaltene Hamster aus Tuwa.

+ Körpermaße verschiedener Populationen des Roborowski-Zwerghamsters Maße in Millimetern Tuwa Nan Shan Zitiert in: Ross, 1994 („General Characters“ S. 1). Shaanxi Mongolei Zitiert in: Ross, 1994 („General Characters“ S. 1, „Ecology“ S. 3). Mandschurei Zitiert in: Ross, 1994 („General Characters“ S. 1). Kopf-Rumpf-Länge 68–92 90,0 73–81 72,0 (67–76) 53–60 Länge des Schwanzes 6–12 7,0 11–14 8,2 (7–11) 7–9 Länge der Hinterpfoten 10–12   11,5–12 11,2 (10–12) 10,5–11 Länge der Ohrmuscheln 14–15 14 12–14 11,2 (10–12) 12–13     Angegeben sind die Maße des Typusexemplars. Angegeben sind die Wertebereiche von vier Exemplaren aus Yulin. Angegeben sind die Mittelwerte und Wertebereiche von vier Exemplaren. Angegeben sind die Wertebereiche von vier Exemplaren.

Fell und Farbe mini|Alter Roborowski-Zwerghamster mit struppigem Fell

Das Fell des Roborowski-Zwerghamsters ist weich und fein. Die Haare der Oberseite sind etwa neun Millimeter lang. Flint beschreibt die Oberseite der tuwinischen Population als fahlgelb mit rostfarbenem Schimmer, Satunin die der Population des Nan Shan als hellbraun und deren Körperseiten und Hinterteil als gelblich-hellbraun. Thomas gibt die Oberseite der Population Shaanxis als graubraun mit Tendenz zu beige bis hautfarben an, Allen und Sowerby beschreiben diese als hautfarben und Mori beschreibt die Oberseite der mandschurischen Population als grau. Das Unterfell ist in allen Fällen schiefergrau. Während des Fellwechsels hat das Oberfell einen grauen Anflug. Das Winterfell unterscheidet sich in Farbe, Volumen und Dichte nicht sichtbar vom Sommerfell.

Über jedem Auge befindet sich ein markanter weißer Fleck und am Ansatz jeder Ohrmuschel ein kleiner weißer Fleck. Die vordere Hälfte der Außenseite der Ohrmuscheln ist grau bis dunkelbraun, die hintere Hälfte und die Innenseite sind weiß. Der Übergang zwischen dem Fell der Oberseite und dem der Unterseite verläuft in drei Bögen über Schultern, Flanken und Hüften. Der Bereich der Schnurrhaare, die Mundgegend, die gesamte Unterseite, der Schwanz und die Gliedmaßen einschließlich der Sohlen sind mit einem dichten weißen Fell bedeckt. Bis auf einen kleinen unbehaarten Bereich an der Daumenwurzel gilt dies ebenfalls für die zusammengewachsenen hinteren und äußeren Sohlenballen. Ein Aalstrich ist nicht vorhanden.Argiropulo, 1933; Hamann, 1987. Zitiert in: Die oberen Schnurrhaare sind schwarz, die unteren weiß.Laut Ross (1994, „General Characters“ S. 1) gibt Thomas (1908) die Farbe der oberen Schnurrhaare als weiß und die der unteren als schwarz an.

Schädel

Der zierliche Schädel des Roborowski-Zwerghamsters ist 20 bis 24 Millimeter lang. Das Zwischenscheitelbein hat die Form eines gleichschenkligen Dreiecks. Die Schnauze ist schlank, die Nasenbeine sind schmal und etwa acht Millimeter lang. Die Länge des Gaumens beträgt etwa elf Millimeter, die des Unterkiefers etwa 13 Millimeter. Die Unteraugenlöcher des Roborowski-Zwerghamsters sind oval und ähneln denen der Mittelhamster.

Die vorderen Ränder der schmalen Jochbeinplatten sind eingebuchtet, jedoch weniger als bei den Mittelhamstern. Die Breite des Hirnschädels beträgt etwa zehn Millimeter. Die Hirnkapsel ist vorne breit und tief, hinten schmal und flach und von oben betrachtet rund. Mit etwa zwölfeinhalb Millimetern ist der Schädel über den Jochbögen am breitesten. Der Abstand zwischen den Augenhöhlen beträgt etwa vier Millimeter und die Breite über die Backenzähne etwa viereinhalb Millimeter. Die Fossae pterygoideae der Flügelfortsätze sind breit und flach. Die Schneidezahnlöcher sind relativ breit, mit weniger als vier Millimetern kürzer als die oberen Backenzahnreihen und reichen nicht bis zu diesen zurück. Die Paukenblasen sind verkleinert und abgeflacht mit röhrenförmigen, knöchernen Eustachi-Röhren. Zitiert in: Ross, 1994 („Diagnosis“, „General Characters“ S. 1).

+ Schädelmaße verschiedener Populationen des Roborowski-Zwerghamsters Maße in Millimetern Nan Shan Shaanxi Mandschurei Größte Länge des Schädels 24,0 22,8 (21,5–23,8) 20 Weitere Schädellängen   19,0 (17,3–19,8) (basal) 18,5 (condylobasal) 19,0 (basilar)   16 (basilar) Maße des Zwischenscheitelbeins 2,8 × 7,0     Länge der Nasenbeine 9,0   6,5 Länge des Gaumens   11,1 (10,5–11,6) (palatal) 8,8 (palatilar) Länge des Unterkiefers 13,5 (condylar)     Breite des Hirnschädels 10,8 (über die Paukenblasen) 10,1 (9,5–11,0) (über die Warzenfortsätze) 11 (Hirnkapsel) Breite über die Jochbögen 14,0 12,4 (11,6–13,1) 11,5 Abstand zwischen den Augenhöhlen 4,2   3,6 Breite über die Backenzähne   4,5 (4,4–4,6)   Länge der Schneidezahnlöcher 3,8   3,2 Länge der oberen Backenzahnreihe 3,8 3,4 (3,1–3,7) 3,3 Länge der unteren Backenzahnreihe 4,0 (3,1–3,7)   Länge der zahnfreien Lücke 7,0   5,7   Angegeben sind die Maße des Typusexemplars. Angegeben sind die Mittelwerte und Wertebereiche von zehn Exemplaren. Angegeben sind die Maße eines jungen Männchens.

Verdauungstrakt mini|Gefüllt reichen die Backentaschen des Roborowski-Zwerghamsters bis hinter die Schultern.

Das für Hamster typische Gebiss des Roborowski-Zwerghamsters weist insgesamt 16 Zähne auf. In jeder Kieferhälfte befinden sich ein Nagezahn und drei Backenzähne. Die Backenzahnreihen sind durch eine etwa sechs Millimeter große zahnfreie Lücke von den Nagezähnen getrennt und etwa dreieinhalb Millimeter lang. Der dritte obere Backenzahn ist stark verkleinert und die Kaufläche der Backenzähne ist die einfachste aller Hamster. Die Höcker und Furchen der oberen und unteren Backenzähne liegen einander gegenüber und zwischen den Höckern befinden sich kleine von Zahnschmelz umgebene Gruben.Miller, 1910; Thomas, 1908. Zitiert in: Ross, 1994 („Form and Function“ S. 2).

Der Magen des Roborowski-Zwerghamsters besteht wie der anderer Hamster aus einem verhornten Vormagen und einem drüsenhaltigen Hauptmagen. Das verhornte Epithelgewebe der Magenschleimhaut reicht bis zum Magenausgang im Hauptmagen. Pylorusdrüsen fehlen und die Grenzfalte beschränkt die Anzahl der Fundusdrüsen. Zitiert in: Ross, 1994 („Form and Function“ S. 2).

Harn- und Geschlechtsorgane mini|Jahreszeitliche Entwicklung des Testosteronspiegels im Blutplasma männlicher Roborowski-Zwerghamster

Bei einer Umgebungstemperatur von 18 bis 20 Grad Celsius und einer relativen Luftfeuchtigkeit von etwa 60 Prozent stellten Sokolow und Meschtscherski beim Roborowski-Zwerghamster eine durchschnittliche osmotische Konzentration des Urins von 3417 Milliosmol je Liter fest. Die Wasserausscheidung über Haut und Lungen lag bei 4,04 Milligramm je Gramm Körpergewicht und Stunde. Wenn Wasser vorenthalten wurde, stieg die osmotische Konzentration auf 4278 Milliosmol je Liter und die Wasserausscheidung sank auf 2,40 Milligramm je Gramm Körpergewicht und Stunde. Zitiert in: Ross, 1994 („Form and Function“ S. 2). Die Angaben beziehen sich auf fünf Männchen und fünf Weibchen vom Tere-Chol in Tuwa.

Laut Meschtscherski und Klischin werden von 30 Mikrolitern je Gramm Körpergewicht zugeführtem Wasser 43 Prozent innerhalb von vier Stunden ausgeschieden. Nach dem Zuführen von Salzen werden lediglich 45 Prozent des überschüssigen Kalium- und Natriumchlorids ausgeschieden. Zitiert in: Ross, 1994 („Form and Function“ S. 2).

Der Eingang zur Vagina weiblicher Roborowski-Zwerghamster ist das ganze Jahr offen. Ebenso sind die Hoden der Männchen das ganze Jahr sichtbar. Deren durchschnittlicher Testosteronspiegel im Blutplasma ist im Sommer am höchsten. Laut Feoktistowa und Meschtscherski liegt er im Juni bei durchschnittlich 19,5 Nanogramm je Milliliter und sinkt bis Dezember auf 2,5 Nanogramm je Milliliter. Zu jeder Jahreszeit zeigen einzelne Hamster deutliche Abweichungen.Feoktistowa und Meschtscherski, 2005 (S. 4, Abb. 4). Die Angaben beziehen sich auf unter halbnatürlichen Bedingungen gehaltene Hamster aus Tuwa.

Stoffwechsel

Bao und Mitarbeiter stellten beim Roborowski-Zwerghamster einen Ruhestoffwechsel von durchschnittlich 2,98 Millilitern molekularem Sauerstoff je Gramm Körpergewicht und Stunde fest. Die Umgebungstemperatur, bei der die Körpertemperatur ohne Energieaufwand konstant gehalten werden kann, die thermoneutrale Zone, geben sie mit 28 bis 34 Grad Celsius an. Die Angaben beziehen sich auf 26 im Juli 1997 in der Ordos-Ebene in der Inneren Mongolei gefangene Hamster mit einem durchschnittlichen Körpergewicht von 15,4 Gramm. Den durchschnittlichen zusätzlichen Stoffwechsel bei zitterfreier Wärmeproduktion ermittelten Bao und Mitarbeiter mit durchschnittlich 3,62 Millilitern molekularem Sauerstoff je Gramm Körpergewicht und Stunde im Juli und 9,71 Millilitern im Oktober. Die Angaben für den Sommer beziehen sich auf fünf, die für den Herbst auf sechs 1997 in der Ordos-Ebene in der Inneren Mongolei gefangene Hamster.

Körperwachstum mini|Entwicklung des Körpergewichts beim Roborowski-Zwerghamster nach der Geburt

Bei der Geburt beträgt das Körpergewicht des Roborowski-Zwerghamsters 1,0 bis 2,1 Gramm.Flint und Golowkin, 1961; Judin und Mitarbeiter, 1979. Zitiert in: Ross, 1994 („Ontogeny and Reproduction“ S. 2). Das relative Wachstum ist unmittelbar danach am größten und nimmt gleichmäßig ab.