Die Von-Goeben-Kaserne in Stade wurde 1935 als Truppenunterkunft für die Wehrmacht zusammen mit dem Fliegerhorst erbaut. Ihren Namen erhielt sie jedoch erst 1966. Namensgeber war der preußische General der Infanterie August Karl von Goeben, der in Stade geboren worden war. Die Garnison wurde bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges durch die Luftwaffe genutzt. Nach der Besetzung durch britische Truppen wurden Teile der Start- und Landebahnen zerstört. Die Kasernengebäude wurden mit Flüchtlingen und Vertriebenen belegt. 1956 übernahm die Bundeswehr die Anlagen und nutzte sie zunächst für das Luftwaffenausbildungsregiment 2 bis Mitte 1963. Danach folgten Teile der 3. Panzerdivision des Heeres, insbesondere Nachschub-, Artillerie- und Pioniereinheiten. Ende 1994 wurde die Kaserne aufgegeben.

Zur Vorgeschichte der Garnison Stade Stade wurde am Ende des Dreißigjährigen Krieges 1645 von Schweden besetzt. Der Westfälische Friede 1648 sorgte dafür, dass die Gebiete der neu gebildeten Herzogtümer Bremen und Verden unter schwedische Herrschaft kamen. Stade beherbergte daher fortan schwedische Truppen. Trotz des Friedensschlusses kam es weiter zu Konflikten und kriegerischen Auseinandersetzungen: 1654 mit der Stadt Bremen, der Schwedisch-Polnische Krieg 1655–1660 und der Dänisch-Schwedische Krieg 1657–1658 mit der erfolglosen Belagerung von Stade 1657 durch die Dänen, 1665 bis 1666 erneut mit Bremen, 1675 bis 1676 die Belagerung durch Verbände des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation mit der Einnahme von Stade, schließlich der Große Nordische Krieg ab 1700, der 1712 nach Belagerung durch die Dänen und dem Fall von Stade die Zeit des schwedischen Militärs in der Garnison beendete.Fritz Danner: Beiträge zur Geschichte der Stader Garnison, Stade 1987, S. 7–18

Von 1712 bis 1715 stand Stade unter dänischer Herrschaft. Zunächst lagen 15, ab Ende 1713 insgesamt 12 und ab Januar 1715 nur noch 8 Kompanien in der Stadt.Fritz Danner: Beiträge zur Geschichte der Stader Garnison, Stade 1987, S. 87 Durch Kauf gingen 1715 die Herzogtümer Bremen und Verden an das Kurfürstentum Braunschweig-Lüneburg über, was Schweden erst 1719 akzeptierte. Stade wurde nun Garnison hannoverscher Truppen, darunter Infanterie- und Kavallerieregimenter, aber auch Einheiten der Artillerie und der Ingenieure (Pioniere).Fritz Danner: Beiträge zur Geschichte der Stader Garnison, Stade 1987, S. 89 f. Waren bisher die Truppen in Privatquartieren untergebracht, entspannte sich die Situation durch den Bau der Kasernen am Sande 1736.Oberstleutnant Wilhelm Mletzko: Deine Garnison Stade. Information für Soldaten und Gäste. Herausgegeben vom Zeitungsverlag Krause KG, Stade 1981, S. 11 Nach dem Siebenjährigen Krieg blieben in Stade Infanterie und Kavallerie.Fritz Danner: Beiträge zur Geschichte der Stader Garnison, Stade 1987, S. 90–96

Mit der Französischen Revolution 1792 und dem Vorrücken Frankreichs fiel die Garnison Stade 1803 an die napoleonischen Truppen. Im November 1805 übernahm die King’s German Legion in britischen Diensten die Stadt. Im März 1806 zogen preußische Soldaten in Stade ein, die bis November 1806 hier verblieben. Es folgten französische und holländische Truppen, bevor im Sommer 1807 das spanische Dragoner-Regiment Algarbe in Stade Quartier nahm. Ab Januar 1808 kamen französische Dragoner, ab Dezember 1809 lag westfälische Infanterie in der Stadt. 1810 kamen weitere Einheiten Frankreichs nach Stade.Fritz Danner: Beiträge zur Geschichte der Stader Garnison, Stade 1987, S. 107 ff.

Nach der Niederlage Frankreichs und dem Wiener Kongress war Stade zwischen 1815 und 1866 eine Garnison des Königreichs Hannover. In der Stadt wechselten die stationierten Verbände, zu denen Regimenter der Husaren, Ulanen, Königsdragoner und Königindragoner ebenso gehörten wie Artillerie und Infanterie. Im Juni 1866 nahmen preußische Truppen die Stadt ein.Fritz Danner: Beiträge zur Geschichte der Stader Garnison, Stade 1987, S. 121 ff.

Das Königreich Preußen verlegte am 1. Oktober 1867 die II. Fußabteilung des Schleswigschen Feldartillerieregiments Nr. 9 von Mölln nach Stade. Am 1. April 1891 kam diese Abteilung nach Itzehoe. Am 3. November 1866 war bereits in Stettin das Infanterieregiment Nr. 75 aufgestellt worden, dessen III. Bataillon nach Stade verlegt wurde und hier bis zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs verblieb. Zum 1. Januar 1919 wurde es aufgelöst. 1914 befanden sich noch nacheinander das III./Reserveinfanterieregiment Nr. 75, das III./Landwehrinfanterieregiment Nr. 76 und das II. Landsturmbataillon in der Garnison Stade.Fritz Danner: Beiträge zur Geschichte der Stader Garnison, Stade 1987, S. 141 ff.

Bau- und Stationierungsgeschichte NS-Staat und Zweiter Weltkrieg links|mini|Modell des Flugplatzes Stade von Dieter-Theodor Bohlmann im Technik- und Verkehrsmuseum Stade, Ausbauzustand im November 1943 Im Dezember 1933 setzte sich unter der Herrschaft der Nationalsozialisten die Stadt für die erneute Stationierung von Truppen in Stade ein, nachdem seit 1919 das Militär die Garnison verlassen hatte. Am 18. Februar 1935 kam es zum Vertragsschluss zwischen dem Unternehmen Deutsche Luftfahrt- und Handels AG Berlin als Tarnorganisation des NS-Staates und der Stadt Stade zur Übereignung von Grundstücken für die Errichtung eines Flugplatzes. Bereits im März 1935 begannen die Arbeiten, zunächst als Bau einer Hühnerfarm deklariert. Am 1. Oktober 1935 zog mit der Fliegerersatzabteilung 14 der erste Verband in die Kasernenanlage ein. Ende 1936 folgte ein Luftnachrichtenzug. Die Fliegerersatzabteilung 14 wurde am 1. April 1937 in Fliegerersatzabteilung 47, diese wiederum zum 1. November 1939 in Fliegerersatzabteilung 42 umbenannt. Am 1. Oktober 1937 verlegte die Flugzeugführerschule C-6 aus Ludwigslust nach Stade. Als Maschinen kamen die Modelle Junkers 52 und 86, Dornier 17 sowie Focke-Wulf 56 und 58 zum Einsatz. Der Flugplatz Stade sollte nunmehr auf Anordnung des Reichsluftfahrtministeriums zu einem Leithorst ausgebaut werden sowie drei betonierte Start- und Landebahnen entstehen. Errichtet wurden neben den Bahnen die Bereiche für Luftnachrichteneinheiten und Kraftfahrausbildung sowie eine Flugzeugwerft. Die Fliegerersatzabteilung 42 wurde am 1. April 1939 in das Fliegerausbildungsregiment 42 umgegliedert. 1939 ist der Flughafenbereich Stade eingerichtet. Mit dem Beginn des Zweiten Weltkriegs wurde die Flugzeugführerschule nach Burg (bei Magdeburg) verlegt. An ihre Stelle trat die Flieger-Technische Schule 2, die bis 1943 Monteure und Techniker ausbildete. Im September 1939 erfolgte am Standort die Aufstellung der Flak-Scheinwerfer-Brigade II. 1940 befand sich die Flak-Untergruppe Stade der Flak-Gruppe Vorfeld-West des Hamburger Flak-Regiment 60 in der Garnison. Die Flak-Scheinwerfer-Brigade II wuchs am 1. August 1941 zur Flak-Scheinwerfer-Division 2 auf, die zum 1. August 1942 in Nachtjagddivision 2 umgegliedert wurde. Am 1. Oktober 1942 erhielt der Verband den Namen 2. Jagddivision. Die III. Gruppe des Nachtjagdgeschwader 3 lag ab 1. November 1941 in Stade, der Geschwaderstab folgte ab 1943. Der Jagdfliegerführer Deutsche Bucht war 1943 in der Garnison beheimatet. In Stade waren seit 1943 die I. und IV. Abteilung des Luftnachrichtenregiment 202 stationiert, die zum 2. September 1944 aufgelöst wurden. Die Luftbeobachtungsstelle 2 und die Fliegerhorstkommandantur 14/XI bestehen 1944 ebenfalls. Am 2. September 1944 wurde aus verschiedenen Einheiten das Luftnachrichtenregiment 212 gebildet, das mit Stab, I. und II. Abteilung bis zum Kriegsende in Stade stationiert blieb. Am 18. April 1945 zog sich die Luftwaffe vom Fliegerhorst zurück. Britische Truppen des XXX. Armeekorps befreiten am 1. Mai 1945 Stade und besetzten den Fliegerhorst mit seiner Kaserne.Georg Tessin: Verbände und Truppen der deutschen Wehrmacht und Waffen-SS im Zweiten Weltkrieg 1939–1945. Band 14, Die Landstreitkräfte: Namensverbände/Die Luftstreitkräfte (Fliegende Verbände)/Flakeinsatz im Reich 1943–1945, Biblio-Verlag, Osnabrück 1980, S. 339 und 352Georg Tessin: Verbände und Truppen der deutschen Wehrmacht und Waffen-SS im Zweiten Weltkrieg 1939–1945. Band 2, Die Landstreitkräfte 1–5, Frankfurt am Main o. J. (1965), S. 138Oberstleutnant Wilhelm Mletzko: Deine Garnison Stade. Information für Soldaten und Gäste. Herausgegeben vom Zeitungsverlag Krause KG, Stade 1981, S. 11 und 13Fritz Danner: Beiträge zur Geschichte der Stader Garnison, Stade 1987, S. 157 ff.Georg Tessin: Verbände und Truppen der deutschen Wehrmacht und Waffen-SS im Zweiten Weltkrieg 1939–1945. Band 16, Verzeichnis der Friedensgarnisonen 1932–1939 und Stationierungen im Kriege 1939–1945, bearbeitet von Christian Zweng. Teil 2 Wehrkreise VII–XIII, Biblio-Verlag, Osnabrück 1996, S. 207, 217 und 224Georg Tessin: Verbände und Truppen der deutschen Wehrmacht und Waffen-SS im Zweiten Weltkrieg 1939–1945. Band 8, Die Landstreitkräfte 201–280, Biblio-Verlag, Osnabrück 1973, S. 8 und 57

Nutzungen ab 1945 und Stationierung der Bundeswehr mini|Ehemaliger Sitz der Kommandantur des Fliegerhorstes Stade, später Von-Goeben-Kaserne thumb|Ehemalige Kantine des Fliegerhorst Stade, später Von-Goeben-Kaserne, heute Bildungseinrichtung thumb|Ehemaliges Unterkunftsgebäude im Fliegerhorst Stade, später Von-Goeben-Kaserne, heute Wohngebäude Die britische Besatzungsmacht nutzte den Fliegerhorst zunächst als Sammelplatz. Geräte und flugtechnische Anlagen wurden demontiert oder zerstört und entsorgt. Ende der 1940er Jahre wurden die Start- und Landebahnen gesprengt. Zum 1. Januar 1951 wurde das Areal der Bundesrepublik übergeben. In den erhalten gebliebenen Kasernengebäuden kamen Flüchtlinge unter. Am 1. August 1956 wurde Stade wieder Garnison und die Kasernenanlage der Bundeswehr zur Nutzung übergeben. Zunächst zog das Luftwaffenausbildungsregiment 2 in die Kaserne ein. Eine Fliegerhorstgruppe übernahm den Flugplatz. Doch im Juni 1963 endete mit der Verlegung des Ausbildungsregiments nach Budel in die Niederlande die Zeit der Luftwaffe am Standort. An ihre Stelle traten ab Juli 1963 Heeresverbände der 3. Panzerdivision.Oberstleutnant Wilhelm Mletzko: Deine Garnison Stade. Information für Soldaten und Gäste. Herausgegeben vom Zeitungsverlag Krause KG, Stade 1981, S. 13

Die ehemalige Luftwerft des Fliegerhorstes verkaufte die Bundesrepublik im Mai 1959. Das Grundstück diente der Ansiedlung der Flugzeugindustrie, heute Standort eines Airbus-Werks.

Folgende Stäbe, Verbände, Einheiten und Dienststellen der Bundeswehr waren in der Von Goeben-Kaserne stationiert: