mini|"Julius Isenstein" um 1920
Julius L(iebmann). Isenstein,o. V.: Isenstein, Julius L. in der Datenbank Niedersächsische Personen (Neueingabe erforderlich) der Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek – Niedersächsische Landesbibliothek [ohne Datum], zuletzt abgerufen am 29. Oktober 2023 kurz auch Julius Isenstein genannt,Verhandlungen des III. Allgemeinen Deutschen Bankiertages zu Hamburg am 5. und 6. September 1907, Berlin: Guttentag 1907, S. 146; Vorschau über Google-BücherWaldemar R. Röhrbein: Jüdische Persönlichkeiten in Hannovers Geschichte, Hannover: Lutherisches Verlagshaus, 1998, ISBN 978-3-7859-0758-0 und ISBN 3-7859-0758-3, S. 77 (geboren 18. Juli 1856 in Hannover oder Hildesheimstiftung-falkenreck.de: Julius L. Isenstein (PDF); abgerufen am 30. Oktober 2023.; gestorben 14. Februar 1929 in Hannover) war ein deutscher Bankier, der von 1901 bis 1926 die Niederlassung der Dresdner Bank in Hannover leitete. Er war 1916 Mitbegründer der Kestner Gesellschaft.
Leben Julius L. Isenstein, Sohn von Liebmann Isenstein und Elise GüdemannMarlow: Uncovering their names and stories, S. 305 (s. Literatur), stammte aus der weitverzweigten jüdischen Familie IsensteinAusführlich: David Henry Marlow: Uncovering their names and stories. 300+ years of a German-Jewish family 1697-2024. New York 2025 (s. Literatur), S. 301–307: The Isensteins in Hannover, zu deren bekanntesten Mitgliedern der Schriftsteller und Bibliothekar Werner Krafto. V.: , illustrierter Artikel auf der Seite der Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek – Niedersächsische Landesbibliothek [ohne Datum], zuletzt abgerufen am 30. Oktober 2023Kraft, Werner, in: Archiv Bibliographia Judaica – Deutschsprachiges Judentum Online, veröffentlicht von De Gruyter Oldenbourg 2021 (Print 2006) und der Bildhauer Kurt Harald Isenstein gehörten. Die Isensteins, ursprünglich in Hildesheim beheimatet, besaßen in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in Hannover unter anderem Textilgeschäfte (eines in der Großen Packhofstraße) und kleinere Gewerbebetriebe (Holzstiftefabrik in der ListHannover. Führer durch die Stadt und ihre Bauten. Hrsg. vom Architekten- und Ingenieurverein zu Hannover. Red.: Theodor Unger. Hannover: Klindworth 1882. Neuausg. Hannover: Vincentz 1978, S. 243. - Die „Hannoversche Holzstifte Fabrik Isenstein“ in der Celler Chaussee (heute: Podbielskistraße) Nr. 25, von den Listern wegen ihrer lauten Pfeifsignale „Plock-Flötje“ genannt, war eine Gründung von Werner Krafts Großvater (1882) und befand sich später in der Nikolaistraße 14 bzw. in der Steinriede 4 (1909–1914). Ernst Bohlius, Wolfgang Leonhardt: Die List. 700 Jahre Umschau aus der Dorf- und Stadtgeschichte. Norderstedt 2003, ISBN 3-8334-0276-8, S. 47. (Link zum Digitalisat)). Julius L. Isenstein wurde 1881 Mitglied des Turn-Klubb zu HannoverHannoverscher Kurier vom 17. Februar 1929, zu dessen Förderern er später gehörte. 1888 war er leitender Angestellter im Bankhaus Alexander Simon, wo ihn (bei seiner abgebrochenen Banklehre) auch Theodor Lessing kennenlernteTheodor Lessing: Einmal und nie wieder. Lebenserinnerungen. Unveränd. Nachdr. der Erstausg. Prag 1935. Gütersloh 1969, S. 190: "Der erste Kommis, Herr Isenstein, ein tüchtiger munterer Zwerg, begriff nicht, dass Obligationen mir so gleichgültig seien wie Aktien, und Aktien so gleichgültig wie Obligationen.". 1890 heiratete er Sophie Gotthelft (1869–1913), die aus Kassel stammte.
In der von der Alexander und Fanny Simon’schen Stiftung geförderten Ahlemer Gartenbauschule war Isenstein Anfang des 20. Jahrhunderts als Rechnungsführer tätig.Die Ziele der Simon’schen Stiftung, Hannover: Gebrüder Jänecke, 1907, S. 13; Vorschau über Google-Bücher mini|Das Dresdner Bank-Gebäude am Opernplatz in Hannover
mini|Haupteingang zum Gebäude der ehemaligen Dresdner Bank in Hannover
1890 verzeichnet das Adressbuch Isensteins Berufsbezeichnung als „Bankier“ (ohne eigene Firma), 1894 dann: „Bankier, Prokurist der Firma Alexander Simon“. 1898 wurde in der Theaterstraße 12 die Filiale der Dresdner Bank in Hannover durch gleichzeitige Übernahme des Bankhauses Alexander Simon errichtetHans G. Mayen: 120 Jahre Dresdner Bank. Unternehmens-Chronik 1872 bis 1992. Frankfurt am Main 1996, S. 54 und S. 373Felix Jüdell: Erfahrung läßt sich nicht vererben. Dresdner Bank, ihre Entwicklung von 1872 bis 1914, Publikationen der Eugen-Gutmann-Gesellschaft, Bd. 1., Dresden 2005, S. 140; zu Direktoren wurden S[iegmund] Goldschmidt und Julius L. Isenstein ernannt. Isensteins Berufsbezeichnung lautete jetzt: „Bankier, stellvertretender Direktor der Filiale der Dresdner Bank in Hannover und Prokurist der Firma Alexander Simon“. 1901 erfolgte seine Ernennung zum Direktor der Filiale der Dresdner Bank in HannoverAdressbuch.
mini|Reste des Trip-Brunnens im Maschpark
Nach dem Tod des Gartenarchitekten Julius Trip 1907 engagierte sich Isenstein gemeinsam mit anderen führenden Persönlichkeiten aus Wirtschaft und Kultur im „Ausschuss für die Errichtung eines Gartendirektor Trip-Denkmals in Hannover“;Ausschuss für die Errichtung eines Gartendirektor Trip-Denkmals in Hannover, in: Die Gartenkunst, Jahrgang 9, Anhang datiert 25. Oktober 1907; Digitalisat der Deutschen Gartenbaubibliothek auf der Seite der Universitätsbibliothek der Technische Universität Berlin im Ergebnis realisierte der Bildhauer Georg Herting den 1910 im Maschpark installierten Trip-Brunnen.Rainer Ertel, Ernst-Friedrich Roesener: Hannoversches Brunnenbuch. Fackelträger, Hannover 1988, ISBN 3-7716-1497-X, S. 9f., 87
Isenstein engagierte sich schon vor 1910 als Mäzen des Turn-Klubb zu Hannover.Lorenz Peiffer, Henry Wahlig: Juden im Sport während des Nationalsozialismus: Ein historisches Handbuch für Niedersachsen und Bremen. Wallstein Verlag, Göttingen 2012, ISBN 978-3-8353-2031-4. S. 22, 188, 230; Vorschau über Google-Bücher Ein Gedicht aus dieser Zeit im Zusammenhang mit dem Erweiterungsbau der Turnhalle des Vereins lautet:
Später – um 1920 – ernannte der TKH Isenstein zum Ehrenmitglied.
Spätestens ab 1908 war Isenstein Mitglied im Hilfsverein der deutschen Juden, den er zugleich mit anderen Persönlichkeiten der jüdischen Gemeinschaft im hannoverschen Provinzialkomitee vertrat. Aufgabe des übernational agierenden Vereins war die Verbesserung der Lage der Juden in Osteuropa.... Geschäftsbericht ... des Hilfsvereins der Deutschen Juden, erstattet der Generalversammlung am ..., 1908 (1909) – 1912 (1913) passim; Digitalisate über die Universitätsbibliothek Frankfurt
1909 übernahm die Filiale Hannover der Dresdner Bank eine fünfprozentige Anleihe der Kaliwerk Gewerkschaft Großherzog Wilhelm Ernst, Direktor wurde Carl Hasper. „Die Direktoren Isenstein und Hasper hatten persönlich gute Beziehungen zu den Kreisen [der Kaliindustrie] angeknüpft...“Jüdell, S. 204. Am 16. Dezember erfolgte Isensteins Ernennung zum Preußischen Kommerzienrat gegen eine Stempelgebühr von 3000 Mark, wozu Stadtdirektor Heinrich Tramm ein Gutachten zu erstellen hatte. Am 2. Mai 1913 starb Isensteins Ehefrau Sophie, geb. Gotthelft, im Alter von 43 Jahren.Laut Grabstein auf dem hannoverschen Stadtfriedhof Stöcken war sie am 24. Juni 1869 geboren. - In dem in Hannover spielenden Roman Kaiserwetter (zuerst 1931 erschienen bei S. Fischer, neu im jmb Verlag, Hannover 2009, ISBN 978-3-940970-98-5) hat der Autor Karl Jakob Hirsch sie möglicherweise in einer Szene verewigt, die (etwa um die Jahrhundertwende) im Kaffeegarten Kirchröder Turm spielt und bei der die Familie de Vries die Familie Tölle trifft: "Frau Johanna [de Vries] hatte ein falsches, etwas zu süßes Lächeln aufgesteckt. Ihr war die Begegnung einfach peinlich. Da hinten lorgnettierte Frau Isenstein lebhaft auf die Gruppe, und Johanna glaubte ihr spöttisches Lächeln zu sehen." (Neuausg., S. 26).
Unterdessen engagierte sich Isenstein als Repräsentant der jüdischen Gemeinde Hannovers, die ihren Sitz in der Lützowstraße 3 hatte und unter dem Landrabbinat Hannover unter Landrabbiner Selig Gronemann unterstand. Zudem wirkte er als ehrenamtlicher Erster Kassierer in der im August 1909 gegründeten Sozialvereinigung Jüdischer Frauen- und Mädchenclub Hannover, dessen Clublokal in der Josephstraße 24 unterhalten wurde.Landrabbinatsbezirk Hannover. I.: Regierungsbezirk Hannover, in: Handbuch der jüdischen Gemeindeverwaltung und Wohlfahrtspflege. Statistisches Jahrbuch, 20. Jahrgang (1911), hrsg. vom Büro des Deutsch-Israelischen Gemeindebundes, Berlin 1911, S. 64ff.; Google-Books
Isenstein war Mitbegründer und StifterHenning Rischbieter: Die Kestner-Gesellschaft, in ders.: Die zwanziger Jahre in Hannover. Bildende Kunst, Literatur, Theater, Tanz, Architektur, 1916 - 1933. Vom 12. August bis 30. September 1962, Katalog zur Ausstellung, Hannover: Kunstverein e.V., 1962, S. 21ff.; hier: S. 26; Vorschau über Google-Bücher der Kestner Gesellschaft als einer von 22 Stiftern, neben hannoverschen Unternehmern wie Hermann Bahlsen, August Madsack und Fritz Beindorff. Zu den jüdischen Persönlichkeiten in diesem Kreis gehörten neben Isenstein auch die Bankiers Louis und Richard Oppenheimer, der Kaufmann Gustav Rüdenberg und der Direktor der Continental Siegmund SeligmannWieland Schmied: Wegbereiter zur modernen Kunst. 50 Jahre Kestner-Gesellschaft. Hannover 1966, S. 234 sowie Waldemar R. Röhrbein: Jüdische Persönlichkeiten in Hannovers Geschichte. Lutherisches Verlagshaus, Hannover 1998, S. 77.. Zum 60. Geburtstag am 18. Juli 1916 erhielt Isenstein von der Bank eine Geschenkkassette mit Fotografien des Bankgebäudes und der Mitarbeiter: „Zum 18. Juli 1916. Die Beamten der Dresdner Bank Filiale Hannover“ mit den Goldinitialien „JI“.Das Original aus dem Besitz der Dresdner Bank Hannover befindet jetzt im Historischen Archiv der Commerzbank AG in Frankfurt am Main unter der Archivalien-Signatur HAC-500/S12/0259.
Seit 1917 war Isenstein förderndes Mitglied der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften.Claudia Bergemann: Mitgliederverzeichnis der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften. Teil 1 (Veröffentlichungen. Archiv zur Geschichte der Max-Planck-Gesellschaft. 3/1) Berlin 1990, S. 122 ISBN 3-927579-02-5
1921 war Isenstein Mitbegründer der Hannoverschen Hochschulgemeinschaft,Heinz Steiner: Die Hannoversche Hochschulgemeinschaft. Vereinigung von Freunden der Technischen Hochschule Hannover e.V., in: Jahrbuch der Technischen Hochschule Hannover, 1949, S. 132f.; Vorschau über Google-Bücher die später als Leibniz Universitätsgesellschaft Hannover unter anderem die Karmarsch-Denkmünze der Leibniz Universität Hannover verleiht.o. V.: Förderverein der Leibniz Universität Hannover! 100 Jahre an der Seite der Universität. Begleiten – fördern – unterstützen, so lautet auch weiterhin das Motto der Universitätsgesellschaft. Mit Engagement als Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Praxis, illustrierte Abhandlung auf der Seite eibniz-universitaetsgesellschaft-hannover.de [ohne Datum], zuletzt abgerufen am 30. Oktober 2023 In der Hochschulgemeinschaft fungierte Isenstein als Schatzmeister.Sabine Schilfert (Bearb.), Ursula Basikow, Wolfgang König (Mitarb.): Quelleninventar Friedrich Schmidt-Ott. Teil II: „Exzellenz persönlich.“ Korrespondenzbeziehungen von Friedrich Schmidt-Ott aus den Jahren von 1888 bis 1934, Berlin 2022, Repositorium der TU Berlin, CC BY 4.0
In Anerkennung seiner besonderen Verdienste um die damalige Technische Hochschule HannoverZentralblatt der Bauverwaltung (1923), S. 356; Vorschau über Google-Bücher wurde Isenstein am 26. Juni 1923 die Ehrenbürgerwürde der TH Hannover verliehen.Christian-Alexander Wäldner: Die Technische Hochschule Hannover und der Entzug akademischer Titel in der NS-Zeit. Ergebnisse hannöverscher Vorgänge unter der Berücksichtigung des Falles Walter Dux ( = Geschichte, Bd. 112), zugleich Masterarbeit 2012 an der Universität Hannover, Berlin; Münster: Lit, 2012, ISBN 978-3-643-11908-7, S. 117; Vorschau über Google-Bücher