The Life of Chuck ist eine US-amerikanische Tragikomödie von Regisseur Mike Flanagan aus dem Jahr 2024. Es handelt sich um eine Adaption der Kurzgeschichte Chucks Leben aus der Novellensammlung Blutige Nachrichten von Stephen King. In der titelgebenden Hauptrolle ist Tom Hiddleston als Buchhalter Charles „Chuck“ Krantz zu sehen, dessen Lebensgeschichte chronologisch rückwärts erzählt wird.

Der Film feierte im September 2024 beim Toronto International Film Festival seine Premiere, wo er mit dem Publikumspreis ausgezeichnet wurde. Im Anschluss kam The Life of Chuck am 6. Juni in die US-amerikanischen und am 24. Juli 2025 in die deutschen Kinos.

Handlung 3. Akt: Danke, Chuck! Die Welt steht vor dem Ende. Seit mehreren Monaten erschüttern zahlreiche Naturkatastrophen die Erde: Überschwemmungen haben einen Großteil der weltweiten Nahrungsressourcen zerstört, Kalifornien versinkt im Meer, Tier- und Pflanzenarten sind ausgestorben und Epidemien ausgebrochen. Als das Internet zusammenbricht, öffentliche Infrastruktur einstürzt, das Telekommunikationsnetz eingestellt wird und der Strom ausfällt, sehen sich die noch verbliebenen Menschen dem Tod gegenüber. Unter ihnen befindet sich auch der Lehrer Marty Anderson, der die letzten Stunden mit seiner Ex-Frau Felicia Gordon verbringen möchte. Diese arbeitet als Krankenschwester und sah sich zuletzt zunehmend mit Suiziden konfrontiert.

Marty macht sich zu Fuß auf den Weg zu Felicia und trifft unterwegs auf den Bestatter Sam Yarborough, der aufgrund seiner meteorologischen Kenntnisse fest davon überzeugt ist, dass für die Ereignisse nicht allein der menschengemachte Klimawandel, sondern eine höhere Macht verantwortlich ist, die auch die Erdrotation verlangsame. Beide gehen eine Zeitlang zusammen, dann setzt Marty seinen Weg alleine fort. Er erreicht schließlich das Haus von Felicia, wo sich beide gemeinsam den Nachthimmel ansehen. Als Sterne und Planeten zu verschwinden beginnen und das Ende gekommen scheint, spricht Marty seiner Ex-Frau seine Liebe aus.

Die Ereignisse scheinen eng mit dem Ableben eines Charles „Chuck“ Krantz verknüpft zu sein, von dem plötzlich in der ganzen Stadt Plakate mit Dankesbotschaften zu sehen waren. Dieser stirbt im Alter von 39 Jahren an den Folgen eines Hirntumors. Im Beisein seiner Frau Ginny und des gemeinsamen Sohnes Brian macht Chuck seinen letzten Atemzug, mit dem das Universum von Marty und Felicia endet.

2. Akt: Lang lebe die Straßenmusik Neun Monate vor seinem Tod besucht Chuck eine Konferenz von Buchhaltern. Seine wenige Freizeit möchte er allerdings nicht mit seinen Arbeitskollegen verbringen, sondern schlendert allein durch die Straßen. Dort sieht er die Straßenmusikerin Taylor, die sich als Schlagzeugerin Geld dazuverdienen möchte. Aus ihm unerklärlichen Gründen fühlt sich Chuck von Taylors Musik angezogen und beginnt zu tanzen. Schon bald fordert er die ihm fremde Janice Halliday auf, mit ihm zu tanzen – kurz nachdem sie von ihrem Freund verlassen worden ist.

Durch die Darbietung von Janice und Chuck, der den Tanz zwischenzeitlich wegen Kopfschmerzen unterbrechen musste, verbucht Taylor mehr Einnahmen als je zuvor. Aus Dankbarkeit teilt sie das Geld zwischen allen dreien auf und schlägt vor, künftig als Trio aufzutreten, doch Chuck und Janice lehnen dankend ab. Später trennen sich ihre Wege und Chuck versichert seiner Tanzpartnerin, dass mit ihrem Freund wieder alles in Ordnung kommen wird. Im Anschluss besucht er die Stelle der gemeinsamen Darbietung erneut und fragt sich, wieso er dort innehielt, um zu tanzen.

1. Akt: Ich enthalte Vielheiten Nachdem Chucks Eltern bei einem Autounfall ums Leben gekommen sind, als er gerade sieben Jahre alt ist, wächst er bei seinen Großeltern Albie und Sarah auf. Während Chuck von seiner Großmutter die Liebe zum Tanz vererbt bekommt, ertränkt sein Großvater, ein zahlenverliebter Buchhalter, seine Trauer in Alkohol. Betrunken erzählt Albie davon, wie er die Geister mehrerer Menschen eine Weile vor ihrem Tod auf dem Dachboden gesehen hat, weshalb dieser Raum des alten Hauses stets verschlossen und für Chuck tabu ist. Als wenig später Sarah unerwartet verstirbt, tritt Chuck ihr zu Ehren dem Tanzklub seiner Schule bei. Sein Großvater Albie hält allerdings nichts von diesem Hobby und verdeutlicht seinem Enkel, dass er viel eher Buchhalter wie er werden müsse, um in der Welt Erfolg zu haben.

Nichtsdestoweniger tanzt Chuck weiter und wird schnell zum Kursbesten. Er freundet sich mit der älteren Schülerin Cat McCoy an, die ihn zu einem Schulball einlädt. Chuck zeigt sich zunächst unsicher und möchte sich nicht vor seinen Mitschülern blamieren, wird von seiner Tanzlehrerin Miss Rohrbacher aber überzeugt. Nach einer mitreißenden Darbietung küsst Cat Chuck, der daraufhin allein über ein Sportfeld tänzelt und feststellt, dass er einen Platz in der Welt hat. In Anlehnung an ein Gedicht von Walt Whitman hatte ihm seine Lehrerin Miss Richards zuvor erklärt, dass er „Vielheiten“ enthalte, sich in seinem Kopf also ein ganzes Universum mit all seinem Wissen und den ihm bekannten Personen – darunter seinen Lehrern Marty und Felicia – befindet.

Als Albie einige Jahre später an einem Herzinfarkt stirbt, erbt Chuck seinen gesamten Besitz. Da er in dem Haus, in dem er aufgewachsen ist, bis zum College bleiben möchte, ziehen seine Großeltern mütterlicherseits zu ihm. Chuck – jetzt im Besitz des Schlüssels zum Dachboden – möchte nun herausfinden, was Albie all die Jahre vor ihm versteckt halten wollte. Der Raum erscheint zunächst leer, doch dann sieht Chuck eine ältere Version seiner selbst im Sterben liegen. Er entschließt sich dazu, das Leben bis zu diesem Zeitpunkt genießen zu wollen.

Produktion

The Life of Chuck basiert auf der Kurzgeschichte Chucks Leben aus der Novellensammlung Blutige Nachrichten von Stephen King. Bereits kurz nach der Veröffentlichung im Jahr 2020 bekundete der Filmemacher Mike Flanagan, der zuvor die Stephen-King-Adaptionen Das Spiel (2017) und Doctor Sleeps Erwachen (2019) inszeniert hatte, Interesse an einer Filmadaption des Stoffes. Aufgrund seiner damaligen Arbeit an einer Der-Dunkle-Turm-Serie lehnte King zunächst jedoch ab und vergab die Filmrechte stattdessen an den Regisseur Darren Aronofsky. Als dessen Umsetzung ausblieb, sicherte sich schließlich doch Flanagan im Februar 2023 die Filmrechte und schrieb innerhalb eines Wochenendes einen ersten Drehbuchentwurf. Das Projekt, bei dem Flanagan auch als Regisseur und gemeinsam mit Trevor Macy für Intrepid Pictures als Produzent tätig war, wurde im Mai 2023 auf dem Marché du film internationalen Käufern angeboten. Von der Tonalität her wurde der Film dabei als Mischung aus Stand by Me – Das Geheimnis eines Sommers, Die Verurteilten und The Green Mile beschrieben.

Die titelgebende Hauptrolle des Buchhalters Charles „Chuck“ Krantz wurde mit Tom Hiddleston besetzt, der für den Film in einem sechs­wöchigen Crashkurs Tänze wie Jazz, Swing, Polka, Samba, Cha-Cha-Cha, Quickstepp und den Moonwalk erlernte. Jüngere Versionen der Figur werden von Benjamin Pajak, Jacob Tremblay und Cody Flanagan verkörpert. Mark Hamill und Mia Sara spielen Chucks Großeltern Albie und Sarah, Molly C. Quinn seine Mutter und Q’orianka Kilcher seine Frau Ginny. In weiteren tragenden Rollen sind Chiwetel Ejiofor als Lehrer Marty Anderson, Karen Gillan als Krankenschwester Felicia Gordon, Carl Lumbly als Bestatter Sam Yarborough, Annalise Basso als Tänzerin Janice Halliday und Taylor Gordon als Schlagzeugerin zu sehen. Nebenrollen übernahmen Matthew Lillard, Kate Siegel, Trinity Bliss, David Dastmalchian, Samantha Sloyan, Rahul Kohli, Violet McGraw und Heather Langenkamp.

Die Dreharbeiten mit Kameramann Eben Bolter begannen am 16. Oktober 2023 in Alabama, wo die Countys Baldwin und Mobile als Kulisse dienten. Die Produktion erfolgte dabei mit einer Sondergenehmigung der streikenden Schauspielergewerkschaft SAG-AFTRA, da der Film unabhängig finanziert wurde. Am 17. November 2023 wurden die Dreharbeiten abgeschlossen. Der episodenhafte Aufbau der Handlung erlaubte es Flanagan, mit verschiedenen Bildformaten und Farbpaletten zu experimentieren. Die Filmmusik komponierten die Newton Brothers.

Die Weltpremiere erfolgte am 6. September 2024 auf dem Toronto International Film Festival. Ein erster Teaser zum Film wurde am 13. März 2025 veröffentlicht; ein Trailer folgte am 15. April 2025. Im Anschluss kam The Life of Chuck am 6. Juni durch Neon in die US-amerikanischen und am 24. Juli 2025 durch Tobis Film in die deutschen Kinos.

Synchronisation Die deutschsprachige Synchronisation entstand nach einem Dialogbuch von Eva Schaaf und unter der Dialogregie von Lilli Hoepner bei Neue Tonfilm München.

Rolle Darsteller Synchronsprecher Erzähler Nick Offerman Tom Vogt Charles „Chuck“ Krantz Tom Hiddleston Peter Lontzek Benjamin Pajak (jung) Milosch Kopetzki Marty Anderson Chiwetel Ejiofor Torben Liebrecht Felicia Gordon Karen Gillan Rubina Nath Janice Halliday Annalise Basso Magdalena Höfner Taylor Franck Taylor Gordon Johanna von Gutzeit Albie Krantz Mark Hamill Hans-Georg Panczak Sarah Krantz Mia Sara Elisabeth Günther Sam Yarborough Carl Lumbly Axel Lutter Gus Wilfong Matthew Lillard Rainer Fritzsche Josh David Dastmalchian Marius Clarén Bri Rahul Kohli Marcel Collé Miss Rohrbacher Samantha Sloyan Anna Grisebach Miss Richards Kate Siegel Vanessa Eckart Cat Mccoy Trinity Bliss Paulina Rümmelein

Rezeption Altersfreigabe In den Vereinigten Staaten erhielt The Life of Chuck von der MPA aufgrund der Sprache ein R-Rating. In Deutschland vergab die FSK hingegen eine niedrigere Freigabe ab 12 Jahren. In der Begründung heißt es, die Geschichte um existenzielle Fragen wie Leben und Tod sowie Krankheit und Verlust sei differenziert und überwiegend ruhig und dialogorientiert erzählt. Die melancholische Grundstimmung werde dabei durch meist helle, freundliche Bilder und lebensbejahende Botschaften konterkariert. Da düstere Aspekte zumeist verbal verhandelt werden würden, könnten sich Zuschauende ab zwölf Jahren ausreichend distanzieren und das Geschehen durch ausgleichende heitere Szenen einordnen und reflektieren.

Kritiken The Life of Chuck konnte 80 % der 269 bei Rotten Tomatoes gelisteten Kritiker überzeugen. Das Fazit lautet, der Film zeige eine süße Seite der tiefen Gefühlswelt von Mike Flanagan und sei eine heitere sowie wunderbare Adaption von Stephen Kings optimistischer Geschichte. Bei Metacritic erhielt The Life of Chuck basierend auf 42 Rezensionen einen Metascore von 67 Punkten.

mini|hochkant=0.7|Tom Hiddleston wurde für seine Darbietung als Charles „Chuck“ Krantz oft gelobt. Matt Zoller Seitz urteilt in seiner Kritik für RogerEbert.com, dass viele Filme kaum eine einzige Perspektive hätten und The Life of Chuck im Vergleich dazu wie ein Prisma wirke, das sich auf mehr als eine Weise interpretieren lasse. Daneben sei die Stephen-King-Adaption auch ein großartiges Beispiel dafür, wie populäres Kino die Lebenserfahrungen eines breiten Querschnitts der Zuschauer ansprechen könne. The Life of Chuck bewege sich zwar auf der Grenze zwischen Vereinfachung und Sentimentalität, überschreite diese aber nicht, sondern lasse das Publikum stattdessen über seine Botschaft diskutieren. Der musikalische Film könne dabei nicht nur durch das verzaubern, was er tue, sondern auch durch die Art und Weise, wie er sich bewege. Trotz der formalen Spielereien fühle sich The Life of Chuck warm und einladend an, wobei alle Darstellenden einen bleibenden Eindruck hinterlassen könnten, auch wenn sie jeweils nur in einer einzigen Szene zu sehen seien. Tom Hiddleston verleihe seiner Erscheinung so eine würdevolle Tragik, die durch seine Zurückhaltung umso kraftvoller werde.