mini|alt=Eine helle Wand mit verschiedenen Plakat mit Fotos von Vermissten.|Plakate in HaQirya, Tel Aviv, auf denen die Rückkehr der nach Gaza verschleppten Geiseln gefordert wird mini|alt=Das Werk zeigt einen sitzenden Jungen in schwarz-weiß, der sich in einer dunklen Umgebung befindet. In einer Hand hält er einen Teddybären, während er in der anderen Hand eine Schnur hält, die nun durchgeschnitten ist und zu einem rosa Ballon führt. Der obere Teil des Graffitis ist blau, und neben einer Sonne steht der Schriftzug „Bring them home“, leicht versetzt in roter Farbe steht das Wort „Now“.|Bring them Home. Graffiti des Künstlers Benzi in Berlin mini|Plakat mit der Abbildung von Eden Yerushalmi, die am 7. Oktober 2023 von der Hamas am Supernova-Musikfestival verschleppt und am 29. August 2024 ermordet wurde (Tel Aviv, Februar 2026).
Bei den Geiselnahmen der Hamas während des Terrorangriffs auf Israel 2023 verschleppten Terroristen der Hamas und mit ihr verbündete militant-islamistische Gruppierungen 250 Menschen in den Gazastreifen und nahmen sie dort in Geiselhaft. Die Geiseln waren mehrheitlich israelische Staatsbürger und Zivilisten, darunter auch Kinder, sowie einige ausländische Staatsangehörige mit teilweise doppelter Staatsbürgerschaft.
Nach dem Terrorangriff auf Israel am 7. Oktober 2023 setzten sich weltweit Angehörige und Betroffenenorganisationen mit Protestaktionen und dem Slogan „Bring them Home“ für die Freilassung der Geiseln ein. Einige kamen im Austausch mit in Israel inhaftierten palästinensischen Gefangenen frei oder wurden von den Israelischen Verteidigungsstreitkräften (IDF) befreit; andere waren schon während des Terrorangriffs ermordet worden oder starben später und konnten nur noch tot geborgen werden. Insgesamt überlebten 133 der 251 Verschleppten die Geiselnahme nicht, einschließlich derjenigen Personen, die als Getötete in den Gazastreifen verbracht worden waren.
Am 13. Oktober 2025 kehrten die bis zu dem Zeitpunkt noch 20 lebenden Geiseln sowie vier der bis dahin noch zurückbehaltenen Leichname von 28 getöteten Israelis, Deutschen und Angehörigen anderer Nationen nach Israel zurück.taz.de: Abkommen zwischen Israel und Hamas, 13. Oktober 2025. Drei freigekommene Personen waren nicht 2023 entführt worden, nämlich eine 2014 11-jährig versklavte und 2020 nach Gaza weiter verschleppte jesidische Zwangsverheiratete aus dem Irak und zwei Israelis, die 2014 bzw. 2015 in Geiselhaft geraten waren.
Am 26. Januar 2026 wurde bekannt, dass die Leiche von Ran Gvili von der Israelischen Armee aus einem Massengrab geborgen werden konnte. Damit konnten von allen Entführten, die während der Geiselhaft starben, die Leichen an ihre Familien übergeben werden. Des Weiteren ist die Bedingung der israelischen Regierung für das Eintreten in die Zweite Phase des Friedensplans damit offiziell erfüllt.
Hintergründe
Der Umgang mit entführten Staatsbürgern ist in Israel umstritten: Der Fall des entführten Soldaten Gilad Schalit gilt als Blaupause für den Umgang mit entführten Staatsbürgern. Nach Schalits Entführung im Jahr 2006 und seiner fünfjährigen Gefangenschaft im Gazastreifen stimmte Israel einem Austausch zu, bei dem über tausend palästinensische Häftlinge freigelassen wurden. Dies signalisierte das bis dahin unbedingte Bemühen um den Schutz israelischen Lebens. Es gibt Bedenken, dass dieser Ansatz die Regierung erpressbar gemacht hat. Außerdem nahmen einige der freigelassenen Palästinenser später Schlüsselrollen in der Hamas ein, darunter auch Yahya Sinwar, der die Hamas im Gazastreifen leitete.
Geiselnahmen Nach Angaben der israelischen Regierung wurden 251 Geiseln genommen, von denen 138 einen ausländischen Pass besitzen bzw. Doppelstaatler sind, darunter zwölf Deutsche. Angehörige deutscher Geiseln sprachen bei einer Protestaktion in Tel Aviv von 14 Personen, einschließlich zweier deutscher Kleinkinder, die noch keine Reisedokumente besaßen. Auch mindestens acht arabische Israelis, darunter sechs Beduinen aus Hura (1) und Rahat (5), wurden als Geisel in den Gazastreifen verschleppt. Unter den Geiseln mit ausländischer Staatsangehörigkeit waren 54 Thailänder ohne zweite Staatsangehörigkeit, die als Arbeiter auf israelischen Feldern in der Region um den Gazastreifen tätig waren.Maria Stöhr (Bangkok): Verschleppt nach Gaza. Viele Hamas-Geiseln kommen aus Thailand – wie geht es ihren Familien? In: Der Spiegel. 2. November 2023 (spiegel.de). Die Liste der ausländischen Geiseln umfasste auch 15 Argentinier, zwölf US-Bürger, sechs Franzosen und sechs Russen. In vielen Fällen wurde angenommen, dass diese Personen zusätzlich zur ausländischen Staatsbürgerschaft auch die israelische Staatsbürgerschaft besitzen. Die Hamas soll nicht die einzige Organisation gewesen sein, die während des Angriffs auf Israel Geiseln nahm. Der Islamische Dschihad in Palästina gab etwa an, mehr als 30 Personen in seiner Gewalt zu haben.
Zahlreiche internationale Regierungen bemühten sich in Krisengesprächen um die Freilassung der Geiseln, insbesondere ihre Staatsangehörigen unter ihnen. Der Nationale Sicherheitsberater der USA, Jake Sullivan, erklärte vor Reportern, dass die genaue Anzahl und der Zustand der amerikanischen Geiseln in der Gewalt der Hamas unbekannt sei. Es gab mehr als 20 vermisste amerikanische Staatsbürger in Israel, von denen jedoch unklar war, wie viele von ihnen von der Hamas festgehalten wurden.
Am 30. Oktober 2023 wurden laut Angaben der IDF 239 Familien darüber informiert, dass ihre Angehörigen in den Gazastreifen entführt worden waren.
Die verstärkte Berichterstattung über geschlechtsspezifische Gewalt während des Terrorangriffs der Hamas weckte Besorgnis um die Sicherheit von Frauen, die sich noch in der Gewalt der Terrororganisation befanden. Laut dem israelischen Verteidigungsminister Joav Galant gehörten dazu bis zum 5. Dezember 2023 15 Frauen und zwei Kinder. Der UN-Bericht vom März 2024 schloss basierend auf den Aussagen freigelassener Geiseln, dass einige Frauen und Kinder während der Geiselnahme eindeutig „sexueller Gewalt, einschließlich Vergewaltigung, sexualisierter Folter und grausamer, unmenschlicher und erniedrigender Behandlung“ ausgesetzt waren und hinsichtlich der noch festgehaltenen Geiseln Grund zu der Annahme vorliege, dass „solche Gewalt weiter andauere“.Mission report, Official visit of the Office of the SRSG-SVC to Israel and the occupied West Bank, 29 January – 14 February 2024, S. 18.Rewert Hoffer: Verstümmelungen und Gruppenvergewaltigungen: Die Uno bestätigt Vorwürfe der sexualisierten Gewalt am 7. Oktober, NZZ, 5. März 2024.Uno hat »überzeugende Informationen« über Vergewaltigungen durch Hamas, Spiegel, 4. März 2024.
Die jüngste Geisel der Hamas war der zum Zeitpunkt der Entführung acht Monate alte Deutsch-Israeli Kfir Bibas aus dem Kibbuz Nir Oz. Der Junge hatte am 18. Januar 2024 seinen ersten Geburtstag. Seine Eltern und sein vier Jahre alter Bruder Ariel wurden ebenfalls entführt. Er wurde für viele Israelis zum Symbol „für die Hilflosigkeit und den Zorn“ darüber, nichts für die von der Hamas Entführten tun zu können.Kfir Bibas. Erster Geburtstag der jüngsten Hamas-Geisel, Tagesschau.de, 18. Januar 2024. Im Februar 2025 wurde bekannt, dass die Brüder Kfir und Ariel wie ihre Mutter Schiri Bibas einen gewaltsamen Tod starben.
Am 1. Dezember 2024 berichteten Medien, dass noch etwa 100 der Verschleppten vermisst werden. Es wurde angenommen, dass viele davon nicht mehr am Leben seien.Hamas verbreitet Geisel-Video und führt Gespräche in Kairo, Tagesspiegel, 1. Dezember 2024.
Suche nach den Geiseln Das Vorgehen bei der Suche der IDF nach den vermissten Geiseln gilt international als umstritten, da dabei auch Angriffe auf humanitäre Einrichtungen wie Krankenhäuser stattfanden, in denen Terroristenstützpunkte vermutet wurden. Der Einsatz im Bereich des Al-Schifa-Krankenhauses ergab, wie der Sprecher der IDF Hagari berichtete, dass das Krankenhaus gegen das Völkerrecht verstoßen habe, indem es für militärische und terroristische Zwecke genutzt worden sei. Die darauf folgende Erstürmung des Krankenhauses hatte international teilweise starke Kritik hervorgerufen.
Die US-Regierung unterstützte die Darstellung der IDF, dass die Hamas und der Islamische Dschihad Krankenhäuser im Gazastreifen, einschließlich der Al-Shifa-Klinik, für militärische Aktionen nutzen. Laut dem nationalen Sicherheitsrat im Weißen Haus wird Al-Shifa als Kommandozentrum und möglicherweise auch als Waffenlager genutzt, was als Kriegsverbrechen betrachtet wird. Es gibt auch Hinweise auf Tunnel unter den Kliniken, die zur Verdeckung von Militäroperationen und zur Gefangennahme von Geiseln dienen.
Bei einem Treffen des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) in Genf, an dem u. a. Familien der Geiseln und der israelische Außenminister Eli Cohen und Gesundheitsminister Menachem Buso teilnahmen, teilte die Präsidentin, Mirjana Spoljaric, mit, dass bislang kein Vertreter des IKRK mit einer der Geiseln sprechen konnte: „Wir haben keine Lebenszeichen.“ Cohen hatte zuvor das IKRK kritisiert, nicht genug zu unternehmen, um Kontakt zu den Geiseln herzustellen. Eine Sprecherin des IKRK betonte die Dringlichkeit ihrer Organisation, die Geiseln zu finden und ihnen bestmögliche Versorgung zukommen zu lassen. Dies sei jedoch aufgrund des fehlenden humanitären Raums unmöglich: „Wir können uns nicht durch Bomben einen Weg bahnen. Und wir brauchen einfach den guten Willen aller Parteien, ihre Verpflichtungen gemäß dem humanitären Völkerrecht zu respektieren.“
Premierminister Benjamin Netanjahu ernannte General Gal Hirsch zum Koordinator für Vermisste und Geiseln. Hirsch wurde beauftragt, alle Geiseln zu befreien und vermisste Personen zu finden. Die Entscheidung des Premierministers, diese Aufgabe einem umstrittenen General zu übertragen, führte zu erheblichen Kontroversen. General Hirsch hatte nämlich während des Libanonkriegs 2006 militärische Operationen durchgeführt, bei denen zahlreiche israelische Soldaten ihr Leben verloren. Dies hatte zum vorläufigen Ende seiner militärischen Laufbahn geführt; er wurde nicht weiter befördert und schied 2012 aus dem Dienst aus.
Befreiung von Geiseln Netanjahu nannte es als zweites Ziel der Bodenoffensive, „die Geiseln nach Hause zurückzubringen“ (neben dem Ziel, „die Herrschaft der Hamas im Gazastreifen zu zerstören“).F.A.Z. am 28. Oktober 2023 über eine Rede von Netanjahu vor Journalisten in Tel Aviv.
Die IDF und der Inlandsgeheimdienst Schin Bet teilten am 30. Oktober 2023 mit, dass es der israelischen Armee bei einem Bodeneinsatz gelungen sei, die als Geisel gehaltene Soldatin Ori Magedisch, die am 7. Oktober entführt worden war, zu befreien. Sie befinde sich bei guter Gesundheit und im Kreise ihrer Familie.
Bei einem Einsatz in Rafah befreiten Soldaten der israelischen Spezialeinheit Schajetet 13 in einer gemeinsamen Aktion von Schin Bet und israelischer Polizei eigenen Angaben zufolge am 12. Februar 2024 zwei Geiseln. Es handelte sich um den 60-jährigen Fernando Simon Marman und den 70-jährigen Norberto Louis Har, die beide sowohl israelische als auch argentinische Staatsbürger sind, die am 7. Oktober 2023 aus dem Kibbuz Nir Jitzchaq gewaltsam fortgebracht worden waren. Sie seien in guter körperlicher Verfassung und wurden in ein Krankenhaus in der Stadt Ramat Gan gebracht.Israel meldet Befreiung zweier Geiseln aus Gaza, Zeit Online, 12. Februar 2024. Louis Har wurde mit seiner Lebensgefährtin, zwei Geschwistern und ihrer Nichte entführt. Nach einer Fahrt auf der Ladefläche eines Pick-up in den Gazastreifen seien sie für drei Stunden barfuß durch dunkle, unbefestigte Tunnelgänge gegangen und zu einem Apartment gebracht worden, in dem er selbst bis zu seiner Rettung bleiben musste, berichtete Har der Tagesschau. Die beiden Frauen und das Mädchen kamen im Zuge der Waffenruhe im November 2023 frei.Julio Segado: 129 Tage als Geisel im Gazastreifen, Tagesschau.de, 6. Mai 2024.