Bari Weiss (* 25. März 1984 in Pittsburgh, Pennsylvania) ist eine US-amerikanische Journalistin und Autorin. Weiss ist seit Oktober 2025 Chefredakteurin von CBS News. 2013–2017 schrieb sie für das Wall Street Journal Meinungsbeiträge und Buchrezensionen, 2017–2020 war sie Redakteurin für Kultur und Politik bei der New York Times.Bari Weiss, The New York Times. Abgerufen am 20. November 2023. Von März 2021 bis Januar 2025 war sie regelmäßige Kolumnistin bei der deutschen Tageszeitung Die Welt.Marc Bartl: Eine der meinungsstärksten Journalisten: Ulf Poschardt holt Bari Weiss zur Welt, kress.de, 1. März 2021. Weiss gründete das Medienunternehmen The Free Press und hat einen eigenen Podcast. Sie stand in der Vergangenheit im Zentrum mehrerer Kontroversen und prägte als Journalistin den Begriff des Intellectual Dark Web.

Leben Bari Weiss wurde als älteste von vier Schwestern in eine jüdische Familie in Pittsburgh geboren. Sie ist die Tochter von Lou und Amy Weiss, ehemalige Besitzer von Weisshouse, einem 1943 gegründeten Unternehmen in Pittsburgh, das Fußböden, Möbel und Küchenausstattung verkauft.

Ausbildung Nach der High School ging Weiss im Rahmen eines Gap Year nach Israel, half beim Bau einer Klinik für Beduinen in der Negev-Wüste und studierte an einer feministischen Jeschiwa und der Hebräischen Universität Jerusalem. Sie besuchte die Columbia University in New York City und machte 2007 ihren Abschluss. Während ihres Studiums war sie von 2005 bis 2007 die Gründungsredakteurin von The Current, einem Magazin der Columbia University für Politik, Kultur und jüdische Angelegenheiten. An der Columbia University war sie auch Mitbegründerin der Organisation Columbians for Academic Freedom (CAF) und 2005 an einer Kontroverse um den Columbia-Professor Joseph Massad beteiligt. Dabei warf sie Teilen der Universität Antisemitismus und anti-israelische Einstellungen vor, was zu einer offiziellen Untersuchung führte. Das Untersuchungskomitee kritisierte Massad, betonte aber auch den Mangel an Höflichkeit auf dem Campus, einschließlich der Pro-Israel-Studenten, die einige ihrer Professoren angegriffen hätten. Weiss kritisierte, das Komitee habe sich auf individuelle Beschwerden konzentriert, und behauptete, Studenten seien wegen ihrer Ansichten eingeschüchtert worden.

Karriere Im Jahr 2007 arbeitete Weiss für Haaretz und The Forward. Von 2011 bis 2013 war sie leitende Nachrichten- und Politikredakteurin bei dem Magazin Tablet. Danach war sie von 2013 bis April 2017 Redakteurin für Meinungsartikel und Buchrezensionen beim Wall Street Journal.

2017 stellte der Ressortleiter Meinung James Bennet Weiss als Redakteurin für Meinungsbeiträge und als Autorin für Kultur und Politik bei der New York Times ein, die sich nach dem Wahlsieg von Präsident Donald Trump bemühte, die Meinungsvielfalt in ihrer Redaktion zu vergrößern. Als Redakteurin der Zeitung popularisierte sie den Begriff Intellectual Dark Web, der für eine Reihe von Meinungsmachern verwendet wird, die Identitätspolitik und politische Korrektheit an Universitäten und in den Medien anprangern. Weiss gab am 14. Juli 2020 ihren Rücktritt bei der New York Times bekannt und veröffentlichte auf ihrer Website ein Rücktrittsschreiben, in dem sie die Times dafür kritisierte, vor der Kritik gegen sie auf Twitter zu kapitulieren und sie nicht gegen Mobbing durch ihre Kollegen zu verteidigen. In dem Schreiben warf sie der Zeitung auch vor, politisch und ideologisch einseitige Berichterstattung zu betreiben und eine „feindliche Arbeitsatmosphäre“ für sie geschaffen zu haben. Mitarbeiter hätten sie für divergierende Ansichten als „Nazi“ und „Rassistin“ diffamiert und ihr Arbeitgeber sie nicht geschützt.

Nach ihrem Ausscheiden sprach sich Weiss gegen Cancel Culture aus und verglich sich selbst mit Galileo Galilei, der für seine Ansichten verfolgt worden war. Ab 2020 schrieb Weiss gelegentlich Artikel für die deutsche Zeitung Die Welt. Vom 1. März 2021 bis zum 14. Januar 2025 arbeitete sie als Kolumnistin für Die Welt. Im Januar 2021 lancierte Weiss einen Substack-Newsletter mit dem Titel Common Sense, der später in The Free Press umbenannt wurde, woraus ein Medienunternehmen gleichen Namens entstand. Zudem startete sie einen Podcast mit dem Titel „Honestly“. Am 8. November 2021 kündigte Pano Kanelos, der frühere Präsident des St. John’s College, in einem Substack-Newsletter von Weiss die Gründung der privaten University of Austin an, die sich nach eigenen Angaben der akademischen- und Meinungsfreiheit verschreiben will. Dies wurde teilweise als Versuch der Gründung einer „anti-woken“ Bildungseinrichtung gedeutet. Ihr Medienunternehmen The Free Press machte im Jahr 2024 einen Umsatz von zehn Millionen Dollar und wurden von anderen Medien als Erfolg bewertet. Im Oktober 2025 wurde The Free Press für 150 Millionen US-Dollar von Paramount Skydance (zuvor von David Ellison übernommen worden) gekauft.

CBS-Chefredakteurin seit 2025 David Ellison ernannte Bari Weiss nach dem Kauf am 6. Oktober 2025 zur neuen Chefredakteurin von CBS News. Anlässlich des Antritts ihrer neuen Position legte sie in einem Brief an die Mitarbeiter der Nachrichtenabteilung von CBS zehn journalistische Prinzipien dar, an denen der Sender sich nach ihrer Ansicht zukünftig orientieren sollte.

Weiss berichtet direkt dem Konzernbesitzer David Ellison über ihre Tätigkeiten. Trump verurteile die alte und lobte die neue CBS-Führung. Zu den ersten Tätigkeiten von Weiss gehörte, das investigative Magazin 60 Minutes zu verändern. Größere mediale Aufmerksamkeit erhielt diese Tätigkeit, als herauskam, dass Weiss einen Trump-kritischen Bericht zur Migration und Lage in Gefängnissen verhinderte. Intern wurde dies teils als Zensur bezeichnet. Weiss sagte zur Entscheidung, der Story fehlen für den Kontext Interviews der Regierung. Laut Medienberichten hatten die Journalisten jedoch durchaus bei der Regierung nach Stellungnahmen gefragt, jedoch wurden Interviews dazu von der Regierung abgelehnt. Vermutet wurde in Medien teils, dass der Trump-freundliche Kurs des Senders auch dazu dienen könnte, Trumps Unterstützung für weitere Medienkäufe von Ellison zu sichern.

Im Jahr 2026 intensivierten sich Vorwürfe, dass Weiss das Ziel verfolge, die Nachrichtensparte von CBS im Sinne einer bestimmten Agenda zu färben. Konkret wurde ihr wiederholt vorgehalten, zu versuchen, die Berichterstattung des Senders zu Themen, wie Donald Trump und der MAGA-Bewegung, der ICE-Behörde, Israel oder Milliardären dahingehend zu beeinflussen, dass diese in einem möglichst positiven Licht erscheinen sollten und Gegner bzw. Kritiker der Genannten in ein möglichst negatives Licht zu rücken. Speziell wurde Weiss auch die Absicht vorgeworfen, die Nachrichten-Abteilung des Senders von Redakteuren und Journalisten, die nicht gewillt seien, auf die skizzierte Linie einzuschwenken, zu säubern. Öffentlich erhoben wurde dieser Vorwurf z. B. von dem Journalisten Scott Pelley, der nach 37 Jahren Tätigkeit für das von CBS ausgestrahlte Nachrichtenmagazin "60 Minutes" im Mai 2026 auf Veranlassung von Weiss aus dem Dienst des Senders entlassen wurde. Pelley erklärte, dass Weiss wiederholt die Ausstrahlung von Berichten, die Journalisten von CBS produziert hatten, verhindert und die Vornahme von Änderungen an den Beiträgen verlangt habe, da diese nicht der Sicht der Trump-Regierung entsprachen. Pelley warf ihr also vor, die journalistische Berichterstattung von CBS aus politischen Motiven zensiert zu haben. Als Beispiel hierfür nannte er die Berichterstattung von CBS über die Erschießung von Renee Good, einer Bewohnerin von Minnesota, die Anfang 2026 während der Teilnahme an einem Protest gegen die Sicherheitsbehörde ICE von einem ICE-Agenten erschossen wurde: Weiss habe interveniert, um einen für die Regierungsbehörde belastenden Bericht nicht zur Ausstrahlung gelangen zu lassen. Stattdessen habe sie in einer Mail die Aufforderung an die Nachrichtenredaktion des Senders gerichtet, die Protestierenden als gewalttätiger hinzustellen, als sie es nach Wahrnehmung der berichtenden Journalisten waren (sie soll sinngemäß die Aufforderung kommuniziert haben: "Can we make the protesters look more violent?"), und speziell den Sachverhalt, der in Goods Erschießung gemündet hatte, so darzustellen, dass diese mit ihrem Automobil gezielt auf den Agenten, der sie erschoss, zugefahren sei, bevor er das Feuer eröffnete, obwohl die Videoaufnahmen zu dem Vorfall diese Behauptung nicht deckten. Pelley vertrat daher den Standpunkt, dass Weiss durch solche Anweisungen versuche, "Unwahrheiten und Voreingenommenheit" (“falsehoods and bias”) in die Berichterstattung von CBS einzufügen und 60 Minutes als Flaggschiff-Sendung des Senders durch ihre Eingriffe in die journalistische Integrität der Berichterstattung zu „ermorden“. Er selbst, Pelley, sei entlassen worden, nachdem er klargemacht habe, dass er nicht gewillt sei, dies mitzumachen."CBS News Fires Scott Pelley of ‘60 Minutes’", in: New York Times vom 2. Juni 2026; "Scott Pelley says Bari Weiss wanted 60 Minutes to say Renee Good was ‘Driving Toward Officer’", in: Guardian vom 8. Juni 2026 (online); "Korrespondent rechnet mit CBS-News-Chefin Bari Weiss ab", in: FAZ vo, 8. Juni 2026.

Persönliches Weiss ist bisexuell. Während ihres Studiums an der Columbia University hatte sie eine kurze Beziehung mit der Komikerin Kate McKinnon. Von 2013 bis 2016 war sie mit dem Umweltingenieur Jason Kass verheiratet. Seit 2018 ist Weiss mit Nellie Bowles, Ex-Reporterin der New York Times, liiert. Inzwischen mit ihr verheiratet, haben sie eine 2022 geborene Tochter.

Politische Ausrichtung und Kritik Laut der Washington Post stellt sich Weiss „als Liberale dar, die sich mit den Auswüchsen der linken Kultur unwohl fühlt“. In einem Interview mit Joe Rogan bezeichnete sie sich selbst als „nach links tendierende Zentristin“. Andere schätzten sie als konservativ oder als politisch schwer zu klassifizieren ein. Weiss bezeichnet sich selbst als „fanatische Zionistin“ und hat in ihren Kolumnen ihre Unterstützung für Israel und den Zionismus zum Ausdruck gebracht. Weiss hat sich gegenüber US-Präsident Donald Trump mehrfach kritisch geäußert, gleichzeitig jedoch einige seiner politischen Vorschläge befürwortet. Trumps MAGA-Bewegung attestierte sie, in erster Linie nach Macht zu streben, anstatt nach klaren Werten zu handeln. Sie sah die Gefahr, dass die „Ultrarechte, wenn sie nicht herausgefordert wird, die konservative Mitte verschlingen könnte, so wie das auf der anderen Seite geschehen ist“.

Weiss’ Rolle bei der Antisemitismus-Kontroverse an der Columbia University wurde von Glenn Greenwald kritisiert, der behauptete, dass sie „darauf abzielte, die Karrieren arabischer Professoren zu ruinieren, indem sie ihre Kritik an Israel mit Rassismus, Antisemitismus und Mobbing gleichsetzte, und ihre zentrale Forderung war, dass diese Professoren (von denen einige keine Festanstellung hatten) für ihre Übertretungen diszipliniert werden sollten“.

Weiss’ Rücktritt von der New York Times im Jahr 2020 löste eine Debatte über Meinungsfreiheit und politische Voreingenommenheit in den US-Medien aus. Ihr Brief wurde von den US-Senatoren Ted Cruz, Marco Rubio und Kelly Loeffler, Donald Trump Jr., dem politischen Kommentator Ben Shapiro und auch den ehemaligen demokratischen Präsidentschaftskandidaten Andrew Yang und Marianne Williamson gelobt. Viele linke und linksliberale Medien kritisierten sie dagegen. Ein Meinungsartikel des Guardian warf ihr „Aufmerksamkeitssuche“ vor.