Medellín [] ist die Hauptstadt des Departamento Antioquia in Kolumbien. Mit 2.528.000 Einwohnern (Stand: 2025) ist Medellín nach der Hauptstadt Bogotá die zweitgrößte Stadt des Landes. Sie ist aufgrund ihres ganzjährig sonnigen und warmen Klimas als „Stadt des ewigen Frühlings“ bekannt.

Medellín gilt als eine Vorzeigestadt Lateinamerikas. Gründe hierfür sind die erfolgreiche Integration der zuvor schwer zugänglichen städtischen Randbezirke, deren Anschluss an die Stadt mit preiswertem kommunalen Nahverkehr und Seilbahnen sichergestellt wurde, die Stärkung von Kunst, Kultur und Sport im öffentlichen Raum sowie breite Investitionen in Bildung und Hochschulen. 2012 wurde Medellín vom Wall Street Journal zur innovativsten Stadt der Welt erklärt.City of the Year online.wsj.com, abgerufen am 12. Juni 2014 (englisch) Noch in den 1990er Jahren war die Stadt von einer hohen Kriminalitätsrate geplagt, nahm seither jedoch eine rasante Entwicklung und ist heute für ihre erfolgreiche Stadtentwicklung weltweit anerkannt.

Geografie Die Metropolregion von Medellín, die offiziell Área Metropolitana del Valle de Aburrá genannt wird, umfasst zehn umliegende Gemeinden (municipios), über die sich heute de facto das Stadtgebiet von Medellín erstreckt.

Medellín liegt im Aburrá-Tal, einem Tal in der Zentralkordillere der Anden im nordwestlichen Kolumbien, auf einer Höhe von . Medellín wird daher auch Capital de la Montaña, Hauptstadt der Berge, genannt.

Die Metropolregion von Medellín besteht aus den folgenden Städten (von Süden nach Norden):

Caldas La Estrella Sabaneta Itagüí Envigado Medellín Bello Copacabana Girardota Barbosa

Die Stadt ist berühmt für ihre Gartenanlagen, ihre Blumen und die Vielfalt der Orchideen, die dort heimisch sind. Deswegen hat sie auch den Beinamen Capital de las Flores („Hauptstadt der Blumen“).

Administrative Gliederung der Stadt Medellín ist in 16 Stadtbezirke (comunas), 256 Stadtteile (barrios) und vier ländliche Gebiete (corregimientos) unterteilt.

Klima Einheimische nennen Medellín auch Bella Villa oder Capital de la Eterna Primavera, Hauptstadt des ewigen Frühlings, da die Temperaturen selten über 30 Grad klettern oder unter 16 Grad fallen.

Durchschnittswerte 1971–2000

Geschichte Spanische Eroberung des Tals mini|hochkant|Marschall Jorge Robledo Im August 1541 befand sich Marschall Jorge Robledo an dem heute als Heliconia bekannten Ort, als er in die Ferne sah und etwas erblickte, was er für ein Tal hielt. Er entsandte Jerónimo Luis Tejelo, um das Gebiet zu erkunden, und in der Nacht des 23. August erreichte Tejelo die Ebene des heutigen Aburrá-Tals. Die Spanier gaben dem Tal den Namen „Tal des Heiligen Bartholomäus“. Dieser wurde jedoch aufgrund der textilen Verzierungen der Einheimischen bald in den einheimischen Namen Aburrá geändert, was „Maler“ bedeutet.Restrepo Uribe, Jorge (1981), Medellín, su Origen, Progreso y Desarrollo, Servigráficas, Medellín. ISBN 84-300-3286-X

1574 bat Gaspar de Rodas den cabildo Antioquias um zehn Quadratkilometer Land, um Viehzucht im Tal zu etablieren und eine Farm zu bauen. Der Cabildo gewährte ihm acht Quadratkilometer Land.

1616 gründete Francisco de Herrera y Campuzano eine Siedlung mit 80 Indigenen und nannte sie Poblado de San Lorenzo, heute „El Poblado“. 1646 ordnete ein Kolonialgesetz die Trennung der Indigenen von Mestizen und Mulatten an, sodass die Kolonialverwaltung mit dem Bau einer neuen Stadt in Aná, dem heutigen Berrío-Park, begann, wo die Kirche Nuestra Señora de la Candelaria de Aná gebaut wurde.

Wachstum der Stadt mini|hochkant|Edificio Coltejer (im Hintergrund) mini|hochkant=1.1| Kathedrale (1927)

Die Bedeutung von Medellín und sein Wohlstand hatten ihren Ursprung in der Produktion von Kaffee seit 1880 und der ständig wachsenden Nachfrage.

Die Industrialisierung des Gebiets begann am Ende des 19. Jahrhunderts unter Führung des Textilindustriellen Pedro Nel Ospina. Die Stadt wuchs von 37.000 Einwohnern im Jahr 1880 auf fast 100.000 im Jahr 1930. Weitere Industrien waren dazugekommen, vor allem Bier, Glas, Schokolade und Keramik.

Mit dem Namen der Stadt verbindet sich auch die II. Generalversammlung des Lateinamerikanischen Episkopats vom 24. August bis 6. September 1968, auf der die katholische Kirche des Subkontinents eine historische Wende vollzog und sich zur Option für die Armen bekannte. Siehe Befreiungstheologie.

In den 1980er Jahren litt das öffentliche Leben der Stadt unter der Drogenmafia des Medellín-Kartells, welches unter anderem von Pablo Escobar angeführt wurde, und eine führende Rolle im weltweiten Handel mit Kokain einnahm.

Zuletzt wurde von der Stadtverwaltung eine Aufwertung der ärmsten Stadtteile durch architektonisch anspruchsvolle Bauprogramme unternommen, die der Stadt die vom Urban Land Institute vergebene Auszeichnung „Innovativste Stadt des Jahres“ und den „Lee Kuan Yew World City Prize“ eingebracht hat.Würde durch Architektur. luigimonzo.wordpress.com. Abruf am 19. Mai 2017

Kriminalität Die Statistik berichtet von mehr als 45.000 Tötungsdelikten im Zeitraum 1990–1999.Medellín y el homicidio elcolombiano.com, abgerufen am 17. April 2019 (spanisch) Erst nachdem paramilitärische Milizen vertrieben und Ende 2003 entwaffnet wurden,Paramilitärs lassen sich entwaffnen neues-deutschland.de, vom 29. November 2003 sank die Zahl drastisch von 6.658 Fällen (1991) auf 778 Fälle (2004) und lag somit unter dem Durchschnitt anderer lateinamerikanischer Großstädte. Dem Stadtviertel Sierra wurde 2005 der Dokumentationsfilm La Sierra gewidmet. Er handelt von den jugendlichen Kämpfern der Bande Bloque Metro, die im internen bewaffneten Konflikt ihr Stadtviertel zu verteidigen versuchen.

Medellín erreichte seinen niedrigsten Stand an Morden im August 2007. Die Anzahl der Tötungsdelikte stieg danach aber wieder erheblich an und lag 2009 bei 2.189 Fällen.Dinámica del homicidio. (PDF; 7,4 MB) Alcaldía de Medellín In den Jahren 2016 (533 Opfer), 2017 (579), 2018 (625) und 2019 (591) pendelte sich die Anzahl der Tötungsdelikte auf etwa 600 für ganz Medellín ein, wobei das Zentrum der Stadt und die Comuna 13 San Javier weit an der Spitze stehen.Medellín superó la cifra de 600 homicidios en 2018 El Tiempo, abgerufen am 17. April 2019 (spanisch)Medellín termina el 2018 con una dolorosa racha de siete homicidios en un solo día caracoltv.com, vom 31. Dezember 2018 (spanisch)En Medellín fueron asesinadas 2.351 personas entre 2016 y 2019 eltiempo.com, vom 6. Januar 2020 (spanisch) In den Folgejahren sank sie weiter. 2023 lag sie bei 375 Fällen.

Sehenswürdigkeiten und Kultur mini|Plaza Botero alternativtext=|mini|hochkant|Iglesia de San Ignacio

Kathedrale des Erzbistums Medellín, das Stadtzentrum überragend, neuromanische Lehmziegel-Basilika; Baubeginn war 1890, Fertigstellung und Weihe 1931. Ihre große dreimanualige romantische Orgel des deutschen Orgelbauers Oscar Walckerwalcker-orgel.de Die Orgelbauerfamilie Walcker und ihre Orgeln aus Ludwigsburg wurde mit Unterstützung der deutschen Bundesregierung im Jahr 2009/10 von der deutschen Orgelbauwerkstatt Oberlinger restauriert. Torre Coltejer Torre del Café Orquideorama, Sammlung von Orchideen im Botanischen Garten Museo de Antioquia sowie Plaza de Botero mit Werken, insbesondere Plastiken, des Künstlers Fernando Botero Museo Casa de la Memoria, 2011 eröffnet, erinnert an die Drogen- und Bürgerkriege in Kolumbien seit 1948 Museo de Arte Moderno de Medellín, verfügt über eine umfangreiche Sammlung (hauptsächlich kolumbianischer) moderner und zeitgenössischer Kunst Skulpturenpark Parque de las Esculturas del Cerro Nutibara, besteht seit 1983 Skulpturen des Bildhauers Rodrigo Arenas Betancur Längste Rolltreppe der Welt, am 27. Dezember 2011 im Stadtviertel Comuna 13 San Javier eingeweiht,Freiluftfahren: Riesenrolltreppe für kolumbianische Arme. auf: N24.de überwindet einen Höhenunterschied von umgerechnet 28 Stockwerken, hat ca. 5 Millionen Euro gekostet Planetario Municipal Jesus Emilio Ramirez Gonzalez, erstes computergesteuertes Planetarium in einer südamerikanischen Stadt Hip-Hop-Gruppe Sociedad FB7, in Medellín gegründet

Regelmäßige Veranstaltungen

Medellín ist über die Grenzen Kolumbiens für seine Feste bekannt. Zu ihnen zählen: Feria de Flores (Blumenfestival), jährlich im August Festival Internacional de Poesía de Medellín (Internationales Poesiefestival Medellín), jährlich im Sommer seit 1991 Fiesta de Luz (Lichterfestival), jedes Jahr zur Weihnachtszeit wird der Fluss Medellín mit Millionen von Lichtern ausgeleuchtet

Wirtschaft und Infrastruktur Wirtschaft mini|Straßenkreuzung an der Avenida del Ferrocarril In der Stadt befinden sich Betriebe der Textilindustrie, der Konfektion, der Nahrungsmittel- und Tabakindustrie, der Herstellung von Landwirtschaftsmaschinen, der metallurgischen und chemischen Industrie, der Zementherstellung, der Möbelindustrie und weitere Industriezweige. Damit steht Medellín an zweiter Stelle der nationalen Industrieproduktion und an erster Stelle in Südamerika in Bezug auf die Textilherstellung. Ein weiteres wirtschaftliches Standbein ist die Blumenproduktion. Hauptsächlich werden Orchideen für den Export in die USA, nach Europa oder Asien gezüchtet. Zu Ehren dieses bedeutenden Wirtschaftszweigs veranstaltet Medellín seit 1957 die Feria de Flores. Inzwischen hat sich neben der Industrie auch ein breiter tertiärer Sektor entwickelt.

Verkehr mini|Linie B im Sektor San Javier der Metro Medellín mini|Haltestelle Loyola der Ayacucho-Tram Medellín verfügt als einzige Stadt Kolumbiens über eine Hochbahn (eröffnet 1995), die sie mit ihrer Umgebung verbindet. Die Metro de Medellín hat zwei Linien mit insgesamt 42 km Schienennetz. Die Stadt betreibt auch sechs Seilbahnlinien zu den Armenvierteln Santo Domingo und San Javier sowie die Ayacucho-Tram, eine spurgeführte Oberleitungstramlinie nach dem System Translohr. Pro Jahr transportieren die Seilbahnen rund 100 Millionen Passagiere. Der Betrieb und sein Ausbau finanziert sich über das UN-Konzept zum Klimaschutz durch Emissionshandel. Da das Seilbahnsystem jährlich etwa 20.000 Tonnen CO2 einspart, ist die Stadt in der Lage, entsprechende Emissionszertifikate zu verkaufen. Die Auswirkungen des Seilbahnsystems werden hinsichtlich Abgasemissionen, Kriminalität und Strukturveränderungen in den einbezogenen Armenviertel positiv bewertet.Vera Sprothen, Heike Buchter, Christiane Grefe: Es geht voran. Kolumbien - ohne Abgase. In: Die Zeit, Nr. 49/2011, Wirtschaftsteil, S. 26.

Die Stadt hat 2012 den Sustainable Transport Award gewonnen.Martin Randelhoff: Gewinner des Sustainable Transport Award 2012: San Francisco und Medellin. auf: zukunft-mobilitaet.net

Der Stadtflughafen Enrique Olaya Herrera bedient nationale Verbindungen. Der deutlich größere Flughafen Rionegro liegt etwa 25 km südöstlich der Stadt und bietet zahlreiche internationale Verbindungen, u. a. nach Madrid, Frankfurt am Main und New York. Seit August 2019 ist der Flughafen Rionegro über den Túnel de Oriente verkehrsgünstig in etwa 17 Minuten ans Stadtzentrum angebunden.

Bildung In der Stadt sind beheimatet: Universidad de Antioquia (UdeA, gegründet 1803) Universidad Nacional de Colombia (UNAL) Universität Medellín (UdeM, eröffnet 1950) Päpstliche Universität Bolivariana (UPB, eröffnet 1936) Universidad EAFIT (eröffnet 1960) Universidad Autónoma Latinoamericana (eröffnet 1966)

Seit 1983 besteht das Tecnológico de Antioquia.

Unter dem ehemaligen Bürgermeister Sergio Fajardo Valderrama wurde eine großangelegte Bildungskampagne gestartet, zum Beispiel wurden für sechs Millionen US-Dollar die Bibliothek und umgebende Anlage Parque Biblioteca España im Stadtteil Santo Domingo errichtet.