Der Krieg in Israel und Gaza seit 2023 ist ein bewaffneter Konflikt zwischen der israelischen Armee (IDF) und der Terrororganisation Hamas sowie den mit ihr verbündeten militanten Gruppierungen im Gazastreifen. Er begann mit dem langfristig von der Hamas geplanten Terrorangriff auf Israel am 7. Oktober 2023, an dem auch der mit der Hamas verbündete Islamische Dschihad in Palästina (PIJ) und andere im Gazastreifen operierende Terrorgruppen beteiligt waren. Darauf reagierte Israel ab dem Folgetag mit der Operation „Eiserne Schwerter“, die das Ziel hatte, die am 7. Oktober in den Gazastreifen verschleppten Geiseln zu befreien und die militärischen Fähigkeiten der Hamas dauerhaft auszuschalten.

Dieser Gazakrieg ist der bislang jüngste bewaffnete Konflikt in der Region Palästina. In dessen Verlauf griff auch die im Libanon operierende islamistische Terrororganisation Hisbollah, die sich mit der Hamas solidarisiert hatte, seit Oktober 2023 wiederholt und im verstärkten Maß Städte und Dörfer im Norden Israels mit Raketen an, woraufhin die IDF im Herbst 2024 im Rahmen der Bodenoffensive im Südlibanon die Blaue Linie zum Libanon überschritten und Ziele der von der Islamischen Republik Iran unterstützten libanesischen Hisbollah attackierten.

Am 7. Oktober 2023 ermordeten Terroristen der Hamas und anderer mit ihr verbündeter militanter Gruppierungen 1139 Menschen und verschleppten nach Geiselnahmen während des Terrorangriffs 250 Menschen in den Gazastreifen. Eine Reihe der Geiseln konnten während zwischen Israel und der Hamas vereinbarten Waffenstillständen im November 2023 sowie von Mitte Januar bis Mitte März 2025 nach Israel zurückkehren, andere wurden ermordet oder starben und konnten nur noch tot nach Israel zurückgeführt werden. Anfang März 2025 hielt die Hamas nach Angaben der israelischen Regierung noch 24 männliche erwachsene Geiseln sowie 35 Leichen von Verschleppten im Gazastreifen fest.

Bei den israelischen Militäroperationen im Gazastreifen wurden laut Angaben des von der Hamas kontrollierten Gesundheitsministeriums in Gaza und der Vereinten Nationen über 71.000 Bewohner getötet und zehntausende weitere schwer verletzt; Experten sehen die offiziellen Opferzahlen als konservative Schätzungen an. Bis Mitte Dezember 2023 mussten rund 1,9 der etwa 2,2 Millionen Einwohner Gazas ihre Häuser und Wohnungen wegen der Kämpfe verlassen und in von der IDF ausgewiesene Evakuierungsgebiete fliehen. Dort war und ist nicht sichergestellt, dass die Evakuierungen unter zufriedenstellenden Bedingungen hinsichtlich Hygiene, Gesundheit, Sicherheit und Ernährung ablaufen.

Israel blockierte wiederholt die Einfuhr humanitärer Hilfslieferungen in den Gazastreifen; Experten und Hilfsorganisationen warnten regelmäßig vor dem Risiko einer Hungersnot. Am 22. August 2025 rief die von den Vereinten Nationen unterstützte IPC-Initiative offiziell eine Hungersnot im Gouvernement Gaza, einschließlich der Stadt Gaza aus. Am 19. Dezember 2025 teilten die Vereinten Nationen in ihrem IPC-Report mit, in keinem Gebiet des Gazastreifens gebe es mehr eine Hungersnot, der gesamte Gazastreifen sei aber hinsichtlich die Lebensmittelversorgung weiterhin ein humanitärer Notfall.

Beiden Kriegsparteien werden Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit vorgeworfen. Im November 2024 erließ der Internationale Strafgerichtshof Haftbefehle gegen Israels Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu und Verteidigungsminister Joaw Galant sowie den Hamas-Führer Mohammed Deif. Der Internationale Gerichtshof prüft in einem Verfahren den Vorwurf, Israel begehe im Gazastreifen einen Völkermord. Auch Menschenrechtsorganisationen, Historiker und Genozidforscher erhoben Völkermordvorwürfe gegen Israel.

Am 10. Oktober 2025 trat auf amerikanische Initiative eine Waffenruhe in Kraft, die zu einem dauerhaften Frieden führen sollte.

Nachdem die Angaben des Gesundheitsministeriums im Gazastreifen über die Opferzahlen lange Zeit als überhöht bezeichnet wurden, bestätigte die israelische Armee Ende Januar 2026 nach Berichten renommierter israelischer Zeitungen die Angaben, es wurden seit Ausbruch des Kriegs mindestens 70.000 Menschen im Gazastreifen direkt durch Angriffe getötet. Diese Zahl enthält nicht diejenigen Opfer, die noch vermisst werden oder indirekt infolge des Kriegs gestorben sind.

Bis Mai 2026 wurden seit Beginn der Waffenruhe etwa 800 Palästinenser von den israelischen Streitkräften getötet. Israel dehnt seine militärische Kontrolle des Gazastreifens kontinuierlich aus; der israelische Verteidigungsminister Israel Katz erklärte gegen Ende Mai 2026, das Ziel der israelischen Regierung sei die freiwillige Auswanderung großer Zahlen von Palästinensern.

Kontext und Warnungen

Im bereits seit Jahrzehnten andauernden Israelisch-Palästinensischen Konflikt war es im Frühjahr 2023 zu Siedlergewalt in der palästinensischen Kleinstadt Huwara und zu den Al-Aqsa-Konfrontationen in Jerusalem gekommen. Im Februar 2023 versprach der israelische Minister für Nationale Sicherheit, Itamar Ben-Gvir, erneut in das palästinensische Westjordanland einzumarschieren.Mariam Barghouti: Days Into the Gaza Ceasefire, Israel Declared War on the West Bank. 17. Februar 2025, abgerufen am 3. Oktober 2025 (englisch). In Israel hatte es monatelange Großdemonstrationen gegen die geplante Justizreform der von Premierminister Benjamin Netanjahu geführten israelischen Regierung gegeben.

Im Mai 2023 gab Netanjahu den Forderungen seiner ultrarechten Minister nach und ließ den Gazastreifen bombardieren (Operation „Schild und Pfeil“).

Ab März 2023 hatten Saudi-Arabien und Israel eine Normalisierung ihrer Beziehungen angestrebt.; Der Terrorangriff der Hamas, so wurde vielfach vermutet, sollte diese Bemühungen torpedieren.

Die Hamas hatte den Angriff vom 7. Oktober 2023 langfristig geplant. Die israelischen Nachrichtendienste wussten bereits seit 2022 von einem Angriffsplan der Hamas, hatten aber nicht an die Ausführung geglaubt. Im Februar 2026 berichtete das Nachrichtenportal Ynet unter Berufung auf Geheimdienstdokumente und Aussagen hochrangiger Beamter, dass Premierminister Benjamin Netanjahu seit 2018 wiederholt mit dem Angriffsplan/den Angriffsplänen der Hamas konfrontiert worden sei.

2026 berichteten mehrere Medien von einem möglichen weiteren Kapitel der Vorgeschichte, begonnen mit Haaretz. Dieses Kapitel wird von Netanjahu bestritten. Demnach verhandelten Hamas und Israel ab Anfang 2023 über eine HudnaVergleiche auch (ein in den frühen 1990ern entwickeltes Konzept der Hamas für eine mit dem islamischen Recht konforme Koexistenz mit Israel). Der Unterhändler war der Fatah-Politiker Sufian Abu Zaida, zugleich eine der Hauptquellen der Haaretz-Journalisten. Bestandteil dieser Absprachen waren eine schrittweise Aufhebung der Gazablockade, eine Erhöhung der Zufuhr von Nahrung und Rohstoffen in den Gazastreifen, eine Einrichtung von Handelszonen mit Israel und Ägypten, ein Zugang von Gazäern zum ägyptischen Flughafen in Scharm asch-Schaich, Versorgung mit dem Erdgasvorkommen vor der Küste des Gazastreifens und ein Gefangenenaustausch. Die Bedingungen waren fertig ausgehandelt; allein die Umsetzung musste noch von Natanjahu eingeleitet werden.

Nach Bericht des Unterhändlers zögerte Netanjahu diesen Schritt mehrere Wochen hinaus. Anfang September zog sich Yahya Sinwar, der Anführer der Hamas im Gazastreifen, aus den Verhandlungen zurück und beauftragte Abu Zaida Anfang September und erneut Mitte des Monats, Israel zu benachrichtigen, sollte ein Fortschritt weiter auf sich warten lassen, bereite er ein „Erdbeben“ vor.Diese Botschaft war mit ähnlichem Wortlaut bereits früher bekannt geworden; vergleiche zum Beispiel Beim zweiten Mal wurde diese Botschaft über Muhammad bin Zayid Al Nahyan, den Präsidenten der Vereinigten Arabischen Emirate, an den Schin Bet übermittelt; dessen Leiter Ronen Bar informierte Netanjahu. Sinwars Warnung wurde im Rahmen mehrer Treffen Netanjahus mit Verteidigungsminister Joaw Galant und mehreren führenden Militärs diskutiert. Israels Nachrichtendienste vermuteten, geplant sei ein Terrorangriff im Westjordanland oder eine Operation im Irak. Nachdem israelische Reaktionen ausblieben, warnte bin Zayid Netanjahu erneut per TelefonVergleiche auch (was mehreren weiteren Zeitungen von verschiedenen Quellen bestätigt wurde) vor einem großen Angriff. Dieses Telefonat verschwieg Netanjahu den israelischen Militärs. Einen prophylaktischen Angriff auf den Gazastreifen lehnte er ab, um nicht die Verhandlungen mit Saudi-Arabien zu gefährden.Vergleiche auch

Elf Tage vor dem Angriff warnte auch der Chef des ägyptischen Geheimdienstes, Abbas Kamel, Israel vor einer bevorstehenden „Explosion“ im Gazastreifen. Wer sein Adressat war, ist nicht bekannt; Netanjahus Büro wies es zurück, Informationen von Ägypten erhalten zu haben.Vergleiche auch Laut Michael McCaul ging aus Ägypten drei Tage vor dem Angriff eine weitere Warnung vor einer starken Attacke aus dem Gazastreifen ein. Netanjahu wies dies als Falschaussage zurück.

Kriegsauslösender Terrorangriff der Hamas

Mehr als 1000 Beteiligte drangen vom Gazastreifen aus in Israel ein, ermordeten und vergewaltigten gezielt Bewohner grenznaher Kibbuzim und Besucher eines Musikfestivals, verschleppten etwa 250 Menschen als Geiseln in den Gazastreifen, darunter Babys, Mütter und betagte Holocaustüberlebende. Zugleich beschossen die Hamas und ihre Verbündeten Israel mit Raketen.Muriel Asseburg: Der 7. Oktober und der Krieg in Gaza, München 2025, S. 184. Insgesamt 1.139 Menschen wurden am 7. Oktober ermordet, die weitaus meisten an einem einzelnen Tag in der Geschichte des Staates Israel.

Die palästinensische Führung in Ramallah betonte direkt nach dem 7. Oktober das Selbstverteidigungsrecht des palästinensischen Volkes gegen Siedlergewalt und israelische Armee. Später verurteilte sie allgemein Gewalt gegen israelische Zivilisten, ohne sich aber klar auf den 7. Oktober zu beziehen. Erst im Frühjahr 2024 distanzierte sich die Fatah scharf von der Hamas-geführten Operation.Muriel Asseburg: Der 7. Oktober und der Krieg in Gaza, München 2025, S. 21.

Kriegsziele Israel Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu erklärte nach dem Terrorangriff gegen Israel die Absicht, die Hamas zu vernichten.

Das israelische Kriegskabinett legte sich im Oktober 2023 auf vier Hauptziele im Kampf gegen die Hamas und den mit ihr verbündeten Islamischen Dschihad in Palästina fest: unter Bezug auf den israelischen Medienbericht: „Der Sturz der Hamas-Herrschaft und eine Lösung für die Entführungsfrage: Das Dokument über die Kriegsziele wurde enthüllt“ (Google-Übersetzung)

Sturz der Hamas-Regierung und Zerstörung ihrer militärischen Fähigkeiten. Beseitigung der terroristischen Bedrohung Israels durch Angriffe, die vom Gazastreifen aus geführt werden. Maximale Anstrengungen zur Befreiung der mehr als 200 israelischen Geiseln im Gazastreifen. Verteidigung der Grenzen Israels und seiner Zivilbevölkerung.

Schon früh wurden Schwierigkeiten bei der Realisierung dieser Ziele gesehen: Unter Berufung auf hochrangige Beamte der US-Regierung berichtete beispielsweise die New York Times in der Nacht vom 18. zum 19. Oktober 2023, dass die IDF noch nicht in der Lage seien, die gesteckten Ziele zu erreichen. Bedenken am Erfolg der Operation bestanden dem Bericht der NYT zufolge vor allem deshalb, weil sich die IDF mit einer Bodenoffensive auf einen Kampf im urbanen Gelände einlassen müsse. Zudem habe die Hamas im Gazastreifen Heimvorteile: Ihre Kämpfer trügen zivile Kleidung, verschanzten sich in zivilen Gebäuden und könnten dank eines weitverzweigten Tunnelsystems jederzeit überall auftauchen und wieder rasch verschwinden, sodass hohe Verluste unter israelischen Soldaten zu erwarten seien.