Kimba, der weiße Löwe (jap. , Janguru Taitei für Jungle Taitei, zu dt. „Dschungelkaiser“) ist eine international erfolgreiche Manga-Serie des japanischen Zeichners Osamu Tezuka, die auch in Form von Animes umgesetzt wurde. Die erste Umsetzung des Mangas als Fernsehserie war zugleich die erste japanische Serie in Farbe. Die drei TV-Serien umfassten im Zeitraum von 1965 bis 1989 insgesamt 130 Folgen.

Die Geschichte handelt von einem weißen Löwen, der nach dem Tod seiner Eltern den Dschungel regieren will.

Handlung Der weiße Löwe Cäsar (Panja) ist der König eines afrikanischen Dschungelreiches. Als Menschen seine Gefährtin fangen, wird Cäsar bei dem Versuch, sie zu befreien, getötet. Auf der langen Schiffsreise, die sie in einen Zoo bringen soll, bringt Cäsars Gefährtin dessen Sohn Kimba (Leo) zur Welt und erzählt ihm von seinem Vater. Um die Nachfolge Cäsars anzutreten, springt Kimba über Bord und sucht den Weg nach Afrika. Bald darauf sinkt das Schiff mit Kimbas Mutter bei einem Sturm.

Schließlich entdeckt Kimba gemeinsam mit der französischen Ratte Jaques Land und findet im Jungen Kenichi einen menschlichen Freund. Mit diesem lebt er eine Zeit lang zusammen, wobei er stets zwischen seinen Instinkten als wildes Tier und der von Kenichi vermittelten Freundschaft und Großzügigkeit schwankt. Schließlich kehrt er in das Land seines Vaters zurück. Dort muss das weiße Löwenkind feststellen, dass es fast gezähmt ist und nicht in den Dschungel passt. Doch Kimba will genauso stark und stolz wie sein Vater werden und den Dschungel regieren. Jedoch hat sich inzwischen der Löwe Bubu das Königreich angeeignet. Da er kein guter Herrscher ist, erhält Prinz Kimba die Unterstützung der Tiere, um den Thron zurückzugewinnen.

Entstehung und Veröffentlichung des Mangas Kimba, der weiße Löwe erschien in Japan von November 1950 bis April 1954 im Manga-Magazin Manga Shōnen des Verlags Gakudosha. Die Einzelkapitel erschienen später auch in drei Sammelbänden. Eine erste Neuauflage folgte bei Hobunsha, eine zweite bei Kodansha. In den 1960er und 1970er Jahren überarbeitete Tezuka die Geschichte einige Male und zeichnete weitere Serien und Remakes rund um Kimba. Die endgültige Fassung erschien 1977.

Die Serie mit insgesamt über 600 Seiten war die erste Arbeit Tezukas, die in einem Magazin veröffentlicht wurde, und wurde schnell zu einem Erfolg. Der Manga war stark beeinflusst von Disneys Bambi und gilt teilweise auch als japanische Antwort auf den Film.Patten, 2004. S. 140

Auf Deutsch erschien die Serie im Jahr 2001 bei Carlsen Comics in drei Bänden. Inzwischen bringt der Verlag eine Neuausgabe in 2 Hardcover-Bänden heraus. Der zweite Band davon erschien am 28. August 2012.,Verlagswebsite von Carlsen zur Neuausgabe. Aufgerufen am 3. Mai 2012

Adaptionen Erste Serie Tezukas Anime-Studio Mushi Productions produzierte auf Basis des Mangas eine Anime-Serie mit 52 Folgen, bei der Hayashi Shigeyuki Regie führte. Künstlerischer Leiter war Tsuyoshi Matsumoto. Die Verfilmung von Jungle Taitei war die erste farbige Fernsehserie Japans.Trish Ledoux und Doug Ranney: The Complete Anime Guide S. 2. Tiger Mountain Press, Issaquah (Washington), 1995.Paul Gravett: Manga – Sechzig Jahre Japanische Comics, S. 28. Egmont Manga und Anime, 2004. Dies ist auf die Beteiligung der amerikanischen Firma NBC Enterprises zurückzuführen, die keine Schwarz-Weiß-Serie senden wollte und 1964 mit der Aussicht auf eine Farbserie für die Mitfinanzierung gewonnen werden konnte. Doch auch die japanischen Geldgeber hatten Mushi Production gedrängt, eine Serie in Farbe zu produzieren.Jonathan Clements: Anime – A History. Palgrave Macmillan 2013. S. 127f. ISBN 978-1-84457-390-5. NBC nahm auch weiteren Einfluss auf die Produktion, so wurden die Folgen 1 und 8 so produziert, dass die Folgen 2 bis 7 in der amerikanischen Fassung weggelassen werden konnten. Diese behandeln Kimbas Zeit bei Kenichi, die der amerikanische Sender nicht zeigen wollte. NBC setzte außerdem durch, dass Kimba ein junger Löwe bleibt und nicht wie im Manga gänzlich erwachsen wird,Patten, 2004. S. 221 und dass die Folgen wie in amerikanischen Serien eine jeweils abgeschlossene Handlung haben statt der epischen des Mangas.Deutsches Filminstitut – DIF / Deutsches Filmmuseum & Museum für angewandte Kunst (Hg.) (2008): ga-netchû! Das Manga Anime Syndrom S. 56. Henschel Verlag. Tezuka plante daher, die Geschichten über den erwachsenen Kimba in einer zweiten Staffel zu erzählen, was 1966 auch umgesetzt wurde. Außerdem verlangte NBC, im Hinblick auf die Tierrechts- und Bürgerrechtsbewegungen in den USA, dass keine Grausamkeit von Menschen an Tieren gezeigt werden durften sowie keine Schwarzen. Später wurden diese Vorgaben gelockert und so durften Schwarze auftreten, mussten aber zivilisiert dargestellt werden und durften keine Antagonisten sein. Die Serie wurde als Limited Animation mit Cel-Animation ausgeführt.Deutsches Filminstitut – DIF / Deutsches Filmmuseum & Museum für angewandte Kunst (Hg.) (2008): ga-netchû! Das Manga Anime Syndrom S. 111. Henschel Verlag. Für die Serie war ein Budget von 130 Millionen Yen angesetzt, etwa 2,5 Millionen pro Folge.

Der Anime wurde vom 6. Oktober 1965 bis zum 28. September 1966 durch Fuji TV ausgestrahlt. Ab September 1966 folgte die Ausstrahlung in den USA. Die Serie wurde in Frankreich, Spanien, Lateinamerika, Italien, Portugal und auf den Philippinen im Fernsehen ausgestrahlt.

Auf Deutsch wurde Kimba, der weiße Löwe erstmals 1977 im ZDF ausgestrahlt. Die deutsche Fassung besteht jedoch nur aus 39 Episoden. Die fehlenden 13 Episoden wurden später als Bestandteil der Fortsetzungsserie Boubou, König der Tiere ausgestrahlt. Als Grundlage für die deutsche Synchronisation diente die US-Version, in der einige Namen des japanischen Originals geändert worden waren. So heißt „Kimba“ in der japanischen Version „Leo“, „Cäsar“ trägt im Original den Namen „Panja“. Der Anime wurde später durch Sat.1 und Junior wiederholt.

Synchronisation Die deutsche Synchronfassung entstand unter Regie und nach einem Dialogbuch von Siegfried Rabe. Rolle (jp./dt.) Japanischer Sprecher (Seiyū) Deutscher Sprecher Leo/Kimba Yoshiko Ōta Oliver Grimm Panja/Cäsar Asao Koike Georg CortenKittyYoshiko MatsuoCornelia MeinhardtCäsars FrauNoriko ShindouBettina SchönLeonaMasako IkedaWaltraut HabichtMaryYoshiko YamamotoMarianne LutzBuckyHajime AkashiHarry WüstenhagenPaulyKinto TamuraRenate DanzCheetaJunpei TakiguchiWolfgang DraegerDodieKyouko ToriyamaMaud Ackermann Boss Rhino Kenji UtsumiHans W. HamacherKelly Fant Kyoshi KobayashiEdgar OttJunge KimbaYoshiko ŌtaA. Pawlowski DotAndrej BrandtDashAndreas FröhlichDinkieJulia BiedermannSpeedy CheetahDorette HugoMixpickle Kouhito MaekawaOliver RohrbeckWalter Snakely Masao NakasoneJoachim Röcker, Gerd DuwnerTubbySetsuo Wakui, Shinpei SakamotoNorbert LangerWildhüter Kazuo KumakuraHeinz Theo BrandingGazelleErich FiedlerSchnüffelKousei TomitaJoachim TennstedtPop WoolyTadashi NakamuraHolger KepichStachelschwein Hans-Georg PanczakGiraffePeter MatićFliegerMasao ImanishiHermann EbelingBigotKouji SuwaRolf SchultKranichWilfried HerbstSamsonKin'ya MorikawaManfred MeurerOnkel PompusJunji ChibaKurt Waitzmann Glave Goro Naya Kenichi/Ronny Nobuaki Sekine Michael Nowka Higeoyaji/Onkel Harry Junji Chiba Friedrich Schoenfelder Erzähler/Daniel Hisashi Katsuta Klaus Miedel

Musik Die Musik der Serie komponierte Isao Tomita, auch den Vorspanntitel Jungle-Taitei () und das Abspannlied Leo no Uta (). Die Musik wurde später, erstmals für einen Anime, auf einem Album veröffentlicht.Jonathan Clements: Anime – A History. Palgrave Macmillan 2013. S. 164. ISBN 978-1-84457-390-5.

Die US-amerikanische Version des Vorspanns stammt von Bill Giant.

Zweite Serie 1966 entstand bei Mushi Productions eine Fortsetzung mit 26 Folgen, die einige Jahre nach der ersten Serie spielt. Kimba ist hier bereits erwachsen und hat selbst Kinder. Die Handlung entspricht damit dem letzten Teil des Mangas, der auf Wunsch von NBC in der ersten Serie nicht umgesetzt wurde. Regie führten Hayashi Shigeyuki und Shingo Araki, künstlerischer Leiter war Nobuharu Ito. Die Musik komponierte Isao Tomita. Die Serie wurde vom 5. Oktober 1966 bis zum 29. März 1967 durch Fuji TV in Japan ausgestrahlt.

Die zweite Serie wurde im französischen und spanischen Fernsehen gezeigt und erschien auch auf Englisch und Italienisch.

23 Folgen dieser Fortsetzung waren erstmals von 1991 bis 1993 auf ProSieben und Kabel eins als Teil (Folge 15–37) der 37-teiligen Serie Boubou, König der Tiere im deutschen Fernsehen zu sehen. In den Folgen 1–14 wurden die in den 70er Jahren nicht synchronisierten Episoden der ersten Serie sowie eine neu synchronisierte Version der 39. Kimba-Folge Dschungeldame mit Hut nachgereicht. Aus rechtlichen Gründen konnten die deutschen Namen aus der ersten Serie nicht beibehalten werden, sodass Kimba in Boubou umbenannt wurde.

1996 erschien die Serie in einer weiteren Synchronfassung komplett auf VHS und Video-CD unter dem Titel „Der Löwen-König“. Alle Namen wurden erneut verändert, so wurde aus Kimba bzw. Boubou „Leo“, und alle Bezüge zur vorherigen Serie wurden entfernt.

Synchronisation Rolle Japanischer Sprecher (Seiyū) Leo Takashi Toyama Rukio Eiko Masuyama Purasu Goro Naya Leah Haruko Kitahama Higeoyaji Junji Chiba Ronmel Toeu Ohira

Dritte Serie 1989 produzierte das Studio Tezuka Productions unter der Regie von Rintaro und Takashi Ui eine dritte Serie mit 52 Folgen. Das Charakterdesign entwarf Yoshiaki Kawajiri. Die Serie wurde vom 12. Oktober 1989 bis zum 11. Oktober 1990 von TV Tokyo in Japan ausgestrahlt. Der Anime stellt, ähnlich wie die erste Serie, vor allem den heranwachsenden Kimba (oder in dieser Übersetzung „Leo“) in den Vordergrund.

Die Serie wurde unter anderem ins Englische, Polnische, Französische und Portugiesische übersetzt. Sie lief auf dem Bezahlfernsehsender Junior unter dem Titel Leo – Der kleine Löwenkönig im deutschen Fernsehen.

Synchronisation Die deutsche Synchronfassung entstand bei der Arena Synchron GmbH in Berlin unter Regie und nach einem Dialogbuch von Norbert Steinke.

Rolle! Japanischer Sprecher (Seiyū) Deutscher Sprecher Leo Shinnosuke Futumoto (Teenager) Megumi Hayashibara (Kind) Sebastian Schulz (Teenager) Arda Vural (Kind) Liya Sakiko Tamagawa Giuliana Jakobeit Coco Shigeru Chiba Sven Plate Tony Sukekiyo Kameyama Wilfried Herbst Bubu Tesshou Genda Roland Hemmo Ham Egg Kei Tomiyama Gerald Paradies Marody Kiyoshi Kobayashi Hermann Ebeling Keruru Hiroshi Masuoka Kim Hasper Amuzi You Inoue Tobias Müller Totto Ryusei Nakao Peter Groeger Geier Tatsuyuki Jinnai Eberhard Prüter Kutter Hiroshi Masuoka Andreas Mannkopff Captain Lucifer Yuusaku Yara Stefan Staudinger Altes Nashorn Kouhei Miyauchi Gerhard Paul Große Mutter Taeko Nakanishi Maresi Bischoff-Hanft Konga Masako Katsuki Claudia Urbschat-Mingues Leona Sumi Shimamoto Heidrun Bartholomäus Kenichi Kappei Yamaguchi Marcel Gröner Dr. Shunsaku Ban Mahito Tsujimura Klaus Jepsen Martha (Vogel) Rihoko Yoshida Sonja Deutsch Eliza (Leos Mutter) Sumi Shimamoto Gabriele Schramm-Philipp Panja (Leos Vater) Isao Sasaki Gerd Holtenau

Musik Die Musik der Serie wurde von Tomoyuki Asakawa komponiert. Für den Vorspann verwendete man das Lied Savanna o Koete () von Ichiro Mizuki, das Abspannlied ist Yūbae ni Nare () von Tomoko Tokugai.

Kinofilme 1966 kam der Film Chōhen Jungle Taitei in die japanischen Kinos. Bei der Produktion von Mushi Productions führte Eiichi Yamamoto Regie.

Mit Jungle Emperor Leo – Der Kinofilm () wurde 1997 ein weiterer Kinofilm zur Serie veröffentlicht. Regie führte Yoshio Takeuchi. Er zeigt die Geburt und das Leben von Kimbas Kindern Lune und Lukio. Auf Deutsch erschien er am 11. Juli 2008 durch OVA Films.

Rezeption und Interpretation Analyse