Das Frankfurter Neue Testament (FNT) ist eine deutschsprachige Übersetzung des Neuen Testaments, die seit 2020 sukzessive von dem evangelischen Theologen Stefan Alkier und dem Altphilologen Thomas Paulsen erstellt und herausgegeben wird. Die Edition erscheint bei Brill Schöningh.
Herangehensweise Grundsatz der Herangehensweise von Alkier und Paulsen ist die enge Zusammenarbeit von Theologie und Philologie. Zunächst war nur die Übersetzung der Johannesapokalypse geplant; das Projekt weitete sich nach und nach aus zu einer Übersetzung des gesamten Neuen Testaments, die 2025 fertiggestellt sein soll.Stefan Alkier, Thomas Paulsen: Frankfurter Neues Testament, Interview mit den Übersetzern, abgerufen am 23. Oktober 2023
Als weitere Leitlinien dienten Alkier und Paulsen das übersetzungstheoretische Grundprinzip „so wörtlich wie möglich, so frei wie nötig“ und die Nichtberücksichtigung kirchlicher Tradition bei der Übersetzung.Rainer Feldbacher: Rezension zu „Die Apokalypse des Johannes“. In: Bibel und Kirche. Biblische Bücherschau 2/2021, Verlag Katholisches Bibelwerk, S. 1. Den übersetzten Texten soll aber auch ihre Fremdheit gelassen werden.Martin Stowasser: Rezension zu „Die Evangelien nach Markus und Matthäus“. In: Bibel und Kirche. Biblische Bücherschau 12/2021, Verlag Katholisches Bibelwerk, S. 1.
Präsentation Die Übersetzer des FNT verfolgen das Konzept einer philologisch-kritischen Neuübersetzung neutestamentlicher Schriften. Die Bände des FNT enthalten zwei verschiedene Darbietungsformen: Der Text wird einerseits in einer Lesefassung präsentiert, die ohne Kapitel- und Verszahlen abgedruckt wird, um einen Lesefluss wie etwa bei der Lektüre einer Novelle oder eines Romans zu ermöglichen. Hier orientiert sich der Druck an den griechischen Handschriften, in denen es weder Kapiteleinteilungen noch Verszahlen und auch keine Zwischenüberschriften gibt. Die zweite Darstellung der Übersetzung enthält in klassischer Form Kapitel- und Versangaben, um die Interpretation und die wissenschaftliche Kommunikation zu ermöglichen. Jeder Band enthält Einführungen bzw. Essays zu exegetischen Fragestellungen.
Rezeption Für Martin Stowasser eröffnet die Übersetzung einen „frischen Zugang“ einerseits für konfessionell geprägte Leser, andererseits aber auch die Möglichkeit eines Zugangs für weniger religiös geprägte Leser durch die „philologisch exakte Übersetzung“. Zugleich kritisiert Stowasser einige exegetische Entscheidungen, insbesondere die Sicht auf Datierungsfragen und Zweiquellentheorie.Martin Stowasser: Rezension zu „Die Evangelien nach Markus und Matthäus“. In: Bibel und Kirche. Biblische Bücherschau 12/2021, Verlag Katholisches Bibelwerk, S. 2f.
Edition Bd. 1: Die Johannesapokalypse, mit einem Essay zur Übersetzungstheorie, Paderborn 2020. Bd. 2: Die Evangelien nach Matthäus und Markus, mit einem Essay zum Koinegriechisch neutestamentlicher Schriften, Paderborn 2021. Bd. 3: Das Evangelium nach Johannes und die drei Johannesbriefe, mit einem Essay zur Frage eines „Corpus Johanneum“, Paderborn 2022. Bd. 4: Das Evangelium nach Lukas und die Apostelgeschichte, mit einem Essay zum Beitrag der neutestamentlichen Schriften zur kollektiven Identitätsbildung, Paderborn 2023.
Weblinks
Stefan Alkier/Thomas Paulsen: Frankfurter Neues Testament
Einzelnachweise
Kategorie:Bibelausgabe Kategorie:Deutsche Bibelübersetzung (Neues Testament)