Dunkel, fast Nacht (Originaltitel Ciemno, prawie noc) ist ein Thriller des polnischen Regisseurs Borys Lankosz nach Joanna Bators gleichnamigem Roman. Die Hauptrolle der Journalistin Alicja Tabor spielt Magdalena Cielecka. Der Film erschien 2019 und wurde in Programm vieler internationaler Filmfestivals aufgenommen.

Handlung In der niederschlesischen Provinzstadt Wałbrzych sind drei Kinder verschwunden: Angelica Mizera, Patryk Milka und Kalinka Jakubek. Im Radio und im Internet wird der Polizei Tatenlosigkeit vorgeworfen. Das Verschwinden wird in der örtlichen Bevölkerung der ethnischen Minderheit der Sinti und Roma zugeschrieben, die im Film auch als „Katzenfresser“ diskriminiert werden. In diese Situation kehrt die Journalistin Alicja Tabor nach Wałbrzych zurück, woher sie stammt. Sie recherchiert zu dem Kriminalfall, was sie durch Befragung der betroffenen Familien in die Vergangenheit der Stadt und auch ihrer Familie zurück bis zum Zweiten Weltkrieg und die Nachkriegszeit führt. Die Journalistin wird dabei auch mit ihren Träumen, ihren Kindheitserinnerungen, und den Märchen ihrer Kindheit um die Perlen der Prinzessin Daisy, und mit dem Lied vom schwarzen, schwarzen Haus im schwarzen, schwarzen Wald, konfrontiert. Alicja hatte eine ältere Schwester, die stets für sie da war, sich dann aber völlig überraschend das Leben nahm. Die Mutter der Schwestern war psychisch krank und der Vater der Familie kam mit der gegebenen Situation nicht zurecht. Und da ist Albert Kukulka, ein älterer Nachbar, der sehr viel über Alicja weiß, wie sie nach und nach erfahren muss.

Bis Anfang der 90-Jahre war Wałbrzych das Zentrum des niederschlesischen Steinkohlereviers, danach kämpften viele Bewohner der Stadt sprichwörtlich ums Überleben. Die Menschen hier sind geprägt von Engstirnig- und Spießigkeit und vertreten reaktionäre Ansichten. Alicja trifft bei ihren Befragungen auf viel Hass und im Hinblick auf die Verbrechen an Kindern teils krude Verschwörungstheorien. Die fünfjährige Angelica, eines der verschwundenen Kinder, wollte an dem Tag, als sie verschwand, zum Rodeln, wie ihre Mutter Alicja erzählt. Angelica hat einen kleinen Bruder, Oscar, um den sie sich hingebungsvoll gekümmert habe, erfährt Alicja noch. Kurz darauf macht die Journalistin mit einem der Einwohner des Städtchens Bekanntschaft, dessen Tochter für ihn übersetzt, da er selbst durch einen Unfall im Bergwerk nicht mehr sprechen kann. Die Kleine erzählt, dass ihr Vater gesagt habe, Alicja solle sich lieber um die Lebenden kümmern, anstatt um die Toten. „Suche nach den Ungeliebten!“ ist ein weiterer Ratschlag.

Mitten in der Nacht schleicht Marcin Schwartz durch Alicjas Garten. Nachdem es zu einem Gerangel gekommen ist, will sie wissen, was er dort treibe. Marcin wiederum will von ihr wissen, ob sie die Tochter von Professor Tabor sei. Bei ihm selbst handelt es sich um den ermittelnden Beamten im Fall der verschwundenen Kinder. Alicjas Nachbar Albert Kukulka stößt zu beiden und bietet ihnen einen Tee an. Er erzählt sodann, dass seine Mutter, ein Zigeunerin aus Deutschland, ihn seinerzeit bei seinem Vater, einem deutschen Tierarzt zurückgelassen habe. Sein Name sei Alfred Schwartz gewesen. Sie habe wohl nur das Beste für ihn gewollt, nämlich ihm während der Ausrottung das Leben retten. Er erzählt von seiner Stiefmutter Gertrud Schwartz, die Veränderungen gehasst habe. Die ordentliche und rechtschaffene Hausfrau habe es als Zumutung empfunden, ihn in ihrem Haushalt dulden zu müssen. Sein Vater habe noch einen weiteren Sohn gehabt, Adalbert, der genauso alt gewesen sei wie er. Dieser habe alles daran gesetzt, ihn zu zerstören. Adalbert habe sich wie ein kleiner Mengele verhalten, habe angefangen, Tiere zu töten, wobei er sich an deren Tod ergötzt habe. Es sei nur eine Frage der Zeit gewesen, wann er einen Menschen töten würde. In der Nacht bevor seine Familie vor den Sowjets geflohen sei, habe er nicht schlafen können. Er sei in dieser Nacht gegangen, ohne etwas mitzunehmen, nicht einmal seinen Ausweis, denn die Identität darin sei nicht seine gewesen. Dann erklärt er Alicja, dass Marcin Schwartz sein Neffe sei, Adalberts Sohn.

Als Alicja am anderen Morgen durch den Wald joggt, stößt sie auf einen Mann im schwarzen Cape, der vor ihr davonläuft und kurz darauf auf eine Barbiepuppe, die in Brand gesetzt worden war. Als Nächstes spricht Alicja mit der Großmutter des verschwundenen Patryk. Sie erzählt der Journalistin, dass ihr Enkel sehnsüchtig auf die Rückkehr seiner Mutter gewartet habe. Der Junge sei während eines gemeinsamen Einkaufs im Supermarkt plötzlich verschwunden gewesen. Das sei nun schon mehr als fünf Monate her. Seine Mutter sei trotzdem nicht gekommen, sondern habe nur ihr die Schuld am Verschwinden von Patryk gegeben.

Am nächsten Morgen begegnet Alicja beim Joggen einer seltsamen Frau namens Babs, die ihr erzählt, dass Apolonia Kitten die letzte Hoffnung für alle sei. Bei ihrem anschließenden Gespräch mit dem Leiter des Heims, in dem die verschwundene Kalinka Jakubek lebte, erfährt Alicja, dass deren Mutter, Ada Ryba, ebenfalls schon in diesem Heim aufgewachsen sei. Sie sei als achtjähriges Mädchen ins Heim gekommen und habe sich an viel erinnern können, was man nicht habe ungeschehen machen können. Ada und ihr Bruder hätten ihre gewalttätigen Eltern getötet, woraufhin Ada in dieses Heim gekommen sei und ihr Bruder in ein anderes. Als Ada alt genug gewesen sei, habe sie nach ihrem Bruder gesucht, das sei das einzige gewesen, was sie interessiert habe. Kalinka entstand aus dieser Verbindung der Geschwister. Merkwürdig sei gewesen, dass das Baby eine Perle bei sich gehabt habe, die um ihr Handgelenk gebunden war. Kalinkas Mutter sei unter ungeklärten Umständen in einem Haus verbrannt und ihr Vater habe sich die Augen ausgestochen. Was genau dort vorgefallen sei, wisse man nicht.

An Alicjas Tür erscheint die seltsame Babs und warnt sie davor, über die freien Felder zu laufen, außerdem gibt sie der Journalistin einen Umschlag. Er ist von ihrer Schwester Ewa. Sie schreibt, dass ihre Bekannte, die Katzenfrau Babs, dafür sorgen werde, dass Alicja diesen Brief zur rechten Zeit erhalten werde. Ihre Schwester kommt auf die gemeinsame Mutter zu sprechen, mit der sie anfangen müsse. Immer wieder habe sie ihre kleine Schwester vor der wahnsinnigen Mutter retten müssen. Der Brief endet rätselhaft, Ewa schreibt, dass sie jetzt gehen müssen, die Herzogin Daisy würde nach ihrer Katze rufen. Sie wünsche ihr, Alicja, ein schönes Leben. Vor allem solle sie leben. Kurz darauf schläft Alicja mit Marcin Schwartz.

Alicja hat sich entschlossen, nach Warschau zurückzukehren, spricht aber zuvor noch einmal mit Albert Schwartz, von dem sie wissen will, was es mit den Katzenfrauen auf sich habe. Er meint, darauf gebe es keine einfache Antwort. Aber er wolle ihr erzählen, was noch geschehen sei. Im Wald, wo er inzwischen gelebt habe, sei ihm ein Mädchen namens Rosemarie begegnet. Sie hätten damals noch nichts von Hitlers Kapitulation gewusst und auch nichts davon, dass in Kürze eine weitere böse Macht über die Stadt herfallen werde. Aber Apolonia Kitten habe es gewusst. Und Herzogin Daisy habe man an einem geheimen Ort vergraben. Am nächsten Tag sei die Rote Armee in die Stadt einmarschiert. Als Rauch über dem Schloss aufgestiegen sei, habe er nachsehen wollen, warum. Damals wurde die minderjährige Rosemarie von einer Gruppe von Soldaten der Roten Armee vergewaltigt. Er habe versucht, ihr zu helfen, was aber unmöglich gewesen sei. Auch Apolonia, die plötzlich da gewesen sei, habe das nicht gekonnt. Sie habe ihm dann geraten, sobald der Winter anbreche, zurück ins Haus seines Vaters zu gehen. Dies sei jedoch besetzt gewesen und niemand habe ihn haben wollen. Die Kulkulkas, Nachbarn von Alicija, hätten ihn bei sich aufgenommen und adoptiert und so habe er sein Leben als Albert Kulkulka gelebt. Und dann habe er auch Rosemarie wiedergesehen. Auch sie habe einen anderen Namen getragen. Alicjas Vater, sein Freund, habe sie eines Tages mitgebracht und gesagt, das sei Anna Lipiec, seine Verlobte. Und auf Alicjas erstaunten Blick, ja Alicja, Rosemarie war deine Mutter.

Überraschend bekommt Alicja einen Anruf des Heimleiters, der ihr erzählt, dass man seinen Sohn Marek habe festnehmen wollen. Der Vorwurf laute, er habe in der Nähe von Kindern onaniert. Dabei habe er aber einfach nur pinkeln müssen, er habe ein Nierenleiden. Marek möge Kinder, er möge sie wirklich, aber ohne jeden sexuellen Hintergedanken. Es stellt sich heraus, dass Maria W., 66 Jahre, und deren Sohn Pawel K., 44 Jahre, für die Entführung der Kinder verantwortlich sind. Die Mädchen Angelica Mizera, 6 Jahre alt, und Kalinka Jakubek, 5 Jahre alt, wurden in einem Gewölbe-Keller festgehalten, dessen Eingang zum Haus von Maria W. führte. Diese befindet sich inzwischen in Untersuchungshaft. Pawel K. wurde in einem der unterirdischen Tunnel tot aufgefunden. Er gehörte einem Ring an, der mit besonders grausamer Kinderpornografie enormes Geld gemacht hat. Gerettet werden konnte nur Kalinka Jakubek, ein Waisenkind aus dem Kinderheim „Engelchen“. Dem Leiter, Marian Waszkiewicz, einem ehrenwerten Bürger der Stadt, gingen die Geschehnisse so nah, dass er sie bisher nicht kommentieren konnte und wollte. Sein Sohn Marek, der die Entführer identifiziert hat, steht ihm in dieser schweren Zeit bei. Das dritte Kind, der fünfjährige Patryk Milka, konnte bisher nicht gefunden werden. Patryks Großmutter erzählt Alicja später bei deren Besuch an ihrem Krankenbett, dass sie ihren Enkel einem liebenswerten Paar überlassen habe, das selbst keine Kinder bekommen könne. Dort gehe es ihm gut, aber dieses Geheimnis müsse sie für sich behalten. Alicja, die bleiben will, verspricht es ihr.

Produktion und Veröffentlichung Alicja Tabor Magdalena Cielecka Jenny Laura Bischoff Anna Lipiec Agata Buzek Diana Gantner Marcin Schwartz Marcin Dorociński Jörg Pauly Marian Waszkiewicz Piotr Fronczewski Raik Singer Mizera Roma Gąsiorowska Katharina Gebauer Apolonia Kitty Kitty Małgorzata Hajewska-Krzysztofik Ute von Stockert Maria Waszkiewicz Dorota Kolak Sabine Unger Babcyjka „Babs“ Aleksandra Konieczna Angelika Hart Pawel Kupczyk Rafal Mackowiak Jörg Pauly Mareczek Waszkiewicz Dawid Ogrodnik Giovanni Gagliano Socha Krystyna Tkacz Karin Dieck Albert Kukulka Jerzy Trela Jo Jung … 8 Jahre Mateusz Czulowski Adam Grunwald … 30 Jahre Rezyseria Obsady Udo Grunwald Ewa, 30 Jahre Julia Totoszko Caro Mendelski … 17 Jahre Eliza Rycembel Angelika Osusko Adam Ryba Aleksandar Milicevic Antonio F. Lopes Alicjas Vater Modest Rucinski Oliver Firit Crone Ryba Helena Ganjalyan Malin Kemper Helena Helena Sujecka Christina Rieth Herzogin Daisy Helena Norowicz Christine Werner Kalinka Jakubek Maja Eladawy Mina Misae Kriegel Mizeras Nachbar Wlodzimierz Dyla Nils Brück Pinkes Mädchen Nikola Karwowska Lili Eichberg Richterin Agnieszka Michalska Johanna Sembritzki

Die Filmaufnahmen entstanden in Wałbrzych in der Dolnośląskie in Polen. Produziert wurde der Film von Aurum Film, Odra Film, vom Centrum Zasobów Cyfrowych in Co-Produktion mit DI Factory und Dreamsound Studio sowie des Polski Instytut Filmowej. Die deutsche Synchronfassung entstand bei der LAB SIX sound & media solutions in Heilbronn. Dialogregie führte Antonio F. Lopes nach eigenem Dialogbuch.

Soundtrack Remember Me Dido Klage, Arie When I am laid in Earth aus Henry Purcells Oper Dido und Aeneas Vortrag Lynne Dawson & Orchestra of the Age of Enlightenment Niech zyje bal von Seweryn Krajewski und Agnieszka Osiecka Vortrag Maryla Rodowicz Same Drops von Marcin Stasnczyk