350px|Bundesarchiv Bild 146-2005-0119, Kurt Weill Am 3. April 1950 stirbt in New York der deutsch-US-amerikanische Komponist Kurt Weill. Sein Werk umfasst Opern, Operetten, Musik für Ballette und Schauspiel, Musicals, Werke für Orchester, Kammermusik, Lieder, Songs und Chansons. Bekannt wurde er in den 1920er Jahren durch die Zusammenarbeit mit Bertolt Brecht. In den 1940er Jahren gelang es ihm sich als erfolgreicher Musicalkomponist zu etablieren. Dieser Artikel behandelt das Musikjahr 1950. mini|links|Nat King Cole – Mona Lisa mini|links|Patti Page – Tennessee Waltz mini|links|Bing Crosby und The Andrew Sisters – Go West Young Man (1950) mini|links|Plakat der Original-Broadway-Produktion von Guys and Dolls (1950) mini|links|Dorothy Kirsten und Bing Crosby in dem Musikfilm Mr. Music (1950)
Ereignisse Amerika Vereinigte Staaten von Amerika 3. Januar: Sam Phillips gründet Sun Records in der 706 Union Avenue in Memphis. 6. Januar: Das Klavierkonzert von Francis Poulenc wird in Boston uraufgeführt, mit dem Komponisten am Klavier und dem Boston Symphony Orchestra unter Leitung von Charles Münch. Februar: Kurt Weill beginnt gemeinsam mit Maxwell Anderson an den Arbeiten zu einem Musical nach Mark Twains Huckleberry Finn. 13. März: Die Four Piano Blues von Aaron Copland werden von Leo Smit in New York City uraufgeführt. 15. März: In Philadelphia erfolgt die Uraufführung der Oper The Consul von Gian Carlo Menotti (Musik und Libretto). 3. April: Der deutsch-US-amerikanischer Komponist Kurt Weill stirbt in New York. 23. April: Die Single mit dem Harry-Lime-Thema, interpretiert von Anton Karas im Film Der dritte Mann, wird meistgekaufte Platte in den USA. 18. Mai: Uraufführung der Oper The Jumping Frog of Calaveras County von Lukas Foss in der Indiana University in Bloomington. 26. Juni: Louis Armstrong nimmt die erste amerikanische Version von C’est si bon mit den englischen Texten von Jerry Seelen auf. 26. August: Der italienische Bariton Giuseppe de Luca stirbt in New York. 24. September: Der Folklore- und Musikforscher Alan Lomax hält sich bis 1959 in London auf und macht Aufnahmen für die Columbia World Library of Folk and Primitive Music. 30. September: Die Grand Ole Opry wird erstmals im Fernsehen übertragen. 11. Oktober: Der 20-jährige Friedrich Gulda gibt sein Debüt in der Carnegie Hall. 12. Oktober: Das Musical Call Me Madam von Irving Berlin (Musik und Liedtexte) sowie Howard Lindsay und Russel Crouse (Buch) wird im Imperial Theatre in New York uraufgeführt. 23. Oktober: Der US-amerikanische Sänger und Entertainer Al Jolson stirbt in San Francisco. Noch am Abend seines Todes werden auf dem gesamten Broadway in New York zehn Minuten lang alle Lichter im Gedenken an ihn ausgeschaltet, und der Straßenverkehr steht still. 13. November: Mit Benny Goodmans Famous Carnegie Hall Concert erscheint die erste Doppel-LP der Welt. 24. November: Uraufführung des Musicals Guys and Dolls von Frank Loesser (Musik und Gesangstexte) sowie Abe Burrows und Jo Swerling (Buch) im 46th Street Theatre in New York. Mit 1200 Aufführungen wird das Musical ein sehr großer Erfolg. 21. Dezember: Im New Century Theatre in New York erfolgt die Uraufführung des Musicals Out of This World von Cole Porter (Musik und Liedtexte) sowie Dwight Taylor und Reginald Lawrence (Buch). Bandleader Les Baxter erhält einen Plattenvertrag bei Capitol Records, wo er zunächst für Nat King Cole arrangiert (erstmals bereits 1947 für dessen Aufnahme Nature Boy mit dem Orchester Frank DeVol) und diesen dann auch musikalisch mit eigenem Orchester begleitet, insbesondere beim oft gecoverten Millionenseller Mona Lisa (aufgenommen am 11. März 1950). Ruth Brown landet mit dem 1950 erschienenen Lied Teardrops from My Eyes ihren ersten Nummer-1-Hit in den R&B-Charts. Al Cernick wird von Mitch Miller bei Columbia Records unter Vertrag genommen, der den Namen des Sängers in Guy Mitchell ändert. Don Cherry bekommt im Sommer 1950 einen Schallplattenvertrag bei Decca Records und im September 1950 erscheint seine erste Single Thinking Of You / Here In My Arms, die mit dem Dave Terry Orchester aufgenommen wurde. Sam Cooke erreicht mit der Gruppe The Soul Stirrers erste Erfolge und Ruhm in der Gospel-Gemeinde. Die erste Plattenaufnahme von Fats Domino, The Fat Man, entwickelt sich nach ihrer Veröffentlichung im Januar 1950 zu einem der ersten Millionenseller des Rhythm & Blues und stößt in den R&B-Charts bis zum zweiten Rang vor. Ella Fitzgerald wirkt in dem Musikfilm Improvisation von Norman Granz mit. Weitere Mitwirkende sind u. a. Coleman Hawkins, Charlie Parker, Lester Young, Hank Jones, Ray Brown, Buddy Rich, Sweets Edison, Flip Phillips und Bill Harris. Red Foley hat seinen ersten Millionenseller mit Chattanoogie Shoe Shine Boy. Dizzy Gillespie löst die Dizzy Gillespie Big Band aus finanziellen Gründen auf und spielt hauptsächlich mit Kleinformationen. Dizzy Gillespie besucht Clifford Brown im Krankenhaus während dessen einjährigen Genesung nach einem Autounfall, bei dem er fast ums Leben gekommen wäre, und drängt ihn, seine musikalische Karriere als Trompeter fortzusetzen. Oscar Hammerstein II wird in die American Academy of Arts and Letters gewählt. Betty Hutton hat ihren größten Erfolg, als sie von der kollabierten Judy Garland die Hauptrolle in der von Unglücksfällen geplagten Produktion von Duell in der Manege bei MGM übernimmt. Mitch Miller wird A&R-Manager bei Columbia Records. Charles Münch wird in die American Academy of Arts and Sciences gewählt. Patti Page ist die erste (und einzige) Künstlerin, die gleichzeitig einen Nummer-eins-Hit in den Pop-, R&B- und Country-Charts hat. Mit Tennessee Waltz gelingt ihr der vierte Millionenseller. Artie Shaw löst seine Bigband auf und begleitet mit einem kleinen Ensemble Mary Ann McCall, Connee Boswell und Dick Haymes. Jo Stafford wechselt von Columbia Records zu Capitol Records. Dinah Washington hat im Juni 1950 ihren ersten Hit in den Billboard-Pop-Charts mit dem damals populären Johnny-Green-Song I Wanna Be Loved.
Europa Bundesrepublik Deutschland 12. April: In Frankfurt erfolgt die Uraufführung des musikalischen Lustspiels in drei Akten Der Mann mit dem Zylinder von Just Scheu (Musik) auf das Libretto von Just Scheu und Ernst Nebhut. 16. Mai: Die musikalische Komödie in drei Akten Das Feuerwerk von Paul Burkhard (Musik) auf das Libretto von Erik Charell, Jürg Amstein und Robert Gilbert wird im Staatstheater am Gärtnerplatz in München uraufgeführt. 11. Juni: Uraufführung der Oper Don Juan und Faust von Hermann Reutter an der Staatsoper in Stuttgart. 24. Oktober: Die Freiheitsglocke im Turm des Schöneberger Rathauses, eine Nachbildung der Liberty Bell, wird eingeweiht. 15. November: Uraufführung der Operette Liebe im Dreiklang von Walter Wilhelm Goetze (Musik) auf das Libretto von Walter Wilhelm Goetze und Emil Malkowsky im Stadttheater Heidelberg. 30. November: Nach dem Wiederaufbau im historischen Stil (nach den Plänen des Hamburger Architekten Werner Kallmorgen) wird das Opernhaus Hannover mit der Aufführung von Richard Strauss’ Der Rosenkavalier wieder in Betrieb genommen. 28. Dezember: Das Kleine Haus des Hessischen Staatstheaters Wiesbaden wird eröffnet. Karl Höllers während der letzten Kriegsjahre entstandene große Symphonie in cis-moll, op. 40 wird vom Hamburgischen Staatsorchester unter Joseph Keilberth uraufgeführt und vom Rezensenten der Tageszeitung Die Welt als eine Synthese aus „Bruckner und Jazz, Überschwang und Askese“ charakterisiert. Luigi Nono nimmt erstmals an den Kranichsteiner/Darmstädter Ferienkursen für Neue Musik teil, wo seine Kanonischen Variationen über eine Reihe von Schönbergs op. 41 unter Leitung von Hermann Scherchen uraufgeführt werden. Hermann Reutter komponiert die Hymne an Deutschland (Land des Glaubens, deutsches Land …) auf den Liedtext von Rudolf Alexander Schröder. Nach dem Wunsch des damaligen Bundespräsidenten Theodor Heuss hätte das Lied die Nationalhymne der Bundesrepublik Deutschland werden sollen. Für das Pfalztheater Kaiserslautern wird eine neue Trägergesellschaft gegründet. Das Kino „Film-Palast“ am Fackelrondell wird zu einem Stadttheater umgebaut, das im September 1950 feierlich eingeweiht wird. Auf der Internationalen Funkausstellung in Düsseldorf werden die ersten UKW-Empfangsgeräte vorgestellt. mini|Johann Sebastian Bachs Grab in der Thomaskirche in Leipzig
Deutsche Demokratische Republik Frühjahr: Anlässlich seines 200. Todestages werden die Gebeine von Johann Sebastian Bach in den Chor der Thomaskirche in Leipzig überführt. Ernst Hermann Meyer komponiert 1950 das Mansfelder Oratorium. Im gleichen Jahre fertiggestellt wird es anlässlich der 750-Jahr-Jubiläumsfeier des Mansfelder Kupfer-Schiefer-Bergbaues uraufgeführt.
Frankreich mini|Edith Piaf (1950) 12. Mai: In der Pariser Oper wird die Oper Bolivar von Darius Milhaud uraufgeführt. 16. September: Der rumänische Pianist Dinu Lipatti muss sein letztes Konzert in Besançon krankheitsbedingt vorzeitig abbrechen und verabschiedet sich von seinem Publikum mit der Klavierbearbeitung von Bachs Jesus bleibet meine Freude. Zweieinhalb Monate später verstirbt er 33-jährig in Genf an einem Hodgkin-Lymphom. André Claveau veröffentlicht die Originalaufnahme des Chansons Cerisier rose et pommier blanc, aus dem später der Instrumentalhit Cherry Pink and Apple Blossom White entsteht. Darius Milhaud wird Ehrenmitglied der International Society for Contemporary Music ISCM (Internationale Gesellschaft für Neue Musik).
Italien 20. Mai: Szenische Uraufführung der Oper Il prigioniero von Luigi Dallapiccola (Musik und Libretto) im Teatro Comunale in Florenz. 1. Oktober: Der italienische Komponist Luciano Berio heiratet die US-amerikanische Mezzosopranistin Cathy Berberian. 24. Oktober: Uraufführung der Zwölfton-Oper Morte dell’Aria von Goffredo Petrassi im Teatro Eliseo in Rom. 15. November: Die Radio-Oper in einem Akt I due timidi von Nino Rota (Musik) mit einem Libretto von Suso Cecchi D’Amico wird erstmals in Form einer Radioübertragung aus dem Auditorium der RAI (Radio Audizioni Italiane) in Rom gesendet. Luigi Dallapiccola wird zum Ehrenmitglied der International Society for Contemporary Music ISCM ernannt. Lukas Foss studiert von 1950 bis 1952 in Rom. Goffredo Petrassi ist von 1947 bis 1950 künstlerischer Direktor der Accademia Filarmonica Romana.
Österreich 29. Mai: Maria Jeritza tritt nach langer Abwesenheit wieder am Theater an der Wien als Tosca in Giacomo Puccinis gleichnamiger Oper auf. 27. Juli: Wilhelm Furtwängler dirigiert bei den Salzburger Festspielen Wolfgang Amadeus Mozarts Don Giovanni. Als Rechtsträger der Salzburger Festspiele wird 1950 der Salzburger Festspielfonds gegründet. Maria Jeritza erhält die Ehrenmedaille der Bundeshauptstadt Wien. Anton Karas wird nach der ersten größeren Tournee durch Europa und die USA im Juli 1950 von Bundeskanzler Leopold Figl und anderen Regierungsmitgliedern am Flughafen begrüßt.
Sowjetunion 9. Dezember: Uraufführung der Sinfonie Nr. 27 in c-Moll, op. 85 von Nikolai Jakowlewitsch Mjaskowski unter der Leitung von Alexander Gauk im Moskauer Haus der Gewerkschaften. Isaak Ossipowitsch Dunajewski erhält die Auszeichnung Volkskünstler der Russischen SFSR. Die Hymne der Litauischen Sozialistischen Sowjetrepublik ist von 1950 bis 1991 Nationalhymne der Litauischen Sozialistischen Sowjetrepublik.
Spanien 14. März: Pablo Casals kündigt seinen Plattenvertrag bei RCA Records und unterschreibt bei deren Hauptkonkurrenten Columbia Records.
Vereinigtes Königreich 9. März: Britische Erstaufführung von Benjamin Brittens Spring Symphony für Sopran, Alt, Tenor, gem. Chor und Knabenchor op. 44 in der Royal Albert Hall in London, unter der Leitung von Eduard van Beinum.Mitchell, Donald (Hrsg.): Letters From A Life: Selected Letters of Benjamin Britten, Vol. 3 1946–51. London 2004: Faber and Faber, Seite 533