mini|Auferstehungskirche in Herne
Die Auferstehungskirche in Herne ist eine evangelische Kirche im Stadtbezirk Bickern im Westen von Herne-Wanne in Nordrhein-Westfalen. Sie ist eine Gemeindekirche des Bezirks Wanne der Evangelischen Kirchengemeinde Wanne-Eickel im Kirchenkreis Herne der Evangelischen Kirche von Westfalen. Die Kirche ist seit 2010 zusammen mit den Gemeinderäumen aus den Baujahren 1963 und 1964, dem Glockenturm, dem offenen Säulengang und dem Pfarrhaus sowie den Ausstattungsstücken denkmalgeschützt.
Geschichte Vom 16. bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts gehörten die evangelischen Einwohner Bickerns zur Kirchengemeinde Eickel. Mitte des 19. Jahrhunderts wuchs die Einwohnerzahl Bickerns von 362 auf über 2500. Mit dem Beginn des Bevölkerungswachstums in Bickern fanden in der alten Schule zu Bickern (Viktoriaschule) Bibelstunden statt. Nachdem die Mitgliederzahl der Kirchengemeinde Eickel im Jahre 1884 auf fast 9000 Mitglieder angestiegen war, stieß die 1889/1890 abgebrochene Kirche am Eickeler Markt an Festtagen an ihre Kapazitätsgrenzen. Am 21. Februar 1883 beantragten 65 evangelische Christen aus Bickern gegenüber dem Presbyterium Eickel die Gründung einer eigenen Kirchengemeinde für Bickern. Der daraufhin ergangene Vorschlag der Ältesten Overhof und Breiing sowie des Amtsmanns Major a. D. von Borries, die neu hervorgehende Gemeinde Bickern mit der bereits bestehenden Gemeinde Crange zu verbinden, wurde durch das Presbyterium Crange abgelehnt. Mit Erlass des Ministeriums für geistliche Angelegenheiten wurde unter Zustimmung des Evangelischen Oberkirchenrates zum 1. Oktober 1884 die selbständige Kirchengemeinde Bickern mit anfänglich 2668 Gemeindemitgliedern gegründet.
Die Kirchengemeinde Bickern verfügte zunächst weder über eine Kirche noch über einen eigenen Pfarrer. Räumliche Abhilfe schuf der an der damaligen Bahnhofstraße/Ecke Königstraße (heute Hauptstraße/Ecke Dürerstraße) gelegene Saal, den Engelbert Heitkamp, einer der damaligen Ältesten der Gemeinde, für jährlich 450 Reichsmark an die Gemeinde vermietete. Ab 1885 predigten dort zunächst die beiden Eickeler Pfarrer Daniels und Engeling. Pfarrer Engeling, der am 26. Januar 1885 vom Kirchenvorstand der Kirchengemeinde Bickern als Pfarrer gewählt worden war, lehnte die Wahl ab. Am 22. April 1885 wurde der aus Breckerfeld stammende Pfarrer Eduard Hellweg zum ersten Pfarrer der Kirchengemeinde Bickern gewählt.
Als erste Kirche wurde auf dem vom Kirchmeister Overhof geschenkten Grundstück am Dorneburger Mühlenbach an der Bahnhofstraße (heute Hauptstraße) die Christuskirche erbaut, deren Grundsteinlegung am 11. Juli 1886 erfolgte. Nachdem der seit 1824 aus den Fluren Wanne, Riemker Mark und Bickern bestandene Ort „Bickern“ am 13. August 1897 in „Wanne“ umbenannt worden war, wurde 1902 auch der Name der Kirchengemeinde Bickern in „Kirchengemeinde Wanne“ geändert. Aus dieser neuen Großgemeinde wurde am 1. Juli 1915 die Kirchengemeinde Wanne-Süd abgespalten. Im Jahr 1905 stieg die Anzahl der Gemeindemitglieder auf 13.562 an. Durch das Wachstum der Gemeinde entstanden die Gemeindeteile Wanne-Mitte, Wanne-Nord und Wanne-West. Für den Gemeindeteil Wanne-Nord wurde in der Zeit vom 14. Juli 1907 (Grundsteinlegung) bis zum 8. Dezember 1908 (Tag der Einweihung) die Lutherkirche auf der Unser-Fritz-Straße 24 in Herne errichtet. Der Gemeindeteil Wanne-West (Bickern) war weiterhin auf die Christuskirche angewiesen.
Nach Ende des Zweiten Weltkrieges erfuhr der damalige Stadtteil Bickern durch verstärkte Zuwanderung einen erheblichen Zuwachs an evangelischen Einwohnern, wodurch die Nachfrage nach einem eigenen Kirchengebäude anstieg. 1949 erhielt der Gemeindeteil Wanne-West (Bickern) mit dem aus Kirchende (heutiges Ende, Herdecke) stammenden Pastor Kurt Brandt einen eigenen Pfarrer. Dieser initiierte den Bau eines provisorischen eigenen Gemeindehauses an der Gelsenkircher Straße 73 in Herne als „Notkirche“ mit Kindergarten, das 1954 fertiggestellt wurde. Die Bauplanung übernahm der Zechenbaumeister Entrop.
Pastor Kurt Brandt wurde durch Pastor Götze abgelöst. Durch den Zustrom von Flüchtlingen und Heimatvertriebenen und die Zuwanderung zahlreicher Arbeitskräfte, insbesondere für den Bergbau der Schachtanlage Pluto Wilhelm der Gelsenkirchener Bergwerks AG, wuchs der Gemeindeteil Wanne-West stetig. Deshalb bot der Gemeindesaal an der Gelsenkircher Straße nicht mehr ausreichend Kapazitäten. Der Bedarf nach einer neuen Kirche für den Stadtteil Wanne-West wurde sichtbar. 1954 übernahm Pfarrer Paul Herbers die seelsorgerische Betreuung. Nachdem sich die Kirchengemeinde Wanne im Jahre 1959 in die eigenständigen Kirchengemeinden Wanne-Mitte und Wanne-Nord aufgespalten hatte, wurde Wanne-West zum 1. Januar 1961 durch die Initiative einiger Gemeindemitglieder mit rund 4000 Gemeindemitgliedern zur selbständigen Kirchengemeinde.
mini|hochkant=0.8|Grundstein aus dem Jahre 1963 Die Einführung des ersten eigenständigen Presbyteriums der Kirchengemeinde Wanne-West fand am 23. Juli 1961 statt.Unsere Kirche, Ausgabe 44/1974: 10 Jahre Auferstehungskirche Wanne-West. Pfarrer Herbers setzte sich dafür ein, dass die neu hervorgegangene Kirchengemeinde Wanne-West ein modernes Gemeindezentrum erhielt. Seine von ihm vorgeschlagene und durchgeführte Kirchbauwerksammlung ermöglichte es, 1964 die Auferstehungskirche zu erbauen. Für diese legte er am 29. September 1963 den Grundstein, der sich links neben dem Haupteingang der Kirche befindet und neben dem Jahr des Baubeginns 1963 ein Kreuz und eine Öllampe als eine Anspielung auf das Gleichnis von den klugen und törichten Jungfrauen zeigt. Zusammen mit dem damaligen Vizepräsidenten der Evangelische Kirche von Westfalen Hans Thimme weihte Pfarrer Herbers die Kirche am 1. Advent 1964 (29. November) ein.WAZ, Ausgabe vom 27. November 1964, Lokalteil Wanne-Eickel: Sakrale Kunst und Technik. Hier hat Gott einen Parkplatz. Auf Wunsch der Kirchengemeinde sollte die neue Kirche „Auferstehungskirche“ heißen. In der damaligen Stadt Wanne-Eickel belegt sie den Willen zu modernen Bauformen der Nachkriegszeit, umgesetzt durch den Architekten Friedrich Wilhelm Kölsche. Der bebaute Platz auf dem Grundstück Bickernstraße 46, in Herne ist als städtebaulich wirkungsvolle Lage der Kirche gewählt worden. Die Baukosten von 1,5 Millionen MarkWAZ, Ausgabe aus 1984, Lokalteil Wanne-Eickel: Auferstehungskirche wird zwanzig Jahre alt. wurden im Wesentlichen durch Spenden, insb. von Pfarrer Herbers, finanziert.
Die Gemeinderäume an der Gelsenkircher Straße blieben vorerst weiterhin für das Gemeindeleben erhalten. Im Jahre 1967 legte Paul Herbers das Pfarramt nieder. Nachfolger war Pastor Dietrich Erdmann, der am 1. November 1967 im Rahmen seiner Hilfspredigertätigkeit zunächst vorläufig eingewiesen wurdeUnsere Kirche, Ausgabe 12/1969, S. 10: Vor Ort in Wanne-Eickel. und am 30. März 1969 durch den Superintendenten des Kirchenkreises Herne fest in sein Amt eingeführt wurde. Damals zählte die Großstadt-Kirchengemeinde Wanne-West 4.500 Gemeindemitglieder. Zu dieser Zeit prägte eine außerordentliche Bevölkerungsbewegung die Kirchengemeinde in Wanne-West als „Bergarbeitergemeinde“.WAZ, Ausgabe 11/1967, Lokalteil Wanne-Eickel: Überfüllter Gottesdienst Zeugnis lebendiger Anteilnahme – Dietrich Erdmann ist neuer Pfarrer.
Große Besorgnis in der Kirchengemeinde erregte die im Jahre 1969 angekündigte Zechenstilllegung. Nachdem Pfarrer Erdmann die Kirchengemeinde am 1. September 1972 verließ, betreute nach einem kurzen Aufenthalt von Vikar Peters ab November 1972 der damalige Vikar Andreas Wellmer die Kirchengemeinde Wanne-West. Im Mai 1973 wurde er in der Gemeinde zum Hilfsprediger bestellt und am 21. April 1974 in der Stephanuskirche in Holsterhausen ordiniert.Unsere Kirche, Ausgabe vom 5. Mai 1974, S. 1: Ordination dient nicht zur Imagepflege. Am Sonntag, den 8. Dezember 1974, wurde er durch Synodalassessor Röber in der Evangelischen Kirchengemeinde Wanne-West eingeführt.Unsere Kirche, Ausgabe 01/1974: Pastoren Wellmer und Reinhardt ins Amt eingeführt. Damals hatte die Kirchengemeinde Wanne-West 4.900 Gemeindemitglieder. Ab dem 1. Oktober 1984 leistete der spätere Gemeindepfarrer Kurt Blecher sein Vikariat in der Kirchengemeinde, in der er anschließend als Pastor im Hilfsdienst arbeitete und in der er am 6. September 1987 (Festgottesdienst am 11. September 1988) in sein Amt als Nachfolger von Pfarrer Andreas Wellmer eingeführt wurde.Unsere Kirche, Ausgabe 39/1988 vom 25. September 1988: Gott wird es gelingen lassen – Pfarrer Kurt Blecher in Wanne-West eingeführt.
mini|Gemeindezentrum Am 13. August 1984 wurde durch die Firma Heitkamp unter Leitung des Architekten Rainer Weyers mit dem Bau eines neuen Gemeindezentrums unmittelbar neben der Kirche begonnen. Die voraussichtlichen Kosten in Höhe von 700.000 DM trug die Gemeinde durch Grundstücksteilveräußerungen vollständig aus eigenen Mitteln. Das neue Gemeindezentrum, welches das alte Gemeindehaus auf der Gelsenkircher Straße ablösen sollte, umfasste neben einem Saal mehrere Gruppenräume für die Kinder-, Jugend- und Erwachsenenarbeit der Gemeinde, dazu eine Küche und Nebenräume. Nach der Fertigstellung wurde das alte Gemeindehaus auf der Gelsenkircher Straße weiterhin als Kindergarten der Gemeinde genutzt.WAZ, Ausgabe aus 1984, Lokalteil Wanne-Eickel: Auferstehungskirche wird zwanzig Jahre alt. Die Grundsteinlegung des neuen Gemeindezentrums fand am 23. September 1984 im Rahmen eines Festgottesdienstes statt. In den Grundstein ist eine Kupferkapsel eingemauert worden, in der neben einer Urkunde der am Bau Beteiligten eine Tageszeitung als Symbol für die Vergänglichkeit und eine von Pfarrer Wellmer signierte Bibel als Symbol für „das ewig existente Wort Gottes“ hineingelegt wurden. Am 18. August 1985 wurde das Gemeindehaus eingeweiht.WAZ, Ausgabe vom 19. August 1985, Lokalteil Wanne-Eickel: Modernes Gemeindehaus elf Monate nach Grundsteinlegung eingeweiht.
1986 wurden Bauschäden am Kirchturm festgestellt. Insbesondere im Bereich der Glockenstube lösten sich Betonteile, wodurch der Platz um den Kirchturm abgesperrt werden musste. Die Statik des Turms war von den Schäden nicht betroffen. Es folgte eine Sanierung. In der Zeit von Oktober 1991 bis Februar 2014 war Pfarrer Uwe Leising zunächst als Pfarrer im Entsendungsdienst, anschließend als Pfarrer zur Anstellung in der Kirchengemeinde Wanne-West tätig. Er wurde am 5. Juli 1992 in der Auferstehungskirche ordiniert. Am 23. Juni 1996 wurde das für die Jugendarbeit neu geschaffene Jugend-Café eröffnet. Am 12. Februar 1999 erhielt der Turm der Auferstehungskirche, der vom Architekten Friedrich Wilhelm Kölsche ohne krönendes Kreuz konstruiert worden war, erstmals ein Kreuz, das seitdem auch als Mobilfunkantenne dient. Dieses hat eine Höhe von 7 m und wiegt 1,1 t.WAZ, Ausgabe Nr. 37 vom 13. Februar 1999, Lokalteil Wanne-Eickel: Evangelische Kirche hat nun direkten Draht nach oben.
Im Rahmen der Neustrukturierung des Evangelischen Kirchenkreises Herne schlossen sich die ehemals selbständigen Kirchengemeinden Wanne-Mitte, Wanne-Süd und Wanne-West zum 1. Januar 2009 mit rund 7.300 Gemeindemitgliedern zur Evangelischen Matthäus-Kirchengemeinde Wanne zusammen. Namensgeber für die neue fusionierte Gemeinde war der Apostel Matthäus. Im Jahr 2019 wurden sämtliche evangelischen Kirchengemeinden in Wanne-Eickel zur Evangelischen Kirchengemeinde Wanne-Eickel mit den Bezirken Crange, Eickel, Holsterhausen, Röhlinghausen und Wanne zusammengeführt. Die Auferstehungskirche gehört seitdem gemeinsam mit der Zwölf-Apostel-Kirche zum Bezirk Wanne. Nach der Pensionierung von Pfarrer Kurt Blecher im Januar 2020 wurde der derzeit amtierende Hans-Paul Ullrich am 12. Januar 2020 mit Wirkung zum 1. Januar 2020 vom Superintendenten Reiner Rimkus in das Amt des Gemeindepfarrers eingeführt.
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