mini|Karte Babyloniens mit Eschnunna Ešnunna oder Eschnunna (das heutige Tell Asmar) war ein sumerischer Stadtstaat. Es war die zentrale Stadt an der unteren Diyala in Sumer und hatte schon im 3. Jahrtausend v. Chr. Handelsbeziehungen zum damals noch nicht entwickelten Gebiet Elam. Der sumerische Einfluss dieser Stadt auf Elam war relativ bedeutend, da dort zeitweilig auch eine Unterwerfung unter die sumerische Herrschaft erwogen wurde. Zu dieser Unterwerfung kam es jedoch nicht. Eschnunna befand sich 12,6 Meilen nordwestlich von Tell Agrab und 15 Meilen nordwestlich von Tell Ishchali. Obwohl die Stadt im Diyala-Tal nordwestlich von Sumer lag, gehörte sie dennoch fest zum sumerischen Kulturmilieu. In archäologischen Abhandlungen wird sie manchmal als Ashnunnak oder Tuplias bezeichnet.
Eine weitere aus Inschriften bekannte Bezeichnung für die Stadt und ihr Umland ist „Land Tupliaš“ beziehungsweise Ašnunnak.Eduard Meyer: Geschichte des Altertums. Darmstadt 1965, 8. Auflage, Bd. 1/2, S. 554. Digitalisat
Geschichte Die Ursprünge Eschnunnas gehen auf eine nicht sumerische bzw. nicht semitische Bevölkerungsschicht zurück. Der ursprüngliche Name lautete Ischnun, woraus sich in der sumerischen Sprache Eschnunna (sumerisch für Heiligtum des Fürsten) bildete. Interessant ist, dass offensichtlich auch Babylon (ursprünglich Babilla, dann Bab-ilim, Griech. Babylon) nicht sumerischen oder semitischen Ursprungs ist. Eschnunna war schließlich auch eine der ersten Städte, die sich während der III. Dynastie von Ur von der Zentralregierung lossagten. Dies wird durch das Ausbleiben von Urkunden des Ensi (mögl. Ituria) in Ur dokumentiert (im Jahr 3 des Königs Ibbi-Sin von Ur, um 2000 v. Chr.). Der Sohn Iturias, Ilschuilija, nannte sich in der Folgezeit „Mächtiger König des Landes Warium“ (das Diyala-Gebiet, das von Eschnunna beherrscht wurde). Die Königsbezeichnungen scheinen maßlos übertrieben und entsprachen nicht den tatsächlichen politischen Verhältnissen der damaligen Zeit. Eine Nachfolge von Ur konnte Eschnunna nicht antreten.
Altbabylonische Zeit Eschnunna existierte auch in der altbabylonischen Zeit zunächst noch als selbständiger Staat. Er erlangte unter der Regierung Narām-Sins Macht über große Teile Zentralmesopotamiens. Möglicherweise entstand auch während Narām-Sins Herrschaft der sog. Codex Eschnunna, eine Sammlung von Preisbestimmungen und Rechtsverordnungen. Dāduša kämpfte erfolgreich zusammen mit Šamši-Adad I. gegen den Stadtstaat Qabra. Nach dessen Tod errang Ibâl-pî-El II. bedeutende Siege gegen Assur und Mari.
Eschnunna geriet schließlich nach einem verlorenen Krieg auf der Seite der Elamiter (mit denen es Koalitionen einging), der Gutäer, Subartus und Malgiums 1763 v. Chr. und 1761 v. Chr. unter die Herrschaft Hammurapis von Babylon (30.–32. Jahr seiner Herrschaft).
Ende des 18. Jahrhunderts v. Chr. gab es unter den Nachfolgern Hammurapis Rebellionen der unterworfenen Städte, an denen auch Eschnunna beteiligt war. Šamšu-iluna von Babylon bezwang in seinem 20. Regierungsjahr die Krieger aus Eschnunna. Wenig später kam es zu erbitterten Abwehrkämpfen der Babylonier gegen die Kassiten, die aber unaufhaltsam in die babylonischen Gebiete vordrangen. Eschnunna hat als Stadt weiter existiert, verlor aber völlig seine politische Unabhängigkeit und spielte somit auf der (welt-)politischen Bühne keine Rolle mehr.
Gebäude Šusîn-Tempel Der Šusîn-Tempel (in früheren Publikationen als Gimilsin Tempel bezeichnet)Heinrich: Die Paläste im Alten Mesopotamien. 1984, S. 45 wurde vermutlich von dem Statthalter von Ešnunna, Ituria, begonnen und von seinem Sohn und Nachfolger Ilushuilia fertiggestellt. Den Tempel hat Ituria für seinen Herrn, dem König Šu-Sin von Ur, welcher sich vergöttlichen ließ, gebaut. Westlich vom Tempel wurde später ein Palastgebäude gebaut, davor stand er frei. Westlich vom Palast befindet sich ein kleinerer Tempel, der als "Palastkapelle" bezeichnet wird und dessen gewidmete Gottheit unklar ist. Der Šusîn-Tempel ist nach dem Prinzip des Hürdenhauses gebaut. Es lässt sich eine Achse von Cella, Vorraum und Tor ziehen. Der Tempel hat außergewöhnlich dicke Mauern und ist mit Würdenzeichen an Tor und Wänden verziert, während die "Palastkapelle" dünnere Wände, dafür aber eine höhere Raumanzahl hat. Es ist anzunehmen, dass die "Palastkapelle" für alltägliche Zwecke benutzt und der Šusîn-Tempel nur zu bestimmten Anlässen und nur von wenigen Personen genutzt wurde. Nach der Ur-III-Zeit und den verschiedenen Umbauphasen des Palasts und Tempels standen die Tempelmauern weiterhin, die Räumlichkeiten wurden jedoch anderweitig verwendet.
Abu-Tempel
Die Bezeichnung Abu-Tempel lässt vermuten, dass die mit diesem Namen bezeichnete Kultstätte der Gottheit Abu geweiht war. Die Zuweisung ist zurückzuführen auf einen Hortfund, der bei Grabungen im 20. Jahrhundert in der Nähe des Tempels entdeckt wurde. In einem gemauerten Versteck konnten Archäologen Kupfergefäße, die bei kultischen Handlungen eingesetzt worden waren, sicherstellen. Auf einem der Gefäße entdeckten sie den Namen des Gottes Abu. Sie vermuteten, dass die Gegenstände zum Eigentum des Tempels gehört hatten und gaben dem Komplex den Namen Abu-Tempel. Die Richtigkeit der Zuweisung ist jedoch nicht gesichert.
Henri Frankfort teilt die Baugeschichte der Kultstätte in drei Phasen ein: Archaic shrine, square temple und single shrine.
Archaic shrine
Der erste Bau eines Tempels an dieser Stelle erfolgte in der späten Ǧemdet Nasr-Zeit um 3000 v. Chr. und wies einen unregelmäßigen Grundriss auf, der wohl der dicht bebauten Umgebung geschuldet war. Mit dem ersten Umbau nahm die Kultstätte die für diese Gebäude übliche Struktur an: ein lang gestreckter Raum, bei dem an der vom Eingang weit entfernten Schmalseite ein erhöht stehender Altar errichtet war. Davor lag ein niedriger Altar in runder oder viereckiger Form. Ein Seitenanbau mit Sakristei und Vorcella gehörten ebenso dazu wie ein Altar im Bereich des Vorhofs.
Square temple
Um an diesem Ort verschiedenen Gottheiten – darunter mindestens einer Göttin – huldigen zu können, wurden – so vermutet Heinrich – drei Heiligtümer mit weiteren Räumen so angeordnet, dass die Gebäude einen Hof umstanden. Dieses Gebäudeensemble wurde unter dem Namen „square temple“ bekannt. Unter dem Fußboden des Tempels entdeckten die Archäologen mehrere altfrühdynastische Rundplastiken von unterschiedlicher Größe, die sie in die Zeit zwischen 2800 und 2600 v. Chr. datierten. Dazu gehörten eine männliche, 72 cm hohe und eine weibliche, 59 cm hohe Weihefigur mit extrem großen Augen und sehr vereinfacht dargestellten Körpern.
Single shrine
Es konnte noch nicht geklärt werden, warum um 2400 v. Chr. – in frühdynastischer Zeit – die Bauweise vom „square temple“ aufgegeben und zu einem Heiligtum, das aus einem Raum und angefügter Sakristei bestand, zurückgekehrt wurde. Später – in akkadischer Zeit – wurde die als Herdhausform bezeichnete Architektur noch einmal verändert und der Kultraum mit einer ungewöhnlich dicken Mauer, die mit einem in der Mitte liegenden Durchlass ausgestattet war, in Vorraum und Cella getrennt. Sobald der Gläubige vom Vorraum aus auf die Cella zuging, sah er sich dem Kultbild unmittelbar gegenüber.
Herrscherpalast Der Palast der Herrscher von Ešnunna wurde von Ilušuilia, Iturias Sohn, neben den Tempel von Šusîn gebaut. Es handelt sich hierbei wohl um keine Residenz, sondern diente Verwaltungszwecken; eine eindeutig als solche erkennbare Wohnung gibt es nicht. Das Haupthaus des Palastes bestand aus einer dreiteiligen Anlage mit einem Mittelsaal, einem diesem vorgelagerten "Thronsaal" oder Empfangsraum, einem quadratischen Hof und einigen Nebenräumen. In der Halle des Mittelsaals und den anliegenden Räumen wurden Tontafeln gefunden, weshalb die Nebenräume von Lloyd als "government offices" interpretiert werden. Der Empfangsraum weist keinerlei Einrichtung auf, kann aber auf Grund seiner Lage zwischen Hof und Mittelsaal als solcher interpretiert werden. Nördlich des Empfangsraums befindet sich eine nachträglich eingebaute Treppe, die auf das Dach oder in ein Obergeschoss führte. Westlich vom Hof befindet sich die sogenannte "Palastkapelle", an der sich Einrichtungen zur Reinigung anschließen. Die Westecke des Palastes und die Nordwestseite des Hofes interpretiert Lloyd als das königliche Quartier, was Heinrich auf Grund der geringen Größe jedoch für unwahrscheinlich hält. Auffallend an dem Palast ist, dass es nur die notwendigsten Einrichtungen für den normalen geschäftlichen Betrieb und einer bescheidenen Repräsentation besitzt und gleichzeitig mit einer reichlich ausgestatteten "Palastkapelle" verbunden und entworfen ist.
Der Palast wurde im Laufe der Zeit mehrere Male umgebaut, so dass unter anderem die "Palastkapelle" verschwand. Zur Zeit von Bilalama wurde der große Staatstempel säkularisiert und von dem Palast absorbiert, sodass die Gebäude miteinander verbunden waren. Neben ein paar Änderungen im Grundriss waren die Mauern größtenteils noch wie vorher vorhanden, der Platz wird jedoch für Werkstätten genutzt. Die Treppe nördlich des "Thronsaals" ist verschwunden, dafür gibt es ein neues Wohnquartier an der Westecke des Palastkomplexes, welches sich zum Teil über den Mauern der früheren "Palastkapelle" befindet. Von letzterer ist nicht mehr viel erhalten, an ihrer Stelle befindet sich nun ein Hof, der in den Haupthof führt, wobei der Sinn der Anlage nicht zu erkennen ist. Die Wohnanlage befindet sich auf einer Terrasse, die über eine Treppe zu erreichen ist. Es ist relativ klar, dass es sich hier um eine Wohnung handelt, aber ob es sich um die des Herrschers handelt, ist zu bezweifeln. Heinrich vermutet, dass das Gebäude immer mehr zweckentfremdet wurde und als ein gewerbliches Gebäude genutzt worden sein könnte.
Der Nordpalast Im Norden von Ešnunna, südlich angrenzend an eine als Stadtmauer bezeichnete StrukturUr: Southern Mesopotamia. 2012, S. 542–543, befindet sich ein Gebäude, das aufgrund seiner Größe (ca. 75 m Länge) und Zeitstellung von den AusgräbernFrankfort: Tell Asmar, Khafaje and Khorsabad : third preliminary report of the Iraq expedition. 1934, S. 23 ff. Abb. 20 zunächst als Akkadian Palace, später als Northern Palace angesprochen wurde. Allerdings dürfte es sich nicht um einen Herrscherpalast handeln, da es keinen Thronsaal gibt.Heinrich: Die Paläste im Alten Mesopotamien. 1984, S. 31 f. Das Gebäude hat wohl eher eine Art von Gewerbebetrieb beherbergt, in dem vielleicht Stein- und Keramikgegenstände angefertigt oder Stoffe gefärbt wurden. Außerdem dürfte es als Wohnung des Besitzers gedient haben.Henrickson: Elite Residences in the Diyala Region. 1982, S. 24–32 Interessant ist aber vielleicht im Gegensatz dazu die Beobachtung, das sich längs der östlichen Raumreihe nicht weniger als 5 Räume mit Anschluss an ein aufwändiges Abwassersystem – Heinrich nennt sie Aborte – und noch einige andere Stellen, an denen man sich waschen konnte, befunden haben und dass eine akkadische Tontafel, die sich im Schutt über der Ruine des Hauses befunden hat und deren Text von einem 'Frauenhaus' spricht, einen Hinweis auf die Art dieser gewerblichen Anlage geben könnte.Heinrich: Die Paläste im Alten Mesopotamien. 1984, S. 31Delougaz: Private Houses and Graves in the Diyala Region. 1967, Taf. 37, 40
Esikil-Tempel Das Hauptheiligtum der Stadt war der Esikil genannte Tempel, der ursprünglich dem Gott Ninazu gewidmet war. In altbabylonischer Zeit stieg stattdessen Tišpak zum Hauptgott der Stadt auf.
Frühdynastische Häuser